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^ 179. Dienstag den 5. Augnst. 18?3*
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." enthält: 1) Verordnung, betreffend die anderweite Feststellung des Etats der Verwaltung des Reichsheeres für das Jahr 1873. Vom 12. Juli 1873. 2) Verordnung, betreffend die Beschaffung der Kautionen der Post- und Telegraphenbeamten. Vom 12. Juli 1873. 3) Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Apotheker. Vom 15. Juli 1873. 4) Verordnung, betreffend die Einberufung der Bezirkstage und der Kreistage. Vom 23. Juli 1873.
— Bis zum 12. Juli d. Js. waren in den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 634,820,740 Mark und in Zehnmarkstücken 126,662,630 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 13. bis 19. Juli d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken: in Berlin 5,608,780 Mark, in Hannover 1,800,320 Mark, in Frankfurt a. M. 3,367,280 Mark, in München 1,745,340 Mark, in Dresden 1 320,620 Mark, in Stuttgart 954,180 Mark, in Karlsruhe 270,700 Mark und in Darmstadt 376,000 Mark.
Die Gesammt-Ausprägung stellt sich daher bis zum 19. Juli d. Js. auf 776,926,590 Mark, wovon 650,263,960 Mark in Zwanzigmarkstücken und 126,662,630 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Dem Adrianus Kaptyn und dem Johannes Hendrik Gentis, beide zu Woerden in den Niederlanden, ist für das diesseitige Staatsgebiet die Erlaubniß zur Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn von dec niederländisch-preußischen Landesgrenze bei Coeverden über Neuenhaus und Nordhorn nach Salzbergen ertheilt worden.
— Von welcher Art die zn wenig beachteten Hetzereien der kleinen katholischen Presse in Preußen mitunter sind, beweist ein von der „Schles. Zeitung" reprvdnzirter Artikel der von Herrn Florencourt redigirten „Neisser Zeitung": „Im Grunde haben wir Katholiken, trotz des wohlwollenden Charakters Friedrich Wilhelm IV., trotz Verfassungsurkunde u. j. w. bis auf den heutigen Tag noch nicht aufgehört, Preußen zweiter oder noch tieferer Klasse zu sein. Was „Patriotismus" anbelangt, so heischt man in jeder Hinsicht mehr von uns, als man irgend einer andern Klasse preußischer Staatsbürger und Unterthanen unter gleichen Verhältnissen zu verlangen sich getrauen würde; was aber dann die entsprechende Berücksichtigung unserer Interessen und Gefühle anbelangt, so scheint es Vielen (merkwürdigerweise auch Katholiken) als ganz selbstverständlich, daß wir im preußischen Staate zuletzt rangiren unb daß wir wo möglich, die Lust, die wir athmen, noch als eine besondere Gnade des Königs und des Staates ansehen sollen. Am Aergsten steht es damit in Schlesien. In Rheinland und Westphalen würde man es sich nicht herausnehmen, stockkatholighe Kreise vorwiegend mit katholikenfresserischen Lanbräthen zu versehen, deren angeborne und anerzogene Gefühle und Vvrurtheile sie beim besten Willen hindern müssen, sich mit der von ihnen regierten Bevölkerung in Fühlung und Einklang zu erhalten. Der Katholik ist von Geschichte, der Schlesier dazu noch von Geburt oftmals ein recht geduldiges Schaf; er muckst nicht einmal, wenn er geschoren wird." Dergleichen verfängt bei jener Voltsk asse, welche hauptsächlich diese Blättchen liest. •
P ader boru, 31. Juli. Die „Ess. Volksztg." meldete
-vor einigen Tagen, ein westphälischer Graf habe sich beim bischöflichen Gcneral-Vieariate erboten, den Professoren der hiesigen ph'losophisch-theologischen Lehranstalten das ihneu von Seiten des Staates entzogene Gehalt aus seiner Tasche zu zahlen. Der „W. M." kann diese Meldung als vollkommen richtig bestätigen.
— Dresden, 4. August. Nachdem der König sich den ganzen gestrigen Tag über wieder matt und angegriffen gefühlt, konstatirt das soeben aus Pillnitz eingetroffene Bulletin, daß der König ziemlich gut geschlafen und die Kräfte sich dadurch etwas gehoben haben.
— Main z, 31. Juli. Im welfischen Lager scheint man neuerdings die Bildnng einer neuen Legion zu beabsichtigen. Eine hannover'sche Korrespondenz des „Mainzer Journals" pläi- dirt für die carlistischen Werbungen, die neuerdings hie und da in Deutschland bemerkt worden sein sollen, und meint, daß ein Sieg des Dou Carlos für ganz Europa, „besonders aber für unser Vaterland", von nützlichen Folgen begleitet sein würde. Das „Mainzer Journal" bemerkt dazu, daß Dou Carlos keine Ausländer annehme, meint aber trotzdem, daß der Kampf für diesen Fürsten ein Kampf für eine Idee und kein Landsknechtsdienst sei. Landsknechtsdienst ist nach Meinung des bischöflichen Mainzischen Organs nur der Kampf „um Sold, um Carriere, um Dotationen, um Orden." Was demnach in der Meinung des Kettelerfichen Organs eigentlich Landsknechte sind, unterliegt wohl keinem Zweifel, die siegreichen Generale der letzten Kriege stehen dabei in erster Linie. Daß dabei das Andenken der unter Wellington in Spanien versammelten „deutschen Legion" durch die Parallele mit einer für die Carlisten unter dem Hintergedanken an andere Zwecke zu sammelnden Legion verunglimpft wird, versteht sich nach dem Gesagten wohl einigermaßen von selbst. Offenbar handelt es sich für die hanuover'scheu Faiseure darum, der Sache ein harmloses Mäntelchen umzuhäugeu.
—■ MüncheN. An die bayerischen Studieurektvrate ist vom Cultusministerium eine Zuschrift ergangen, in welcher es auf das Strengste verboten wird, daß Schüler verschiedener Anstalten sich, wie dies öfter geschehen, zu gemeinsamen Trinkgelagen zusammenfinden und bestellen.
—• Bern, 2. Augnst. Die Sitzungen des Nationalraths und Ständeraths wurden heute durch die betreffenden Präsidenten geschlossen. — 3. August. Der Bundes-Präsident Ceresole bat die Einladung des Kaisers von Oesterreich zur Wiener Weltausstellung Mit Rücksicht auf die wichtigen noch schwebenden Geschäfte dankend abgelehnt.
— Versailles, 3. August. Die „Correspondance de Versailles" bespricht die von Frankreich Spanien gegenüber einzn- halteiide Politik und erklärt dabei, Frankreich beschränke sich auf Beobachtung einer vollständigen Neutralität, die französische Regierung neunte weder für die Regierung in Madrid, noch für die dar listen Partei, habe die spanische Republik nicht anerkannt und unterhalte mit derselben nur diejenigen rein offiziösen Beziehungen, welche von den Rücksichten einer guten Nachbarschaft geboten würden. In die lediglich inneren Schwierigkeiten Spaniens dürfe sich Frankreich nicht euimgchen, jeute ganze Thätigkeit müsse sich gegenwärtig baraitf beschränken, seine eigenen Grenzen gegen Spanien hin zu sichern und in Spanien selbst