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Muttergottes aus der Buche im Walde von St. Quirin nicht an der erforderlichen Ernüchterung fehle, und damit sie von vornherein erkennen mögen, daß es doch nicht so ganz ungefährlich ist, in französischer Weise mit den Gesetzen zu spielen, so haben die ersten Remeduren noch einen weiteren Abschluß erhalten. Es ist nämlich all denjenigen Personen, welche die „heilige Buche" abgeschält hatten, um ein Stückchen Rinde als Talisman mitzunehmen, der Prozeß aus Grund des code fo- restier gemacht, und jeder Waldfrevler unerbittlich in eine Strafe von 50 Fr. genommen worden. Ebenso hatte Jeder, der nach Erlaß der Präsidialverordnung noch auf dem Terrain des Waldes von St. Quirin betroffen wurde, wegen unbefugten Betretens von Waldungen 10 Fr. Strafe und die Prozeßkosten zu erlegen Die ruhige und nüchterne Anwendung des Gesetzes hat denn auch entsprechend gewirkt.
— Die Staatsministerien des k. Hauses und des Aeußern, des Innern beider Abtheilungen und der Finanzen zu Bayern haben unterm 26. v. Mts. densämmtlichen Staats- und sonstigen öffentlichen Kassen die fernere Annahme der österreich. Ein- und Zwei- Guldenstücke untersagt, und bleibt die Annahme der niederländischen Ein- und Zweieinhalb-Guldenstücke, welche in Bayern als kassamäßige Münzen bisher nicht zugelassen waren, auch ser- nerhin ausgeschlossen.
— Wien, 1. August, Vormittags. Die heutigen Morgenblätter konstatiren übereinstimmend, daß die von dem Bau- banken-Komitè vorgenommenen Erhebungen über den Stand der einzelnen Banken zu im Allgemeinen günstigen Ergebnissen geführt haben. — Das Komita zur Vermittlung von Ausgleichen mit den Insolventen hat gestern seine Thätigkeit mit theilweisen Erfolgen begonnen. — Die oberösterreichische Jndustriebank ist in Folge des Andranges dec Gläubiger gezwungen gewesen den Konkurs anzumelden. — Zum Schutze gegen Einschleppung der Cholera ist ein Verbot der Einfuhr von Lumpen und Hadern Italien gegenüber erlassen worden. (R.u. st. st.)
— Paris, 1. August, Vormittags. Die dentschen Truppen haben heute früh 6 Uyr Nancy geräumt.
— Ueber die gegen Bazaine gerichtete Anklageschrift meldet der „Figaro" : „Der Bericht des Generals Rivière besteht aus vier verschiedenen Theilen, die vier Bände füllen. Der erste Band faßt alle Anklagepunkte zusammen; der zweite ist speziell der Artillerie, der dritte den Lebensmitteln, der vierte den Kommunikationen gewidmet. Der Marschall ist angeklagt: 1) mit dem Feinde kapitulirt und den Platz Metz, dessen oberster Kommandant er war, übergeben und nicht zuvor alle Ver- theidungsmittel erschöpft zu haben; 2) als Oberkommandant der Armee von Metz im offenen Felde eine Kapitulation, wonach feine Truppen die Waffen zu strecken hatten, unterzeichnet und, ehe er sich mündlich und schriftlich auf Unterhandlungen einließ, nicht Alles ausgeboten zu haben, was ihm die Pflicht und die Ehre vorgeschrieben^ Verbrechen, welche in den Artikeln 209 und 210 des Militair-Strafgesetzbuches vorausgesehen sind. Wird der Marschall dieser Verbrechen für schuldig erkannt, so muß den erwähnten Artikeln gemäß die Todesstrafe erfolgen."
— Madrid, 31. Juli, Abends. Die von den Insurgenten nach Almeria gesandten Fregatten haben, an der Einnahme der Stadt verzweifelnd, die dortigen Gewässer verlassen.
(Neue Frankf. Pr.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 1. August aus Frankfurt a. M.: Das Jmmobiliengeschäft war in dem nun verflossenen Monat Juli noch schlechter als im Juni. Die Geldknappheit macht sich in jeder Beziehung höchst sühlbar. In der Stadt wurden nur 8 Häuser in engen Straßen verkauft; daß die dafür bezahlten Preise keine allzuhohen sind ist selbstverständlich; das theuerste Objekt wurde mit 50,000 fl. bezahlt. — Die Zahl der Typhuskranken hat in den letzten Tagen, namentlich unter der arbeitenden Classe zugenommen. Nicht weniger als 6 von dieser Krankheit Befallene wurden gestern in's Spital ausgenommen. — Heute Morgen wurden die in letzter Assisensitzung Verurtheilten, fest aneinanbergefettet, in's Zuchthaus nach Dietz abgeführt. — Der Staat hat, wie wir verneh
men, eine Million Gulden für den Rhein-Main-Kanal von Frankfurt nach Mainz bewilligt.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 2. August.
—d. Es hält den Producenten doch gar zu schwer einzugestehen, daß unser Herrgott in diesem Jahre Alles reichlich hat wachsen lassen und gefallen denselben die seitherigen hohen Preise gar zu gut; allein trotz Allem und Allem sind sie, besonders bei Gemüsen, nicht mehr zu halten. Wir notiren heute Butter mit 42—46 kr., Eier 2 kr., im Hundert fl. 3, Käse 6, 7 und 8 Heller, Gurken im Hundert 1 fl. 24 kr. bis 1 st. 30 kr., Bohnen â Mahne 1 fl. bis 1 fl. 12 kr., Blumenkohl 12 kr., Weißkraut 5 und 6 kr. per Kopf, Kartoffeln per Doppelliter 4^2 bis öVa kr., junge Tauben das Pärchen 24 und 30 kr. und Holz â ff Meter fl. 6 30 bis fl. 7. Die bayerischen und darmstädtischen Verkäufer weigerten sich die österr. Guldenstücke zu nehmen und wäre dringend zu wünschen, wenn auch hier am Orte recht bald Klarheit in den Werth dieser Münze käme.
— Wasscrstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,43 Meter; Mainwasferwärme 21 Grad.
— Bruchköbel, 2. August. Dienstag den 29. Juli, Nachmittags gegen 2 Uhr entlud sich über Bruchköbel und den angrenzenden Gemarkungen ein furchtbares Gewitter. Der Blitz schlug unterhalb der Fechenmühle in eine am Krebsbach stehende Erle mit solcher Gewalt, daß die ältesten Leute versichern, eine ähnliche Wirkung des Blitzes noch nicht gesehen zu haben. Es ist ein grausenhafter Anblick, wie der Baum ganz und gar zerfetzt ist. Die Erle hatte eine Höhe von ca. 50 und an der Wurzel eine Dicke von ungefähr P/2 Fuß Durchmesfer. Etwa 15 Fuß vom Boden ist die Spitze abgeschlagen und theilweise der Aeste und Blätter beraubt; das Stammende aber, der Länge nach gespalten, ist zur Hälfte mit den Wurzeln aus der Erde gerissen und die andere Hälfte dicht am Boden abgebrochen. Stücke von diesen beiden Hülsten, an denen 2 Mann zu tragen haben, sind 15—20 Sä.ritt hinweg geschleudert worden, größere und kleinere Fetzen, Splitter und Späne liegen nach allen Richtungen hin 100 bis 150 Schritte von der Stelle entfernt umher. Alle Stücke sind der Länge nach gespalten und theilweise nur lose zusammenhängende Splitter, von denen ein großer Theil senkrecht in die Erde getrieben ist, sogar sind ganz dünne Zweige senkrecht in der Erde steckend zu bemerken.
Es verlohnt sich der Mühe, die Wirkung dieses merkwürdigen Phänomens mit eigenen Augen zu sehen, denn auch die geschickteste Feder vermag diese nicht so lebhaft zu schildern, wie es die Wirklichkeit vor Augen stellt. L......
X Orb, 1. August. Das Gewitter vom 29. hat auch uns heimgesucht und seine Spuren hinterlassen. Ein Blitzstrahl fuhr in einen Stall und brannte derselbe nieder.
— Fulda, 30. Juli. In der neuesten Nummer des „Fuldaer Anzeigers" findet sich ein, „von den Katholiken und einigen Protestanten Hersfelds" unterzeichnetes Inserat, in welchem die Einsender allen Ernstes „als Protest gegen die bei Gelegenheit des Anti-Jesuitenschmauses von einem dortigen katholischen Lehrer und mehreren liberalen Protestanten vorgetragenen Reden, Lieder und profanen Gesänge Sr. Heiligkeit dem Papst Pius IX. und den nur zu sehr verläumdeten Herren Jesuiten ein donnerndes Hoch" bringen. Es würde in hohem Grade erwünscht sein, die Namen derjenigen Protestanten namentlich kennen zu lernen, welche in dieser Weise dem Papste und den „Herren" Jesuiten ein donnerndes Hoch bringen. Das. Suchen nach diesen angeblichen Protestanten dürste jedoch vergeblich sein, da es ja schon seit geraumer Zeit ein sehr beliebter Kunstgriff der Ultramontauen ist, geeigneten Falles mit Erklärungen von Protestanten zu prahlen, deren Namen die Welt indeß nie erfährt. In der „Germ." sind allwöchentlich Artikel von „Protestanten" zu lesen, die an Ultramontanismus das Aeußerste leisten. Das Mittel ist aber doch bereits viel zu verbraucht, als daß es noch ziehen sollte. M- w«-
— Fulda, 1. August. Das hiesige Knabenseminar ist we-