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N 172
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Corresvondenz.
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Montag den 28. Juli
1873
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." enthält Gesetz, betreffend die Abänderung des Vereins-Zolltarifs. Vom 7. Juli 1873.
— Der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn-Gesellschaft ist bezüglich des diesseitigen Staatsgebiets die Erlaubniß zur Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Wittenberg über Düben nach Leipzig ertheilt worden.
Dem Mechaniker Ernst Kuhlo zu Stettin ist unter dem 23. Juli 1873 ein Patent auf einen Kompaß, soweit derselbe nach der vorge^egten Zeichnung und Beschreibung als neu und eigenthümlich erkannt ist, ohne Jemanden in der Benutzung. bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Auf Grund des §. 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 hat der Bundesrath vorbehaltlich der Genehmigung des nächstfolgenden Reichstages beschlossen, das in diesem §. 16 enthaltene Verzeichnis konzessionspflichtiger Anlagen auf Hopfen- Schwefeldörren, Asphaltkochereien und Pechsiedereien, sofern sie außerhalb der Gewinnungsorte des Materials errichtet werden, Strohpapierstoff-Fabriken und Darmzubereitungs-Anstalten aus- zndehnen.
— Der evangelische Oberkirchenrath hat neuerdings die Konsistorien angewiesen, den Geistlichen zu eröffnen, daß die Be- stimniungen des Gesetzes über die kirchlichen Zucht- und Strafnuttel in aller unb jeder Beziehung zur Ausführung kommen. Dadurch fallen denn viele veraltete, heutzutage doch nur einen injuriösen Charakter tragende Förmlichkeiten weg: so der Tadel, der in einzelnen Landestheilen Denen ertheilt wird, die, in gemischter Ehe lebend, die Kinder katholisch erziehen ließen und dergl. m. Zunächst wird aber auch der Oberkirchenrath selbst nicht mehr eine Anordnung treffen können, wie er sie vor etwa zwei Jahren zur Verhütung des Uebertritts zum Judenthum getroffen hat. Man sieht also, daß das Gesetz nicht ausschließlich gegen die Katholiken gerichtet war.
— Die preußische Regierung läßt gegenwärtig die von 1750 bis einschließlich 1816 auf freien Stempeln und die von 1817 bis 1822 im Ringe geprägten preußischen Thalerstücke durch ihre Kassen dergestalt einziehen, daß, wenn sie an diese gelangen, sie von dort nicht mehr in Umlauf gesetzt werden dürfen, sondern der Hauptmünze in an'zugebender Frist zugesandt werden müssen. Es versteht sich daher ganz von selbst, daß sie im Verkehre und im Publikum ihren vollen Werth haben. Auch wird bekanntlich auf Grund des Reichsmünzgesetzes mit weiterer Einziehung der bisherigen groben Silbermünze vorgegangen werden, um den neu einzuführenden Münzstücken Platz zu machen, wozu natürlich erst ein bedeutender Vorrath gehört, der sich auf 4000 Millionen, oder, um bei der Milliardenziffer stehen zu bleiben, 4 Milliarden Stück nach ungefährem Anschläge belaufen wird.
— Bis zum 5. Juni d. Js. waren iü den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 620,777,600 Mark und in Zehnmarkstücken 126,662,630 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 6. bis 12, Juli d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken : in Berlin 5,561,820 Mark, in Hannover 1,954,780 Mark, in Frankfurt a. M. 3,110,220 Mark, in
München 1,672,920 Mark, in Stuttgart 945,140 Mark, in Karlsruhe 548,260 Mark und in Darmstadt 250,000 Mark.
Die Gesammt-Ausprägung stellt sich daher bis 12. Juli d. Js. auf 761,483,370 Marff wovon 634,820,740 Mark in Zwanzigmarkstücken und 126,662,630 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Berlin, 23. Juli. Eine große Zahl von Fabrikanten der Wollenweber-Branche hatte an die Meister desselben Gewerbes die Mittheilung gelangen lassen, daß sie, wenn nicht ohne Lohnerhöhung weiter gearbeitet würde, die bereits auf den Stühlen befestigen Weberketten wieder abnehmen würden. Dieser Beschluß wurde am Sonnabend zum Theil ansgeführt. Die Abnahme der Ketten geschah durch eine starke Kolonne von Beauftragten, die mit einem Wagen von einem Meister zum andern fahren. An einzelnen Stellen gab es natürlich bei dem Geschäft sehr unangenehme Scenen, llebrigens will man jetzt von Seiten der Fabrikanten die Gründung eines Einigungsamtes erstreben.
— Mannheim. Hier hat sich ein Comité gebildet, um die den Mannheimer Bahnhof passirenden Truppen der Okkupationsarmee mit Erfrischungen zu versehen, welche bei der großen Hitze allerdings sehr willkommen sein werden. Gemeinderath llangeloth zu den „Drei Glocken" nimmt alle hiefür bestim- ten Gaben an Geld, Wein, Fleisch re. entgegen.
— Dem „Erml. Volksbl." wird aus Marienwerder geschrieben : Einem polnischen Flüchtlinge wurde auf sein Gesuch um Aufnahme in den preußischen Unterthanen-Verband von einem Landraths-Amt folgender Bescheid zu Theil: „Aus das bei mir abgegebene Gesuch wird Ihnen eröffnet, daß die beantragte Aufnahme in den diesseitigen Unterthanenverband für so lange nicht erfolgen kann, als Sie nicht die deutsche Sprache erlernen, wozu es Ihnen bisher an Gelegenheit nicht gefehlt haben kann." %
— Hannover, 24. Juli. Für den Juristentag, welcher bekanntlich im nächsten Monate hier abgehalten werden soll, hat der Magistrat eine gewisse Summe zu bewillige. beantragt, um die fremden Gäste aus allen Gauen Deutschlands, wenn auch bescheiden, doch der Würde unserer Vaterstadt entsprechend und ihr zur Ehre empfangen zu können. Die particularistische Majorität des Bürger-Vorsteher-Collegiums hat die Bewilligung ab- gelehut, um der Stadt Hannover eine neue Demüthigung zuzufügen. Es tritt nun wieder an die eigentliche Bürgerschaft der Stadt die Pflicht heran, das Ansehen ihrer Vaterstadt aufrecht zu erhalten und dem Magistrate die gewünschten Mittel zur Verfügung zu stellen. (Hanov. Cour.)
— Wien, 24. Juli. Alle bisherigen Erholungen der Börse, schreibt die „Deutsche Ztg.", haben sich als höchst ephemere erwiesen, dem Aufflackern folgte noch jedesmal ein Zurückversinken in den frühren kritischen oder vielmehr einen noch kri- tischern Zustand. Dieselbe Wahrnehmung konnte man auch heute machen; es kamen bei manchen Effekten Kurse zum Vorschein, die als die tiefsten während der ganzen Börsenkrise bezeichnet werden müssen. Aktien der Allgemeinen österreichischen Baugesellschaft, der Italienisch-österreichischen Bank und noch einiger anderer sind noch nie so niedrig gestanden, wie heute. Unb wir fürchten, bei alledem ist der Wermuthskelch noch nicht bis auf