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bund, ohne seinen ursprünglichen Inhalt, schon längst ein Ana­chronismus geworden ist. Sein Scheindasein durch künstliche Mittel noch länger hinzuhalten, ist im Interesse der freiheitlichen Entwickelung des deutschen Volkes keineswegs geboten. Wir machen uns keiner Felonie gegen die deutsche Sache schuldig, wenn wir unsern Posten verlassen, vielmehr müssen wir uns, um uns von einer solchen Schuld frei zu halten, genöthigt sehen, aus unserer amtlichen Stellung, wie damit geschieht, zu scheiden, in­dem wir die Würde des Schützenvorstandes ohne Mißgunst Den­jenigen überlassen, welchen es mehr Befriedigung gewährt, auf einem verlorenen Posten Schildwache zu stehen."

— Die Direktion der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen veröffentlicht ein Tableau mehrerer neu eingerichter Rundreise- Touren, zu welchen Billets zu bedeutend ermäßigten Preisen während der laufenden Sommersaison ausgegeben werden.

— St. Petersburg, 19. Juli. Zwei neue Rettungs­stationen sollen nach Mittheilung des „Kawk." von der kauka­sischen Abtheilung der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger errichtet werden, die eine im Schwarzen Meer bei Poti, die zweite auf der Halbinsel Apscheron im Asowschen Meer. Beide Punkte sind besonders gefährlich für die Schifffahrt.

— London. In Dundee steht ein Polizei-Strike bevor. Die Konstabler beschlossen in einer Versammlung, für den Fall, daß ihre Gehälter nicht entsprechend erhöht würden, am 19. d. ihre unktionen einzustellen.

— Madrid, Dienstag, 22. Juli. In der gestrigen Sitzung der Cortes wurde der Antrag gestellt, gegen die Re­gierung wegen ihres Beschlusses, die zu den Insurgenten über­gegangenen Kriegsfahrzeuge für Piraten zu erklären, ein Ta- delsvotum auszusprechen. Der Antrag wurde indessen mit 110 gegen 90 Stimmen abgelehnt. — Alicante hat sich nach den von dort vorliegenden Meldungen für einen unabhängigen Kan­ton erklärt. — In Karthagena soll eine der in den Händen der Insurgenten befindlichen Fregatten unter dem Kommando eines der Internationalen angehörigen Engländers Namens Price stehen. (R. u. St. A.)

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 23. Juli.

— Der im gestrigen Anzeiger erwähnte Toast auf Se. Majestät den deutschen Kaiser gelegentlich des ersten Festabends zu Kreuznach wurde von I. H. Maurer ausgebracht und lautete folgendermaßen:

„Verehrte Festgenoffen!"

Wir eröffnen heute ein Fest, das nicht nur für unsere engere Heimat, sondern auch für weitere Kreise hohe Bedeutung hat.

Die Gefühle, die uns dabei beseelen, sind freudiger erhe­bender Art.

Wenn wir vor drei und mehr Jahren ein Turnfest feierten, so geschah dieses unter dem Eindruck wehmüthiger ernster Trauer über die Zerrissenheit unseres deutschen Stammes, genährt durch Einfluß engherziger Sonderinteressen und durch im Dunkeln wir­kende lichtscheue Mächte, die unter dem Schilde des Friedens, der Demuth und des Heiligenscheines unsere Zerrissenheit benutzten und für ihre Interessen ausbeuteten, denen unsere Turnerei ein Gräuel war, weil sie den Körper kräftigt, den Geist frisch, frei und fröhlich macht und jene Frömmigkeit verleiht, die den Menschen veredelt.

Es ist jetzt anders geworden. Nach dem deutsch-französischen Kriege brach für Deutschland eine große Zukunft an, den ersten Rang in Europa nahm Deutschland ein, die Schmach von Jahr­hunderten war getilgt, das große schöne Vaterland war eine weltgebietende Macht geworden, man wagt wieder offen und mit Stola zu sagen: „ich bin ein Deutscher."

Die Geschichte dieser letzten Jahre haben wir selbst mit -rchlebt, es ist nicht nöthig, daran zu erinnern, wohl ziemt es sich aber des Mannes zu gedenken, durch dessen Energie und Willenskraft diese nationale Wiedergeburt Deutschlands durch- gesührt wurde.

„Es ist unser Kaiser, unser allverehrter und geliebter Kaiser Wilhelm I."

Lasset uns verehrte Festgenossen unserm Kaiser Wilhelm I. bei der Eröffnung unseres Turnfestes den Tribut unserer Liebe, unserer Verehrung zollen; füllen Sie Ihre Gläser und lassen Sie uns ein dreifaches Hoch ausbringen, möge unser Kaiser Wilhelm I. noch lange in ungetrübter Kraft und Gesundheit sein Werk gedeihen sehen, dem Rechte und der Freiheit zum Schutz, allen Feinden aber zum Trutz, dem deutschen Reiche aber als Wächter nationaler Ehre. Unser Kaiser Wilhelm I. lebe hoch, hoch und nochmals hoch!"

Ein im Anschluß an vorstehenden Trinkspruch an Kaiser Wilhelm abgeschicktes Begrüßungstelegramm erhielt heute fol­gende freundliche Antwort:

„Ems, 20. Juli. An das Fest-Comito des Mittelrheini­schen Turnvereins. Se. Majestät der Kaiser und König lassen für den telegraphisch vermittelten Zuruf freundlichst danken und wünschen denselben erwidernd dem Turnfeste im schönen Nahe- thale einen glücklichen ungestörten Verlauf.

Der Geh. Cab. -Rath v. Wilmowsky."

—d. Trotz polizeilicher Verordnung und trotz Strafan­drohung wird von Einzelnen doch noch viel zu wenig Gewicht auf das Reinigen der Gossen und das mehrmalige tägliche Be­sprengen der Straßen gelegt. Was ersteres anbelangt, so sollte doch Jeder, den es angeht, um so mehr seine Schuldigkeit und eher „ein wenig mehr" als „zu wenig" thun, denn — wie schon mehrmals berichtet wurde — das Auftreten der Cholera an den verschiedensten Orten ist nicht so sehr zu unterschätzen, als viel­leicht Mancber glaubt und Abhaltungsmitter, zu deren letzterem nicht das Reinigen der Straßengossen gehört, sollten wenigstens von Einzelnen nicht unterlassen werden, da im schlimmsten Falle die Säumigen nicht allein sondern auch Andere der Gefahr unter­worfen sind. Was das Besprengen der Straßen betrifft, so dürfte dasselbe — so lange wir eben noch keine städtische Spreng­einrichtung haben — schlechterdings nicht unterlassen werden, das Unterlassen desselben ist große Rücksichtslosigkeit gegen den Ne­benmenschen. Es ist wahrlich kein Vergnügen für Diejenigen, welche viel in der Stadt zu verkehren haben, bei 23, 24 und 25° R. im Schatten (welche Hitze wir seit einigen Tagen haben), in Straßen umherzulaufen, wo die Gießkanne unberührt in der Rumpelkammer liegen bleibt.

—d. In verschiedenen viel gelesenen Blättern wurden in den letzten Tagen energische Aufrufe erlassen, der großen Noth, die das Hagelwetter auf den Fluren Lothringens angerichtet hat, — in einzelnen Gemeinden wird der Schaden auf 100,000 Franken geschätzt, — nach Kräften zu steuern. Hier gilt es, dem wieder­gewonnenen Lande, das durch den letzten Krieg ohnehin stark ge­schädigt wurde, zu zeigen, daß wir es nicht in der Noth stecken lassen und der Sympathie, welche wir für dasselbe von jeher hegten, auch durch die That Ausdruck verleihen. Es ergeht des­halb die Bitte, daß sich schleunigst ein Comitö bilde, welches die -Sache in die Hand nimmt und sich der Vermittelung der ein­gehenden Gaben unterzieht.

A Das Sonneberg'sche Haus am Marktplatz ging für 27,500 fl. an Herrn Hutfabrikanten F. Eckhard über. Herr Eckhard beabsichtigt die Paterre-Lokalitäten in einen Laden zu ver­wandeln, während das Sonneberg'sche Geschäft in den ersten Stock des betreffenden Hauses verlegt wird.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,50 Meter; Mainwasserwärme 20 Grad.

— Kassel, 19. Juli. Da es auch in hiesiger Gegend, so schreibt die N. K. Asi für Landwirthe und Industrielle so schwer hält, die nöthigen Arbeitskräfte selbst zu den höchsten Lohnpreisen zu bekommen, so dürfte es angemessen erscheinen, darauf hinzu­weisen, daß das Kriegsmiuisterium sich schon seit längerer Zeit mit der Verwendung von beurlaubten Soldaten für die Ernte- Arbeiten einverstanden erklärt, aber das Weitere den einzelnen General -Commandos überlassen hat. Die Beurlaubung von Mannschaften kann bis zu einem bestimmten Termine vor Beginn des Regimentsexercirens in so weit gestattet werden als dies mit dem militärischen Interesse und der Ausbildung des Ein-