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tivnale Einigung und nach Außen die ihm schon längst gebüh­rende Achtung erkämpft hat, vorkommen kann, daß zu den Ue­bungen einrückende bayerische Landwehrmänner ohne das Denk­zeichen an den großen Krieg, in dem sie selbst ruhmvoll mitge­kämpft haben, erscheinen und schüchtern cingestehen, ihr Seelsor­ger habe ihnen gesagt, „es sei eine Schande, ein Denkzeichen an einen Krieg zu tragen, in dem sie ihre katholischen Brüder in Frankreich bekämpfen mußten 1" Das ist in oberbayerischen Land­wehrbezirken vorgekommen! Wozu soll ein solches Wühlen, ein solches Hetzen, eine solche Verachtung und Wuth gegen das eigene Fleisch-und Blut dienen, wozu soll.es führen? Gewiß mit Recht sieht jeder wirkliche Patriot mit Grauen und Eckel solchem fana­tischen Getriebe zu, das nur Haß uud Zwietracht schafft und, wenn es nach dem Wunsche der Feinde des deutschen Volkes ginge, unsagbares Unglück über Deutschland und Bayern bringen müßte! Aber muß man nicht mit Recht fragen, wäre es denn in unserm Bayern so weit gekommen, daß offener Verrath am Vaterlande stillschweigend geduldet wird? Die Reden, die der Herr Kultusminister v. Lutz seiner Zeit in der Kammer (bei Ge­legenheit der Herz'schen Interpellation) und später im Reichstage gehalten hat, sind dem Volke wohl noch bekannt, sie konstatiren auch, daß schon damals dem Minister Fälle bekannt waren, die wenigstens theilweise mit unserer heutigen Mittheilung überein- stimmeu! Videant Consules! Es dürfte wohl einmal an der Zeit sein, den Reden auch Thaten folgen zu lassen- ««,,». «w»

— M ü nchen, 20. Juli, Abends 9 Uhr. Spitzeder wurde wegen Verbrechens des betrügerischen Bankerotts zu drei­jähriger Zuchthausstrafe, Rosa Ehinger und Jakob Nebel zu 6monatlicher, Maria Pregler zu 4monatlicher und Gg. Pregler zu imonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt. Bei der Spitzeder nahmen die Geschwornen keine mildernden Umstände an; Ehin­ger, Nebel und Gg. Pregler verlassen frei den Saal, da die Untersuchungshaft abgerechnet wurde.

— Münche n, 20. Juli. Unter dem Vorsitze des Frei­herrn von Loo sand heute Nachmittag hier eine zahlreiche be­suchte Wanderversammlung des Vereins deutscher Katholiken statt.

— Gmünd, 18. Juli. Heute früh um 7 Uhr ereignete sich im Artillerieschießthale ein schrecklicher Unglücksfall. Die Batterie Erlenbusch schoß aus schweren Festungsgeschützen Bom­ben nach der Scheibe. Der zweite Schuß, welcher zu kurz fiel, traf das Blockhaus, in welchem 1 Lieutenant und 4 Mann zur Beobachtung der Schüsse untergebracht waren. Lieutenant Zei­her todt und 4 Mann verwundet. (Letztere 4 nach dem „Rems­boten" leicht.) ’ (Schw. M.)

— Die Regierung des Königreichs Sachsen hat unterm 15. Juli ein Verbot der Annahme der österreichischen Ein- und Zweiguldenstücke, sowie der niederländischen Ein- und Zweiein- Halb-Guldeustücke bei allen Staats- und anderen öffentlichen Kassen erlassen, auch gleichzeitig die seither den Verwaltungen von fiscalischen Unternehmungen ertheilte Ermächtigung zur Annahme österreichischer Eingnldenstücke ausdrücklich zurückgezo­gen. (Ein ähnliches Verbot wird, als auf einem Bundesraths­beschluß beruhend, demnächst wohl von sämmtlichen deutschen Regie­rungen erlassen werden. Neue Franks. Pr.

— Br aun sch w e ig, 21. Juli. In dieser Nacht wurde die Burg, ehemals Residenzschloß, jetzt Kaserne, durch eine um II Uhr Abends ausgebrochene Feuersbrunst vollständig zerstört. Das darin befindliche große Montirungsdepot des 67. Infan­terie-Regiments wurde gerettet. Die in der Nähe liegende Burg­kirche blieb unversehrt.

— Ber n, 19. Juli. Der Bundesrath hat dem neuen ka­tholischen Kultusgesetze des Kantons Genf die Garantie des Bun­des ertheilt. Die gegen das Gesetz erhobenen Rekurse sind da­durch von selbst hinfällig geworden.

— Genf, 20. Juli. Der Schah von Persien traf heute Abend 7 Uhr 30 Minuten hier ein und wurde am Bahnhöfe von dem Bundes-Präsidenten Ceresole und dem schweizerischen Gesandten in Paris, Dr. Kern, empfangen.

— Die belgische Nationalbank hat unterm 19. d. den Dis- cvnto von 6 auf 5 pCt. herabgesetzt.

— Da bekanntlich keine Dummheit dumm genug ist, um nicht

in Frankreich Gläubige zu finden, so läßt sich sogar das „Journal des Debats" â propos des Armeegesetzes eine Korrespondenz aus dem Haag schreiben, in welcher zum wesentlichen Theil die Ge­fahr einer Einverleibung Hollands in „Preußen" behandelt und genau nach Stunden und Minuten der Augenblick berechnet wird, in welchem die „Infanterie und Ulanen" in Amsterdam u. s. w. einziehen können. Neben dem Bedauern, daß ein so ernsthaftes Blatt solchem Unsinn seine Spalten öffnet, greift vielleicht bei unseren Lesern ein Gefühl der Befriedigung Platz, daß man den „Ulanen" in Frankreich ein bisher durch keine Phrasen erschüt­tertes Andenken bewahrt.

Lokales und Provinzielles.

— Hanan, 22. Juli. Ueber das mittelrheinische Turnfest in Kreuznach ist uns von einigen Freunden des „Hanauer An­zeigers" und Mitgliedern der hiesigen Turngemeinde folgendes Schreiben zugegangen und hoffen wir, daß uns im Laufe des heutigen Tages weitere Nachrichten zugehen. Wir lassen den Brief wörtlich folgen:

„Kreuznach, den 20. Juli. Gestern Abend 6 Uhr sind wir glücklich hier angekommen und von der hiesigen Turngemeinde, unter Begleitung der sehr guten Kapelle des 29. Regiments gut empfangen worden, von der Bürgerschaft jedoch sehr kalt; ge­schmückt war fast gar nichts und erst im Laufe des heutigen Vormittags ist es in dieser Beziehung besser geworden, es ist aber trotz alledem kein Hanau. Nachdem wir in die Stadt ein­gerückt, erhielten sowohl der Turn- und Fechtclub als wir unsere Quartiere bei hiesigen Bürgern angewiesen. Der Abend ver­einigte uns in der Festhalle, welche recht schön aufgebaut ist, woselbst eine vorzügliche Kapelle concentirte (der Kapellmeister trägt einen russischen Orden). Bei dieser Gelegenheit wurden mehrere Toaste vom Stapel gelassen, deren erster dem deutschen Kaiser und der zweite seinem Kanzler Fürsten Bismarck galt; zum Schlüsse begaben wir uns noch auf einige Schoppen ins Hauptquartier zu vergnügtem Zusammensein. Heute, im Laufe des Vormittags, sind bei dem ausgezeichneten Wetter fortwährend fremde Vereine angekommen; gegen 2 Uhr formirte sich der Zug und so ging es durch viele Straßen, alle Anlagen zum Festplatze, woselbst ein Ritzgenkürturnen stattfand. Der Turntag ist bereits im Laufe des gestrigen Nachmittags abgehalten worden und sind bis jetzt die Uebungen beim Preisturnen, welches morgen frühe um 7 Uhr beginnen soll, noch nicht bekannt. Wo das nächst­jährige Turnfest abgehalten werden soll, ist unbestimmt; zum Vorschläge kamen Aschaffenburg, Homburg und Offenbach; dies für heute. ' U & J- H.

— Soeben trifft für den „Hanauer Anzeiger" über die Preisvertheilung beim Turnfeste folgende Depesche ein:

Kreuznach, 21. Juli, 8Uhr 20Min. Abends: Kamme­rer von Frankfurt a. M. I. Preis mit 4302 Punkten; Schle i- ch er 2. Preis mit 43 Ug Punkten, Forster 10. und Ferber 11. Preis von der Hanauer Turngemeinde.

Hanau, 22. Juli. Sonntag den 10. August findet zu Heddenheim das diesjährige Schau- und Preisturnen des Maingauverbandes statt, und müssen die sich betheiligcndcn Preis- turner bis zum 2. August dortselbst angemeldet sein.

X Hanau, 22. Juli. Der gestern im Großkrotzenburger Wald erhängt Gefundene heißt Kaspar Kirchner und ist seither Brauerbursche hier gewesen, der Beweggrund ist ganz unbekannt, da derselbe — ein stattlicher Dèann — in ganz guten Verhält­nissen gelebt haben soll. — Heute Morgen ertränkte sich in ei­nem Badehäuschen zu Keffelstadt ein bis jetzt unbekanntes Frauen­zimmer.

—d. Hanau, 22. Juli. Gestern schlug ein Hanauer Knochenhändler, der seither in Großauheim wohnte und dort kein weiteres Asyl fand, vor dem Mühlthor nebst Familie sein Zelt auf und machte allen Ernst sich dort mit seinem ganzen Haus­rath einen Sommeraufenthalt primitiver Natur einzurichten. Vor Einbrechen der Nacht fand derselbe jedvch noch ein anderweites Unterkommen und somit verschwand das Nomadenlager, welches schwerlich dort lange geduldet worden wäre.