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J5 167.
Dienstag den 22. Juli.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
, Die 3. Lehrerstelle zn Windecken wird mit dem 1. Oktober er. vacant. Bewerber wollen ihre Gesuche mit den nöthigen Nachweisen binnen 3 Wochen hier oder bei dem Herrn Metropolitan Ullrich in Windecken einreichen.
Hanau am 17. Juli 1873.
Für den Sohn des israelitischen Lehrers Lewisohn in Langenselbold, Namens Hermann Lewis ohn, geb. am 24. Oktober 1856, welcher nach Amerika auswandern will, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verbande nachgesucht worden.
Hanau am 17. Juli 1873.
Die 2. Schulstelle in Bischofsheim wird mit dem 1. Oktober d. J. vacant. Bewerber wollen ihre Gesuche, mit deu erforderlichen Attesten versehen, binnen 3 Wochen hier oder bei dem Herrn Pfarrer Alba ch in Bischofsheim einreichen.
Hanau am 18. Juli 1873.
Nachdem die Königliche Direktion der Main-Weser-Bahn mit der Bauausführung der Bahnlinie Friedberg-Hanau beauftragt worden, auch die geometrischen Arbeiten der genannten Bahnlinie nächstens beginnen werden, müssen die einzusetzenden Stangen, Marken, Pfähle rc. re. dem Schutz des Publikums empfohlen werden. Die mit diesen Arbeiten betrauten Techniker werden von der Direktion mit Legitimationskarten versehen sein. Beschädigungen von Crescenzen werden vergütet. ■ Die Ortsvorstände wollen den Herrn Technikern bei den Arbeiten jede mögliche Unterstützung leisten.
Hanau am 21. Juli 1873.
Tagesschau.
— Den rc. R. Daeleu und Sohn zu Neuß ist unter dem 15. Juli d. J. ein Patent auf hydraulische Pressen zum Kom- primiren von flüssigem Gußstahl in den durch Zeichnungen und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzungen, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Der Cöln-Windener Eisenbahn-Gesellschaft ist die Erlaubniß zur Anfertigung der generellen Vorarbeiten für verschiedene im Kreise Wetzlar zur Verbindung der Hanptförderpunkte von Erzen mit der Deutz-Gießener Bahn projektirte Secundär- bahnen, sowie für,eine Bahn von Wetzlar nach Friedberg ertheilt worden.
— Berlin, 19. Juli. Hiesige Blätter berichten: Nicht geringe Ueberraschung erregt seit gestern das Gerücht, daß Johann Hoff, der Erfinder des Malzextrakt, von dessen Reichthum Fama so Vieles zu erzählen wußte, seine Zahlungen habe einstellen müssen. Es hat eine Sitzung Unbetheiligter stattgefunden, welche nach genauer Prüfung zu dem Schluß gelangt sind, daß die vorhandenen sehr kouranten Aktiva die Passiva um viele Hunderttausende übersteigen. Es ist also nur von einer Stockung die Rede, von der. man hoffen kann, daß sie nur einen vorübergehenden Charakter haben werde. Die Stockung soll Haupt-'
sächlich in Folge großer und unglücklicher Terrain-Spekulatianen eingetreten sein. Die Börse ist bei dem Fall mehrfach bethei- ligt, der Schaden, welchen sie erleiden wird, dürfte aber nur unbedeutend sein, da Hoff überall Deckung gegeben hatte. Nach anderen Mittheilungen sollen die Aktiva — allerdings größten- theils in momentan unrealisirbaren Immobilien bestehend, die Passiva um 600,000 Thlr. übersteigen. Der „Spen. Ztg." zufolge hat der Kridar den Gläubigern innerhalb einiger Monate volle Befriedigung in Aussicht gestellt, unter der Bedingung, daß sich dieselben zu einer Prolongation ihrer Ansprüche auf drei Monate mit der Maßgabe verstehen', daß diese Frist eventuell um weitere drei Monate verlängert wird. Neben der Hoffschen Affaire erregte an der Bör e das Fallissement eines der bedeutendsten Hypothekenmakler, Filehne, Aufsehen. Man will daraus auf eine bevorstehende „Krisis in Grundstücken" schließen. — Ein grelles Licht auf die stattgehabte Häuserspekulation wirft der Umstand, daß bei dem hiesigen Stadtgericht gegen 400 Subha- stationen angemeldet sind. Viele Hauseigenthümer würden gern sofort mit Verlust verkaufen, finden aber keine Käufer.
— Vom Lech. Bekanntlich bezeichnen die Ultramontanen unseres Landes ihre Partei als die der „Patrioten". Mit einer volksthümlichen Benennung wollte man die Unbefangenen gewinnen; leider Gottes hat die patriotische Partei uns schon oft gezeigt, was sie unter ihrem Patriotismus versteht; wir meinen, es wäre viel berechtigter, sie die „antinationale" zu heißen. Doch wir wollen nicht die ganze ultramontane Partei für die Handlungen ihrer Führer verantwortlich machen; von dem größten Anhänge der „Patrioten" kann man doch mit Recht sagen: „Herr verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun." Aber das fanatische antinationale Gebühren und Treiben ihrer Führer müssen und werden wir, wo wir nur Gelegenheit dazu haben, vor das Forum der Oeffentlichkeit ziehen. Wir geben gerne zu, daß man im staatlichen Leben in politischer Beziehung' verschiedener Meinung und Ansicht sein kann. Wir ehren und achten die Ueberzeugung und Willensmeinung eines Jeden, selbst wenn er auch zu unseren Gegnern gehört, so lange als die Parteinahme sich in den Grenzen der staatlichen Zustände im Innern bewegt. Aber eine offene Parteinahme für die Feinde unseres Vaterlandes, Bestrebungen, Wühlereien und Hetzereien, welche den Ruhm und die Heldenthaten unserer Armee, unserer Brüder, unserer Söhne, unserer Freunde verleugnen, durch Lug und Trug allgemein bekannte geschichtliche Ereignisse entstellen, all' das kann man gewiß nicht mehr eine anständige Parteinahme im politischen Leben nennen, sondern das ist nichts weniger als offener Verrath gegen das Vaterland. Solche Bestrebungen, solche Wühlereien und Hetzereien kommen aber jetzt in unserm Bayern leider wieder sehr häufig vor. Fanatische, besonders jüngere Geistliche scheuen und schämen sich nicht, ihr Amt und den Einfluß ihrer Stellung zu mißbrauchen, indem sie den letzten Krieg, zu dem, wie doch die ganze gebildete Welt weiß und zugibt, Deutschland in der übermüthigsten Weise von Frankreich gezwungen wurde, als einen Krieg gegen die katholische Kirche bezeichnen, indem sie Frankreich in Schutz nehmen und behaupten, das ketzerische Preußen habe den Krieg zur Vernichtung der katholischen Kirche veranlaßt. Was soll man aber sagen, wenn es zwei Jahre nach dem großen Kriege, in dem das deutsche Volk ferne innere na-