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JE 165.

Samstag den 19. Juli.

1873.

Tagesschau.

Das dem Kaufmann August Schlesinger in Berlin unter unter dem 22. Juli 1870 für den Umfang der preußischen Mo­narchie auf die Dauer von drei Jahren ertheilte Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Maschine zur Anfertigung der Hufnägel, ohne Jemand in der Anwendung be­kannter Theile zu beschränken, ist auf fernere zwei Jahre, also bis zum 22. Juli 1875, verlängert wordeen.

Das Königlich preußische statistische Bureau hat die vor­läufigen Ergebnisse der Viehzählung im preußischen Staate am 10. Januar 1873 zusammengestellt und (im Verlage des König­lichen statistischen Bureaus, Dr. Engel, Berlin) veröffentlicht. Das Hauptresultat der Zählung ist folgendes: Pferde 2,274,533 (gegen 1867 59,045 oder 2,53 Proz.), Maulthiere 926 (+ 179), Esel 8751 ( 319), Schafvieh 19,589,624 ( 2,671,706 oder 12 Proz.) Rindvieh 8,600,672 (+ 604,076 oder 7,55 Proz.), Schweine (4,272,901 ( 602,213 oder 12,35 Proz.), Ziegen 1,474,586 (+ 130,971 oder 9,75 Proz.), Bienenstöcke 1,447,780 (+ 141,643 oder 10,84 Proz.); alles Vieh auf Großvieh reduzirt, ergibt pro 1873 15,172,219 oder 8565 = 0,72 Proz. mehr als im Jahre 1867.

Zur Ermittelung des Mörders des Böckler'scheu Kindes war der Criminal-Commissarius Seite nach der Provinz Pom­mern gesandt worden. Derselbe ist bereits wieder zurückgekehrt, nachdem es ihm gelungen ist, einen Arbeiter zu verhaften und zur gerichtlichen Haft einzuliefern, auf dem der dringendste Ver­dacht ruht, das Kind gemordet zu haben. Ob es dem Unter­suchungsrichter gelingen wird, den angeblich sehr verstockten Men­schen zu einem Geständniß zu bewegen, bleibt abzuwarten.

Der bekannteMedicus" von Jersey, Welcher in allen Zeitungen der Welt seine Vermittelung zur Erlangung des Doc­tortitels anbietet, scheint, nach derTrib." in Berlin eine Ge­neralagentur errichtet zu haben. Es sind nämlich hier vielen Personen, von denen vielleicht Empfänglichkeit für den Doctor­titel vorausgesetzt worden ist, per Stadtpost Schreiben zugegan­gen, die unter Hinweis auf ein beigefügtes Programm derAme­rikanischen Universität zu Philadelphia" den Dr. jui\ P. F. A. van der Vyver in Jersey als legalen Vermittler des Doctortitels jener Universität bezeichnen. Das Diplom kostet 160 Thlr., die pränumerando zu entrichten sind. Die Schreiben selbst tragen keine Unterschrift. Der Titel darf natürlich bei uns in Preußen nicht geführt werden.

Darmstadt, 17. Juli. Die Zweite Kammer geneh­migte, demFr. I." zufolge, heute die Herabsetzung der Wein­steuer für 1874 auf sieben Zehntel des gegenwärtigen Betrags.

Die in Aschaffenburg und Miltenberg errichteten Eisen- bahnbausectionen sind, nach derN. Frftr. Pr.", mit der Fest- stellung der Linie Aschaffenburg-Miltenberg auf das Eifrigste be­schäftigt. Die Pläne für die Projectirung, sowie für die Kunst­bauten werden angefertigt. Mit nächstem Frühjahr wird der Bau selbst begonnen werden.

Belfort. Wie demJourn. des Deb." geschrieben wird, fällt der Einsturz des Thurmes La Miotte keineswegs dem deutschen Militär zur Last. Nach einer vorgenommenen Untersuchung sei die Ursache einegänzlich zufällige", d. h. sie sei in der Baufälligkeit zu suchen, in die der Thurm durch die Kugeln der Belagerer versetzt wurde.

Bern, 17. Juli. Laut offizieller Anzeige an den Bundesrath wird der Schah von Persien am nächsten Samstag in Genf eintreffen, von wo er nach zwei- bis dreitägigem Auf­enthalt nach Turin gehen wird. Der Bundespräsident Ceresole und der Bundesrath Borel sind zu seinem Empfang abgeordnet,

Bern, 18. Juli. Der Stünderath ist dem Beschluß des Nationalraths betreffs Einberufung der Bundesversammlung am 3. November zur Vornahme der Bundesrevision beigetreten und bestellte darauf ebenfalls eine in ihrer Mehrheit revisions­freundliche Revisionscommission. (Neue Frankf. Pr.)

Paris, 17. Juli. Die Stadt Rethel wurde gestern und die Stadt Rocroy vorgestern, nach derN. Frankf. Pr.", von den deutschen Truppen geräumt. Die Bevölkerung verhielt sich während des Abzugs, wie es scheint, gemessen und anständig; nachher wurden die Häuser beflaggt. In Rethel traf kurz darauf eine Abtheilung französischer Gendarmen ein, die ebenfalls ohne Geräusch empfangen wurde; in Rocroy hat bereits eine Com­pagnie vom 90. Linienregiment Garnison genommen. Schon setzt sich das ganze 4. Armeekorps nach dem Osten in Bewegung, das 26. Regiment nach Nancy und Lunoville, das 69. nach Re- miremont und Saint-Dio, das 10; Jägerbataillon nach Epinal.

Der französische Kriegsminister hat unter dem 10. Juli neue Anordnungen getroffen, um zu verhindern, daß etwas über die Resultate der artilleristischen Experimente in die Öffentlich­keit dringe. In Zukunft soll den Schießversuchen mit Geschützen oder Gewehren Niemand anders beiwohnen, als die Mitglieder der mit diesen Experimenten betrauten Commissionen. Der Mi­nister des Aeußern hat den bei der französischen Regierung beglaubigten Vertretern der fremden Mächte eröffnet, daß sein College vom Krieg die Gesuche um Zulassung der Besichtigung der militärischen Etablissements zwar noch immer entgegennehmen, sich aber die Prüfung jedes einzelnen dieser Gesuche vorbehalten müsse.

Madrid, 13. Juli. In der Cortessitzung stellte in Bezug aus die entsetzlichen Ereignisse in Alcoy der Abgeordnete Aura Boronat, welcher jene Stadt in den Cortes vertritt und sich zu der Castelar'schen Rechten hält, eine Anfrage an die Re­gierung. Wie Aura bemerkte, ständen die Aufrührer unter der Leitung von Fremden unbekannter Herkunft. Er verlangte unerbitt­liche Strenge gegen die begangenen Verbrechen. Maisonnave, der Mi­nister der auswärtigen Angelegenheiten, erwiderte, daß der Aufstand mit der Ermordung des Bürgermeisters, des Steuereinnehmers und anderer Bürger begonnen habe. Der Bürgermeister war ein wohlbekannter Republikaner, der einen Theil seines Vermögens auf die Förderung der republikanischen Idee verwandt hatte; sein Leichnam wurde von der tobenden Menge durch die Straßen geschleppt. Darauf steckten die Elenden das Rathhaus und andere öffentliche Gebäude, sowie 11 Fabriken in Brand, auch die große Baumwollspinnerei von Perez Puig. Nur Weibern und Km- dern wurde gestattet, die Stadt zu verlassen. Alle Geistlichen wurden in Haft gebracht. Der Minister enthielt sich der Mit­theilung noch schlimmerer Verbrechen und erklärte, caß Die Re­gierung die strengsten Strafen in Anwendung bringen werde. Großer Beifall folgte dieser Ankündigung. Eine Resolution, daß die Cortes die Erzählung der Schandthaten von Alcoy mit Entrüstung augehört haben und die Regierung zu energischen Maßregeln auffordern, wurde einstimmig von den anwesenden .