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ters Belcastel bei der großen Wallfahrt nach Paray le Monial dem hl. Herzen Jesu weihen ließ. Wenn für die Kirche, für die katholische Sache noch Hilfe und Rettung durch Menschen möglich ist, so kann diese Hilfe und Rettung nur von Frankreich, der ältesten, ja der fast noch einzigen Tochter der Kirche erwar­tet werden." Und damit man ja nicht mißverstehe, wohin diese vermeintliche Glorifizirung Frankreichs abziele, wird im Gegen­satze hiezu von der großen Zeit der deutschen Hohenstaufenkaiser als von einer solchen geredet, da ein „übermüthiges, frivoles, ungläubiges Lumpenthum auf dem Throne der deutschen Kaiser sich breit machte." Solche freche Expektorationen in einer deut- schen Zeitung, mit deutschen Lettern gedruckt, dem deutschen Volke geboten, sind doch eine Herausforderung, auf welche aufmerksam gemacht werden muß. In dem Augenblicke, da die letzten unse­rer Truppen sich anschicken, das Land zu räumen, in welchem hinter den heimziehenden Schaaren der Rachedurst im Bunde mit rohem und fanatischem Aberglauben seine Orgien feiert, in diesem Augenblicke wagt ein Französling, der dem Feinde schon mehr als einmal Dienste geleistet, dem deutschen Volke franzö­sische Sympathien zu predigen. Wie sagte dieser Tage die „Voce della Verita" von den Unterzeichnern der schlesischen Katholiken­adresse? „Die Geschichte wird Euch Verräther heißen." Welches Epitheton wird sie dem Dr. Sigl geben? Augsb. Abdztg.

■— Die Bremer Bank hat den Discont auf ö1^ (für 3- bis 6monatliche Wechsel auf 6), den Lombardzinsfuß auf 6Us pCt. herabgesetzt.

— Bern, 15. Juli. Der Ständerath hat mit 26 gegen 14 Stimmen den Seitens der Pastoralkonferenz von Solothurn gegen das Gesetz über die Wiederwahl der Geistlichen erhobenen Rekurs verworfen.

■— Bern, 15. Juli. Der Nationalrath hat heute nach langer Debatte sämmtliche namentlich unter klerikaler Beeinflussung stattgefundenen Tessiner Natioualrathswahlen vom Oktober und Dezember 1872 kassirt.

— In Zürich hat der Kantonsrath ein Gesetz zur Aus­tragung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ausgearbeitet, das im Wesentlichen der „Tagwacht" zufolge bt« fügt: „Alle Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern werden bei dem Friedensrichter anhängig gemacht. Wenn der Werth des Streitgegenstandes 20 Frc. nicht übersteigt, so ent­scheidet der Friedensrichter definitiv. Bei Streitwerthen unter 100 Frc. bezeichnet jede Partei einen, bei Streitwerthen über 100 Frc. je zwei 'Schiedsrichter. Diese ernennen einen Obmann. Bei Streitwerthen unter 100 Frc. ist der Spruch dieses Ge­richts definitiv. Bei höheren Beträgen ist eine Appellation an das zuständige Gericht zulässig. ■

— Aus den Niederlanden, 11. Juli. Aus Rotter­dam geht uns die Mittheilung zu, daß gutem Vernehmen nach die Konsekration des ersten deutschen altkatholischen Bischofs, des Prof. Reinkens, durch den Bischof von Deventer, Hrn. Hey- kamp, in Rotterdam in der zweiten Hälfte des gegenwärtigen Monats stattfinden wird. Der Bischof von Deventer wird die­sen feierlichen Akt in der Paradijskerk (Paradieskirche) seiner dortigen Gemeinde vollziehen.

— Madrid, 14. ^nlt. Nach neuerdings aus Alcoy ein- gegangenen Mittheilungen sind dort bei den letzten Kämpfen 50 Personen umgekommen, eine große Anzahl verwundet und 10 Häuser durch Feuer zerstört.

— Barcelona, Dienstag, 15. Juli. Von Mitgliedern der Internationalen war heute eine große Arbeiterversammlung veranstaltet, in welcher mehrere Redner anftraten und die Ar­beiter aufforderten, das in Alcoy gegebene Beispiel nachzuahmen und Kirchen und öffentliche Gebäude anzuzünden; die Mehrheit der Arbeiter jedoch gab auf das Entschiedenste ihr Mißsalleu kund; auch war die bewaffnete Macht in ausreichender Stärke erschienen, um Excessen entgegen zu treten; es werden jedoch noch weitere Manifestation der Internationalen erwartet.

— Paris, 15. Juli. An Stelle des französischen Botschafters am russischen Hofe, General Leflö, dessen Abbe­rufung, wie verlautet, in Aussicht genommen ist, dürfte der Ge­

neral Pajol (Orleanist) in gleicher Eigenschaft nach St. Peters­burg gehen.

— Petersburg, 13. Juli. Die Kommission, welche ein kaiserlicher Befehl eingesetzt hat, um die Mittel zu berathen, St. Petersburg zu einem Seehafen zu machen, ist mit ihren Arbeiten zu Ende gekommen. Es wurde beschlossen, den Kanal, welcher St. Petersburg mit Kronstadt verbindet, auf 20 eng­lische Fuß zu vertiefen, so daß die größten Schiffe bis zum Mittelpunkte der Stadt gelangen könnten. Die Kosten belaufen sich auf 7 Millionen Rubel.

— Amerika. Aus Brasilien wird unterm 22. Juni ge­meldet: Die Regierung hat den Bischof von Pernambuco be­nachrichtigt, daß etwaige von ihm promulgirte Exkommunikatio­nen oder andere religiöse Entscheidungen, soweit dieselben bürgerliche Angelegenheiten betreffen, keinerlei Wirkung haben werden. ■ ------

— Hanau, 17. Juli. Ueber die Collectivausstellung der deutschen Goldschmiede spricht sich Dr. C. M. Schulz, Bericht­erstatter der Berliner „Tribüne" von der Wiener Weltausstellung in Nr. 79 also aus: „Das flimmert und blitzt von allen Sei­ten, daß man kaum dazu gelangt, auch die Namen der Aussteller zu lesen. Und der Glanz des Goldes und das Blitzen der Dia­manten und Edelsteine zieht die Besucher schaarenweise herbei. Namentlich, das bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, sind es die Damen, welche diesem Theile der Ausstellung ihre unge- theilte und unermüdliche Aufmerksamkeit schenken. Zu meiner Schande muß ich nun gestehen, daß ich ein unverbesserlicher Ig­norant auf diesem Gebiete geblieben bin; mich hat der Glanz des Goldes niemals geblendet und das Funkeln der Diamanten auch nur dann lebhaft interessirt, wenn dieselben einen schönen Frauenhals zierten, oder durch immer neue Lichteffecte zum un­bewußten Verräther der Geheimnisse eines hochklopfenden Mäd­chenbusens wurden. Ich darf mir also schon darum fein Urtheil über diese Juwelenausstellung anmaßeu, weil ich gar Nichts von den Weithverhältnissen der Edelsteine verstehe. Ich fragte daher bei edlen Frauen an, zwar nicht um zu wissen, was sich ziemt, aber doch, was die Sachen werth seien und namentlich welchen Rang die deutsche Schmuckausstellung unter den vorhandenen Juwelenausstellungen überhaupt einnehme. Es wurde mir nun im Allgemeinen die Antwort, daß so schwer gerade auf diesem Gebiete eine richtige Abschätzung selbst für den geübten Frauen- Blick wäre, mau doch ohne weiteres behaupten könne, daß, wenn auch der Werth der von Deutschland ausgestellten Gegenstände sich nicht entfernt mit den englischen Erzeugnissen oder den rohen Edelsteinen der britischen Colonien messen könne und auch den der französischen und italienischen Juwelen kaum erreiche, der Geschmack, der sich in den einzelnen Fabrikaten eben sowie na­mentlich in dem gesammten Arrangement zeige, so ausgezeichnet sei, daß man den geringeren Werth der Steine und Geschmeide leicht vermisse. Unter den verschiedenen Fablikstädten, die sich in der deutschen Collectivausstellnng um die Palme streiten, soll Hanau zweifellos die Palme gebühren. Relata refero!“

—d. Hanau, 17. Juli. Vor einer zahlreichen Versamm­lung erläuterte gestern Abend in der „Ceutralhalle" der Urge­sundheitsapostel Herr Ernst Mahner in einem sehr verständ­lichen Vortrage die Gesetze seiner Wiedergesundungslehre; derselbe wurde beifällig ausgenommen, und auch von einem großen Theile der Zuhörer sicher nicht bestritten, daß ein hohes Alter zu er­reichen sei, wenn alle Regeln, deren Cardinalpunkte Enthaltsam­keit, große Mäßigung im Essen und Trinken, als durstlöschendes Mittel Wasser und immer Wasser, Abhärtung des Körpers re., genau befolgt würden; aber schwerlich werden sich doch sehr Biele hingerissen fühlen, recht eifrige Anhänger der Mahner'scheu Lehre zu werden, denn wer den Gesetzen nachleben will, muß immerhin ein großes Opser bringen.

Eine große Anzahl Brochü'-en über seine Lehre fanden bei dieser Gelegenheit Absatz, und sind dieselben für Interessenten, so lange er noch hier ist, â 5 Sgr. per Stück von ihm zu be­ziehen.

— Wasserstaud des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,47 Meter; Mainwasserwärme 17 Grad.