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M 163.
Donnerstag den 17. Juli.
1873.
Tagesschau.
— Der „R. u. St. A." enthält das Münzgesetz, vom 9. Juli 1873.
— Gegen die Einschleppung der Cholera . durch Schiffer und Flößer ist Seitens der königlichen Regierung in Potsdam angeordnet worden, daß in Schwedt und bei Oderberg Control- stellen eingerichtet werden sollen, denen die Polizeibehörden vorstehen, welche sich bei der Revision eines Arztes zu bedienen haben. Auf diesen Stationen hat jeder dieselben passirende Schiffer und Flößer sein Fahrzeug zur Feststellung des Gesundheitszustandes der auf demselben befindlichen Personen einer Revision zu unterwerfen und anzugeben, ob au dem Personal Krankheits- Erscheinuugen sich gezeigt haben. Während der Fahrt darf von dem Fahrzeuge resp. Floße Niemand ohne Vorwissen der Polizeibehörde der Revisions-Station entlassen werden. Bricht während der Reise auf dem Fahrzeuge die Cholera aus, so muß der Schiffer der Polizeibehörde des nächsten Orts, welchen er auf seiner Reise zu berühren hat, Anzeige machen, das Fahrzeug selbst aber noch in einiger Entfernung von diesem Orte anhalten. Zuwiderhandlungen werden geahndet.
—■ Einem in Limburg a. d. Lahn zusammengetretenen Comite ist die Erlaubniß zur Anfertigung der generellen Vorarbeiten für folgende Seknndärbahnen ertheilt worden:
1) von Garbenheim über Wetzlar und Braunfels nach Leun,
2) von Bieber nach Wetzlar und über Schloß Altenberg nach Leun,
3) von Braunfels über Philippsteiu in das Weilthal bei Ernsthausen und von da einerseits Weil auswärts nach Audenschmiede, andererseits abwärts bis in das Lahnthal bei Weilburg mit einer Abzweigung von Freieufels nach Gräoencck,
4) von Ahausen durch das Krumbachthal nach Bermbach,
5) von Aumenau über Laughecke und Münster zum Anschluß an die Bahn von Eschhofen nach Camberg bei Ober- oder Nieder-Brechen,
6) von Hahnstätten über Katzenellenbogen nach Obernhof,
7) von Dorchheim durch das Kerkerbachthal über Steeten, Dehrn und Limburg nach Fachingen und Hambach mit Abzweigung von Schupbach nach Oder bach.
— Der Staats-Minister und Präsident des Reichskanzler- Amts Delbrück wird während der Dauer seines Urlaubes im Reichskanzler-Amte durch den Wirklichen Geheimen Ober-Regie- rungs-Rath und Direktor Eck, in der Abtheilung für Elsaß-Lothringen durch den Wirklichen Geheimen Ober-Regierungs-Rath und Direktor Herzog vertreten.
— Frankfurt, 17. Juli. Für die im Gang befindlichen Assisen gibt sich im Publikum wenig Interesse mehr kund; sonst standen die Leute in Massen auf dem Weltmärkte vor dem Leinwandöhaus, diesmal bleiben keine 2—3 Personen stehen und kann daher die Schutzmannschaft leicht die Weisung vollziehen, den Platz von Menschen-Anammlungen sreizuhalteu.
(Neue Franks. Pr.)
r äßieâbaben, 16. Juli. Das Kloster, zugleich Wall- sahrtvort, Boruhafen wurde gestern Seitens der Regierung geschlossen und die dortige Niederlassung der Redemptoristen aufgelöft.
Vom Hundsrück bringt die „N. Frftr. Presse" ein
Eingesandt aus dortiger Gegend an die „Nordd. Allg. Ztg.", welches die Einwirkung ultramontanen Einflusses auf die Landleute folgendermaßen beleuchtet: „Auf meinen Jagdexcursionen muß ich oft in Bauernwirthschaften und Forsthäusern verkehren und habe auf diese Weise Gelegenheit zu erfahren, wie die Landleute vorzugsweise von den Geistlichen für ihre Zwecke bearbeitet werden. Die Blätter, die gelesen werden, sind fast durchweg reichsfeindlich, wie die „Deutsche Reichszeitung" — wird hauptsächlich gehalten — „Germania", „Moselzeitung", „Coblenzer Volkszeitung" u. s. f. Welche Begriffe sich bei dem Landmann durch deren Lectüre über den nun entbrannten Kampf zwischen Staat und Kirche bilden, ist unschwer zu errathen. Den weiblichen Theil der Bevölkerung hat die Geistlichkeit, wohl namentlich durch die Gewalt der Beichte, fast ganz aus ihrer Seite, und von dieser Basts aus wird dann mit mehr oder weniger Erfolg auf die Männer einuzwirken versucht. Einen nicht zu zu unterschätzenden Gegner findet der Klerus auf dem Lande in dem gesunden Sinn des Theils der männlichen Bevölkerung, der den letzten Krieg mitgemacht hat."
— München, 14. Juli. Der Chauvinismus steht in Frankreich wieder in schönster Blüthe und seine Revanchegedanken finden einen mächtigen Bundesgenossen in dem religiösen Fanatismus, denn nichts ist geeigneter, die Menschen aufzuregen und zu Hetzen, als die Hereinziehung des als heilig und wunderbar Verehrten in die Gelüste und Bestrebungen des Tags. In Frankreich ist die Anwendung solcher Mittel begreiflich: helf', was helfen mag, wenn es gilt, den gesunkenen Muth und das gebrochene Vertrauen wieder zu heben, den nationalen Sinn zu stärken, den Haß gegen das Deutschthum zu fchüreu. Aber in Deutschland, so sollte man meinen, ist die Verquickung religiöser, heiliger Motive und Momente mit der Gloire der grande nation gerade in unsern Tagen übel am Platze; bei uns sollte das unsaubere Geschäft, welches sie jenseits der Vogesen so schwunghaft treiben, faum einen Boden finden, nicht nur gemäß der natürlichen Anlage unseres Volkes, welchem sein religiöser Glaube eine heilige, nicht zu entweihende Herzenssache ist, sondern auch gemäß der Richtung der ganzen Bewegung, welche auf Vernichtung alles dessen hinzielt, was unseres Vaterlandes Glück und Ruhm ist: die deutsche Einheit und die deutsche Ehre. Nichtsdestoweniger gibt es in Deutschland Stimmen, die es über sich gewinnen können, die französ. Melodie „Trutz Deutschland!" mitzusingen: es sind elende, erbärmliche Subjekte, die es ver- sucheu; sie sind zwar längst der allgemeinen Verachtung verfallen, aber doch darf man ihre Attentate nicht ignoriren, weil gerade die schmutzigsten Giftgeschwüre die gefährlichsten sind. In Sigl's „Vaterland" vom 11. Juli lesen wir folgende Sätze: „Der Tag, an welchem die französische Nationalversammlung ihre bedeutungsvollste That gethan, indem sie ihn (den unmittelbar vorher als fanatischen Ultramoutanen gepriesenen Mac Mahon) an die Spitze Frankreichs berief, war der 24. Mai, der Tag Maria-Hilf. War das Zufall? Es gibt Zufälle, die keine Zusälle^sind. Nehmen wir es als ein gutes Omen, daß Maria, die Helferin der Christen, helfen will — helfen durch das Volk, welches in diesen Tagen der Aufklärung, das heißt des Gotteshasses, des Satanismus, es gewagt, sich als katholisches Volk zu bekennen vor aller Welt, das sich in diesen Tagen durch den Mund seines Vertre-