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.M 162.

Mittwoch den 16. Juli.

1873.

Tagesschau.

— Der „R. u. St. A." .enthält: 1) Gesetz, betreffend den nach dem Gesetze vom 8. Juli 1872 einstweilen reservirten Theil der französischen Kriegskosten-Entschädigung. Vom 8. Juli. 1873. 2) Verordnung, betreffend die Feststellung der Haushalts-Etats der Bezirke Unter-Elsaß, Ober Elsaß und Lothringen für das Jahr 1873. Vom 11. Juli 1873. 3) Nachträge zur Eichordnung vom 16. Juli 1869 und zur Eich­gebührentaxe vom 12. Dezember 1869.

— Die bischöflichen Straf- und Demeriten-Anstalten werden jetzt endlich auch der staatlichen Aufsicht unterworfen und in Folge dieses lange schon erwarteten Einschreitens hoffentlich bald ganz aufgehoben werden. In der That liegt auch gar kein Grund vor, einer Anzahl von Personen ein geheimes Strafrecht und unbekanntes Strafverfahren anzuvertrauen und damit zu gestatten, daß ein unveräußerliches Recht des Staates, das dieser jedoch nur in Gemäßheit des Gesetzes ausüben kann, ohne Weiteres Privatpersonen übertragen werde, die doch nur eine vom Staate anerkannte hohe römisch-geistliche Würde haben. Nachdem man angefangen, die bischöflichen Erlasse, wenn sie auch in lateinischer Sprache geschrieben werden, der richterlichen Beurtheilung zu unterziehen, wird auch wohl der hier beregte andere Mißbrauch aufgehoben werden. (Trib.)

— Ueber die hiesige Firma Kanitz u. Comp., schreibt die „Neue Frkf. Pr.", ist unterm 11. d. der Concurs erkannt worden. Zur Klarstellung der Forderungen ist eine Tagfahrt auf Dien­stag den 26. August, Nachmittags 3 Uhr, anberaumt worden.

— (Eisenbahn Aschaffenburg-Miltenberg.) Die in Aschaf­fenburg und Miltenberg errichteten Eisenbahnbausectionen sind mit der Feststellung der Linie Aschaffenburg-Miltenberg auf das Eifrigste beschäftigt. Die Pläne für die Projectirung sowie für die Kunstbauten werden angefertigt. Mit nächstem Frühjahr wird der Bau selbst begonnen werden können. (Neue grants. Pr.)

— In Meiningen hat der Consum-Berein mit den be­nachbarten Domänen Verträge abgeschlossen, wonach Letztere täglich frischgemolkene, unverfälschte Milch zu liefern haben, welche der Verein um fünf Kr. pro Liter abgibt. Nach Abzug der Dividenden, welche auf die Milch gegeben werden, dürfte sich nach den geinachten Erfahrungen der Preis aus nur 4^2 Kr. stellen und in den heißen Tagen wird die Milch zweimal täglich zur Stadt gebracht. — Tue Meininger haben bereits durch energisches Vorgehen den alten Bierpreis, den die Wirthe stei­gern wollten, erhalten; die angegebene Einrichtung dürfte auch den Milchpreis herabdrücken. Bei der diesjährigen reichen Fut- terernte ist es doch unbegreiflich, wie auch hier der Milchpreis sich auf der Höhe von sechs Kreuzer das Liter erhalten kann.

(Mannh. Tagbl.)

— München, 12. Juli. In Folge allerhöchster Geneh­migung ist durch Entschließung des Staatsmiuisteriums des Aeußeru soeben, nach dem „Nürnb. Corr.", die Entsendung von 20 Verkehrsbeamten der verschiedenen Avtheilungen, dann von 5 Werkstätte-Arbeitern ans Staatskosten zur Wiener Weltausstellung veiffügt worden. Es ist ein Aufenthalt von 14 Tagen in Aus­sicht genommen, — Nürnberg, 12. Juli. In der v. Cramer- Ktetthchen Fabrik ist seit Kurzem die Einrichtung getroffen woc-

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den, daß in Zwis. enräumen von je 10 Tagen bis zum Schlüsse^ Versicherung gibt, das verhungerte und erfrorene deutsche Volk

der Wiener Weltausstellung je 16 Arbeiter zum kostenfreien Be­suche derselben bestimmt werden. Die sämmtlichen Reise- und Aufenthaltskosten werden, soweit der im vorigen Jahre anläßlich des 25jährigen Fabrik-Jubiläums zu diesem Zwecke von Herrn Reichsrath Dr. v. Cramer-Klett gestiftete Fond zu 6000 fl. nicht ausreicht, aus der Privatkasse desselben bestritten.

— Landshut, 13. Juli. Von Seiten des Kriegsmi­nisteriums traf gestern Nachmittag hier ein Telegramm ein, welches gleichzeitig allen Regiments- und Bataillonskommandos (Infanterie) Bayerns zuging und anordnet, daß bis morgen von jedem Bataillon 200 Mann in Hinsicht auf die nothwendigen Erntearbeiten zu beurlauben seien. (Regensb. Tagbl.)

— Tübingen, 14. Juli, 11 Uhr 40 Min. Vorm. So­eben wurde bei schönstem Wetter das Uhland-Denkmal enthüllt. Prof. Köstlin von Tübingen zeichnete in der Festrede in meister­hafter Weise die Stellung Uhland's in der Literatur, als Volks­mann und als Dichter. Dr. Elben aus Stuttgart sprach den Dank und die Huldigung der deutschen Sänger aus. Die Be­theiligung am Feste ist eine große.

— Wien, 12. Juli. Gestern Nachmittags stürzte in der österreichischen Agrikulturhalle der pyramidenförmige Aufsatz, we cher die Kollektiv-Ausstellung der Liqueurfabrikanten Wiens enthält, zusammen, ohne daß eine Person verletzt worden wäre. Mehrere hundert mit Spirituosen gefüllte Flaschen wurden zer­trümmert und die Getränke flossen zur Erde, wo sie große Lachen bildeten. Die Ursache des Einsturzes ist der aus schwachen Bret­tern bestehende Unterban des Ausstellungskastens, welcher noch mit einem schweren Bronce-Adler belastet wurde, was eben den Zusammensturz zur Folge hatte.

— Wien, 14. Juli. In der heutigen Versammlung von Buchdruckereibesitzern, in welcher die Mehrzahl der größeren Druckereien Oesterreichs, Deutschlands und der Schweiz vertre­ten war, gelangte eine Resolution zur Annahine, wonach ein Minimaltarif zwischen den Prinzipalen und Gehülfen vereinbart und in den deutschen, österreichischen und schweizerischen Drucke­reien eingeführt werden soll. Die Resolution sprach sich ferner für die Herstellung einer engen Verbindung der Buchdruckereibe­sitzer-Vereine unter einander aus.

— Daß man in Paris, so schreibt die „Trib." in ihrer Tagesschau unter anderem, nicht müde wird, die wahnsinnigsten Anekdoten über den Schah zu erfinden, liegt auf der Hand. Da der Schah selbst schweigsam ist, so dichtet man ihm die schnur­rigsten Histörchen an, läßt ihn vor Allem — denn dies schmei­

chelt der französischen Eitelkeit — sehr gut bewandert in der Geschichte Frankreichs und speciell Napoleon's sein. Buffet und Broglie sino übrigens persönlich schlecht bei den Aufmerksam­kelten des Schahs weggekommen; er hat sie wahrscheinlich für ein Paar Lakaien gehalten und oft gar nicht ihre Grüße erwi­dert. Man kann sich die Wuth dieser Herren de ken, die ja trotz aller Katzenbuckelei sich im Innern tausend Mal über diesen „Barbaren des Orients" erhaben dünken!

Schade, daß wir nicht mehr Raum haben, sonst würden wir einen Brief des Erzbischofs Donnet von Bordeaux — eines der gebildetsten Kirchenfürsten Frankreichs!! — mittheilen, in welchem derselbe auf Grund von „eigenen Anschauuungen" die