Nbonnements-
Preis (incl. Stempel)
Jährlich 3 Thlr.
Halbj. Thlr.1. 15.
Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf.
Für auswärtige
Abonnenten
MmilerUmer
Zusertions- Preis:
Die ifpaltige Garmondzeile ob. deren Raum
1 Sgr.
mit dem betreffen-
den Postaufschlag. Die einzelne Nummer 1 Sgr.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Die sjpalt. Zeile 2 Sgr.
DieSspaltige Zeile
3 Sgr.
JK 161. Dienstag den 15. Juli.______1873_.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
Der Verbindungsweg zwischen Hanau und Gr.-Auheim, so weit er in die neue Centralbahnhofs-Anlage fällt, ist kassirt. Ein provisorischer Ersatz ist durch einen von der Königl. Eisenbahn- Direktion angelegten chaussirten Weg hergestellt.
Für die nächsten 8 Tage wird Fußgängern noch die Benutzung der alten Straße gestattet.
Hanau am 14. Juli 1873.
Tagesschau.
— Berlin, 10. Juli. Von offiziöser Seite wird geschrieben: „Die „Germania" sucht sich oder Andere in die Illusion weiter einzuwiegen, daß die Stellung des Fürsten Bismarck nicht mehr so fest sei wie früher; sie begründetes von liberaler Seite und vom angeblichen Standpunkt der höheren Region. In liberaler Beziehung schmeichelt das Blatt den fortschrittlichen Tendenzen, welche der Regierungspolitik den vermeintlichen Steuerdruck und den Militarismus vorwerfen, und es guckt da der demagogische Pferdefuß der Ultramontanen recht widerlich hervor, indem die betr. Erörterung mit dem Satze schließt: „Das Volk hat nun einmal die komische Idee, sich um bloße Ideen (das soll heißen: um die nationale Einheit und Größe) weniger zu kümmern, als um die eminent praktischen Angelegenheiten des eigenen Geldbeutels." Aber von dieser Seite scheint doch die „Germania" weniger ans Erfolg zu rechnen, als sie ihre Hoffnung darauf setzt, daß Fürst Bismarck in den höheren Regionen nicht mehr als unersetzlich gelte, daß zwar die Stellung noch nicht erschüttert sei, aber doch nicht mehr für unerschütterlich gelte. Es kann jedoch wiederholt versichert werden, daß die Hoffnungen der „Germania" in dieser Beziehung durchaus auf Sand gebaut sind; denn darüber ist in Regierungskreisen kein Zweifel, daß es nicht einen Kollegen des Fürsten im preußischen Ministerium gibt, der denselben nicht nach wie vor völlig unersetzlich und dessen Stellung für durchaus unerschüttert hielte. Alles was in entgegengesetzter Richtung verbreitet wird, beruht auf gänzlicher Untenntniß der Verhältnisse". Das „Preußische Vvlksblatt", ein populär ausgestatteter Trabaut früher der „Krenzzeitung" jetzt der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", hatte bekanntlich vor einiger Zeit Auszüge aus einem Schreiben des Grafen Roon an den Fürsten Bismarck über die Nichtinhandnahme des Militärgesetzes veröffentlicht, die nicht wenig dazu beitrugen, um den Nachrichten über die Differenzen in den leitenden und regierenden Kreisen Nahrung zu geben. Jetzt bringt dasselbe Blatt einen anscheinend mit offiziösen Informationen gearbeiteten Artikel, welcher ebenfalls den Himmel in dieser Beziehung wieder sehr wolkenlos darstellt und insbesondere auch über den Einfluß und die Gesundheit des Fürsten Bismarck sich sehr unbesorgt ausläßt. Es heißt hier u. A.: „Daß der Ultramontanismüs und die rothe Reaktion den Reichskanzler sobald als möglich beseitigt sehen möchten, unterliegt ja keinem Zweifel; aber ebenso gewiß ist es, daß diese Wünsche so lange fromme bleiben werden, bis das körperliche Befinden des Fürsten feiner Thätigkeet einmal ein entschiedenes Veto zurufen sollte. Zur Freude aller deutschen Patrioten liegt zu der letzten Befürchtung kein Grund vor: man darf hoffen, daß einige Wochen wenigstens erleichterter Arbeitslast, denn von Ruhe ist ja auch in Varzin nicht die Rede, die
Nachwehen der parlamentarischen Anstrengungen verwischen werden. Die Beurlaubung des Fürsten Bismarck und die durch dieselbe erzeugten Gerüchte haben die klerikalen Organe Frankreichs in eine freudige Aufregung versetzt, daß man annehmen muß, die Klerisei beabsichtige, nächstens Wallfahrten zuungunsten des deutschen Kanzlers zu veranstalten. Der wüthende Haß des Ultramontanismüs aller Länder ist Beweis genug, ein wie ^werth- volles Besitzthum der Kanzler in der Gegenwart für Deutschland ist: deßhalb wird die national gesinnte Partei mit Befriedigung vernehmen, daß die Nachrichten über die Gesundheit des Kanzlers durchau - günstig lauten." Wenn es übrigens, bemerkt die „Nat.-Ztg.", wirklich einmal den Anschein hat, als könnte eine den Anforderungen des Ultramontanismüs mehr entgegenkommende Stimmung Platz greifen, so sorgen die Ultramvntanen stets selbst dafür, daß diese Stimmung wieder erbittert und ihr Bestreben in das richtige Licht gesetzt werde. So ist es jetzt, wo man dem Könige sehr nahe stehende Personen von nltramon- taner Seite in demonstrativster Seite beleidigt, weil sie dem Könige ihre Ergebenheit ausgesprochen haben. Augsb. Abdztg.
— Berlin, 14. Juli. Nach einem hierher gelangten Telegramm ist der englische Dampfer, welcher die deutsche afrikanische Expedition (zur Erforschung der Congo) führte, bei Sierra Leone gestrandet; alles Gepäck (Instrumente, Bücher) ist verloren. Es ist zu vermuthen, daß Professor Bastian sich nicht an Bord befand, da er in dem folgenden Dampfer Nachkommen wollte.
— Gestern begannen in Frankfurt die Schwurgerichtsver- Handlungen wegen des Bierkrawalls und war bei dieser Gelegenheit das Schwnrgerichtsgebünde mit zahlreicher Schntzmannschaft und einem Militairpiket besetzt. Nach der „N. Frftr. Pr." sind 196 Zeugen geladen, darunter Herr Polizeipräsident Hergenhahn,
6 Polizeikommissäre, 22 Schutzleute, 4 Offiziere, 33 Unteroffiziere und Soldaten, 20 Wirthe, 3 Wirthinnen, 16 Brauer.
Nach Verlesung der Anklageschrift wurden die Angeklagten einzeln aufgefordert, sich über ihre Schuld oder Nichtschuld zu erklären. Mit Ausnahme des Taglöhners Heinrich Maurer aus Idstein erklärten sich alle für nichtschuldig. Hierauf wurde die Sitzung bis 4 Uhr vertagt.
— Düsseldorf. Dem Ober-Bürgermeister von Düsseldorf ist jetzt auch ausgegeben worden, den Vertrag mit den dort in Thätigkeit sich befindenden Schulschwestern binnen sechs Wochen zu lösen.
— Braunschweig, 13. Juli. Die Laudesversammlung hatte dem Herzoglichen Staats-Ministerium die Bereitwilligkeit ausgesprochen, die Mittel zur Verfügung stellen zu wollen, welche erforderlich seien, jungen strebsamen und intelligenten Gewerbetreibenden und Handwerkern in der Stadt und aus dem Her^og- thum Braunschweig, Meister wie Gehülfen, den Besuch der Wiener Weltausstellung zu ermöglichen. Im Auftrage der Landesregierung hat der Vorstand des Gewerbevereins in Verbindung mit dem Vorstaude des Handwerkervereins und anderer gewerblicher Vereine nunmehr 19 junge Handwerker ausgewühlt, von denen 14 der Hauptstadt angehören. Jeder der Genannten erhält zur Reise nach Wien l00 Thaler, welche ansgezahlt werden, sobald die Reise dorthin angetreten wird. Dieselben haben die Verpflichtung, nach der Rückkehr dem Professor Di. Varrentrap einen Bericht einzureichen.