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neu angelegt, damit sich die unbemittelten Passagiere mit gutem Trinkwasser versehen und so ihren Durst stillen können.

— Dem I. Michel Hohenstein zu Plagwitz-Leipzig ist un­ter dem 6. Juli b. I. ein Patent auf eine Kuppelungsvorrich- tung für Laud- und Eisenbahn-Fuhrwerke in der durch Zeich­nung und Beschreibung erläuterten Construktion, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

— Der bei dem Bierkrawall zu Frankfurt angerichtete Scha­den beziffert sich auf 23,38Q ft.

— Aschaffenburg, 8. Juli. Mit der Verlegung unse­rer Forstschule nach München, schreibt die „N. Frankf. Presse", wird es noch eine geraume Zeit dauern. Es scheint, als ob man an maßgebender Stelle einsieht, daß die Verlegung nicht nothwendig ist, .und daß die ganze Agitation bei der Regierung und in der Presse nur von einigen unzufriedenen Professoren in Scene gesetzt wurde. Man versetze zwei dieser Herren an eine andere Schule des Landes, und die ganze Agitation hat ihr Ende erreicht, denn der Direetor der Anstalt, Oberregierungs­rath Dr. Stumpf nebst einigen anderen Professoren, sowie die meisten Forstmänner unseres Landes, sprechen sich gegen Verle­gung, aber für Verbesserung der Anstalt aus.

— Münch en, 9. Juli. Gestern tagte dahier im Ostbahn- direktirnsgebäude eine Konferenz der süddeutschen Bahnverwal­tungen, welche eine Besprechung und Vereinbarung über anzu­strebende Eisenbahn-Tarif-Aenderungen (Erhöhung der Personen- und Güterbeförderungstarife) zum Zwecke hatte.

— Ueber die s. g. „Staatskatholiken", d. h. Diejenigen, welche in einer Adresse an der Kaiser bekundeten, daß sie treu zu Kaiser und Reich halten, fallen die ultramontanen Blätter nicht sehr glümpslich her. So hat die römische „Voce della ve- rita" ihnen folgende Ansprache gehalten:

„Ihr seid im Geiste bereits Protestanten, erklärt Euch auch offen als solche. Ihr befreit uns dadurch von einer schweren Last und erspart uns ein großes Aergerniß. Christus sagt: „Was Du thun willst, das thue bei Zeiten", und wir wieder­holen das Wort des göttlichen Meisters; denn Ihr verdient es. Ja, Ihr verdient nichts Besseres, feige, verächt iche Menschen, die ihr im Schooße der katholischen Kirche geboren und durch sie erzogen, in der Stunde der Gefahr und Noth Eure Mutter im Stiche laßt, zu ihren grausamen Feinden und Verfolgern übertretet und statt Balsam Gift in ihre Wunden tröpfelt. Wir römischen Katholiken, welche der Kirche und dem Papste treu bleiben, verwerfen Eure elenden Vorschläge und weisen sie mit Verachtung und Abscheu zurück, während wir den Schritten Eu­rer Bischöfe und Priester und der treu gebliebenen Laien mit höchster Bewunderung und innigster Theilnahme folgen. Sie neunen Euch „Staatskatholiken", aber die Geschichte wird Euch dereinst einen anderen Namen geben, sie wird Euch „Verräther" heißen.

— Ratibor, 8. Juli. Nach einer Mittheilung des „Allg. Ob. Anz." sind im der Nachbarschaft in Altendorf, Planta, Pro- schowitz, Groß-Peterwitz, Marquartowitz, Koblau, Lekartow, Czyprzanow und Olsau Cholerafälle vorgekommen. In der Stadt selbst werden andauernd die geeignetsten Maßregeln zur Abwehr der Epidemie getroffen.

— Ber n, 5. Juli. Gestern hat das Berner Obergericht das Eudurthell in Betreff eines auf dem eidgenössischen statisti­schen Bureau begangenen Aktendiebstahls gefällt. Einer der Beamten des statistischen Bureaus hatte Listen der Volkszählung ceutuerweise nach Hause geschleppt, um daraus Adressen für ei­nen Lotterie-Kollekteur in Frankfurt a. M. abzuschreibeu; schließ­lich fand er aber die Arbeit des Abschreibens zu langweilig und sandte die Listen dem Frankfurter Hanse direkt zu. Vom Amts­gerichte Bern des Diebstahls für schuldig erklärt, wurde der Be­amte zu 3 Monaten Korrektionshast, die dann in Einzelhaft um­gewandelt wurde, verurtheilt. Der Verurtheilre appellirte, wel­cher Schritt auch den besten Erfolg hatte. Das Obergericht fand ihn nur der Begünstigung des Lotteriewesens für schuldig und

verurtheilte ihn zu einer Buße von 20 Fr. Ist das nicht. ein gnädiges Obergericht?

— Aus dem Kanton Tessin schreibt man der „N. Z. Z.": Unsere Regierung fährt fort, die besten Dispositionen zu treffen gegen die mit jeder Stunde wachsende Invasion des priester­lichen Fanatismus, unb hat die Versammlungen der Pius-Ver- eine mit kirchlichen Funktionen an Werktagen, nicht an Festtagen, wie es neulich in einem Telegramm hieß, untersagt, damit das Volk ruhig seinen Arbeiten pbliegen könne, ohne Störung durch unzeitigen Gottesdienst. So hat die Regierung angeordnet, daß beim Verfall der den fremden Geistlichen gegebenen Niederlassungs­bewilligung auch die Gewährung pfarrgeistlicher Funktion dahin­gefallen sein soll, so daß der fremde Geistliche in diesem Fall nicht nur die Aufenthaltsbewilligung, sondern auch das Placetum der Regierung erneuern muß, womit die letztere also eine Waffe mehr besitzen wird, um den fremden Klerus im Zügel zu halten.

— Paris, 8. Juli. Der Kriegs-Minister hat befohlen, daß das an der schweizer Grenze gelegene Schloß Montböliard eine Besatzung erhalte. Seit dem italienischen Kriege lagen dort keine Truppen mehr. Nur während des Krieges von 1870— 1872 befand sich daselbst eine kleine Garnison, die aber nach dem Friedensschluß wieder abzog. Jetzt soll ein ganzes Bataillon (vom 46. Regiment), und zwar schon nächsten Donnerstag, dort­hin verlegt werden.

— Paris, 9. Juli. In Folge einer von dem hiesigen persischen Geschäftsträger an den päpstlichen Nuntius ergangenen officiellen Notifikation von der Ankunft des Schahs gab der Nuntius im Namen des diplomatischen Korps den Wunsch zu erkennen, dem Schatz vorgesteüt zu werden. Der Empfang fand heute statt und währte P/s Stunde. Der Schah unterhielt sich mit sämmtlichen Gesandten, theils französisch, theils durch den Dolmetscher. An den Nuntius wandte er sich mit besonderem Wohlwollen, fragte nach zahlreichen Details über den Papst und dessen Gesundheitszustand. Dem Gesandten Englands sprach er neuen Dank für den Empfang Seitens der Königin aus. Aehu- lich sprach er sich gegen den russischen Gesandten aus. Zu dem dänischen äußerte der Schah, obwohl er uicht nach Kopenhagen gegangen, sei er doch fast in freundschaftliche Beziehungen zu dem Königreich und der dänischen Königsfamilie getreten, da er die Bekanntschaft der Großfürstin Cäsarewna und der Prinzessin Wales gemacht habe. Augsb. Abdztg.

— London, 9. Juli. In der heutigen Sitzung des Un­terhauses beantragte Richards, daß die Regierung mit den aus­wärtigen Mächten Unterhandlungen anknüpfe behufs Errichtung eines permanenten Schiedsgerichts. Obgleich Gladstone und der Unterstaats-Sekretär Enfield sich gegen diesen Antrag aussprachen, wurde derselbe mit 98 gegen 88 Stimmen angenomme .

— London, 10. Juli. Die Bank von England hat den Discvut von 6 auf 5 pCt. herabgesetzt.

— Konstantinopel, 9. Juli. Das Sauitätsdeparte- ment, welches die Nachricht von einem heftigen Auftreten der Cholera auf dem linken Donauufer erhielt, verfügte die Quaran­täne für alle aus Galatz Kommende. Das hiesige Journal „Baisziret" will, wissen, daß demnächst von hier 8 Kriegsschiffe nach Sumatra abgehen sollen, um die Interessen der dortigen türkischen Unterthanen zu wahren. (R.». st. a.)

Lokales und Provinzielles.

—d. Hanau, 11. Juli. Schon zu verschiedenen Malen wurden in den Lokalblättern unsere so schönen Alleen erwähnt und auch Fremde, die nach hier kommen, erfreut bereu prächtiger An­blick, und zwar mit allem Recht; im Augenblick sind es die verschiedenen Lindenalleen, die, in voller Blüthe stehend, herr­lichen Wosilgernch verbreiten und den Spaziergänger zum Ge­nusse desselben einladen. — Um so erfreulicher ist es, daß die Aschaffenburger Straße und die Straße nach Niederrodenbach zu, — früher eine langweilige Pappelallee, — jetzt mit Linden be­pflanzt sind, die leider lchon durch ,-revlerhand und Unwetter fürchterlich gelitten haben, so daß größere Strecken nachgepflanzt werden mußten, was dem Ganzen ein lückenhaftes Ansehen gibt, weil die Nachpflanzungen sehr schwache Stämmchen gewesen sind.