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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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157. Donnerstag den 10. Juli. 1873.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts dahier.
Der großen Hitze wegen und um ansteckenden Krankheiten möglichst vorzubeugen, erscheint eine Desinfektion sämmtlicher Aborte und Abtrittsgruben in hiesiger Stadt dringend geboten.
Die Hausbesitzer werden deshalb ersucht, im eigenen und im allgemeinen Interesse eine solche Desinfektion, und da, wo es nöthig ist, eine vorhergehende Entleerung dieser Orte in ihren Gebäuden vorzunehmen.
Das geeignete Material ist in jeder Apotheke und Mate- rialienhandlnng zu beziehen.
Ebenso werden die Vorstände aller staatlichen und städtischen Gebäude und Schulen, die Besitzer von Fabrik-Etablissements, die Leiter von Privatsch^len, die Stadtbehörde auch hinsichtlich der städtischen Kanäle, dringend ersucht, in den unter ihrer Aufsicht stehenden Gebäuden rc. das Erforderliche veranlassen zu wollen.
Nur durch eine in geeigneten Zwischenräumen (etwa von 8 zu 8 Tagen) wiederholte Desinfektion kann die erstrebte Sicherung gegen Nachtheile erzielt werden.
Hanau am 7. Juli 1873.
Tagesschau.
—• Der „R. u. St -A." Nr. 160 enthält: 1) Gesetz, betreffend den Antheil des ehemaligen Norddeutschen Bundes an der französischen Kriegskosten-Entschädigung. Vom 2. Juli 1873. 2) Bekanntmachung, betreffend die Pharmacopoea Germanica. Vom 4. Juli 1873.
Berli n, 9. Juli. Die „Provinzialevrrespondenz" bespricht nochmals die von Katholiken an den Kaiser gerichtete Adresse und sagt: Hiermit beginnt die Scheidung der Geister innerhalb der deutsch-katholischen Kirche im Gegensatz zu der bisherigen absoluten Herrschaft fremdartiger Machteinflüsse. Durch die neueste kirchliche Gesetzgebung hat der Staat sich die Macht und die • Möglichkeit gesichert, die Interessen der bürgerlichen Gesellschaft nach allen Seiten wirksam zu wahren, und die Staatsregierung ist entschlossen, von den Mitteln, welche ihr die Gesetzgebung in die Hand gegeben hat, gegen alle geistlichen Herr- schaftsgelüste, gegen allen Trotz und alle Ausflüchte rückhaltslos Gebrauch zu machen, jeder Tag bewährt ihre Entschlossenheit. Der Artikel schließt: Männer, welche entschlossen sind, den Bann vaterlandsfeindlicher Abhängigkeit zu brechen, werden den eingeschlagenen Weg unbeirrt non Anfechtungen verfolgen, und Patrioten aus allen Kreisen werden sich immer zahlreicher vereinigen, um in Uebereinstimmung mit dem Wunsche des Kaisers dem Vaterlande den inneren Frieden wiederzugeben. (Neue grants, Pr.)
— Berlin, 5. Inti. Der Bundesraths-Ausschuß für Handel und Verkehr hat, auf die Anträge mehrerer Regierungen auf Erweiterung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen, welche nach §. 16 der Gewerbeordnung einer besonderen Genehmigung bedürfen und einige damit zusammenhände Eingaben bei dem Bundesrath beantragt: „Es sei 1) das Verzeichn iß konzes- sionspflicktiger Anlagen im §. 16 der Gewerbeordnung auf Hopsen- Schwefeldörren, Asphaltkochereien und Pechsiedereien, Strohpa ' pierstoff-,Fabriken, Darmzubereitungs-Anstalten und Fabriken von i Dampfkesseln anszudehneu, eine dem entsprechende Verordnung । zu erlassen und hierzu seiner Zeit die nachträgliche Genehmigung 1
des Reichstages einzuholen, 2) auf die vorliegenden, die Berück- , sichtigung noch anderer Anlagen bezweckenden Anträge zur Zeit : nicht einzugehen, jedoch zu Protokoll das Einverständniß der Bundesregierungen darüber zu konstatiren, daß die Frage, in , wie weit aus Gesundheits- oder anderen polizeilichen Rücksichten I die Lagerung von Fellen, imgleichen die Errichtung solcher ge- : werblichen Anlagen, welche durch schädliche Effluvien fließenden öffentlichen oder Privatgewüssern Verderbniß drohen, Beschrän- : kuugen unterworfen werden können, nicht nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung sich regele.
— Die bereits au dieser Stelle angekündigten Maßregeln der Staatsregierung gegen die kathonsch-theologischen Lehranstalten, welche sich der Staatsaufsicht entziehen wollen und demge- ’ mäß nicht für Vocbildungsaustalten künftiger katholischer Geistlichen angesehen werden, nehmen ihren Fortgang dahin, daß ihnen die bisher gezahlten Zuschüsse kurzer Hand entzogen werden, so . daß sie namentlich nicht mehr im Stand sind, die Lehrer aus diesen Zuschüssen zu bezahlen. Es macht dabei gar keinen Unterschied, ob diese Gelder aus ehemaligen kirchlichen Fonds herrühren oder nicht, da selbige auch schon seit langer Zeit dem Staate ‘ zur Verfügung überwiesen sind. Auch hofft man, durch diese und die andere im Reiche getroffene Maßregel, welche eine Anzahl Orden aus demselben verbannt, das Lehramt von den streng geistlichen Einflüssen zu befreien. So war beispielsweise die Ritter-Akademie von Bedburg in der Rheinprovinz mit verschiedenen Loyolisten-Patres als Lehrern versehen, welche nun auch das Weite zu suchen haben. . TrN.
— Die „Hess. Mgztg" schreibt in ihrer Tagesschau: Bei der augenblicklich herrschenden fast vollständigen Stille im politischen Leben treten die einzelnen Fälle ultramontaner Auflehnung gegen Gesetz und Staatsbehörde umsomehr in den Vordergrund. Es würde wohl falsch sein, schon jetzt eine Abnahme des Widerstandes auf jener Seite behauvten zu wollen. Dagegen läßt die jetzige Uebertreibung in den Hetzereien gegen den Staat, in der Darstellung der angeblich die katholische Kirche als solche bedrohenden Gefahren keine weitere Steigerung mehr zu, es sei denn, daß die „Germ." anfinge, den offenen Aufruhr zu predigen. Letzteres wird sie wohl bleiben lassen, da sie weiß, daß ihr die katholische Bevölkerung auf dieses Gebiet nicht folgen wird. Da nun aber schon jetzt, wo doch erst der Anfang mit der Wahrung der Rechte des Staates gegen die Kirche gemacht wird, die klerikale Partei die äußersten Mittel der Agitation ausnutzt, so muß diese später, wenn die Bekämpfung des^Ultra- montanismus durch den Staat praktischer und erfolgreicher werden wirb, naturgemäß erschlaffen und dadurch den endlichen Sieg der Staatsautorität erleichtern. Und in diesem Sinne kann man das jetzige hitzige und schroffe Auftreten der Ultramontanen sich schon gefallen lassen.
— Am 5. und 7. d. M. gab der Vorsitzende der deutschen Ausstellungs-Kommission in Wien, Ministerial-Direktor Moser, den deutschen Mitgliedern der jetzt dort versammelten Jury in den Räumen der Kommission zwei glänzende Diners. Den von dem Vorsitzenden ansgebrachten Toasten auf den Deutschen Kaiser und die brunchen Fürsten folgten zahlreiche andere, nament- lieh auch auf den hohen Protektor der deutschen Ausstellung, den