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„N 154.Montag den 7. Juli. 1873.
Tagesschau.
— Der „R. n. St. A." Nr. 156 enthält: Gesetz, betreffend die Einführung der Verfassung des Deutschen Reichs in Elsaß- Lothringen. Vom 25. Juni 1873. Gesetz, betreffend die Errichtung eines Reichs-Eisenbahn-Amtes. Vom 27. Juni 1873. Gesetz, betreffend die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen an die Officiere und Aerzte des Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine, sowie an die Reichsbeamten. Vom 30. Juni 1873. Gesetz, betreffend die Registrirung und die Bezeichnung der Kauffahrteischiffe. Vom 28. Juni 1873. Weiter enthält Nr. 157 Verordnung, betreffend die Klassifikation der Reichsbeamten nach Maßgabe des Tarifs zu dem Gesetze vom 30. Juni 1873 über die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen zc. Vom 30. Juni 1873.
— Im Jahre 1872 wurden auf den Stationen des Deutschen Reichs-Telegraphengebiets, nach dem „Amtsbl. d. D. R. T. V.", 8,249,229 Depeschen aufgegeben, 1,850,634 mehr als Jahre 1871; davon waren im internen Verkehr 6,783,533 (gegen 1871 mehr 1,569,696), im nicht internen Verkehr 1,465,690 (mehr 280,938).
— Berlin, 5. Juli. Der Kömgliche Polizei-Präsident von Madai hat gestern einen achtwöchentlichen Urlaub angetreten und sich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben. Während seiner Abwesenheit wird derselbe durch den Geheimen Regierungs- Rath von Hertzberg vertreten werden.
— Ans Varzin 3. Juli ist dem „Reichs-Anzeiger" folgendes Schreiben zur Veröffentlichung zugegangen: „Ich erhalte in Varzin noch immer täglich zahlreiche Gesuche und Zusendungen privaten, halbamtlichen, literarischen Inhalts, in einer Form, welche Beantwortung voraussetzt. Wollte ich dieser Voraussetzung entsprechen, so würde der Zweck meiner aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Beurlaubung verfehlt werden. Zur Verhütung von Mißverständnissen erkläre ich daher, daß ich zu meinem Bedauern außer Stande bin, direkt oder indirekt an mich gerichtete Schreiben oder Telegramme zu beantworten, so lange ich nicht nach Berlin zurückgekehrt sein und meine Geschäfte wieder übernommen haben werde. v. Bismarck."
— Die kürzlich durch den Staatsanzeiger veröffentlichte Adresse schesischer Katholiken, welche die „Germania" zu „Staats- Katholiken" befördert hat, und die auf diese Adresse ertheilte Antwort des Kaisers wird höherer Anordnung zufolge durch die Regierungs-Amtsblätter zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden. Auch in der Provinz Posen werden jetzt Schritte unter den Katholiken gethan, damit sie sich der in Rede stehenden Adresse anschließen.
— • Weimar, Sonnabend, 5 Juli. Der Nachtschnellzug von Berlin nach Frankfurt a. M. ist nahe der Station Frött- stedt (zwischen Gotha und Eisenach) entgleist. Dem Vernehmen nach sind ein Bremser und ein Passagier getödtet, einige Andere verwundet worden.
— Weimar, 5. Juli. Bei dem Eisenbahnunglück in der Nähe von Fröttstedt sind ein Passagier und ein Bremser getödtet und circa 40 Personen verwundet worden. (Neue Franks. Pr.)
— Co b u r g, 3. Juli. Eine im gestrigen Wochenblatte erschienene Ministerialbekanntmachung hebt die Entrichtung der sogenannten Hagestolzgelder, welche seither aus dem Nachlasse^
ledig verstorbener Männer nach znrückgelegtem 40. Lebenjahre zu Gunsten der Wittwenversorgungskasse zu entrichten war, auf.
—• München, 5. Juli. Bei den großartigen Uebungen, welche durch 16 Pionier- und 16 Artillerie-Kompagnien von Mitte Juli bis Ende Juli in Graudenz stattfinden, werden sowohl die europäischen Heere als selbstverständlich die einzelnen Korps des deutschen Reichsheeres vertreten sein. Von Bayern sind hiezu beordert von der Artillerie: Oberst v. Neubeck, Oberstlieutenant v. Büller und Hauptmann v. Bomhard; vom Jnge- nieurkorps: Major Staudacher und Hanptmann Macco; vom Generalstab: Hauptmann Popp. So ist auch Bayern schon durch hervorragende Offiziere bei der Artillerie-Prüfnngs-Kom- mission und dem Nebenetat des Großen Generalstabes in Berlin, der Militairschießschule in Spandan und den Festungsbauten von Metz und Straßburg vertreten. Ferner werden an den Ende August bei Metz stattfindenden Detachements-Uebungen das 5. Jäger-Bataillon (Major Heß) von Zweibrücken und 2 Feldbatterien (Oberstlieutenant v. Sauer) von Landau Theil nehmen. Ebenso werden preußische Artillerie-Offiziere bei den bewährten Schießübungen unserer vortrefflichen Artillerie auf dem Lechfelde erwartet. Auch bei den so wichtigen instruktiven Frie- densübungeu innerhalb des Reichsheeres wird so die Waffenbrüderschaft aus dem großen nationalen Kriege mit Freuden immer forterhalten.
— Nürnberg, 4. Juli. Anläßlich einer Anfrage des Frankfurter Polizeipräsidiums wurde in heutiger Magistratssitzung constatirt, daß der hier vorgekommene Cholerafall ganz vereinzelt und eingeschleppt war.
— Der Erzbischof Ledochowsky will nach Posen'schen Corre- spondenzen die beiden Priesterseminare in Posen und Gnesen fortsetzen, trotzdem die Staatsregierung denselben bekanntlich die bisher geleistete Unterhaltungssumme entzogen hat. Der „Primas von Polen" rechnet hierfür auf die fromme Beisteuer der Gläubigen. Aus diesem Grunde ist der Erzbischof auch vorläufig nicht gesonnen, sein früheres Verbot des Uuiversitätsbe- suches für die Candidaten des geistlichen Standes aufzuheben.
— Wien, 3. Juli. Welch kolosfale Aufgabe die internationale Jury der Wiener Weltausstellung zu bewältigen hat, geht aus den einzelnen Zählungen der Aussteller und Ausstellungs-Objekte hervor, welche bis jetzt annähernd sichergestellt worden sind. Die Jury-Abtheilung für die Gruppe der Nahrungsmittel hat z. B. in der 3. Sektion mehr als 30,000 Flaschen Wein zu prüfen und mehr als die doppelte Zahl von Li- queuren und gebrannten Wässern. In der Sektion 7 dieser Gruppe: Tabackfabrikate, werden einige tausend Stück Cigarren bester und schlechtester Qualität gleichmäßig geprüft und, indem die Prüfung durch das Aufrollen der Cigarre vorgenommen wird, vernichtet. Nach der genauen Zählung der Aussteller der fünften Gruppe, Sektion 1: Schafwollwaaren, hat sich für die Streichgarngewebe und gewalkten Gewebe eine Summe von 5084 Ausstellern ergeben, die durch mindestens 12,000 Artikel vertreten sind. Wenn man die zu bewälrigende Aufgabe betrachtet, findet man die durchgehende Verstimmung der Jurors begreiflich, da sie nicht nur ihre Aufgabe, sondern auch eine ungemeine Unordnung in dem Arrangement zu überwältigen haben. Um nur Eines aus der Masse der Beschwerden hervorzuheben,