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.M 152.Freitag den 4. Juli.1873.

Tagesschau.

— Die aus Wien nach Berlin gelangten Nachrichten über den Besuch der Kaiserin Augusta lassen den Empfang, welchen die deutsche Kaiserin dort gefunden, als einen zugleich sehr glän­zenden und intim herzlichen erscheinen. Die Kaiserin Augusta sieht bekanntlich Wien zum ersten Male nnd es soll ihr die Stadt, so wie die Ausstellung einen mächtigen Eindruck gemacht haben. Die Abreise der Kaiserin ist am Montag unter den herzlichsten Formen erfolgt. Die Kaiserin hat dem Kaiser Franz Josef die — außerdem in einem Briefe Kaiser Wilhelms noch speciell aus­gesprochene — Versicherung gegeben, ihr Gemahl werde ganz sicher noch-im August oder September nach Wien kommen, wenn seine Gesundheit und das Ergebniß der Kuren in Ems und Gastein es erlaube.

— Die Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahn-Ge­sellschaft ist zu den Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Schlet­tau an der Halle-Casseler Eisenbahn über Schafstedt und Opp- hausen nach Querfurt verstattet worden.

■ — Darmst a d t, 1. Juli. In der Kammer ist heute ein Antrag von den Abgg. Goldmann, Küchler, Edinger, Hein- zerling eingebracht worden, die Regierung um eine Gesetzvor­lage zu ersuchen, worin bestimmt wird, daß vom 5. "Januar 1876 au in keiner Gemeinde des Großherzogthums Octroi für 1) Brodfrucht, Mehl, Backwaaren, Kartoffeln; 2) Schlachtvieh, Fleisch und Flcischwaaren; 3) Brennmaterial jeder Art mehr erhoben werden darf.

— München, 1. Juli. Das k. Kultusministerium soll von der Kreisregierung von Oberbayern Erhebungen über die Jesuitenverwandtschaft der Schulschwestern abverlangt haben.

— sSpitzeder Chronik.s München. Dieser Tage wurde das bezirksgerichtliche Erkenntniß in Bezug auf die durch die Versammlung der Spitzeder'schen Gantglüubiger bestrittenen Forderungen an die Spitzeder'sche Gantmasse publizirt. Hiernach wurden 1) die Separationsansprüche der Schauspielerin und Spitzeder'schen Busenfreundin Rosa Ehinger auf beiläufig 50,000 fl. in Werthpapieren und auf eine Reihe von Schmuckgegenstände verworfen, nachdem in der am 14. ds. stattgefundenen gericht­lichen Verhandlung ein Antrag in dieser Richtung vom Vertre­ter der Ehinger nicht gestellt worden war, 2) die weiteren Se­parationsansprüche eben derselben auf eine Baarschaft von 2000 fl. und ungefähr 200. Giesiuger Kirchenbauloose auf den 4. Okt. l. Js. vertagt, 3) die Bediensteten der „Volksküche" für Dienst- lohn und Kost-Entschädigung in die erste Forderungsklasse ein­gestellt, während zwei Anderen dieser Leute über zweifelhafte Jn- cidenzpunkte der Beweis auferlegt wurde, endlich 4) die Forde­rungen des Spitzeder'schen Controleurs Georg Zeitler mit 3400 fl. und Schreibers Joh. Maurer mit 100 fl., Seiner Reinlichkeit des Hrn. Dr. Faist als Redakteurs des weiland „Münchener Tagblattes" mit 512 fl. und des Hausmeisters Karl Hack mit 60 fl. zwar als liquid anerkannt, aber nicht, wie diese Bieder­männer verlangt hatten, in die erste, sondern in die fünfte, also letztere Fordernngsklasse ein- und demnach mit beu Tausenden von Wechselfsrderungen gleichgestellt. (Mmmh. saget.)

— Ueber den Ausfall der Wahlen in Elsaß-Lothringen fällt ein auswärtiges Blatt, die „Schweizer Grenzpost", folgen­des Urtheil: Die Wahlen haben deutlich gezeigt, daß alle An-

strengungen der Liga, die Elsässer zu einer allgemeinen Wahl- enthaltung zu bestimmen, fruchtlos blieben. Im Großen und Ganzen tragen die Wahlen den Stempel ruhiger Ueberzeugung und großen Verständnisses des Volkes für seine politischen, wie materiellen Interessen; sie konstatiren auch, daß die Wähler zum Voraus darauf verzichtet haben, ihr Wahlrecht zur eitlen Demon­stration auszunutzen. Die paar tausend Stimmen, welche in letz­terem Sinne in Straßburg und einigen klerikalen Dorfgemeinden abgegeben wurden, können im Hinblick auf das Gesammtresultat gar nicht in Betracht kommen, sondern sind nur geeignet, die Ohnmacht einer Partei zu konstatiren, welche sich den Anschein zu geben weiß, als hätte sie wenigstens neun Zehntheile der Wähler in ihren Händen und brauche sie nur an einer Feder zu drücken, um das ganze so friedlich aussehende Land in ein Kriegs­theater umzuwandeln. Durchgehen wir im Einzelnen das Resul­tat in den verschiedenen Kantonen, so finden wir solche, wo man selbst versucht wäre, eher eine Demonstration zu Gunsten der gegenwärtigen Zustände zu erblicken. Der Kanton Hüningen zunächst an der Schweizer Grenze z. B. wählte nicht nur einen deutschfreundlichen Bezirksrath, sondern einen wahrhaftigen Alt­deutschen, den Gutsbesitzer Baron v. Leoprechting, und zwar mit 1603 von 1689 abgegebenen Stimmen. Der Baron ist zwar schon seit einer Reihe von Jahren im Kanton ansüßig, dieses würde ihm aber wenig genützt haben, hätte hier der Deutschen­haß den Ausschlag gegeben. Ueberhaupt zeigte sich das Sundel- gau, ja da ganze Oberelsaß, mit Ausnahme der Kantune Mül­hausen, Kolmar und Winzenheim, fremd von jedem äußeren Ein­flüsse. Daß übrigens in Mülhausen und in Kolmar irgend ein äußerer Einfluß besonders maßgebend gewesen wäre, könnte man just nicht behaupten, es war vielmehr der Mangel jedes Ein­flusses, der hier entschied und der die Wähler kalt ließ. Wie im Oberelsaß überall, wo gewählt wurde, die gewöhnliche Be­theiligung von 50 Proz. erreicht wurde, so treffen wir dieses Verhältniß auch im Unterelsaß und in Lothringen; auch zeigt das Resultat den nämlichen Charakter. Mit Ausnahme von Straßburg sind auch im Unterelsaß und Lothringen entschieden ordnungsfreundliche Wahlen zu Stande gekommen.

— Leipzig. Der Ausschuß der socialdemokratischen Ar­beiterpartei (Fraktion Bebel-Liebknecht) zeigt an, daß der dies­jährige Parteikongreß vom 23. bis 26. August in Nürnberg ab­gehalten werden soll.

— Metz, 30. Juni. Der Transport der aus Frankreich zurückkehrenden Okkupationstruppen beginnt in der Art, daß täg­lich von Saarlouis aus zwei Militairzüge nach Köln und Neuß abgehen. Sie beginnen am 6. und endigen am 14. August.

— Wien, 3. Juli. Authentische Meldungen über den Ausbruch der Cholera besagen, daß in der vergangenen Woche 4 Cholerafülle vorgekommen sind, wovon drei Fremde aus^in- ficirten Gegenden Ostpreußens, einer einen Fremden aus Tu­rin betrafen. Von diesen Erkrankten sind drei gestorben, einer in der Besserung. Unter der hiesigen Bevölkerung sind keine Erkrankungsfülle vorgekommen, und ist sonst der Gesundheitszustand befriedigend. (Neue Fra-m Pr.) Daß bei dem immer drohender werdenden Charakter der Cholera alle Vor­sicht geboten ist, ist selbstverständlich. Folgende Maßregel be­findet sich in den Franks. Lokaliiotizeu: „Das Auftreten der