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M 149.
Dienstag den 1. Juli.
1873.
Tagesschau.
— Sc. Majestät der Kaiser und König haben den Erb- Landmarschall in Hannover, Grafen zu Münster, zu Allerhöchst- ihrem außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei Ihrer Majestät der Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritanien und Irland zu ernennen geruht.
— Das den Herren F. Edmund Thode und Knoop in Dresden unter dem 1. März 1871 auf die Dauer von drei Jahren für den ganzen Umfang des preußischen Staats ertheilte Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Maschine zur Fabrikation von Bürsten ist auf fernere zwei Jahre, also brs zum 1. März 1876, verlängert worden.
Dem Ernst Camus zu Paris ist unterm '25. Juni 1873 ein Patent auf ein durch Modell und Beschreibung nachgewiesenes Instrument zur Herstellung verschobener Zeichnungen auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
.— Bei Kaufgeschäften in Pausch und Bogen ist, wie das Kammergericht ausführt, der Ertrag nicht zu vertreten, wenn selbst der Information ein Anschlag beigegeben wird (§. 213 Theil 1 Titel 11 Allgem. Land-Rechts).
— Die Aerzte sind, wie das Kammergericht ausführt, nach §. 80 der Bundes-Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 auch jetzt noch an die Sätze der Medizinaltaxe von 1815 gebunden; es sind bei Gelegenheit eines Prozesses dem Arzte mit Rücksicht auf die Größe der Stadt Berlin die höchsten Taxsätze zugebilligt . worden.
— M ü u ch e n, 28. Juni. Nach den bis jetzt getroffenen Bestimmnngen wird, dem „K. v. u. f. D." zufolge, bet 1 König die Wiener Weltausstellung nicht besuchen. Se. Majestät wird aus Schloß Berg übermorgen in Hohenschwangau eintreffen und einige Zeit daselbst verweilen, das Kgl. Sekretariat jedoch in Berg verbleiben.
— Neuenahr, 29. Juni. Der Dichter Dr. Wolfgang Müller von Königswinter ist heute Nachmittag 5^ Uhr einem Leberleiden erlegen.
— In Sachen der deutschen Okkupation hat der „Moniteur universel" Folgendes in Erfahrung gebracht: Die Stadt Clermont im Mense-Departement wird schon am 8. Juli geräumt werden, weil die dort garnisouireuden Truppen nach Verdun gehen werden, um dort an den Manövern der 12. Infanterie- Brigade theilzunehmen. Diese Manöver werden vom 10. Juli bis zum 1. August auf der Ebene von Charny abgehalteu werden. Da die Ernten bis dahin eingeheimst sein werden, so dürfte der durch die Uebungen angerichte Schaden nicht bedeutend sein. Saint-Mihiel wird erst am 25. Juli geräumt werden; die erste Schwadron vom 11. Ulanenregiment wird dann in Verdun Garnison nehmen.
Wien. Abermals hat eine Bank ihre Zahlungen eingestellt: Es ist dies die Linzer Industrie- und Kommerzialbank, welche eigentlich schon durch das Falliment der Wiener Jndustrial- bank mitgerissen worden wäre. Dieses Falliment ist übrigens nicht ohne politische Bedeutung und wird der Verfassungspartei wahrscheinlich schweren Schaden zufügen. Die leitenden Persönlichkeiten dieser Bank zählen nämlich zu den festen Stützen der Verfassungspartei in Oberösterreich, und man wollte daher
den Klerikalen nicht die Freude machen, ihren politischen Gegner ruinirt zu sehen. Leider sind alle diese Bestrebungen gescheitert, und hat diese Provinzialbank sich schließlich doch insolvent erklären müssen. Das Aushilfskomitö, das eigentlich berufen wäre, in solchen Fällen zu interveniren, hat sich ohnmächtig erwiesen und den Fall dieser politisch wichtigen Provinzialbank nicht aufzuhalten vermocht. Für die Regierung ist dieser Mißerfolg des Aushilfskomitö ein harter Schlag, und ist man hier immer mehr und mehr von der Ueberzeugung, durchdrungen, daß das gegenwärtige Kabinet diese Krisis überwältigen muß, wenn es ihr nicht zum Opfer fallen soll. Mit alleiniger Ausnahme der Sus- pendirung der Bankakte ist keine einzige Maßregel der Regierung von Erfolg gewesen. Die Besserung unserer Zustände ist bedingt durch den Erntesegen, sowie durch den allmälig zum Durchbruch gelangenden Erfolg der Weltausstellung. Dieser Faktor wird auf den ökonomischen Prozeß, der sich in Oesterreich soeben vollzieht, gar nicht ohne Rückwirkung bleiben; ebenso wenig als die Ernte, die nun endlich doch gesichert zu sein scheint.
— Wien, 29. Juni. Das Aushilfscomite macht bekannt, daß die Belehnung von Waaren Ultimo dieses Monats beginnen wird. Zinsfuß von 8 pCt., Deckung durch Waaren und dreimonatliches Accept sind die zu erfüllenden Bedingungen. -Das Comitö hat weit über 5 Mistionen im Escompte und Lombard verwenden können. — Die Generalversammlung der ungarischen Ostbahn hat alle Anträge des Verwaltungsraths, darunter die Sistiruug der Zahlung des Actiencoupons angenommen. Der Prioritätencoupon wird bezahlt. — Die Versammlung der Gläu^ biger der österreichischen Judustriebauk hat die außerordentliche Liquidation beschlossen. — Die Hypothekenbank liberirl Actien und reducirt die geforderte Einzahlung auf die Hälfte.
- (Neue grants. Pr.)
— B er n, 29. Juni. Seitens der hiesigen Regierung wird die Nachricht, daß hier und in Thun die Blattern herrschen, officiell für unbegründet erklärt.
— London, 26. Juni. Es muß den englischen Blättern zum Lobe nachgesagt werden, daß sie sich über die Erfolge der russischen Waffen in Khiwa bei weitem würdiger aussprechen, als die russischen Zeitungen eben erst über das, verhältuißmä- ßig so unbedeutende, Ereigniß der zu Ehren des Schah in England veranstalteten Festlichkeiten gethan haben. Die „Times" zollt der Umsicht, mit welcher der Feldzug geplant und ausgeführt wurde, sowie der Ausdauer der betreffenden Truppentheile vollste Anerkennung und schildert mit beredeten Worten die ungeheuren Schwierigkeiten, welche dabei zu überwinden waren. Schließlich aber gelangt sie an die Frage, was Rußland mit seiner neuen Eroberung anfangen werde, und bemerkt hiezu: Was immer die russischen Blätter über die Kültivirung der nun von ihren Soldaten durchzogenen Wüsteneien sagen mögen, so zweifeln wir doch, daß diese durch die Eroberung von Khiwa fruchtbarer und wegsamer werden dürften. In dein einen haben die russischen Blätter das Richtige vielleicht getroffen, daß sie den Zug nach Khiwa mit dem uns eigen gegen Magdala verglichen; ob sie aber aus Khiwa abziehen werden, wie wir aus Abessinien, muß erst die Zukunft lehren. Wir unsererseits bedauern keineswegs, daß den Khan von Khiwa Sie wohlverdiente Strafe erreichte, und auch die Perser haben dafür keinen Grund des Be-