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der Männergesang-Verein die erste Strophe sang. Nun richtete der Bürgermeister eine Ansprache an den Kaiser, aus der wir folgende Stelle hervorheben: „Was dem Krieger die Veste, war und ist dem Bürger das Stadthaus. Dorthin führt ihn sein Beruf, dort sieht er die schaffende Macht des Zusammenwirkens, das Band der gesetzlichen Ordnung, dort übt er seinen Gemeinsinn, sein Recht, seine Pflicht. Der erste Stein, den Eure Majestät dem beginnenden Baue einzufügen geruhen, hat deßhalb hohe Bedeutung. Er bedeutet die erhebende Würdigung und Werthschätzung des Bürgerthums, er ist ein neuer Beweis des kaiserlichen Schutzes und Schirmes, den Eure Majestät diesem kräftigen Kerne des Staatswesens, den Eure Majestät der segenbringenden Institution der freien Gemeinde in hochherzigster Weise angedeihen zu lassen, niemals versagen." In seiner Antwort sagte der Kaiser u. A.: „Als Ich die Beseitigung der Stadtmauern bewilligte, war es Meine feste Ueberzeugung, daß die sicherste Schutzwehr des Thrones sowie des Landes die Liebe und Treue seiner Bürger sei (stürmische Hochrufe), und mit Stolz können die Bürger Wiens eben den Ort dieser Anlagen betrachten, in deren Nähe sich einst ihre Vorfahren durch ihre muth- volle Aufopferung um die Stadt und das Reich so große Verdienste erworben haben. Möge der jetzt eingefügte Grundstein dem darauf entstehenden Gebäude eine Stütze bieten, so fest und so unerschütterlich, als die Treue und der echte Bürgersinn, welche in den Herzen der Wiener Bürgerschaft schon seit undenklichen Zeiten als feste Grundlagen wurzeln." Die Versammlung begrüßte mit anhaltenden Hochrufen die kaiserlichen Worte. Nachdem die verschiedenen Urkunden in den Grundstein gelegt waren, vollführten der Kaiser, nach ihm die Erzherzoge, die Minister und die übrigen Ehrengäste die üblichen Hammerschläge.
— Wien, 16. Juni. Die internationale Brauerversammlung hat heute Vormittags 11 Uhr mit einer Zusammenkunft im Musikvereinssaale begonnen und wird dem gemeinsamen Studium und der Erörterung aller auf die Brauerei bezugha- benden Gegenstände sechs Tage widmen. — Die Betheiligung am Kongresse ist eine ungemein rege; bis zum 12. Juni hatten sich an 400 Theilnehmer (Brauer, Malzfabrikanten, Redakteure der Fachblätter, Hörer der Fachschulen rc.) aus allen Weltgegenden angemeldet. Die heutige sehr zahlreich besuchte Versammlung, bei welcher auch der Bürgermeister Dr. Felder erschien, wurde von Herrn Moriz Faber (Liesing), Vorstand der Brauergenossenschaft, mit einer herzlichen Begrüßung eröffnet, und hierauf Herr Gabriel Sedlmayer aus München zum Präsidenten des Kongresses gewählt. Derselbe dankte in einer gehaltvollen Ansprache. Zu Vicepräsidenten wurden die HH. Moriz Faber und Joh. Stein (Frankfurt am Main), zu Schriftführern die Herren Richter (Grinzing), Dr. Moriz (Mainz) und Fasbender (Wien) gewählt.
— Wien, 17. Juni. Soweit die Nachrichten reichen, ist der Medio günstig abgelaufen. Das Aushülfecvmitä legt das größte Gewicht auf das Kostgeschäft, die Stützung depothaltender Banken und die Escomptirung nicht bankfähiger, langsichtiger Wechsel. Käufe von über Pari notirenden Papieren sind ausgeschlossen. Die Blätter dementiren die Nachricht, daß der nieder-österreichische Landesausschuß bei der Creditanstalt ein Depot von 2^2 Mill. gekündigt habe, der Ausschuß besaß nur 400,000 fl. in Ueberbringer-Kassenscheine, wovon er wegen Geldbedarfs die Hälfte gekündigt hat.
— Die „Trib." fchreibt in ihrer Tagesschau: Obgleich der
Sommer vor der Thür ist, bemerkt man noch wenig von einem Nachlassen der politischen und diplomatischen Thätigkeit und fast in jedem Lande Europas liegen innere Fragen vor, die das Land lebhaft beschäftigen. Wir wollen nicht von Frankreich und Spanien sprechen, die mitten im Kampfe stehen und in denen die verschiedensten Parteien um die Oberherrschaft ringen. — Auch in anderen Ländern mit geordneten Einrichtungen ziehen sich die politischen Discussionen dieses Mal bis in den Sommer hinein. England beschäftigt sich mit inneren Fragen von Wichtigkeit,
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten euangel Wamimames. unter BeraniworUichleu Des Anstois G üu Weistvrv»
NE" Die verehrlicheu Abonnenten werden gebeten Klagen über zu späte oder unregelmäßige Ablieferuw gen des „Hanauer Anzeigers" bei der Expedition (Waisenhaus-Comptoir) auzubriugeu.
sucht die Zustände der Arbeiter zu verbessern und Ersparnisse in seiner Verwaltung herbeizuführen, bereitet sich auch nebenbei auf den Besuch des Schah's vor, dessen Glanz — wie uns scheint — mit jedem Tage, den er in Europa zubringt, mehr schwindet. In Italien ist die öffentliche Meinung noch erregt durch die letzten Debatten über das Klostergesetz, das jetzt vom Senat berathen wird, sowie durch die Vesorgniß vor Conflicten mit Frankreich. Es tauchen deshalb auch Gerüchte von einer Allianz zwischen Deutschland und Italien auf, welche unser Kronprinz in Venedig mit dem italenischen Kronprinzen Humbert vermittelt haben soll. So weit ist es nun noch nicht; es wird aber vermuthlich dahin kommen. Die Schweiz kämpft ihren Streit gegen die liebergriffe des römischen Clerus mit Muth und Besonnenheit weiter und sorgt dafür, daß dieser Kampf nicht ein theoretischer bleibe, sondern daß er auch in die Massen eindringe und daß das ganze Volk sich practisch an demselben betheilige. In Oesterreich bereitet man sich neben den Zerstreuungen, welche die Ausstellung bietet, auf die nächsten Wahlen vor, die zum ersten Male direct sind und an denen sich alle Parteien, wie es scheint, auf's Lebhafteste betheiligen werden, namentlich die ^einbe der Verfassung, welche die Absicht haben, sich die Majorität zu verschaffen und dann die Verfassung in ihrem Sinne zu ändern. Ungarn ist Angesichts der Börsen-Ereignisse in Wien lebhaft mit der Regulirung seiner Bank- und sonstigen finanziellen, ziemlich verwickelten Verhältnisse beschäftigt, und interessirt sich außerdem für die russenfrenndliche Schwenkung der Andrassy'schen Politik in der orientalischen Frage (österreich-freundliche Schwenkung der russischen Politik könnte man eben so gut sagen!). Rußland wird durch die Expedition nach Khiwa, deren Verlauf bis jetzt günstig ist, in Athem gehalten. Genug, der politische Sommer beginnt dieses Mal später als sonst, und anch bei uns werden die Neuwahlen zum Reichstag und zum Abgeordnetcn- Hause keinen vollständigen Stillstand in der Politik, wie ihn sonst wohl Juli uub August bringen, zulassen
den
Lokales.
Hanau, 18. Juni.
— Soeben lesen wir in der Thüringer Zeitung folgende, hier vergangene Theatersaison engagirten Capellmeister
Triebel betreffende Notiz:
„Sommertheater in Bogel's Garten. Die am Montag, den 9. d. Mts. stattgehabte Vorstellung erhielt durch das Violiu- Concert des Herrn Capellmeisters Triebel nicht nur ein ungemein gefälliges Enträe, fondern gestaltete sich für alle Anwesenden zu einem großartigen Kunstgenuß, denn —- der Vortragende, Hr. Capellmeister Triebel ist auf seinem Instrumente ein Künstler von so hoher Bedeutung, daß er allen, die ihn hören, Bewunderung ablocken muß, welche Ansicht auch das ge|tern versammelte Publikum haben mochte, denn es applaudirte Herrn Triebel minutenlang und forderte jede vorgetragene Piece zwei bis drei Mal stürmisch da capo.
Wir sehen einer baldigen Wiederholung solch' genußreichen Abends mit ganzem Interesse entgegen.
— Vor einiger Zeit brachte der „Hanauer Anzeiger" die Notiz, daß — dem Vernehmen nach — an jedem Mittwoch Nachmittag im Schwanengärlchen zu Kesselstadt ein Concert, von der hiesigen Civilkapelle ausgeführt, abgehalten werden foll. Der Plan hat sich soweit realisirt, daß heute das erste Concert stattfindet. , —4-
— Gestern Abend ^9 Uhr ertrank beim Baden in Kessel- stadt der bei Herrn Bürgermeister Geibel daselbst beschäftigte Maler Albert Chilly, 25 Jahre alt, aus Hondingen bei Cvnstanz. Wie vermuthet, soll Krampf die Ursache seines Todes gewesen sein. —r.
— Wegen zu großer Strömung im Main ist es heute und vielleicht auch noch morgen nicht rathsam zu baden. —d.
— Wasserstand des Main-Pegels heute irüh 7 Ulp 1,25 Meter.