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genie war in der vergangenen Woche zwei Tage lang in Paris. Vermuthlich wollte sie sich die Tuilerien d. h. deren Ruinen be­sehen nnd ein neues Quartier aussuchen. Prinz Napoleon (Plon- plon) hat den Anhängern Eugeniens und des kaiserlichen Prinzen durch sein Erscheinen in Paris wenig Freude gemacht. Sie sehe i in ihm stets den Kron-Prätendenten, speciell den Feind und Ne­benbuhler Lulu's und wünschen ihn wegen seiner Intriguen, welche die ihrigen durchkreuzen, dahin wo der Pfeffer wächst. Plonplon hat allerdings gar keine Chancen; die Clericalen und die Liberalen hassen ihn gleichmäßig. Er ist sogar eine lächer­liche Figur. • Aber auch Louis Napoleon erschien Jedem, der ihn nur von Straßburg und Boulogne her kannte, im Anfänge sei­nes Auftretens lächerlich und wurde doch später eine sehr ernste, sogar düstere Gestalt! Für's Erste wird er sich in Corsica zum Deputirten wählen lassen. Thiers, Gambetta, Aumale und Plon­plon neben einander in derselben Versammlung: ein seltenes Schauspiel! — General Chanzy wird Gouverneur von Algier, gerade wie es einst Mac Mahon wurde, als er nicht gut mit Louis Napoleon stand. Chanzy war der General Gambetta's, und dürfte vielleicht noch eine Rolle spielen. (Tru.)

— In diplomatischen Kreisen erzählt man von folgendem Zwiegespräch zwischen dem Fürsten Gortschakosf und einem Mit- gliede des österr. Ministeriums des Aeußern: „Wie befinden sich Euer Excellenz ?" — „Nicht so ganz wohl, mir fehlen die Krisen." — „Wie ist dies zu verstehen?" — „Ich befinde mich immer am besten, wenn wir heiße Tage in der Politik haben." Gewiß ein bezeichnendes Wort für den Thateneifer des berühm­ten Staatsmannes. Ob aber die Völker sich nicht besser befin­den, wenn ihre Diplomaten sich langweilen?

Ueber ländliche Arbeiter-Wohnungen. (Schluß.)

An Stelle des früheren Bauern ist nunmehr der vierte Stand, der Taglöhner, auf dem Laude getreten. Er lebt an vielen Orten gewiß weit besser als je die Bauern im Mittelal­ter, ja vielleicht behaglicher und reichlicher als die Ritter in jener Zeit gelebt haben. Aber er wohnt zur Miethe bei einem Be­sitzer, er muß sich genügen lassen mit den Wohnräumen, welche ihm geboten werden, sein Capital ist nicht die Scholle, sondern seine Arbeitslraft, er kann nicht so viel erübrigen und anlegen, sich ein Haus zu bauen, das Bauen übernimmt der Brodherr. Für diesen aber ist die finanzielle Frage: „wie kann ich mit den geringsten Mitteln so bauen, daß ich den Taglöhner feßle?" oder, welches ist das niedrigste Maß des Bedürfnisses, daß bei dem Tagelöhner im Anspruch an die Wohnung maßgebend ist?" Wenn hierbei nur die Geldfrage ins Spiel tritt, so wird ein Zustand eintreten, in welchem der Gutsherr danach strebt, das menschliche Bedürfniß des Taglöhners herabzudrücken, etwa so weit bis eine Auswanderung ihn anderen Sinnes macht. Zum Glück ist aber doch die Humanität ein stark mitredender Factor; auch tritt als Gegenwirkung die militärische Dienstzeit ein, welche, eine Art Hochschule für den stumpfen Dorfburschen, diesen mit anderen Bedürfnissen als die er in seitrer dürftigen Heimath hat kennen lernen, vertraut macht und dadurch zwar ungenügsamer aber auch strebsamer nach besseren Zuständen. Es hat sich sonach ein stillschweigendes Pactum gebildet eines Wohnungs­baues, wie der Taglöhner ihn beansprucht und der Gutsherr ihn bewilligt; es haben moralische Reflexionen den einseitigen Kosten­punkt etwas verschoben; man hat erkannt, daß Bildung des Ar­beiters seine Leitung nicht erschwert sondern erleichtert; — ja man geht hinaus über die Fr ge: „was verlangt der Arbeiter", der Gutsherr fragt jetzt: „wie kann ich in dem Arbeiter ein rechtes Wohlgefallen an einer guten, reinlichen und comfortablen Wohnung erwecken?"

So haben sich Gedankengang und Praxis gestaltet bei dem Grundbesitzer in England, Schottland, in einem großen Theile Norddeutschlands, einem Theile Süddentschlands, sehr zum Segen der Bodenkultur, leider aber noch nicht in allen Theilen unseres Vaterlandes. Es gibt Districte, wo große Grundbesitzer, welche ihre Besitzungen verpachtet haben, die darauf etwa befindlichen

Gedruckt und verlegt in der Buchdruilerei des vereinigten evunget. L

Tagelöhner-Häuser allmählig verfallen und eingehen lassen; sie wollen eben keine Tagelöhner in dem Bereiche ihres Bezirks ha­ben, und der Pächter möge zusehen wie er Arbeiter bekommt. Diese Zustände sind offenbar unhaltbar, und werden mit einer solchen Theurung der Arbeitskraft an den einzelnen Localitäten enden, daß um die Grundrente nicht allzu tief sinken zu lassen, schließlich der Besitzer doch zum Häuserbau für stehende Arbeiter- Familien seine Zuflucht nehmen muß.

Nach diesen Vorbemerkungen liefert das Schriftchen Pläne und Beschreibungen von Gebäuden für vier, drei und zwei Fa­milien. Das ganze Werkchen ist leicht verständlich gehalten und dürfte in der jetzigen Zeit der Wohnungsnoth sehr zu empfehlen sein.

Rügen und Wünsche.

— Gestern Nachmittag, bei dem schönen Wetter, war die Messe ziemlich stark besucht und besonders zahlreich die liebe Ju­gend vertreten. Daß es bei solcher Gelegenheit Gedränge gibt weiß Jedermann, und Einer sucht dem Andern bestmöglichst aus­zuweichen. Um so auffallender mußte es erscheinen, daß eine Chaise, und zwar nicht im allerlangsamsten Tempo, durch die Messe fuhr; wie schnell und leicht ist ein Unglück durch Ueber- sahren geschehen. Man könnte doch billiger Weise während der Meßzeit verlangen, daß Fuhrwerk, welches nicht gerade hindurch- passiren muß, die wenigen Tage aus derselben entfernt bliebe. —d.

Lokales.

Hanau, 11. Juni.

— Nach einer Bekanntmachung Kgl. Landrathsamts im heutigen „Anzeiger" ist von morgen au bis zum nächsten Mon­tag Abend die Passage über die Lamboi-Brücke wegen Baufällig­keit gesperrt; es wird also übermorgen, wenn wir das Wetter so behalten, ein staubiger Weg über die Wilhelms-Brücke durch den Sand werden und demzufolge viel Durst absetzen. — Wir machen hauptsächlich nochmals hierauf aufmerksam, daß sich's ein jeder Lamboiwaldbesucher schon jetzt recht in's Gedächtniß ein­präge, damit er auf dem Heimwege nicht etwa „in Gedanken" den vergeblichen Weg nach der Lamboibrücke einschlägt. —d.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,84 Meter.

— Langenselbold. Am 8. d. M. fand in der hiesigen Kirche vor einem p. p. 3000 Köpfe zählenden Publikum eine Aufführung geistlicher Lieder durch den gemischten Chor aus Bruchköbel statt. Wenn wir dies in diesem Blatt erwähnen, so geschieht es, um das musikliebende Publikum unserer Gegend auf die wirklich ganz vorzüglichen Leistungen dieses Vereins aufmerk­sam zu machen. Wir waren erstaunt, schwierigere Compositionen von Haydn, Gluck, Palmer, Romberg verzeichnet zu sehen, aber unser Staunen stieg zur Bewunderung als wir hörten, daß diese Stücke auch mit völligem Verständniß, edel und würdevoll wie­dergegeben wurden. Die Palme des Tages gebührte unstreitig der Sängerin Minna Köhler aus Bruchköbel, die den Bach'- schen Sopransolo „Mein gläubiges Herze" sowie einen Solo aus einem geistlichen Abendlied von Bischoff mit ihrer herrlichen Stimme so rein und innig vortrug, daß wir keinen Anstand neh­men zu behaupten, auch die geschulteste Sängerin würde diese Stücke nicht würdiger wiederzugeben im Stande sein. Alle An­erkennung dem Dirigenten, der mit Ausdauer und vielem Geschick seinen Verein auf die Höhe der Kunst geführt hat, die er augen­blicklich einnimmt, alle Achtung vor den eifrigen Mitgliedern des Vereins, die mit inniger Liebe die edle Gesangeskunst pflegen und selbst vor den größten Schwierigkeiten nicht zurückschrecken. Zugleich erwähnen wir noch des herrlichen seelenvollen Violin- vortrags der „Meditation v. Bach" durch Herrn Ingenieur We­ber zu Langenselvold und danken ihm sowie den übrigen mitwir­kenden Herren für die äußerst gelungene Aufführung und wün­schen, daß eine solche bald wieder stattfinden möge. Das Publi­kum in Langenselbold und Umgegend wird noch dankbarer sein, al diesmal. __'

ayenhatges, unter Berantworttichleit des Faktors G. Ph. Weißvrod.