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und gefährlichem Dienste hervorgehend bezeichnet wird, wird die Kammer nicht anstehen, im Interesse des Allgemeinwohles die postulirten Mehrausgaben für Solderhöhung der Gendarmeriemannschaft zu bewillgen.
— Herbesthal, 30. Mai. Wie aus Paris gemeldet wird, werden telegraphische Depeschen wieder einer strengen Prüfung unterworfen. Ebenso hat die Beschlagnahme fremder Zeitungen wieder begonnen und sind mehrere Pariser Blätter offiziös mit der Unterdrückung bedroht worden, wenn dieselben nicht ihre feindliche Sprache gegen die Regierung einstellen würden.
(R. u. St. A.)
— Altenburg, 29. Mai. Die Erdarbeiten für den Bau der Weimar-Geraer Bahn, zunächst auf der Strecke Weimar- Jena, sollen am 3. k. M. bestimmt begonnen werden.
— H ambur g, 29. Mai. In der gestrigen Sitzung der Bürgerschast schritt dieselbe zur Schlußabstimmung über den Antrag von C. I. Koyemann, betreffend das Gesetz wegen Aufhebung der Verpflichtung zu Zahlungen in Hamburger Courant nach dem 34 Markfuß. Der Antrag wurde mit 73 gegen 30 Stimmen genehmigt, bedarf mithin einer zweiten Lesung.
— Wien, 28. Mai. Gestern waren alle Räume des großen Jndustriepalastes geöffnet; es gab keinen reservirten Raum mehr im ganzen Palaste. Wenn irgendwo Schranken gezogen waren, so war es eben vorübergehend, weil an dieser Stelle gerade ein Teppich zu befestigen, ein Schrank mit einem Aufsatz zu bereichern, eine Firma anzubringen war u. s. w. Auch in der Rotunde haben sich seit Sonntag große Veränderungen zugetragen; alle Emballagen sind entfernt, die Läufer in den vier Verkehrshauptrichtungen sind gelegt, die große Fontaine ist nur noch im Anstrich zu vollenden, um als fertig bezeichnet werden zu können. Wenn man hin und wieder auf Ausstellungs-Nachzügler, auf einen halbleeren Kasten oder Schrank stößt, so beruht diese Erscheinung auf ganz singulären Umständen. Die kleinen Ausnahmen find aber in keiner Weise im Stande, dem Ausdrucke der Vollendung der Ausstellung — die Nordamerikaner ausgenommen — Eintrag zu thun.
— Bern, 29. Mai. Im Berner großen Rath wurde von Seite der Ultramontanen wegen Amtseinstellung der jurassischen Geistlichen interpellirt. Regierungsrath Jollysaint erklärte diese Maßregel als vollständig in der Kompetenz der Staatsbehörde gelegen und als nothwendige Konsequenz der Amtsentsetzung Lachats gegenüber dem sich mit ihm solidarisch erklärenden Klerus. — Der große Rath von Aargau hat die Beschlüsse der Diözesankonferenz, betreffend den Bischof Lachat und die Einführung der Civilehe, mit 104 gegen 48 Stimmen genehmigt.
— Paris, 29. Mai. In parlamentarischen Kreisen wurde die Frage erörtert, ob der Präsident als unverantwortlich erklärt und seine Amtsdauer auf 5 Jahre fixirt werden soll. Sämmtliche Haupt- und maßgebenden Fraktionen der jetzigen gouverne- mentalen Majorität der Nationalversammlung nahmen jedoch zunächst von weiterem Eingehen auf die Frage der Vorlegung eines bezüglichen Gesetzentwurfes Abstand. Regierung und Majorität scheinen darin einverstanden zu sein, in der gegenwärtigen Session nur das Budget, das Munizipalgesetz und andere kleinere Gesetzentwürfe zu erledigen, alle übrigen aber und die Berathung der konstitutionellen Fragen für die Wintersession zu vertagen.
— Paris, 29. Mai. Der Bericht des Deputaten Riant betont die Nothwendigkeit, 1400 Millionen auf Ergänzung des Kriegsmaterials in den Kriegs-Arsenalen zu verwenden. Thiers reist demnächst nach Italien ab. In Betreff des Prinzen Napoleon soll Mac Mahon geäußerst haben, kein Gesetz verschließe dem Prinzen die Pforten Frankreichs, aber, hätte derselbe hin- zuqefüqt, wenn der Prinz von seinen Pflichten sich leiten ließe, würde derselbe im Auslande bleiben. ^“u^. «bdztg.
— Paris, 30. Mai. Divisions-General du Barail ist, wie das „Journal officiel" heute meldet, zum Kriegs-Minister
ernannt worden.
— Pari •, 30. Mai. Divisions-General Bataille, Kommandant des II.' Armee-Corps der Armee von Versailles, hat
Gedruckt und verlegk in der BuwdruMrei des Vereungren evane.ei. Waüenyawes, unter BerantwortlichkeÜ des Faktors G. Ph. Weißbrod.
Hierzu die Nr. 22 der Provinzial Correspondenz als Berlage.
die Anzeige von der Wahl des Marschalls Mac Mahon zum Präsidenten der Republik mit der Erklärung beantwortet, daß „jeder Versuch einer Unordnung oder eines Widerstrebens gegen den Willen des Landes, dessen alleiniger Dolmetscher gegenwärtig die Nationalversammlung sei, sofort mit der rücksichtslosesten Energie unterdrückt werden würde."
— Das bisherige Organ des Herrn Thiers, „Bien Public", bespricht die neuesten Vorgänge in einem Artikel, welcher vieles Aufsehen macht. Derselbe lautet: „Unsere Kinder werden in der Geschichte lesen: Herr Thiers wurde am 17. Februar 1871 zum Präsidenten der Republik gewählt. Nachdem er vorher Frankreich von der Anarchie gerettet, Frankreich vom Ausland befreit, fünf Milliarden bezahlt, die Finanzen gehoben und seinem Lande die Achtung der Mächte wieder verschafft hatte, wurde er am 24. Mai 1873 gestürzt, weil er den vom Lande frei aus- gedrückten Wünschen gemäß behauptet hatte, daß die Republik eine gesetzliche Organisation erhalten müsse, und weil er bewiesen, daß die Unsicherheit seiner Regierung die einzige Ursache der Leiden der Industrie und des Handels sei. Er wurde unter dem Beifall der Feinde der Republik von einer Coalition orle- anistischer, legitimistischer und bonapartistischer Deputaten gestürzt. Unsere Kinder werden dies lesen und sagen: Armes Frankreich! Arme Franzosen von 1873! Sie hatten den bekla- genswerthesten Krieg, die schmerzlichste der Insurrektionen gesehen; es war ihnen vorbehalten, die grausamste und bedauerns- wertheste Undankbarkeit zu sehen."
Lokales.
Hanau, 31. Mai.
— Unserem heutigen „Anzeiger" haben wir die seiner Zeit versprochene Schriftprobe mit verschiedenen Anwendungen beigefügt und bemerken dabei, daß außerdem noch eine große Anzahl Plakatschriften wegen Raummangel nicht aufgeführt werden konnten. Die verehrlichen Interessenten werden daher die Pfingstfeiertage über, welche dem Anscheine nach statt auf Reisen sich behaglicher am warmen Ofen verleben lassen, Muse haben, dieselben durchzusehen und herausfinden, daß wir uns alle Mühe gaben das Neueste und Schönste anzuschaffen. ~d.
— Der Jmmobilienumsatz in den letzten Wochen war m hiesiger Stadt kaum nennenswerth und mögen wohl die kritischen Zeitverhältniffe viel dazu mitgewirkt haben; ebenso geht es aber auch in anderen Städten, z. B. Frankfurt, wo der Umsatz außergewöhnliche Dimensionen angenommen hatte, geht das Geschäft stiller und der Preis für das Grundeigenthum geht zurück. — So schreibt die „Fr. Pr." unterm gestrigen: „Die Preise für Grundeigenthum fangen allmählig an, zurückzugehen; es werden bei öffentlichen Auctwnen die nach bisher geltenden Normen aufgestellten Taxationspreise nicht mehr erzielt. Die Erben eines Gärtners forderten für die Ruthe Land im Bockenheimer Feld fl. 300. Da Minderjährige in Betracht kamen, so fand eine amtliche Taxation statt, welche den Werth per Ruthe auf fl. 250 normirte; in der diese Woche stattgehabten Versteigerung wurde als Maximum in bester Lage fl. 185 und fl. 160 per Ruthe-gebvßN Eier, welche sehr reichlich zu Markt gebracht, waren sonstige Produkte nicht in Ueberfluß vorhanden; die Preise sind die seitherigen theueren, an die man sich nun eimal gewöhnen muß. Butter 45 — 50 fr., Eier 7 Stück 12 fr., Käse 7 bis 8 Heller, Rettige 2 — 3 fr., Salat 2 — 3 fr. das Mähnchen, Blumenkohl per Stiel 40 — 45 kr., Kirschen 6 — 7 Stück 1 fr., junge Ferkel zum Aufstellen waren ziemlich eingebracht und wurde für das Pärchen 11 — 12 fl. bezahlt. (Morgens Va 10 Uhr.) d.
— Das S. Rothschild'sche Haus in der Herrngasse Nr.
9 ging vor, einigen Tagen durch Kauf in die Hände des Herrn Wilh. Sei'ffert um die Summe von fl. 50,000 über. —r.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,58 Meter.