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mung bis zum Empfang der vollen Kriegsentschädigung sein. Wir glauben, wie gesagt, daß diese rechtzeitig an den vereinbar­ten Terminen bezahlt werden wird, so daß es sich nur um eine nicht gerade wesentliche Verzögerung der Rückkehr unserer noch in Frankreich stehenden Truppen handeln dürfte. Hat aber Deutschland sein Geld, dann vermöchten wir in dem Ausbruch eines französischen Bürgerkrieges kein Unglück für Deutschland zu erblicken; denn so lange sich die Parteien unter einander be­kämpfen, haben sie nicht Zeit zum Rachekrieg gegen Deutschland; und welche Partei auch schließlich als Siegerin aus dem Bür­gerkriege hervorgehen mag, sie wird über ein so geschwächtes und zerrüttetes Frankreich herrschen, daß sie an auswärtige Kriege in den nächsten Jahren nicht denken darf.

Eine andere Frage könnte die nach den Wirkungen der jüngsten französischen Ereignisse auf den deutschen Geldmarkt sein und diese können allerdings verderblich für Viele werden. Niemand ist durch politische Nachrichten leichter um seine ruhige Ueberlegung und sein gesundes Urtheil zu bringen als die Börse; möglich also, daß sie, die schon an dem Wiener Krach schwer trug, nun vollends den Kopf verliert und, zumal der Ultimo vor der Thüre steht, ebenfalls zu krachen anfängt. Da wird denn manch' unschuldiges Opfer fallen; wenn aber bei dieser Gelegenheit die ganze Gründerbagage um ihren Raub gebracht und für die Zukunft unschädlich gemacht wird, so wird man unser Mitleid vergeblich appelliren, und wir hätten dann noch Ursache, dem alten Herrn Thiers für seinen Rücktritt zu danken.

Weiter schreibt die Berl.Trib." über den Präsidenten­wechsel in Frankreich: Mac Mahon's Präsidentur ist der Vor­läufer der Rückkehr zur Monarchie. Der Marschall ist viel zu wenig Politiker, um den persönlichen Ehrgeiz zu haben, längere Zeit an der Spitze des Landes stehen zu wollen, wie Thiers dies wünschte. Er ist ein Bahnbrecher. Aber für wen? MacMahon hat nie eine öffentliche politische Rolle gespielt, deßhalb kennt man seine Ansichten, selbst seine Sympathien nicht genau. Der Geburt nach stammt er aus einer Legitimistenfamilie; feine mili­tärische Hauptcarriere hat er unter Louis Napoleon gemacht, zu dem er aber persönlich nicht im besten Verhältniß stand und den es Ueberwindung genug kostete, ihn zum Herzog von Magenta ernennen zu müssen. Beziehungen zu den Orleans soll er nie gehabt haben. Danach könnte man fast annehmen, daß Mac Mahon jener neuen Fusion nicht fern stände, die zwischen den Legitimisten und Bonapartisten eingetreten sein soll und deren Plan wir, sogar unter speciellen Hinweis auf Mac Mahon, vor einer Woche skizzirten.

Doch ist das unsicher. Wir müssen abwarten, was geschieht. Die Losung ist Republik oder Monarchie. Werden die Repu- blicaner, die in der letzten Zeit ihre Hoffnungen so bedeutend wachsen sahen, ohne Widerstand sich eine neue Monarchie aufer­legen lassen? Wird die Macht der Monarchisten groß genug sein, diesen Widerstand niederzuschmettern? Frankreich ist wie­der einmal in die Periode unberechenbarer Katastrophen einge­treten. Auf gesetzlichem, parlamentarischem Wege ist der Knoten nicht zu lösen. Es wird sich darum handeln, ob die Armee zu­verlässig ist, und zu wem sie hält.

Wir wollen froh sein, daß wir unsere vier Milliarden ha­ben, denn mit der Bezahlung der fünften, obgleich dieselbe von Thiers schon zur Zahlung bereit gehalten wurde, dürfte es jetzt hapern. Oder unsere Staatsmänner müßten denn die Gelegen­heit benutzen, um eine sehr schnelle Zahlung der letzten Milliarde durchzusetzen. In dieser Beziehung werden sie nichts versäumen, was wir von ihnen erwarten dürfen. Ob eine Neubesetzung der schon geräumten Gebiete erfolgen wird, steht dahin; auch in die­ser Hinsicht dürfen wir der Fürsorge der bethei.igten und maß­gebenden Behörden vertragen.

Das Schlimmste ist, daß durch den Sieg der Rechten der Clerus die Oberhand in Frankreich gewinnt. Der Clerus sühlte, daß er Thiers stürzen müsse, der nur aus Klugheit, nicht aus innerem Drange, den Ultramontanen hier und da einige Zuge­ständnisse machte. Wir haben in Frankreich ein Regiment des Hasses gegen Deutschland zu erwarten, und zwar eines doppelten

Äedruckt und verlegt in der Äua-bruuerel^ües vereinigten evauget. Ä

Hasses: einmal gegen Deutschland als Besieger Frankreich, und dann als Feind der Ultramontanen, als Gegner Roms. Die Republik war, wie wir dies zufällig erst ganz vor Kurzem aus­führten, diejenige Regierungsform in Frankreich, welche die meisten Aussichten auf Frieden und eine künftige Annäherung bot. Mit der Republik dürfte es zu Ende sein, wenn sie sich nicht bald aufrafft. Nun fürchten wir uns freilich auch vor der Monarchie in Frankreich nicht; aber wir müssen vorsorglicher sein, als bis­her. Unter einer Republik war es möglich, daß eine Revanche versucht wurde; unter Heinrich V. ist es ziemlich sicher; die Pfaffen werden ihn dazu treiben, weil sie auf Hülfe in Deutschland selber rechnen. Der Wahn wird kurz, die Reue lang sein. Aber traurig ist doch immer, zu denken, daß uns durch die letzten Ereignisse die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Frank­reich wieder näher gerückt ist, d. h. wenn die jetzigen Sieger dauernd am Ruder bleiben.

Bern, 24. Mai. Die Regierung des Kantons Tessin hat die angekündigten Sammlungen zu Gunsten der verfolgten Kirche bei einer Geldstrafe von 500 Frcs. verboten.

Bern, 26. Mai. Das hiesige königlich würtember- gische Konsulat ist ausgehoben.

Paris, 27. Mai. DasJournal officiel" veröffent­licht 29 Ernennungen von Präfekten und zwar sind in 20 De­partements neue Präfekten ernannt worden, während in 9 ande­ren Versetzungen stattgefunden haben. (R. u. st. A.)

Pari s, 27. Mai. Die von verschiedenen Blättern heute gebrachte Meldung, daß die fremden Gesandten, insbeson­dere der deutsche Botschafter, Graf Arnim, vom Präsidenten Mac-Mahon empfangen worden seien, wird von gutunterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet. Die Gesandten sind noch ohne Kenntniß, ob die Einsetzung des neuen Gouvernements den aus­wärtigen Regierungen bereits notificirt ist. (Fr. Pr.)

Der Chronist des Vatikans in derGazzetta d'Jtalia" schreibt in seinem jüngsten Berichte:Alle in den klerikalen Blättern enthaltenen Nachrichten über die angeblich im Befinden des Papstes eingetretene Besserung sind reine Phantasmagorien und Erfindungen. Pius IX. befindet sich nicht besser, sondern eher schlechter; nur treten in seinem Zustande häufige Verände­rungen ein, die dann von seiner Umgebung als Anfänge einer Genesung ausposaunt werden. Die Krankheit hat im Gegentheile in ihrem langsamen und unerbittlichen Fortschreiten bereits die edleren Organe ergriffen, wie die häufigen Ohnmachten beweisen^ von denen er befallen wird. Ebenso leidet er an Athmungsbe- schwerden, die von seiner Umgebung als Folgen einer Erkältung oder eines gewöh lichen Rheumatismus maskirt werden. Die fortdauernde Appetitlosigkeit, der Mangel an Athem, die häufi­gen Durchfälle, das immerwährende Erbrechen bestätigen, daß der Zustand des Patienten sich mehr und mehr verschlimmert. Der Doktor Viale-Prela und die Professoren Sartori und Cec­carelli weichen nicht von seinem Bett und verlassen ihn nicht einmal> wenn sein Hauskaplan in seiner Gegenwart die Messe liest. Der Patient befindet sich vollständig im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten, allein es ist ihm nicht möglich viel zu sprechen. Die wenigen Audienzen, die er noch ertheilt, sind deß­halb von kurzer Dauer. Die Kardinäle Patrizi und Antonelli halten beständig die Hand über ihn, bantit er nichts Anderes hört und sieht, als was sie ihn erfahren lasten wollen, mit Nie­mand spreche, keinen Entschluß fasse und über das Herannahen seines letzten Stündleins im Unklaren bleibe. Der General- Vikar entscheidet Alles und regiert in diesem Augenblicke die Kirche ausschließlich; er läßt sich jedoch in Allem von dem schlauen Antonelli, vom Jesuiten-Pater Patrizi, seinem Bruder, und anderen Jesuiten leiten, welche den Papst vollständig in ihrer Gewalt haben. Der hochwürdige Kardinal-Vikar hat seine verehrten Brüder, die ebenfalls jesuitisch gesinnten Kardinäle, schon zu wiederholtenmalen um sich versammelt, um mit ihnen darüber zu berathschlagen, was bei dem Vakantwerden des heil. Stuhles geschehen solle, und wurden in den letztverflossenen Ta­gen Beschlüsse von der höchsten Wichtigkeit gefaßt."

Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,68 Meter. aqeiujaujes, unter VeramworNichteit üxè yattors G. Ph. Weißbroü.