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lung des Verwaltungsraths der - letzteren wurden Nationalrath Marti, Regierungsrath Jolistaint und Jules Grandjean in Neuenburg zu Direktoren, und Emil Ducomun zum Direktions-Se-
kretär gewählt.
(R. u. St. A.)
— Genua, 22. Mai. Gestern Abend fanden hier Demonstrationen gegen die Paolotti (Laienverein vom heiligen Franz zu Paola) statt, die ein Einschreiten der Karabiniers und Truppen veranlaßten; mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
— Seitens des Vatikans wird, wie die „Neue freie Presse" aus Rom meldet, ein äußerstes Mittel gegen das von der De- putirtenkammer in Rom berathene Gesetz über die religiösen Körperschaften vorbereitet und in einer demnächst veröffentlichten Encyklika des Papstes gegen das Ministerium Lanza, sowie gegen alle für das Gesetz stimmenden und zu dessen Ausführung beitragenden Deputirten der große Bannfluch ausgesprochen werden. In dem gedachten Schriftstücke wird, dem Vernehmen nach, 'das Gesetz über die religiösen Körperschaften für null und nich
tig erklärt und allen Katholiken verboten, demselben irgend chen Gehorsam zu leisten. Wer Kirchengüter kauft, oder an Verkaufe und Kaufe derselben irgendwie theilnimmt, wird der Exkommunication belegt.
— Petersburg, 22 Mai. Die Ankunft des Schah
wel- dem mit
von
Persien erfolgte heute Mittag. Der Kaiser nebst zahlreicher Suite waren am Bahnhof. Der Kaiser fuhr mit dem Schah nach dem Winterpalais, wo großer Empfang stattfand.
— New-Iork, 23. Mai. Die Modoc-Jndianer haben ihre Ergebung unter der Bedingung angeboten, daß ihr Leben geschont werde. General Davis bestand indessen auf unbedingter Unterwerfung und drohte, wenn dieselbe nicht bis zum Freitag erklärt sei, werde er den ganzen Stamm über die Klinge springen lassen.
— Die Frankfurter Presfe meldet in einer Extra-Beilage zu Nr. 256 unter anderm Folgendes:
Versailles. In der Nachtsitzung der Nationalversammlung vom 24. auf den 25. Mai zeigt Justizminister Dufaure zuerst an, daß das Ministerium nach der heutigen Nachmittagssitzung seine Demission eingereicht habe. Thiers habe dieselbe angenommen und ihm folgende Botschaft zugestellt: Herr Präsident! Ich habe die Ehre, der Nationalversammlung die Demission des Präsidenten der Republik zuzustellen. Ich habe nicht nöthig, hinzuzufügen, daß die Regierung alle Pflichten so lange erfüllen wird, bis sie durch eine andere ordnungsmäßig ersetzt sein wird. Unterzeichnet Thiers, Mitglied der Nationalversammlung. Präsident Buffet verliest darauf folgende Erklärung : Die Unterzeichneten, Angesichts des Rücktritts Thiers von der Präsidentschaft der Republik, machen der Versammlung den Vorschlag, sofort über die Ernennung eines Nachfolgers desselben abzustimmen. Unterzeichnet von Changarnier, Broglie (Geschrei auf der Linken) Delille, Beule, Ernoul, Baragnon, Kerdrei (neue Unterbrechung durch die Linke). Rufe: Henri V. Bazaine rc.
Auf Verlangen der Linken gibt Buffet Act von der Zustellung der Botschaft durch Dufaure. George verlangt, daß die Versammlung darüber beschließe, ob dieselbe die Demission annehme, welche das Land nicht annehme. (Beifall der Linken.) Joubert erinnert an das Reglement, wonach man niemals eine Demission als erledigt behandeln dürfe, ohne daß sie angenommen wäre. Sie können nicht anders vorgehen, bei dem ersten Beamten der Republik, bei dem, welcher uns befreit hat. Redner fährt in demselben Sinne fort unter dem Beifall der Linken. Buffet verliest einen von zahlreichen Mitgliedern der Linken unterzeichneten Antrag, besagend, daß die Nationalversammlung die Demission Thiers nicht annehme. Der Antrag wird mit 368 gegen 339 Stimmen verworfen. Buffet, welcher zu sprechen beginnt, wird zu wiederholten Malen durch einen heftigen Tumult unterbrochen, worauf er sich wieder niedersetzt.
Versailles, 24. Mai, 11 Uhr 40 Min. Nachdem die Aufregung sich gelegt hat, wird zur Abstimmung geschritten. Durch dieselbe wurde Mac-Mahon mit 390 Stimmen gegen Grevy zum Präsidenten der Republik ausgerufen. Ein kleiner Theil enthielt sich der Abstimmung. Buffet und das
Bureau der Versammlung begeben sich darauf zu dem Marschall, um denselben von dem Votum in Kenntniß zu setzen. — Die Sitzung wird erst nach eingetroffener Antwort des Marschalls aufgehoben werden.
Versailles, 24. Mai, 11 Uhr 45 Min. Buffet macht der Versammlung bekannt, daß Mac-Mahon die Präsidentschaft nicht ohne Widerstreben annehme. Die gegenwärtigen Minister würden fortfahren, bis zur neuen Ordnung der Dinge die Geschäfte zu versehen.
Mitternacht. Als dieDeputirten nach beendigter Sitzung das Sitzungsgebäude verließen, wurden sie in der -Rue des Reservoires durch eine Vvlsmeuge mit ben Rufen: Es lebe Thiers» es lebe die Republik, empfangen. Die Menge zog darauf zum Präsidentschaftsgebäude, wo sie einige Augenblicke vor dem Gitter verblieb und die Hochrufe auf Thiers erneuerte. Dann ging die Menge friedlich auseinander. In Paris wird auf dem Boulevard die Rente zu 87,20 gehandelt.
Paris, 24. Mai, 9 Uhr. Am Boulevard wurde Rente Anfangs viel niedriger zu 87.05 gehandelt; stieg dann gegen 8 Uhr auf 87.35 und fiel wieder um 50 Centimes. Es herrscht große Aufregung, aber keine Unordnung.
Paris, 24. Mai, 11 Uhr 45 Min. 51 Deputirte, Mitglieder der Union republicaine, haben folgendes Manifest unterzeichnet: „Bürger! In der Situation, welche für Frankreich durch die gegenwärtige politische Krisis bereitet ist, ist es von der höchsten Wichtigkeit, daß die Ordnung nicht gestört werde. Wir beschwören Euch, Alles zu vermeiden, was dazu beitragen würde, die öffentliche Erregung zu vergrößern. Niemals ist die vollständigste Ruhe nöthiger gewesen. Bleibet ruhiger, da es
sich um das Wohl Frankreichs und der Republik handelt." — Man sagt, daß Marschall Mac-Mahon die Uebernahme der Gewalt zurückgewiesen habe, mirault, Buffet, Daru.
und denkt an ein Triumphirat, Lad-
L
— Das ßomité für
o k a l e s.
Hanau, 26. Mai.
die Collectiv-Ausstellung der Hanauer
Kunstindustrie erhielt gestern folgende
Telegraphische Depesche!
Wien, 25. Mai 1873, Vormittags ll25
Hurrah! Alles ist fertig. Collectiv-Ausstellung enthüllt. Effect Hanau s würdig.
Menschenandrang collossal.
Hofmann. Winkler. Eues. Koch. Deines.
Uhr.
W.— daß an
— Vor einigen Wochen haben wir mitgetheilt, Majestät unsern Kaiser und König eine von vielen Hanauer Bürgern unterzeichnete Petition gerichtet worden sei, die Antwort
Se.
darauf lautet:
Berlin, 19. Mai 1873.
Ueber die von Ew. W. in Geweiuschaft mit mehreren Bürgern von Hanau an Seine Majestät den Kaiser und König gerichtete Jmmediat-Eingabe vom 2. v. Mts., welche den Antrag enthält:
der genannten Stadt einen Regimentsstab und ein zweites Infanterie-Bataillon als Garnision wieder zu gewähren ist Allerhöchsten Orts Vortrag gehalten worden. *
In Folge dessen werden Ew. W. zur gefälligen weiteren bezüglichen Mittheilung hierdurch ergebenst benachrichtigt, daß sich trotz der anerkannt guten Garnison-Einrichtungen von Hanau doch gegenwärtig keine geeignete Gelegenheit zu der gewünschten Verstärkung der Garnison dieser Stadt bietet.
Allgemeines Kriegs-Departement, Armee-Abtheilung A.
gez. v. Hartmann. v. Werder. . . . x x — Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr wurde am Landrathsamtsgebäude ein ältlicher Mann durch seine eigene Unvorsichtigkeit überfahren, ohne jedoch erheblichen Schaden zu nehmen. —4.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,73 Meter.
Gedruckt und verlegt in Ler Luchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses, unter Verantwortlichkeit des Faktors G. PH. Weißbrod.