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Newyork, 9. Mai.

(Per transatlantischen Telegraph.)

Das Postdampfschisi des Nordd. Lloyd Newyork, Capt. F. Klugkist, welches am 23. April von Bremen und am 26. April von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten hier ange­kommen.

Frankfurt, 10. Mai. Der beutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete per Centner 1 fl. 30 kr. bis 2 fl. 6 kr., Stroh 1 fl. 12 bis 20 kr. Butter 1. Qual. 38 kr., 2. Qual. 36 kr., Lappenbutter das Pfund (im Centner) 34 kr., Eier frische, das Hundert 2 fl. 54 kr.

Außer Cours gesetztes Papiergeld.

Anhalt-Bernburger Kassenscheine a Thlr. 5 u. 25 von 1850, 1852 u. 1856, sowie a Thlr. 1 von 1859.

Anhalt-Köthen'sche Kassenscheine a Thlr. 1 u. 5 vom 1. Juni 1848.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den nachbenannten Personen in der Provinz Hessen, welche sich während des Krieges von 1870/71 durch patriotische Handlun­gen außerhalb des Kriegsschauplatzes besonders ausgezeichnet haben, Orden und Ehrenzeichen zu verleihen, und zwar haben erhalten: Den Königlichen Kronenorden dritter Klasse am Erinnerungsbande: Dr. Dohrn, Rudolph, ordentlicher Pro- fesior und Direktor der Entbindungs- und Hebammen-Lehran- stalt zu Marburg; den Königlichen Kronen-Orden vierter Klasse mit dem rothen Kreuz auf weißem Felde, am Erinnerungsbande: Damms, Fritz, Banquier zu Cassel; Gleim, Carl Georg, Pfarrer zu Lingelbach, Kreis Ziegenhain; Dr. Lamber t, Carl Heinrich Otto, Kreis-Physikus zu Melsungen; den König­lichen Kronen-Orden vierter Klasse am Erinnerungsbande: Dr. B o de, Adolph, Kreis-Physikus zu Hofgeismar; Dr. Hüter, Victor, Arzt und Dozent an der Universität zu Marburg; Luckhardt, Johannes, Amts-Wundarzt a. D. praetischer Arzt zu Hofgeismar; Dr. Mertz, Theodor Hermann, praetischer Arzt zu Hanau.

Unser Kaiser, so schreibt dieTrib." in ihrer Tagesschau unter Anderm, kehrt aus Rußland zurück, wahrhaft überschüttet mit Zeichen der höchsten Freundschaft, welche ihm der Kaiser von Rußland gewährt. Bei einem Toaste nannte Kaiser Alexan­der unseren Kaiserseinen besten Freund", er äußerte, daßihr Freundschafts-Verband, von den Eltern herstammend und hoffent­lich auf die Kinder übergehend, die beste Garantie für den Allen erwünschten Frieden Europas gebe." Genug, Kaiser Alexander hat Alles gethan, um die Ansicht zu widerlegen, die von vielen Seiten geflissentlich verbreitet wurde, als sei er nur persönlich dem deutschen Kaiser ergeben, im Uebrigen aber ein Gegner der neuesten deutschen Politik. Selbst in Frankreich wird man sich jetzt nicht mehr mit dem Gedanken schmeicheln können, in kürzester Frist an Rußland einen willigen Alliirten für den Re­vanchekrieg zu finden, und die Orleans, die absichtlich das Gerücht aussprengen ließen, der Czar begünstige ihre Prätensionen auf den französifchen Thron und werde Frankreich Beistand leisten gegen Deutschland, müssen nun auf dieses Agitations-Manöver verzichten und verlieren die besten Gründe für ihre Umtriebe.

Die Eisenbahn-Anleihe von 120 Millionen Thalern wird unter allen Umständen in der gegenwärtigen Landtagssession noch zur Erledigung kommen und das Abgeordnetenhaus wahrschein­lich am künftigen Montag oder Dienstag beschäftigen. Es hieß, man wolle, um die Sefsion nicht zu lange hinaus zu ziehen, jetzt nur die Steuergesetze und die Kirchengesetze erledigen. In­dessen die Bewilligung dieser Gelder, namentlich zur Beschaffung der Betriebsmittel, ist denn doch als ein unabweisbares Bedürf­niß anerkannt worden, so daß unter allen Umständen diese An­gelegenheit zur Erledigung gelangt. Nichtsdestoweniger glaubt man spätestens am 20. d. M. den Sessionsschluß ermöglichen zu können. SSO

Berlin, 7. Mai. Die Ausschüsse des Bundesrajhs für Landheer, Festungen rc. haben die Berathung über das Ar­mee-Reorganisationsgesetz zu Ende geführt und die Vorlage im Wesentlichen mit einigen Modifikationen angenommen. Schon in der nächsten Woche wird der Entwurf dem Reichstage über­mittelt sein. Es ist feste Absicht der Reichsregierung, diese An­gelegenheit in der laufenden Reichstagssession zum Abschluß zu bringen. Die Reichstags-Kommission für das Festungs-Bauge­setz nahm gestern die Vorlage mit unwesentlichen Abänderungen an. Der Reichskommissär gab folgende hochwichtige Erklärung ab: Vom 1. Oktober cr. würden in den zu entfestigenden Städten die Rayonbestimmungen aufgehoben und die Baufreiheit gewährt werden, auch schon alsbald wesentliche Erleichterungen erfolgen.

Berlin, 9. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat die vom Herrenhause theilweise amendirten Kirchengesetze über die Vorbil­dung der Geistlichen und über die kirchliche Disciplinargewalt in der Fassung des Herrenhauses angenommen. Den heftigen An­griffen gegen die Rede des Fürsten Bismarck im Herrenhause und der Drohung Schorlemmer-Alsts gegenüber, daß man sich diesen Gesetzen nicht beugen werde, erinnerte Minister Falk daran, daß sich das Centrum die gesetzlichste Fraktion genannt habe und fügte die Versicherung hinzu, es würden die Kirchengesetze,- thigenfalls durch andere Gesetze verstärkt, ausgeführt werden.

Augsb. Abztg.

Wenn die Erlaubniß zum Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus bereits ertheilt ist und demnächst noch die Kon­zession zum Bier- und Weinausschank verlangt wird, so kann letztere bei dem Vorhandensein eines geeigneten Lokals nicht füg­lich versagt werden. Der Minister des Innern hat aber be­stimmt, daß in diesen Fällen als ein geeignetes, d. h. ein, seiner Lage rc. nach, den polizeilichen Ansorderungen genügendes Lokal, zur möglichsten Vorbeugung und event, leichteren Koustatirung des etwa beabsichtigten versteckten Branntweinschankes nur ein solches zu erachten ist, welches getrennt von demjenigen liegt, in welchem der Branntwein- rc. Kleinhandel betrieben wird.

Kass el, 9. Mai. Die nächste Sitzung des ständischen Verwaltungsausschusses wird, am 15. d. M. stattfinden. Ein Hauptgegenstand der Berathungen wird die Dienstordnung für die ständischen Beamten sein, welche in voriger Sitzung nicht beendigt wurde. Dem Vernehmen nach wird in Kürze mit dem Umbau des Klosters Breitenau begonneu werden, das von der ständischen Verwaltung behufs Herstellung einer Landarmenan­stalt angekauft worden ist. Hess Mgztg.

Das k. bayerische Staatsministerinm des Innern für Kirchen und Schulangelegenheiten beabsichtigt demnächst das Verzeichniß der für den Unterricht an den Gymnasien und La­teinschulen genehmigten Lehrbücher einer Revision zu unterwer­fen. Es wird dabei besonders darauf geachtet werden, daß bei dem für die Schüler beider Konfessionen gemeinsam ertheilten Geschichtsunterricht nicht ferner Lehrbücher in Anwendung kom­men, welche durch Einmischung kirchlicher Lehrsätze und Streit­fragen bei den Schülern der einen oder der anderen Konfession Anstoß erregen können. Ebenso werden beim deutschen Unter­richt Lesebücher auszuschließen sein, welche in der Auswahl der Stücke einen scharf ausgeprägten konfessionellen Charakter tragen. Das genannte k. Staatsministerium hat deßhalb die Lehrerräthe der bezeichneten Anstalten beauftragt, die bisher benützten Lehr­bücher der Geschichte und die deutschen Lesebücher einer eingehen­den Prüfung zu unterwerfen und darüber zu berichten, ob sie in Erwägung der jetzt bestehenden Verhältnisse dieselben auch ferner für benutzbar halten, oder welche Bücher sie andernfalls an Stelle derfelben eingeführt wünschen.

Die Gläubiger der Adele Spitzeder sind nicht nur über ganz Süddeutschland verbreitet, sondern erstrecken sich sogar bis über's Meer. Ein Vogelhändler in New-Dork, Mr. Delaney, lieferte ihr auf Bestellung hundert amerikanische Nachtigallen, sogen. Spottvögel, welche die Dame in Bayern einzubürgen be­absichtigte und deßhalb im Park ihrer Besitzung bei München fliegen ließ. Mr. Delaney hat jetzt seine Forderungen von 2100 fl. bei dem Konkurs angemeldet. Die Fürsorge Adelen's für Spottvögel ist mindestens überraschend.

Bayreuth, 9. Mai. Wie dieOberfrk. Ztg." hört, ist der Strike der Glasperlen-Arbeiter im Fichtelgelurg auf der ganzen Linie der Glasperlen-Hütten ausgebrochen. In der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag löschten alle Hütten die Oefen aus, es kann zur Zeit also nicht eine einzige Perle mehr ge-