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— Das neue Reichsmünzgesetz überläßt es bekanntlich den Einzelstaaten, die Mark-Rechnung auch vor ihrer allgemeinen obligatorischen Einführung schon zur Geltung zu bringen. Wie die „Elbf. Ztg," meldet, ist das Staatsministerium darüber ei­nig, dies für Preußen vom 1. Jan. 1874 an zu thun.

— Die Zehn-Markstücke haben beim Publicum einen so lebhaften Anklang gefunden, daß es noch nothwendig werden wird, das Anfangs beabsichtigte Quantum der Ausprägung von Vio des Gesammtwerths auf Vs zu erhöhen. Uebrigens sind jetzt die Schwierigkeiten, mit denen die Ausprägung der Goldmünzen gegen Ende vorigen Jahres zu kämpfen hatte, vollständig be- beseitigt und die Prägungen von Zwanzig-Markstücken auf allen Münzstätten wieder ausgenommen. Inzwischen sind jetzt im Ganzen ausgeprägt 531,208,270 Mark. Mit der Einziehung umlaufender deutscher Goldmünzen ist dadurch ein Anfang ge­macht worden, daß 669,668Vs Stück preußische Friedrichsd'or und 217,819 Kronen deutschen Gepräges theils erworben, theils eingeschmolzen sind. Die deutschen Regierungen sind ersucht worden, diejenigen ihrer Goldmünzen, welche einen festen Cours haben, in ihren Kassen anzuhalten, und sie der Reichshauptkasse

zur Umprägung einzusenden.

(Trib.)

— Fürst Bismarck kehrt aus Lauenburg nur nach. Berlin zurück, um sich sofort nach Varzin zu begeben, von wo die Rück­kehr nach Berlin erst gegen Ende dieses Monats erfolgen soll. Den Hoffesten will der Fürst nicht beiwohnen. Die Nachricht, welche von der Begleitung des Kaisers durch den Fürsten nach Petersburg wissen will, wird übrigens officiös bestätigt, trotzdem aber noch vielfach bezweifelt. Jedenfalls wird angenommen daß der Reichskanzler, falls er sich dem Kaiser auf der Reise nach Petersburg anschließt, auch auf der Wiener Reise den Kai­ser begleiten würde.

— Frankfurt, 4. April. Der Vorstand der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde hat eine Dankadresse an die Herren Reichensperger und Windhorst erlassen; dagegen protestirt die Gemeinde, die nicht befragt worden, mit der Erklärung, daß sie nichts sehnlicher wünsche, als in Frieden mit den staatlichen und städtischen Behörden zu leben und ein Bündniß mit den Ultramontanen, den erklärten Feinden des modernen Staates und der Gemeinde-Selbstständigkeit, verabscheue.

— München, 8. April. Herr Appellationsgerichtsrath Staudinger vom Staatsministerium der Justiz wird nächsten Dienstag nach Berlin abreisen. Derselbe ist bekanntlich vom Bundesrath zum Mitgliede der mit der Berathung des deutschen Strafprozesses betrauten Kommission ernannt und soll diese am 17. ds. ihre Arbeiten beginnen. Wie versichert wird, hätten in dieser Kommission die Anhänger der Schöffengerichte oder respek­tive die Gegner des Schwurgerichts die Majorität.

— In Speyer waren am vorigen Sonntag Vertreter der Tabakbauern und Tabakfabrikanten aus sieben Bezirken der Pfalz versammelt; dieselben wählten eine Deputation, welche sich nach Berlin begeben und dort Protest gegen die Erhöhung der Tabak­steuer einlegen soll. Reichstagsabgeordneter Heydenreich, welcher eingeladen worden war, der Versammlung anzuwohnen, erklärte nach dem „Sp. Anz.", der Bundesrath, welcher es mit der Be­seitigung der Salzsteuer gut gemeint habe, sei in seiner Mehr­heit nicht für das Tabakssteuerprojekt, noch weniger für die Börsensteuer, deren Ertrag zweifelhaft sei. Der Schwerpunkt liege jetzt im Reichstage und auf dessen Urtheil werde es einen großen Einfluß üben, wenn eine Deputation aus der Pfalz sich gegen die Tabaksteuererhöhung ausspreche, insbesondere wenn sie auf die Mißstimmung Hinweise, welche dieselbe im pfälzischen Volk Hervorrufen würde. Man werde in Berlin, wo man Alles aufbiete, um den Süddeutschen gefällig zu sein, diesen politischen Faktor, der neben dem vvlkswirthschaftlichen auch noch schwer in's Gewicht falle, nicht außer Acht lassen. Da Fürst Bismarck sich unlängst beim Empfange einer Deputation von Tabakinte­ressenten geäußert haben soll, daß er bei solchen Deputationen nnr immer Herren mit Glacehandschuhen sehe, aber auch einmal die Ansichten und Meinungen über die fragliche Steuer von Bauern und Oekonomen selbst hören möchte: so hat das land-

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten èvangel. Waisenhauses, unter Verantwortlichkeit des Faktors G. PH. Weißbrod.

WS> Der Osterfeiertage wegen erscheint die nächste Nummer erst Dienstag den 15. April. -Äs

Hierzu die Nr. 15 der Provinzial-Correspondenz als Beilage.

wirthschaftliche Bezirks-Komite Germersheim den Oekvnomen und Müller Disque von Knittelsheim zum Deputirten nach Berlin gewählt. Augsb. Abdztg.

— Lissabon, 1. April. Das Gesetz, wonach alle Waa­ren einem einprozentigen Einfuhrzölle ad valorem unterliegen, ist in Wirksamkeit getreten. Eine theilweise Befreiung in Folge von Spezial-Verträgen genießen nnr Waaren aus Frankreich und Deutschland.

— Der „Figaro" erhält einen Bericht aus Neue-Kaledonien,. welcher über die Schicksale der namhaftesten Deportirten einige Aufschlüsse gibt. Pascal Grousset, der sich während der Ueber- fahrt gut aufgeführt hat, erhielt zum Lohne dafür die Erlaubniß, die Hauptstadt Noumöa zu besuchen, sich dort mit neuen Klei­dungsstücken zu versehen und Beschäftigung in dem Comptoir eines Kaufmanns zu suchen. Assi hat dagegen zu häufigen Kla­gen Anlaß gegeben; er leitet auf der Isle des Pius eine Schmiede und wird aufmerksam überwacht. Gustav Maroteau, der jugend­liche Redakteur der „Montagne", welcher für einen einzigen Zei­tungsartikel zum Tode verurtheilt worden war, befindet sich in der Krankenanstalt und sieht dort seiner Auflösung entgegen. - Jourde, der Finanzminister der Kommune, Verdure, Mitglied der revolutionären Regierung, und Humburt, einer der Redak­teure des „Pore Duchesne", haben sich entschlossen dem Land­bau ergeben. Das Gros der politischen Gefangenen ist damit beschäftigt, ein Hospital aus Holz für ihre eigenen Kranken zu erbauen. Unter den Sträflingen befindet sich auch der Pole Berezowski, welcher zur Zeit der Ausstellung, im Jahre 1867, das Attentat auf den Kaiser von Rußland verübte. Er ist in der Gefangenschaft tiefsinnig geworden, meidet seine Gefährten und irrt einsam auf der Insel Nou herum.

■— Asien. Die japanische Regierung hat, englischen Blät­tern zufolge, ein Spezial-Edikt erlassen, welches die Duldung des Christenthums im ganzen Lande proklamirt und auch ganz Japan Ausländern eröffnet.

Lokales.

Hanau, 12. April.

— Ein vorzügliches Glas Bier „Frankfurter" zu 3^2 kr. den Schoppen bietet den hiesigen Bier-Consumenten Herr Restau­rateur Wilhelm Kraus in der „Germania", ein gewiß zeitge­mäßes Unternehmen, dem die nöthige Unterstützung bei der Unbeugsamkeit der hiesigen Brauereibesitzer gewiß nicht fehlen wird. 0—

— Der Markt ist heute zum Schrecken unserer Hausfrauen nicht stark befahren u. die Preise aller Artikel wieder enorm hohe; so kostet Butter 48—54 kr., Eier per Stück 2 kr. junge Tauben 36—48 kr., Kopfsalat per Stück 6 kr., andere Sorte per Mähnchen 24 kr., Spinat ebenso, ein Huhn 1 fl. 20 u. s. w.

—g

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,68 Meter.

Blumenaus stetlung zu Philippsruh.

Will sich das Auge weiden,

An Flora's Kindelein, Dann suchet dort die Freuden, Dort kann man selig sein;

Da lacht ein Ostermorgen.

Umweht von Frühlingsluft

Dort schwinden rege Sorgen

Sie lindert Blumenduft. •

Man denkt dort nicht an Baiern, An Frankfurts Palmen-Hain.

Dort suchet Ostereier, Es wird Herrn Löther sreu'n Ihm schall't für Pracht und Güte Von jedem Blumenfreund, Und unserer Dameublüthe Der beste Dankvereint.

—k.