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Vermischtes.

— Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, ist das dem Herrn John Cocking in London unter dem 21. Januar 1872 ertheilte Patent

auf ein durch Beschreibung dargelegtes Verfahren der Zu­bereitung eines für chirurgische Berbandstücke geeigneten Filzes aufgehoben.

— Der „R. u. St.-A." Nr. 69 enthält die Bekanntmachung, betreffend die Kündigung der Preußischen Staatsanleihen vom Jahre 1848, 1854, 1855A., 1857 und 185911. zur Rückzahlung am 1. Oktober 1873. ‘

— Zu der letzten in Frankfurt a. M. stattgesundenen Prü­fung für den einjährigen freiwilligen Militärdienst hatten sich 73 junge Leute gemeldet. Davon sind 64 erschienen und geprüft worden. Ungeachtet der milden Praxis, welche bei dem Examen geübt wurde, haben in demselben jedoch nur 23 bestanden. Es ist zu bemerken, daß von den 64 Geprüften 27 bereits früher das Examen nicht bestanden hatten.

— Fulda, 17. März. Es sind nun sämmtliche Zustim­mungsadressen der katholischen Geistlichkeit der hiksigen Diöcese an den Bischof eingegangen, so daß bis jetzt die elf Decanate nebst dem hiesigen Domcapitel und den übrigen Priestern der Stadt denselben ihrer unwandelbaren Ergebenheit versichert ha­ben. Nur die geistlichen Gymnasiallehrer und Weimarischen Diö- cesanpriester haben cs unterlassen, sich ihren Confratribus anzu­schließen. Hcff. M3g

— Braunsch weig, 18. März. (W. T. B.) Die Landes­versammlung hat heute einstimmig den Erlaß einer Adresse an den Herzog wegen Abschlusses einer Militärkonvention mit Preu­ßen beschlossen.

— Straßburg, 17. März. Der bischöfliche Generalvikar Rapp, geheimer Gründer und Leiter des hiesigen CentralkomiteS eines ungesetzlichen Vereines zur Leitung^ der politischen Wahlen, erhielt den Befehl, Elsaß-Lsthringen binnen 48 Stunden zu ver­lassen.

— Die N. A. Ztg." bestätigt heute die Pariser Meldungen über die am 15. d. M. abgeschlossene neue Convention wegen der Räumung und der Milliardenzahlung. Sie fügt dem schon Be­kannten noch hinzu, daß außer Verdun mit einem Rayon von 3 Kilometer und freier Mililärstraße nach Metz noch die Orte Conflans und Etain als Etappen bis 14 Tage nach der vollstän­digen Zahlung der Contribution besetzt bleiben. Im klebrigen werden wohl die Bestimmungen der früheren Verträge in Kraft bleiben, wonach Frankreich in den geräumten Departements nur so viel Truppen halten darf, als zur Aufrechthaltung der Ord­nung unbedingt nöthig sind, und daß Deutschland das Recht hat, die Occupation in ihrem bisherigen Umfange wieder eintreten zu lassen, sobald Frankreich seinen Verpflichtungen nicht nachkommen sollte.

— Solothurn, 18. März. Die Regierung von Solo­thurn hat unter Zustimmung der Regierungen von Bern, Aar­gau, Thurgau, Baselland gegen den Bischof Lachat wegen Kün­digung und Einkassirung von Geldern, welche dem bischöflichen Stuhle von Basel vermacht waren, vorläufig auch den Weg des Cioilprozesses betreten.

— Bern, 18. März. Der Regierungsrath von Bern hat beschlossen, bei dem Appellations- und Cassationshofe die Abbe­rufung sämmtlicher 97 katholischen Geistlichen des Jura, welche den Protest gegen die Verfügungen der Regierung in Be­treff der Ausführung der Diöcesanbeschlüsse unterzeichnet haben, zu beantrage«. Bis zum gerichtlichen Entscheide sind ihre Func­tionen kinzustellen. Fügen sich die Geistlichen innerhalb vierzehn Tagen, so wird der Abberusungsantrag zurückgenommen. (F. P.)

— Paris, 18. März. Der vom Kriegs-Minister vorge- gelegte Gesetzentwurf über die Reorganisation der Armee führt nicht die in Deutschland bestehende Territorial-Organisation des Heeres ein, sondern basirt auf einem System, welches zwischen dem deutschen und dem bisherigen französischen in der Mitte steht. Für die Reservearmee ist eine territoriale Organisation in Aus­sicht genommen, in Bezug auf die Formation der aktiven Armee bleiben die bisherigen Grundsätze in Geltung. Dagegen adoptirt der Entwurf die bisher nicht vorhandene Permanenz der Forma­tion der Briqaden-Divisionen und Armee-Corps. Die KabreS

Gedrückt und verlè^üinHBuchdruckerei des vereinigtem Vangel. Waisenhauses, unter Verantwortlichkeit des Faktors G. PH. Weißbrod.

werden aus 144 Infanterie-Regimentern, 36 Jäger-Bataillonen». 72 Regimentern Kavallerie, 40 Artillerie- und 4 Genie-Regimen­tern bestehen. Für die Mobilmachung ist daS deutsche System der Pferde-Requisition ebenfalls angenommen.

— London, 18. März. ^W. T. B.) 11,000 Arbeitet haben gestern in dem Kohlenwerke zu Dowlais die Arbeit wie­der ausgenommen. Dieselben erklären sich mit der Reduktion des Lohnes für die erste Woche einverstanden, für die zweite Woche werden sie den alten Lohn erhalten. Alsdann soll eine allmählige Lohnerhöhung eintreten, die nach gemeinsamer Ver­einbarung fcstzusetzen ist. Die Arbeitseinstellung wird nunmehr als völlig beendigt angesehen.

— DaS in New-Aork erscheinende „Harper's Weekly Jour­nal" brachte gegen Enve vorigen Monats einen, „Bismarck und der Jesuitismus" überschriebenen Artikel, in welchem sich bas Blatt eingehend mit den kirchenpolitischen Fragen in Deutschland be­schäftigt. Man würde — so leitet der Verfasser seine Ausfüh­rungen ein — dem größten Staatsmanne der Gegenwart sehr Unrecht thun, wollte man annehmen, daß er den Kampf mit den kirchlichen Gewalthabern aus Uebermuth oder einer Grille wegen aufgenommen habe. In der katholischen Kirche hat mit dem Va­tikanum der Jesuitismus die Herrschaft an sich gerissen, und Fürst Bismarck ist ein Mann von zu großer Einsicht und ein zu schar­fer Denker, um nicht sofort die politischen Konsequenzen einer solchen Thatsache zu durchblicken und darnach zu handeln. Der Jcsuitismus ist absoluter Despotismus, der nur seine eigenen Zwecke und eigenen Methoden als berechtigt anerkennt. Er er­kennt kein Band der Nationalität oder Verwandtschaft an. Pa­triotismus ist für ihn ein unbekanntes, unmögliches Ding. Sein ganzes Sinnen und Trachten läuft nur darauf hinaus, einen Staat im Staate zu schaffen. Der Jesuitismus ist nicht gleich­bedeutend mit Katholizismus, aber jener kontrolirt, richtet diesen nach seinen Wünschen ein. „Jesuitismus, so sagt Godwin Smith in seiner kürzlich in Toronto gehaltenen Rede, ist nicht Religion, sondern ist und bleibt Verschwörung. Er verschwor sich in Ge­meinschaft mit katholischen Despoten zum Umsturz protestantischer Regierungen und der Freiheit, der dem Protestantismus sein Da­sein verdankt. Er konspirirt jetzt noch zum selben Zweck und or- ganisirt in jedem Lande eine Bewegung, welche auf Ausrottung des Protestantismus und der ihm verhaßten modernen Civilisatien hinausläuft." In Belgien sucht er den Unterricht, die Wahlen und das Gerichtswesen an sich zu reißen; in Italien spielt er den Demagogen und mischt sich in die Wahlen; er macht in Unter- Kanada Fortschritte und — so fügt Hr. Smith hinzu — wenn unsere Presse über diese Fortschritte schweigt, oder geradezu ver­sucht, die Aufmerksamkeit des Volkes davon abzulenken, so zeigt dies nur die Art, wie der Jesuitismus an politischem Einfluß ge­winnt. Der Jesuit kommt mit der Zeit zu den Wahllisten, der Gesetzgebung, dem Gerichtswesen und der ausübenden Gewalt —

aber vor Allem sucht er den Unterricht in seine Gewalt zu brin­gen. Bismarck weiß dies Alles und er ist fest enschloffen, den Einfluß des Jesuitismus in Deutschland zu brechen. Er hat die Verbannung der Jesuiten durchgesetzt, nicht weil sie fromme Die­ner der Kirche, sondern weil sie Feinde des Staates sind, die jede Quelle des Patriotismus zu vergiften streben. Er hat nicht nur die Jesuiten verbannt, sondern trachtet auch den Jesuitismus in Deutschland auszurotten. Es ist in Deutschland so wie in Ame­rika. Kirchliche Mächte kämpfen vor Allem, um den Unterricht in ihre Gewalt zu bekommen. Der Jesuitismus hat die römisch- katholische Kirche überwältigt und er möchte auch die Civilisation bewältigen. Indem Bismarck sich diesem Streben des Jesuitis­mus widersetzt, kämpft er den Kampf der Freiheit und der Hu«

manität.

Lokales.

Hanau, 20. März.

— Znr Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kai­sers und Königs findet Sonnabend den 22. d. M., Vormittags 10 Uhr in der Marienkirche Gottesdienst, gehalten von Herrn Pfar­rer S o p P, statt. ***