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nar-VerfahrenS gegen ihn zu verfügen, wird von Berliner Blät-1 der eigene Geldbeutel de« Einzelnen stark ins Spiel kommt, dürfte

lern in Zweifel gezogen. Jene Mittheilung ist al« durchaus be­

gründet anzusehen.

— Der Unterricht-minister hatte, auf Veranlassung der obersten Reich-behörde, den Schulcollegien und Regierungen eine Verfügung zugehen lassen, worin auf die Wichtigkeit der richtigen Brtefadressidung hingewiesen und die Schulaufsicht«behörde ver­anlaßt wurde, dafür Sorge zu tragen, daß schon in den Schulen eine Unterweisung in der richtigen Fertigung von Briefaufschriften Statt habe. Jetzt ist eine bei dem kaiserlichen General-Postamte vorhandene Anleitung für die Anfertigung von Briefadreffen den Bezirk-regieruttgen zugegangen, und zwar in so viel Exemplaren, daß für jede Klasse der öffentlichen Elementarschulen ein Exem­plar unentgeltlich zum Gebrauche überwiesen werden kann.

— Berlin Der außerordentliche Gesandte Persien« Mirza Malcom Khan ist in Begleitung zweier Sekretäre hier einge­troffen und im „Hotel de Rome" abgestiegen. Mirza Malcom Khan, welcher bereits die Höfe von Petersburg und Wien be­sucht hat, ist beauftragt, die Beziehungen zu Deutschland fester zu knüpfe« und gleichzeitig den bevorstehenden Besuch seine« Mo­narchen, de» Schah Nafsr-cd-Din, an dem hiesigen Hoflager per­sönlich anzuzeigen. Die Reise des Schah ist ein sehr bedeut­same« Ereigniß. Seit einem Jahrtausend hat kein Herrscher Persien» die Grenzen seine« Reiche« überschritten.

— DaS amtliche Journal von Teheran veröffentlicht ein Manifest an die persische Nation, welche» ankündigt, daß mit der bevorstehenden Reise des Schah» nach Europa eine neue Aera des Fortschritte« und der Einführung europäischer Civilisation für Persien beginnen soll.

— Göppingen, 13. März. Gestern Abend kurz vor 10 Uhr wurden an drei Orten des diesigen Oberamts Erdstöße ver­spürt, und zwar in vertikaler Richtung, von einem Geräusche be­gleite^ *olS ob auf der Bühne ein gefüllter Sack hastig auf den Böden ausgesteuert würd«.'

— Bern, 14. März. Der liberale Katholikenverein in Solothurn hat bei dem Regierung-rathe beantragt, daß eine Ver- ständigung mit den übrigen zur Diözese Basel gehörigen Kan- tonen über die Ausweisung de« Bischofs Lachat und de« Kanzlers Duret aus dem Diözesaugebiete eintreten möge.

— Paris, 13. März. Der Bericht der Obristen Vernes und Malard, die vom Verthcidigung-konseil beauftragt waren, die Plätze zu prüfen, auf denen die neuen Forts von Paris er­baut werden sollen, wurde am Dienstag vor der General-Kom- Wission verlesen. Diese Offiziere hatten die von der Kommission für den Bau von sechs Fort» im Norden von Paris bezeichneten Plätze besticht. Die Vertheidigungspunkte, die in einer mittleren Entfernung von 20 Kilometer von Pari« liegen, sind: die Hügel von Orgemont, Daumont, der Wald von Montmorency, Schloß Ecouen, Orme des Merles, La Tour Fenelon und Ehelles. Wie „Avenir National" meldet, soll die Stadt Tarbes daS haupt­sächlichste Arsenal für den Süden werden. Der Kriegsminister ist gegenwärtig damit beschäftigt, auf bedeutende Weise den Ar- tilleriepürk dieser Stadt zu vergrößern. General Charenton hat Herrn Thiers seinen Bericht über die Reorganisation der Armee zngesandt.

— Pari«, Sonnabend, 15. März. DaS gestern von der Nationalversammlung angenommene Gesetz über die fortdauernde Anwedung der gegenwärtigen Zolltarife gegenüber England und Belgien bis zu dem Zeitpunkte, wo die neuen von der National­

versammlung genehmigten resp, noch zu genehmigenden Tarifsätze in Kraft treten werden, wird heute im „Journal officiel" ver­öffentlicht. * R. u. St. A.

— Die große Comödie der Verhandlungen über die Anträge der Dreißigerkommission in der französischen Nationalversammlung ifl endlich geschlossen; Thiers hat in der Hauptsache seinen Willen und im Uebrigen bleibt Alles beim Alten. Damit aber der Prä­sident der Republik seines Lebens nicht froh werde, steigt gn seinem Horizonte ein neues Ungewitter auf, da« seine Stellung noch stärker bedrohen wird, als das eben überstandene. Pie Büreaux der . Nationalversammlung haben die Wahlen der Commission, welche den englisch-französischen Handelevertrag prüfen soll, voll- zogen und diese sind auf 12 Gegenüber nur 3 Anhängern der Thiers'schen Handelspolitik gefallen; zum Vorsitzenden der Com­mission ist Pouher-Quertier, der frühere Finanzminister, ebenfalls Gegner des Vertrqgs, gewählt worden. Da bei dieser Frage

Ge-ruckt un° verleg! in der Buchdrucker« des vereinigtene Vangel. Waisenhauses, unter Berantwortlichkeit des Fakwöl G. PH. Weihbrod.

et Herrn Thiers nicht so leicht werden wie sonst, die seiner Po­litik gemachte Opposition zu brechen, und er wird wohl auch hier ohne Zugeständnisse nicht wegkommen. ** «!»■

— London, 12. März. Ein soeben veröffentliche« parla" mevtarische« Blaubuch ergibt, daß während deS Jahre« 18^2 in England und Wale« 30 Personen, darunter 7 Frauen, wegen Morde« zum Tode verurtheilt wurden. Die Zahl der Hingerich­teten betrug 14, sämmtlich Männer; einer der Berurtheilten cr- drosielte sich im Gefängniß, zwei wurden in die Irrenanstalt für Verbrecher in Broadmoor geschickt und 13 zu lebenrlänglichem Zuchthau« begnadigt. *

— In England ist ziemlich unerwartet eine Ministtrkrist» entstanden. Gladstone hatte eine irische Universitätsbill einge­bracht, d. h. ein Gesetz über da», was an den irischen Universi­täten gelehrt und gelernt werden solle. Da« Gesetz fand viele Feinde; den Einen war es zu freisinnig, den Anderen zu reactio- nair. Schließlich erhoben auch die katholischen Bischöfe in Ir­land einen Heidenlärm, weil sie herauSgemerkt haben wollten, daß ihr Einfluß auf die Universitäten beschränkt werden solle, wa« übrigens «ach der Ansicht der Radicalen durchaus nicht der Fall gewesen wäre. Genug, obgleich die meisten Mitglieder des Un­terhauses eine Aenderung de« Lehrplane« der irischen Universitä­ten für nöthig erachteten, fand sich doch nicht die Majorität für die Bill in ihrer jetzigen Gestalt — sie wurde in zweiter Lesung mit 287 gegen 284 Stimmen abgelehni. Nach englischer Praxi« tritt rin Ministerium, wenn eS in einer wesentlichen Frage die Minderheit behält, entweder zurück oder löst das Hau« auf. Hier ist nun freilich die Differenz eine so kleine, daß möglicher Weise daS Ministerium die Abstimmung nicht für enscheidend genug hält, um zurückzutreten und da« Haus aufzulösen. Die telegraphischen Depeschen melden allerdings gerüchtsweise, daß Gladstone seine Entlastung angeboten und die Königin dieselbe angenommen und Disraeli mit der Bildung »ine«'neuen Cabinet« beauftragt habe;, es mag auch wohl Thatsache sein, daß Disraeli bereits mit der Königin über die Angelegenheit gesprochen und an seine politischen Freunde telegraphirt hat; aber wer die Geschichte englischer Mi­nisterkrisen kennt, weiß auch, daß damit da« Schicksal de« Ministe­rium« Gladstone noch nicht entschieden ist. Die TorieS (Disraeli) drängen sich nicht sonderlich zur Negierung, da einige schwierige Fragen vorliegen, die nicht sehr leicht und glatt durchzuführen sind. (TribJ

— Triest, 12. März. Heute Abend« um 9 Uhr 15 Mi­nuten wurde hier eine leichte Erderschütterung verspürt. — V e- nedig, 13. März. Nach einem heftigen Gewißer Tag« zuvor erfolgten gestern Abend neue Erderschütterungen; dieselben währ­ten fünfzehn Sekunden bei bewegtem Meer.

Stadt-Theater. -

Wie wir vernehmen findet nächsten Mittwoch die Benefizvor« stellung für unsern beliebten Komiker Hrn. Ludwig statt. Leider war es dem Benefizianten «icht vergönnt eine Posse: ,Da« Volk wie e« weint und lacht" zur Aufführung zu bringen und fiel des­halb die Wahl auf da« reizende Lustspiel: „Erziehung macht den Menschen". Frl. Ella Gröger, die berühmte Soubrette im 1 Lustspielfache, hat aus besonderer Gefälligkeit für den Benefizian­ten ihre Mitwirkung an diesem Ehrenabende zugesagt.

Herr Ludwig, der sich die Gunst des Hanauer Publikums errungen, ist ein junger, talentvoller Schauspieler, welcher bei seinem ernsten Fleiße und Streben Zukunft vor sich hat. Wir wünschen ihm ein recht volle» Hau« und mag das Publikum fleißig die Vorstellung besuchen, schon deshalb, da Frl. Gröger vom Hostbeater zu Darmstadt nur die« eine Gastspiel hier geben wird und somit da« reizende Lustspiel nur einmal zur Auffüh­rung gelangt. P. P. C.

Hanau, 17. März

— Vergangene Woche sind drei unserer ältesten Mitbür­ger in einem Zwischenraum von nur wenigen Tagen verstorben- Herr SchreineLmciftet Fabrizius im 89., Herr Oekonom Fries im 87. und Herr Schreinermeister Andrea» Körner im 77. Lebe»«' jähr« stehend. —d.

— Wafserstand des Main Pegels heute früh 7 Uhr 2,14 Meter-