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— Fulda, 27. Febr. Er scheint nunmehr beschlossene Sache zu sein, daß dar dahier bestehende bischöfliche Knabenseminar nach Annahme der kirchlich-politischen Gesetze als »Convict" fortbestehen wird. Der Erziehung der Kleriker im Gymnasium scheint die hiesige Geistlichkeit ganz besonder« abhold zu sein, da die autho- logischen Wissenschaften die gefährlichste Klippe für den „religiösen Geist" der zum geistlichen Stande bestimmten Schüler sich im hiesigen Gymnasium anerkanntermaßen einer besonderen Pflege erfreuen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Erziehung im Convict« noch lange nicht dafür bürgt, daß die Betreffenden nach abgelegtem Maturität««xamen sich auch bestimmt dem geistlichen Stande widmen werden. $°ff- M«ztg.
— Die Regierung zu Koblenz hatte die Religiontlehrer an Gymnasien angewiesen, Hirtenbriese nicht eher beim Gymnasial- gotte«dienst zu verlesen, bi« der Director seine Genehmigung ertheilt. Da nun von anderer Seite den Kaplänen verboten wurde da« bischöflich« Wort dem Placet eines Laien zu unterwerfen, so unterblieb die Verlesung gänzlich.
— Darmstadt, 28. Febr. Am 6. März begeht der Groß- Herzog sein 25jäbrige« Regierungs-Jubiläum. Er unterzeichnete vom 6. März 1848 an Gesetze und Edikte in feiner Eigenschaft al« Mitregent.
— Hirschberg, 1. März. Der altkatholische Pfarrer Haßler wurde von der Bürgerschaft einstimmig zum Stadtpfarrer gewählt.
— Metz. Napoleons Tod hat bei den hies. Einwohnern, namentlich aber auch bei der Landbevölkerung mehr Theilnahme gesunden, als man vermuthen konnte. Nicht nur haben verschiedene Familien Trauer angelegt, sondern es sind auch in den Schaufenstern die zahlreichen Karrikaturen auf den Exkaiser verschwunden und haben hübschen Photographien von dessen Sterbezimmer Platz gemacht. Auch in den benachbarten Grenzorten — seit die Paßplackereien aufgehört haben, ist eine Fahrt über die Grenze eine beliebte Sonntagstour der Metzer — wo man fast in jedem Hause ein Bild Napoleons findet, fanden wir mehrmals letztere« mit schwarzem Flor behängt, und der Maire eines französischen Dorfe« äußerte: »Sehen Sie diese schönen Straßen, dieses Bewässerungssystem, den ganzen Wohlstand meines Dorfes; Alle« die« verdanken wir dem Kaiser; haben wir also Ursache, seiner anders als mit dankbaren Gefühlen zu gedenken?^ Wir führen die« hier an, um zu zeigen daß die bona- partistische Partei hauptsächlich auf dem offenen Lande einen größeren Anhang hat, al« die französischen Regierungsblätter e« eingestehen wollen.
— Bern, 28. Februar. Der von den Ultramontanen de« Kanton« Solothurn dem Regierung-rathe eingereichte Initiativantrag verlangt die. sofortige außerordentliche Einberufung des Lautonalrathe«, damit die Regierung wegen ihrer Zustimmung zu den Beschlüffen der Diizesankonferenz zur Verantwortung gezogen und die Frage, ob der betreffende Regierung«beschluß aufzuheben sei, unter allen Umständen der Volk«abstimmung unterbreitet werde; ebenso solle c« mit der Inschutznahme des von Lachat su«pendirten Pfarrer« Gschwind der Fall sein.
— Der Erzbischof von Paris hat an Mermillod eine Shm- Pathieadresse abgeschickt. Er kondolirt Mermillod nicht, denn e« sei ein großer Ruhm, so autgezeichnet zu werden durch die Feinde der Kirche. Die Katholiken Frankreich« würden sich um Mermillod, den die »Pharisäer der Freiheit" verbannt haben, und um Lachat sammeln. Der Erzbischof selbst bietet Mermillod in seiner Diözese ein Asyl an.
— Die Franzosen scheinen die Absicht zu haben, beinahe auf allen Punkten, wo sie im letzten Kriege Niederlagen erlitten haben, großartige Befestigungen zu erbauen. In neuester Zeit verlautet, sie wollen Sedan durch Erbauung von fünf Forts in ein große« verschanztes Lager verwandeln. Dieselben sollen auf dem Mont Piot gegenüber von Donchèry, auf den Höhen von Marsse, in der Richtung von La Moncelle, zu Floing und auf dem Mont d'Jnge« zu liegen kommen. Es fragt sich nur, bemerkt die „N. Fr. Pr.", ob die Großmächte, welche über die Garantie Belgiens zu wachen haben, nicht« dagegen einzuwenden haben werden, wenn knapp an der Grenze dieses Ländchen« eine Festung ersten Ranges sich erhebt, von welcher au« das ganze westliche Belgien beherrscht werden kann. Die Befestigung von Sedan würde übrigens auch beweisen, daß die Franzosen bei dem
nächsten Revanchezug Belgien zum Schauplatze ihrer Thaten machen wollen.
— Der »Times" zufolge fand dieser Tage eine Zusammenkunft von 32 Bonapartistischen Deputaten statt, welche beschlossen, das Zerwürfniß in der Nationalversammlung und namentlich zwischen den Legitimisten und Orlcanisten zu benutzen und den Antrag zu stellen, daß die Zeit zu einem Plebiszit gekommen sei. Andr6 oder Haentjen« will den Antrag stellen und Rouher denselben unterstützen.
— Madrid, 27. Febr. Die »Union" veröffentlicht, wie au« Paris vom 28. Februar gemeldet wird, eine Proklamation de« Jnfanten Don Alfonso, Bruder« von Don Carlo«, an die spanische Armee, in welcher allen Offizieren, welche zu den Carlisten übertreten, höhere Grade versprochen werden. Dasselbe Blatt schlägt die Streitkräfte der Carlisten nach den ihm zugegangenen Mittheilungen auf 35,000 Mann an.
— Washington, 28. Febr. Vom Repräsentantenhaus ist ein Antrag, wonach in der Angelegenheit der Credit-mobilier, außer gegen Ame« und Brook«, auch noch gegen andere M tglie- der ein Tadelkvotum verhängt werden solle, verworfen worden. Der vom Senate bezüglich derselben Angelegenheit niedergesetzte Untersuchung«.Ausschuß empfiehlt die Ausstoßung des Senator« Patterson, als Mitschuldigen an den begangenen Unredlichkeiten.
— Wiener Weltausstellung. In Erwiderung zahlreicher Anfragen bringt die Central-Kommission hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß von den verschiedenen Agenturen und Bureaus, welche den Ausstellern ihre Vermittelung anbieten, allein die Deutsche General-Agentur hierselbst zu ihr in amtlichen Beziehungen steht.
Dieselbe ist auf ihre Veranlassung bchuf« der besseren Vertretung der Interessen deutscher Aussteller errichtet, und wird unter ihrer Aufsicht innerhalb der Ausstellungsräume die Geschäfte führen. Aursteller, welche die Vermittelung der Deutschen General-Agentur in Anspruch zu nehmen wünschen, wollen sich ‘an den Herrn Albert George, Charlottenstraße 62 hierselbst, wenden.
Berlin, den 1. März 1873.
Central-Kommission de« Deutschen Reichs für die Wiener Ausstellung von 1873. R. u. et. A.
Ls Kales.
Hanau, 3. März.
— Der 24. Mittelrheinische Turntag, welcher gestern in Wiesbaden stattfand und auf welchem von Hanau 3 Vertreter (Turngemeinde, Turn- und Fechtclub und Turnverein der Cigarrenarbeiter, je einer) anwesend waren, beschloß, weil Wiesbaden die Abhaltung des in diesem Jahre stattfindenden mittelrheinischen Turnfeste« ablehnte, auf Verlangen der Kreuznacher besagte« Fest dorten zu begehen und wurde Kreuznach zugleich mit der Borortschast betreut; jeder Theilnehmer am Feste bat 1 fl. zu bezahlen. Weiter wurde noch unter Anderm beschlossen, die neuge- gründete Frankfurter Turngesellschaft in den mittelrheinischen Verband aufzunehmen und dahin zu wirken, daß das nächste deutsche Turnfest in einer süddeutschen Stadt abgchalten werde. —d.
— Der Schiffmann Martin Blümlein von Steinheim, ein wie man hört dem Trunke ergebener Mann, stürzte sich gestern Mittag gegen 1 Uhr von der neuen Brücke, auf der Steinheimer Seite, herunter in den Main und fand seinen Tod in den Wellen, weil die sofort angestellten Rettungsversuche bei dem hohen Wasserstande fruchtlos waren. —d.
Für die Ostsee-Beschädigten sind bei der Expedition des »Hanauer Anzeiger«' weiter eingegangen:
Von Herrn Bürgermeister Falk zu Berkersheim in dasiger Gemeinde gesammelt 22 fl. 2 kr.
Für die Abgebrannten in Melsungen:
Von Ä. L . . . . r 41 kr.
Zur Empfangnahme weiterer Gaben erklärt sich dieselbe gerne bereit.
— Wasserstand deS Main Pegels heute früh 7 Uhr 1,88 Meter.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses, unter Verantwortlichkeit des Faktors G. Ph. Weißbrod.