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— Der „R u. St. A." Nr. 300 enthält das Gesetz, be­treffend den Verkehr mit steuerpflichtigen Gegenständen zwischen Elsaß-Lothringen und den übrigen Theilen des Deutschen Zollge­biets, vom 14. Dezember 1872, dessen einziger Paragraph lau­tet: Die im deutschen Zollgebiete geltenden, in der Anlage zu­sammen gestellten Bestimmungen über den Verkehr mit den einer inneren Steuer unterliegenden Gegenständen treten in Elsaß- Lothringen am 1. Januar 1873 in Wirksamkeit.

— Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ist der bisherige Königliche Bau-Kommissar Karl Engelhard in Orb zum Königlichen Kreis-Baumeister ernannt und demselben die Kreis-Baumeisterstelle zu Gersfeld verliehen worden, weiter ist dem Herrn Markus Bebro zu London unter dem 17. Dezember 1872 ein Patent auf eine Vorrichtung zum Bedrucken von Papierbändern mit Schrift- und Nummer­zeichen, soweit solche nach der vorgelegten Zeichnung und Be­schreibung für neu und eigenthümlich erkannt ist, auf drei Jahre von jenem Tage an gerechnet und für den Umfang des preußi­schen Staats ertheilt worden.

— Im Abgeordnetenhause wußte man am Dienstag, und die halbosfizftlle Provinzial-Korrespondenz bestätigte es denn auch, daß Fürst Bismark die Genehmigung des Kaisers der von ihm nachgesuchten Enthebung vom Vorsitz im Preußischen Staats- ministerium erhalten hat. Der Fürst bleibt Minister des Aus­wärtigen und also Mitglied des Preußischen StaatSministeriumS.

Trib.

— Frankfurt, 19. Dez. Gestern wurde auf der Pfingstweide da« Terrain für den neuen zoologischen Garten abgepflockt.

— München, Donnerstag, 19. Dez. Durch Königliche Verordnung werden nach dem „R. u. St. A." die Miliär-Dis- ziplinarordnung, so wie die Kriegsartikel, beide in Uebereinstim­mung mit der Kaiserlichen Verordnung vom 10. November, vom 1 Januar 1873 an für da? bayerische Heer in Kraft treten.

— Von der Adens, erhält das „N. b. Volksblatt" noch folgenden Bericht über den Raubmord bei Mainburg: Im Wirthshause zu Lindkirchen hatten sich am 9. ds. in aller Frühe drei unbekannte Menschen eingefunden, zum Theil wie Jäger ge­kleidet; sie tranken Wein und ließen ihrem Humor freien Lauf. Jeder hatte einen sechsläufigen Revolver bei sich, womit sie in nicht ungefährlicher Weise spielten. Sie gaben sich für Jäger aus und redeten eine ungewöhnliche Sprache, ob natürlich oder fingirt, das läßt sich nicht sagen. Nachdem sie 5 Flaschen ge­trunken, befestigten sie eine an einer Schnur, die einer an seinen Rücken hing, bezahlten ihre Zeche und gingen auf der Straße abwärts gegen Meilenhofen zu. Bald wurden sie gesehen, wie Jeder ein Doppelgewehr auf der Schulter oder am Riemen trug, das sie vorher versteckt haben mußten. Sie stellten sich betrunken und belästigten mehrfach die entgegenkommenden Fuhrwerke und Passanten. Als sie nur mehr als 500 Schritte von Meilenhofen entfernt waren, begegneten ihnen drei Männer. Sie schritten sogleich auf diese zu und legten ihre Gewehre an, während der eine jene auffforderte: „Legt ab 1“ Der Bauer Ettmüller, ein Mann in den 60ern, entgegnete: „So schnell gehts nicht!" Er glaubte nämlich, es sei nur Spaß. Aber sieh da! ein Schuß streckte ihn todt zu Boden nieder. Gruber will den Stürzenden auffangen, sank aber durch die Brust geschossen wie Ettmüller lobt zu Boden. Zanklbauer, sehend, daß es hier auf Leben und Tod gehe, entledigte sich schnell seiner Baarschaft, in etwa 5 fl. bestehend, wurde aber von einem mit dem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen, daß er taumelte und eine bedutende Wunde davontrug; doch konnte er noch entrinnen. Die Räuber hielten sich nicht lange bei ihren entseelten Opfern auf; was sie aber sogleich mit ihnen gethan, ist noch nicht klar. Ungefähr 100 Schritte vom Orte der That begegnete ihnen ein Bauer aus Jrsing auf der Straße Der eine der Raubmörder setzte auch diesem den Doppellauf seines Gewehres auf die Brust, mit der Aufforderung, sein Geld herzugeben. Der Bauer holte etliche 20 fl. heraus, fiel dann nieder auf die Knie und bat um sein Leben. Da bemerkten sie, daß er eine Geldgurte um den Leib trage, stießen ihn sofort nieder und nahmen ihm die Gurt. Der Bauer zog noch einen Thaler hervor, um sie zu versichern, daß er alles hergebe, wenn sie ihm nur das Leben schenkien. Die Raubmörder bedeuteten ihm, daß er diesen behalten dürfe. Im Ganzen nahmen sie dem Manne gegen 420 fl ab. Weiter miß­handelten sie ihn nicht, sondern bogen von der Straße ab und

verschwanden im nahen Walde. Man hörte, daß sie im Walde noch circa 20 Schüsse abfeuerten. — Die etwa um 2 Uhr Nach­mittags zur Untersuchung der unglückseligen Opfer von Main­burg her angelangte Gerichtskommission konstatirte qualifiizirten Mord an den Leichen, von denen die eine durch den Hals, die andere durch die Brust getroffen, beide augenblicklich dem Tode verfallen waren. Ettmüller und Gruber sind Familienväter; ersterer hat mehrere Erwachsene und verheirathete Kinder, letz­terer hinterläßt eine arme Frau mit drei ganz kleinen Kindern.

— Tilsit, Donnerstag, 19. Dezember. Die Schiffbrücke ist abgefahren und die Dampfschifffahrt nach Memel, Königsberg, Ruß und Heydekrug gänzlich eingestellt. Heute klares Wetter, 3 Grad Kälte. <«• " ®t. «>.

— München, 14. Dez. Nachdem die Erfahrung gezeigt hat, daß bei Eisenbahnunfällen es in der Regel nicht sowohl an Aerzten fehlt, als vielmehr und haupfächlich an den diesen zur ersten Hülfeleistung nöthigen Instrumenten und Materialien, so werden zur Zeit für die Hauptstationen und Knotenpunkte der bayerischen StaatS-Eisenbahnen besondere RettungSkästen ange­schafft, welche alle zur Anlegung des ersten Verbandes nöthigen Instrumente, sowie für plötzliche Erkrankungen und sonstige Ge­genstände enthalten, und welche bei der Nachricht von einem Un­fall sofort an Ort und Stelle gebracht werden. Damit jedoch schon vor der Ankunft eines Arztes die bei Verletzungen und Kranken wünschenswerthen Maßnahmen getroffen werden können, erhält das Eisenbahnpersonal besondere Anleitungen über die nächsten Maßregeln, welche bei Kranken und Veiwuudeten vor Ankunft des Arztes zu beobachten sind. Vorerst werden an 37 Stationen der bayerischen Staatseisenbahnen solche Rettungs­kästen hingestellt werden. an6- 3t®-

— Wie man sich täuschen kann. Der Feuermar­schall von Boston kam kurz nach dem großen Brandunglück von Chicago dorthin nnd besah sich die Trümmerställen. — Er meinte damals: „Uns könnte das nicht passiven."

Deutsche Austv.-Stg

Lokales.

Hanau, 20. Dezember.

Für die durch Sturmfluth so schwer heimgesuchten deutschen Strandbewohner sind bei der Expedition dieses Blattes weiter ein- gegangen 2

Von Herrn I. W. Gerhardt 1 fl. Wwe. C. Gerhardt 30 kr. X. 1 fi. 10 kr. Herrn Dr. K eß ler 2 fl.

Zur Entgegennahme und Weiterbeförderung weiterer Gaben er- klären uns gerne bereit.

Die Expedition ves „Hanauer Anzeigers".

— Vorgestern und gestern wurde bei hiesigem Schwurgericht die vor einiger Zeit in Bergen stattgehabte Schlägerei mit tödtli- chem Erfolg verhandelt, und erhielten Christian Völp von Bergen 1 Vi Jahr Gefängniß, Konrad Theiß von dorten 3 Wochen Ge­fängniß; Wilhelm Ludwig Heun ebendaher wurde freigesprochen.

X

— Wie wir hören, wird Herr Tricbell das beabsichtigte Kirchenconcert erst nach Neujahr zur Aufführung bringen; dasselbe ]oQ jedoch ein in allen Theilen sehr reichhaltiges werden. —r.

— Gestern Abend fand im Saale zum Riesen das von der Tyroler Sänger-Gesellschaft des Herrn Ludwig Rainer angckün- digte Concert, welches besuchter hätte sein dürfen, statt. Mag viel­leicht Mancher denken, 36 kr. ist zu viel, um Tyroler zu hören, das kann man billiger haben, so hat er ja vollkommen Recht, wenn ihm das Gejohle und Gefistcl der unzähligen in Kostüm herumziehenden „Tyroler aller Herren Länder" gefällt. Hier ist eS ein Anderes, es war im Sinn des Wortes ein Concert, und man ist verlegen, welcher von den Piyen man den Vorzug geben soll: Soli's, Chöre und Quartette waren mit vielem Verständniß und von klangvollen, prächtigen Stimmen ausgeführt, und an dem Citherspiele konnte man die Künstler von Fach erkennen. Jeder Besucher ging befriedigt nach Hause, mit dem Bewußtsein, doch einmal „Tyroler" gehört zu haben. — Dem Vernehmen nach tritt die Gesellschaft hier noch­mals auf und jedem Freunde des Gesanges rathen wir, die Gelegen­heit nicht zu versäumen. Wer sich über diese Gesellschaft näher orien- tiren will, der nehme die Gartenlaube zur Hand, welche in diesem Jahrgang derselben rühmend gedenkt. —d.

— Wasserstaue des Main - Pegels heute früh 9 Uhr 1,70 Meter.

Gedruckt und verelgt in der Buchoruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.