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unschuldig verurtheilt werde, da Hab' ick gedacht, laß dir man verdonnern, dann hast du'« hinter bir.* Darauf aufmerksam gemacht, daß ein solches Geständniß mit der Behauptung der Unschuld kein Geständniß sei, erwidert er: „Na, dann werd' ick's Ihnen man sagen: ick habe den Spiegel gestohlen und vor 5'/, Dahin beim Trödler verkooft. Des iS richtig, aber nu bitt' ick, legen Sie mir mildernde Umstände an, weil ick doch zurückgekommen bin und, während ick uf die Anklagebank saß, gestanden habe. Ick werde jleich meine Strafe antreten.'
Mildernde Umstände werden denn auch dem Angeklagten gewährt und er erhält 6 Wochen Gefängniß. Itl>-
— Die Typhus-Epidemie, welche Berlin in diesem Herbst heimgesucht hat, will uns noch immer nicht verlassen, fie nimmt immer weitere Dimensionen an. Ein Arzt, welcher zu den langjährigen Abonnenten der „Tribüne" gehört, macht uns darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit die Krankheit sehr häufig mit einer Entzündung der Mandeln begonnen hat. Wir weisen gern darauf hin und empfehlen dem Publikum, bei auftretenden Halsentzündungen sofort ärztlichen Beistand zu suchen und nicht erst mit Hausmitteln, dem beliebten Gurgeln mit Salbei rc., herum zu experimentiren und den Zustand dadurch zu verschlimmern.
— Die seit einigen Tagen eingetretene entschiedene Wendung zum Guten im Befinden Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen ist in gleichmäßigem und raschem Fort- schreiten begriffen. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit wird, sobald eine Reise ohne zu befürchtende Nachtheile unternommen werden kann, Sich von hier nach Wiesbaden begeben, um dort zum Zwecke einer von Seiten der Aerzte als nothwendig erachteten Nachkur Aufenthalt zu nehmen.
— Der Finanz-Minister hat die Bezirksregierungen ermächtigt, die in den allgemeinen HolzversteigerungS-Bedingunzen bestimmte 24stündige Frist zur Vorzeigung des gekauften Holzes, soweit dazu etwa im Regierungs-Bezirke das Bedürfniß sich geltend gemacht haben sollte, angemessen zu erweitern, wobei aber über einen Zeitraum von höchstens 8 Tagen nicht hinaus zu gehen ist. Da alle Weiterungen und Schwierigkeiten von selbst Wegfällen, wenn der Verkauf am Lagerungsorte der Holzes unter dessen Vorzeigung erfolgt, so ist den Regierungen empfohlen worden, der Versteigerung am Lagerungsorte auch aus dieser Rücksicht die thunlichste Ausdehnung geben zu lassen. Dabei find die Regierungen angewiesen worden, mit Strenge darauf zu halten, daß die Schutzbeamten der im §. 59 der Förster-Instruktionen ihnen auferlegten Verpflichtung, auch das verkaufte Holz, so lange es noch im Walde ist, vor Entwendung zu schützen, gehörig nachkommen, um so mehr, als die Forstverwaltung, so lange fie das verkaufte Holz zur Deckung des noch nicht gezahlten Kaufpreises retinirt, auch verbunden sei, es zu bewachen, und selbst ein naheliegendes Interesse habe, Entwendungen auch schon bezahlten, aber noch im Weide liegenden Holzes^n verhüten.
— München, 4. Dez. Die große Brauerei von Math. Pschorr „zum Hacker" ist von einem schweren Unfälle gestern heimgesucht worden, indem der große Lagerbierkeller an der Bayer- straße, der in sechs Etagen gegen 5000 Eimer Bier enthielt, eingestürzt, und wohl sein ganzer Inhalt vernichtet ist. Der Schaden soll zwischen 60—80,000 fl. betragen, der weitaus größere wird aber durch die Beeinträchtigung des großen Geschäftsbetriebes entstehen, denn wie will jetzt mitten in der Sudzeit dem Mangel eines solchen kolossalen Kellers abgeholfen werden? Der Unfall, bei dem glücklicherweise Menschenleben nicht zu beklagen sind, soll durch unvorsichtiges Anbauen des Kellernachbars, der gleichfalls einen solchen Keller an die bestehende Kommunemauer anlegen wollte, wobei letztere zu viel bloSgelegt worden sein soll, entstanden sein, denn diese Kommunemauer barst und brächte damit das ganze kolossale Gewölbe zum Einsturz. Der Anblick, der sich dem Beschauer barbietet, ist grausig; über den Trümmern wogt eine Fluch von Bier von solch' guter Qualität, daß diesen Verlust auch jeder Trinker bedauern muß. (Auch wir hatten in Hanau schon verschiedene Male Gelegenheit in der „Bavaria" uns von dem köstlichen Geschmacke des Biers aus der Pschorr- Brauerei in München zu überzeugen.)
— München, 4. Dez. Heute fand eine weitere Versteige rung von Mobilien und Fährnissen in der Spitzeder'schen Gantmasse statt. Es wurden versteigert 5 Chaisen zu 795, 751, 600,
553 und 521 fi, ein Pferd zu 120 fl. 30 kr. Der heutige Ge- sammterlöS beläuft sich aus 4265 fl.
— Der Antrag des Abg. Glaube (Vozesen) auf 6monat- liche Verlängerung der zollfreien Rückkehr der zur Appretur nach Elsaß-Lothringen geschickten Baumwollengewebe kam gestern in der betreffenden Kommission zur Berathung. Der General-Zoll- Direclor Arme erklärte, daß der FiSkuS gegen diesen Antrag keine Einwendungen zu machen habe, worauf die Kommission die Annahme desselben zu befürworten beschloß.
— Straßburg, 4. Dez. Eine Allerhöchste Verordnung d. d. 20. Nov. c. bestimmt, daß für die zum Bau der Eisenbahn von Colmar nach dem Rheine erforderlichen Terrainstrecken die Bestimmungen des ExpropriotionsgcsetzeS in Kraft treten sollen.
— London, 6. Dez. Die heutigen Morgenzeitungen halten die durch den Strike der Gasarbeiter herbeigeführte Störung für beseitigt. Eine gütliche Einigung zwischen den strikenden Arbeitern und den GaSgesellschaften sei zwar nicht wahrscheinlich; gleichwohl dürfe eine vollständige Herstellung der nöthigen GaS- vorräthe bis zur nächsten Woche erwartet werden, da die neu angestellten Arbeiter sich rasch in ihre Verrichtungen gefunden hätten und schon jetzt die Beleuchtung wieder eine bessere geworden sei.
— PariS, 3. Dez. Der „Sibcle" hört, daß der Präsident der Republick eine Untersuchung über daS Verhalten des Generals Ducrot auf seinem neuen Posten an der Spitze der Militairdivision von BourgeS angeordnet und zu diesem Behuf den Präfekten des Cher-DepartementS nach Versailles beschieden hätte. Unter anderem wird dem General auch zur Last gelegt, im Oktober förmliche Anordnungen zur Bewältigung einer, wie sich herausstellte, ganz imaginären Revolution angeordnet zu haben. *• Wr
— Reinigen mit Benzin. Zur Warnung für Damen theilt das „Berliner Fremdenblatt' nachfolgenden Fall mit: „Zwei junge Töchter eines Hamburger Kaufmannes waren dieser Tage zu einer Abendgesellschaft eingeladen und im vollen Anzüge, als denselben noch im letzten Augenblicke einfiel, die weißen Handschuhe durch Benzin zu reinigen. Die eine der Damen kam indeß mit den feuchten Handschuhen, die sie auf die Hände gezogen, dem Lichte zu nahe und augenblicklich standen dieselben in Flammen. Die Schwester eilte auf den Hülseruf herbei, ohne zu be- denken, daß auch ihre Handschuhe mit der Flüssigkeit getränkt seien. Nunmehr waren auch die Handschuhe der anderen Schwester entzündet, und während Erstere die Geistesgegenwart besaß, die Hände in Wasser zu stecken, verbrannte diese so total an den Händen, daß das Handschuhleder von den letzteren mit der Haut abgerissen werden mußte. Die Brandwunden sind so bedeutend, daß der Arzt zweifelt, ob die Hände dem jungen Mädchen erhalten bleiben. Bei der leichten Entzündlichkeit de« Benzin« lassen sich unsere Damen hoffentlich diesen Fall zur Warnung dienen." (#«fr M -s)
Hanau, 7. Dezember.
Für die durch Sturmfluth so schwer heimgesuchten deutschen Strandbewohner find bei der Expedition dieses Blattes weiter ein- gegangen:
Von Herrn F. D. F. 5 fl. Geschwister B. 1 fl. 30 kr. Frau S. G. 1 fi. Herren E. u. G. 1 fl. Ungenannt 30 kr. Herrn Bäcker K o ch 3 fl. — Summa zusammen bis jetzt 230 fl. 9 kr.
Zur Entgegennahme und Weiterbeförderung weiterer Gaben erklären unS gerne bereit.
Die Expedition des „Hanauer AnzeigerS".
— Schlecht befahren war der heutige Markt und bei dem anhaltenden Regenwetter ist es dem Bauer auch nicht übel zu nehmen, wenn er sein Vieh im Stalle läßt. Butter variirte zwischen 42 und 48 kr., für Eier wurden im Einzelnen pr. Stück 3 kr. verlangt und bezahlt, in Partien pr. Stück 2'/, kr., Gänse von 2 fl. bis 3 fl. und ebenso Spanferkel, je nach Qualität. — Auf dem „Christkindchens-Markt" herrschte noch kein Lebeu und man sollte auch wohl bei dem warmen Wetter nicht glauben, daß daS Weihnachtsfest vor der Thüre ist. — Nebenbei sei noch bemekt, daß bei dem Eismangel in der jetzigen Jahreszeit unsere Hoffnung auf ein „recht gutes Bier" mehr und mehr schwinden muß. —d.
— Wasserstand des Main - Pegels heute früh 7 Uhr 1,45 Meter.
_ . Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangcl. Waisenhauses.
Dem heutigen Blatte liegt ein Waaren-Verzeichniß der Papier- und Schreibmaterialien-Handlung von Louis Jassoy in Hanau bei
Hierzu die Nr, 40 der ^rovinzial-Correfpondenz als Beilage.