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Vermischtes.

— Der Verein der Berliner Buchdruckereibesitzer, welcher Dor Kurzem den Beschluß gefaßt hatte, bei den gesetzgebenden Faktoren um B.seiligm g der Zeitungssteuer zu Petitioniren, hat, wie die „K. 3 “ meinet, in seiner letzten Sitzung den Beschluß wieder aufgehoben, da im Staatshaushaltsetat pro 1873 die Zeitungssteuer bereits wieder als Einnahmeposten figurirt, eine Petition an die Regierun' also-zweck- und gegenstandslos geworden ist, und da man sich von einer Petition an das Abgeordnetenhaus kein anderes Ergebniß veispricht, als in früheren Sessionen. Es hieß schon vor Monaten, die Regierung erwarte die Erledigung der Angelegenheit im Reichstage bei Verhandlung des Preßge- setzes.

— Eine Anzahl der bedeutendsten preußischen und sächsischen Kalender-Verleger hat dem Abgeordnetenhause eine Petition um sofortige Aufhebung des Kalenderstempels eingereicht. Derselben ist eine Denkschrift beigefügt, in welcher die Verwerflichkeit dieser Abgabe vom wirthschaftlichen, politischen und finanziellen Stand­punkt nachgewiesen und an die wiederholten, in demselben Sinne sich am sprechenden Beschlusse des Abgeordnetenhauses erinnert wird.

— Fulda, 15. Nov. Noch einer der „D. A. 3 " von hier zngegangenen Privat-Mittheilung wird die bekannte bischöf­liche Denkschrift in der ganzen Diöcese Fulva, wozu auch die Katholiken des Großherzogthums Weimar gehören, in Tausenden von Exemplaren verbreitet. In den kleineren Städten und auf dem Lande machen die Pfarrer und Schullehrer die Colporteure. Die Druckkosten sollen theilweise aus den Mitteln des Bonifacius- VereinS — der zum Zwecke der Verbreitung der katholischen Lehre unter den Ketzern und Heiden gegründet ist — beftritten werden. Kosten für Kolportage erwachsen dem Bisthume nicht; sind doch die Schulmeister längst als Küster der Hochwürdigen bekannt. «*

— (Eine wohlgemeinte Warnung für Solche, die sich viel zu erzähln, haben.) Am Samstag ging zu Frankfurt a. M. eine Frau mit wohlgefüllten Korbe vom Markt nach Haus; auf der großen Eschenheimergasse kam ihr eine Bekannte entgegen und es wurde nun ein kleines Ständchen gemacht, wobei der Korb auf das Trottoir gestellt wurde. Als beide Frauen fertig erzählen Waren und endlich das Avieu kam, war der Korb mit der Gans, dem Rosenkohl, dem Kaffee und dem Zucker fort.

— Darmstadt, 17. Nov. Die heutige LandeSversamm- lung der Arbeiterparteien war eine ziemlich erregte. Vertreten waren Darmstadt, Mainz, Worms, Offenbach, Heppenheim e, d. B., Mich lstadt, Eibach und Jsenburg. Die Delegirten von Mainz sprachen entschieden für Wahlenthaltung. Der Beschluß der Versammlung ging dahin, die Landesversammlung der orga- nisirten Arbeitercorporationen beschließt, die Arbeiter Hessens be» theiligen sich an den Landtagswahlen aus agitatorischen Rücksich­ten, jedoch unter Protest gegen die Gültigkeit des Wahlgesetzes. Man war überzeugt, daß die Aussichten der Partei sehr geling seien. (Fr. Pr.)

— München, 17. Nov. Der heutige Polizeibericht über den Verlauf und augenblicklichen Stand oer Dachauerbanken- Affaire enthält unter Anderem folgenden Passus : Daß die größ­ten Täuschungen des Publikums über den Verlauf der Angelegen­heit versucht wurden und noch weiter werden versucht werden, darf wohl nicht überraschen, wenn man ersährt, in welcher Weise Spitzeder soweit nur immer möglich, die Presse, wir wollen sa­gen zu „beeinflussen" wußte. Als Beweis hiefür wollen wir nach­stehenden Wortlaut einer bei Amt vorliegenden, von Spitzeder persönlich geschriebenen und von dem betreffenden Literaten mit seinem Namen unterzeichneten Urkunde mittheilen; sie lautet: „Er­klärung. Unterzeichneter bestätigt hiermit, daß er als Entschädi­gung für seinen Namen, Gloire und Ehre eine Summe von 500 fl. von Adele Spitz-der heute erhielt und somit keine weiteren Ansprüche mehr an dieselbe zu machen hat. (Folgt der Name.) München, 21. Juli 1872."

— Strat fund, 17. Nov. Die „Baltische Zeitung" meldet aus guter Quelle über Verheerungen durch die Ueberschwemmung folgende Details: Die Ortschaften Prerow, Ahrenshoop, Born, Wieck auf der Halbinsel Dars haben furchtbar gelitten. Die Be­völkerung von Prerow scheint entschlossen, ganz auszuwanbern. Längs der ganzen Küste sind Mengen Landes abg,schwemmt und anderwärts neue angeschwemmt. Im Dorfe Neuendorf auf Hid-

densee sind von 37 Häusern nur 5 unverschont geblieben. Die Einwohnerschaft ist vollständig muthlor. Die ganze Düne von Göhren bis Thieffon ist fortgerissen. — Ein ungeheuerer Verlust an Vieh wird von allen Seiten gemeldet. Der Gefammtverlust des Regierungsbezirks Stralsund zählt nach Millionen Thalern. Gestern hat sich ein Verein gebildet, um einen Hilferuf für die Verarmten durch ganz Deutschland zu erlassen. «-Ab,ig.

— Hamburg, 18. November. Der vermißte Dampfer „Allemannia" ist in der Nordsee von dem Dampfer „North Star", Welcher in verflossener Nacht von Leith hier eintraf, ang-sprochen worden. „Allemannia" konnte wegen Mangel an Kohlen nur unter Segel gehen. lR u. se- «.>

— Zürich. Die Hebung des im Züricher See versunke­nen „Gotthard" hat begonnen und zwar mit Erfolg. Er ist be­reits 1 bis l*/2 Fuß gehoben, die Maschinen (18 Flaschenzüge und 10 Wellenböcke mit ca. 2400 Ctr. Hebelkraft) erweisen sich vortrefflich, ebenso die Vorbereitungen.

— Versailles, 16. Nov. (W. T. B.) In der heu­tigen Sitzung der Nationalversammlung brächte Claude, Deputir- ter für das Departement der Vogesen, den Antrag ein, die freie Einfuhr von Baumwollengeweben aus Elsaß-Lothringen nach Frankreich vom 31. Dezember 1872 ab aus 6 Monate zu ver­längern. Die Dringlichkeit des Eintrages wmde angenommen.

— Paris, 18. Nov. Wie der „Agence Havas" von ge­stern gemeldet wird, hat der Schatz^ekretair Boulwell nach einem Telegramm des „R. u. St. A " die Bestimmung getroffen, daß Waaren, gleichviel woher dieselben kommen, sobald sie in die Vereinigten Staaten von französischen Schiffen eingifübrt werden, welche direkt aus französischen Häfen kommen, nicht derFlaggen- steuer unterworfen werden, welche durch die jüngste Proklamation des Präsidenten Grant auferlegt worden ist. Die Steuer wird nur von ausländischen Waaren erhoben werden, welche aus die­sen Schiffen eingeführt werden, und zwar dann, wenn letztere aus anderen Ländern, als aus Frankreich, tommen.

— Petersburg, 4. Nov. „Aus der großen Wälschen- bleiche" zu Moskau, der ganzen Smolensker Chaussee, findet momentan das Schatzgräberwesen ein reiche- und ergiebiges Feld, wenn auch nicht, reich an Anlässen zu Vorspiegelungen aller Art, da im Jahre 1812 Freund unv Feind Schatze mannig­facher Art dem Boden anvertrauten, die Einen, um sie nach dem Abzüge der Feinde wieder zu heben, die Andern, um bei günstiger Gelegenheit wieder zurückzukommen, die große Todtenstraße unter glücklicheren Auspizien wieder zu pussiren und das Verscharrte mit sich zu nehmen. Aber die Einen und Andern raffte oft schon in den nächsten Stunden der Tod hinw g; das Gerücht von vergrabenen Kriegskassen rc. aber blieb und schwoll an, die Phan­tasie erblickte ganze Lager von Gold önnchen unter der Erde und so mancher hat in den seither verfl ss um 60 Jahren schon diese und jene Stelle umgewuhlt, ohne auf eiheblch- Schätze g stoßen zu sein. — Jetzt macht sich nun, wie die Moskauer B ätter be­richten, eine Gesellschaft von Schatzgräbern auf den Weg nach dem ebenfalls an der großen Franzosenstraße gelegenen MoschaiSk, um in beff-n Nähe 6 Kätzchen Gold anfzusuchen, nach dem schon vor 20 Jahren einmal ein alter russischer General Nachgrabun­gen angestellt hatte. Da aber feit dem Rückzüge der Franzosen bis zur Ankunft jenes Generals das Terrain viel Veränderungen erfahren halte, so waren natürlich die Nachiorichungen des Ge­nerals erfolglos. Die jetzigen Schatzgräber sind, wie dies ge­wöhnlich der Fall ist, voller Hoffnung auf das Gelingen ihrer Expedition, zu der sie auch bet iis die obrigkeitliche Erlaubniß erhalten haben sollen. (B V. Zlg)

— S t. Petersburg, 16. Nov. Das Grundeis aus dem Ladogasee hat in der Nacht zum 12. November nach der Newa zu treiben angefang.n. Wenn der Frost so fortdauert, werden, wie die „Börse" meldet, einige große ausländische Dampfer in Kronstadt überwintern müssen.

— London, 14. Nov. Aus yull langt die Nachricht an, daß über 30 oeiunglütfte Matrosen von den schwedischen, dänischen und norwegischen Küsten daselbst angekommen seien. Das Wetter aus der Nordsee soll überaus unglli stg gi Wesen sein und mehr al« hundert Schiffe untauglich gemacht haben. Der Dampfer „Herald" auf dem Wege von Hull nach der Ostsee ist verunglückt; der Heizer ist gerettet, von er übrigen Mann­schaft wurde noch nicht« gehört. Aus den viel gefürchteten Good-