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Vermischtes.
— Nach einer amtlichen Bekanntmachung der Königlichen Regierung von Unterfranken hat der König von Bayern dem Kultus-Ministerium 500 Zollceutuer Kanonenmetall aus den im Kriege erbeuteten französischen Geschützen zu dem Zweck zur Verfügung gestellt, bedürftigen Gemeinden geschenkweise Metall zum Guß von Kirchenglocken zu überlassen. Nach der vorgenommenen Repartition treffen auf den Regierungsbezirk Unterfranken 50 Zollcentner, welche sich auf neun Gemeinden vertheilen.
— Das kaiserliche General-Postamt hat mit Genehmigung des Kaisers die Einrichtung getroffen, daß diejenigen Beamten der Reichspostverwaltung, welche eine besondere Befähigung dargethan haben, durch Reise-Stipendien in den Stand gesetzt werden, zum Nutzen des Postvieustes durch Aufenthalt in fremden Ländern ihre Sprachkenntnisse zu erweitern und die Post- und Verkehrsverhältnisse des Auslandes zu stubiren. Auch können, wie das „Fremdenbl." erfährt, den Söhnen von Postbeamten zu ihren Studien auf Universitäten oder anderen höheren Lehranstalten Beihülfen gewährt werden.
— Die Berliner Hotels wurden in diesen Tagen von recher- chirenden Schutzmännern durchwandert, welche festzustellen suchten, ob in einem derselben ein Kaufmann Anton Fischer abgestiegen sei und dort seine Effekten gelassen habe. Dieser Herr Fischer kam am Dienstag aus Ems dorten an, stieg in einem Hotel ab, verließ dasselbe am Abend, amüsirle sich bestens bis zum folgenden Tage und hatte, als er an die Rückkehr dachte, den Namen des Gasthofes vergessen, wo er logirte. In dieser Verlegenheit Wandle er sich an die Polizei mit der Bitte, ihm das Hotel auf- zusuchen. Dieser Fall steht bekanntlich nicht vereinzelt da, und es würde sich für die Hotelbesitzer empfehlen, jedem Fremden sofort bei seiner Aufnahme die Adresse des Hotels zu übergeben, wie dies in manchen andern großen Städten Sitte ist.
— Die Maingau-Versammlung der deutsch-katholischen Gemeinden in Offenbach war nach der „Fr. Pr." äußerst zahlreich besucht. Reden, Vorträge und Gesänge in ernster und heiterer Abwechslung belebten dieselbe, wozu insbesondere die sehr gelungenen Aufführungen des Offenbacher „Sängerkranz", die des Turnvereins und eiu Quartett aus Hanau beitrugen.
— Gießen, 18. Okt. Heute wurde dahier der Studiosus, welcher vor Kurzem das Unglück hatte, in einem Pistolen- duell seinen Gegner (der auf einer Distancc von 5 Schritten bestanden hatte) zu tödten, von der Assisen zu 2 Jahren 3 Monaten Festungshaft verurtheilt, der Cartelllräger zu 8 Tagen, weil man anzunehmen schien, daß er nicht alles Mögliche gethan, um das Duell zu verhüten.
— Wie die „Münchener N. N." hören, hat in München nicht blos Prof. Dr. Bürckel als Pandektist einen Ruf an die Universität Gießen erhalten und angenommen, sondern auch der Criminalist Dr. Hermann Seuffert.
— Leipzig, Montag, 21. Oct. Die Leipziger Bank hat den Wechseldiskont von 6 auf 5| pCt. und den Lombardzinsfuß von 7 auf 6| pCt. herabgesetzt. tR. u. st. A.)
— Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ist dem Maschinenbauer L. Lucht zu Colberg unterm 18. Oktober d. Js. ein Patent auf eine Vorrichtung an Tors-, Ziegel- und Wurststopf-Maschinen, wie dieselbe durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesen ist, auf drei Jahre von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Fulda, 20. Okt. Sämmtliche deutsche Bischöfe haben an Bischof v. Hefele ein Schreiben gerichtet, worin sie ihn wegen seiner Glaubenstreue beglückwünschen. tawB9K Abdztg.)
— Stuttgart, 19. Okt. So eben entdeckte man einen frechen Diebstahl, am k. Raturalienkabinet mittelst Einbruchs über des Dach verübt. Sämmtliche Diamanten und Goldstufen, darunter die kostbaren Geschenke der Königin sind durch Ausbrechen der Glasschränke entwendet. (Schw. M.)
— München, 19. Okt. Die Großfürstin Constantine von Rußland, welche sich mehrere Wochen in dem der bekannten Doktorbäuerin Hohenester gehörigen Bade Marienbrunn bei Röhr- moos aushielt, ist heute Nachmittag hier angelangt und reist Abends 11 Uhr 10 Minuten nach Verona weiter.
— Bayreuth, 16. Okt. Die bereits als bevorstehend in bet Presse gemeldete Hieherkunft des Kompositeurs und Kla-
; Vier-Virtuosen Abbe Franz Liszt ist thatsächlich erfolgt und wurde ihm von Seite Wagner's und dessen Frau, der Tochter des Abb6 Liszt, ein sozusagen feierlicher Empfang zu Theil. Abbs Liszt nahm sein Absteigequartier in dem Hause, das Wagner erst vor Kurzem hier sich in der Damm-Allee gebaut und seit einigen Wochen erst bezogen hat. Wie es scheint, wird Abb6 Liszt längere Zeit hier bleiben, wenigstens sind die Vorbereitungen im Hause Wagner's danach getroffen worden. (W. Pr.)
— Wien, 18. Okt. Der Direktor einer Kunstreiter-Gesellschaft erhielt die Erlaubniß, im Prater einen Zirkus zu erbauen. Er leitete eine Konkurrenz unter den hiesigen Geschäftsleuten ein, welche ihm verschiedene Angebote machten. Das geringste lautete auf 80,000 fl., das höchste aus 130,000 fl., und zwar motivirten die Konkurrenten ihre Angebote mit den hiesigen Arbeitsverhältnissen. Dem Bauherrn war aber auch das geringste Angebot viel zu hoch. Er reiste nach München und schloß mit einem dortigen Geschäftsmanne ab, welcher sich bereit erklärte, den ganzen Zirkus um 45,000 fl. herzustellen. Sämmtliche Bestandtheile werden in Bayern angefertigt und auf dem hiesigen Platze durch bayerische Arbeiter nur zusammengefügt. Ungeachtet der bedeutenden Transportspesen kommt daher das Objekt um 35,000 fl. billiger zu stehen, und dabei hat der Bau-Unternehmer noch seinen guten Gewinn. (W. Bl.)
— Die „Hess. Mrgztg." schreibt in ihrer Tagesschau: Zu den besten Erinnerungen an das französische Kaiserreich gehörten die Handelsverträge, welche Frankreich aus jener Zeit mit den anderen europäischen Staaten verbanden und die durchweg das Prinzip des Freihandels zur vollen Geltung brachten. Gleich nach seinem Regierungsantritt legte Herr Thiers Hand an diese Verträge. Wie die Vereinigten Staaten nach Beendigung des großen Bürgerkrieges durch ein umsassendes «Schutzzollsystem ihre finanziellen Wunden zu heilen trachteten, so sollte auch Frankreich nach dem Willen seines Präsidenten seine „wirthschastlicke Freiheit" durch die Zwangszölle wieder zurückerhalten. Das betreffende Gesetz wurde mit allen constitutionellen Hülfsmitteln durch die Nationalversammlung gejagt und in Folge eines Com- promiffes — den nur die Person des Herrn Thiers erklären konnte — angenommen. Sofort wurden Verhandlungen mit den anderen Staaten zum Zweck des Abschlusses neuer Handelsverträge angeknüpft und einer der wichtigsten derselben, derjenige zwischen Frankreich und England sollte nach den heute vorliegenden Nachrichten in den letzten Tagen bereits unterzeichnet werden. England hat also den französischen Forderungen nachgegeben und es ist damit die Grundlage zu den politischen Beziehungen zwischen beiden Staaten wieder hergestellt, die ja im nothwendigen Zusammenhänge mit der Gemeinsamkeit der wirthschastlichen Interessen stehen. Unter diesem Gesichtspunkte sind die neuen französischen Handelsverträge auch für Deutschland nicht ohne Bedeutung.
— Paris, 19. Okt. Die Regierung hat die Beaufsichtigung des Buchhandels, welche seit dem 4. September 1870 ab» geschafft war, wieder hergestellt.
— Graf Römusat hat auf die Notifikation der deutschen Regierung hinsichtlich der Einführung des Paßzwanges beim Eintritt von Franzoseu nach Deutschland kürzlich ein Antwortschreiben erlassen. Der französische Minister behauptet, die Motivi- rung der deutschen Maßregel (daß die Einführung des Paßzwanges für Deutsche beim Eintritt nach Frankreich ein speziell nur gegen Deutschland gerichtetes Verfahren sei) sei unbegründet, da Frankreich auch an der italienischen, der schweizerischen und spanischen Grenze den Paßzwang noch nicht aufgehoben habe.
Lokales.
Hanau, 22. October.
— In der Nacht vom Sonntag auf Montag gegen 2 Uhr fielen einige rohe Burschen den von der Kesfelstädter Nachkirchweihe kommenden Maschinenführer S ch a l ck (bei der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn angestellt), einen sehr ordentlichen Mann, an und schlugen ihn dermaßen, daß er sehr bedeutende und nicht unbedenkliche Verletzungen am Kopfe erhalten haben soll. —d.
— Einen Arbeiter in einer hiesigen Goldwaaren-Fabrik, welche sich zum Betriebe des Geschäftes einer Dampfmaschine bedient,