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Der amtlicheKalen-er für die Grafschaft Hanau; sowie der Comptoir- (Wand - Kalender) und der
Lasseter Schreik-Ltmanach (Terminskalender), sämmtlich auf das Jahr 1873, sind erschienen und in der Wni- senhaus-Buchhandlung zu Hanau zu den bisherigen Preisen zu haben.
CVn der Waisenhaus-Buchhandlung sind stets
Ab- & Zugangs-Anmeldungen, zum Preise von 3 Pfennige für 2 Stück, vorräthig.
— Fra nkfurt, 16. Octbr. Der heutige Heu- und Strohmarkt war ziemlich gut bei unveränderten Preisen befahren. Heu kostete per Ctr. fl. 1. 12—24 kr., Stroh fl. 1. — Das massenhafte Einkochen von Latwerge übt bereits einen wahrnehmbaren
Druck auf die Butterpreise aus und dürf- ter dieselben noch weiteren Rückgang erfahren. Butter: I. Qual. 36 bis 34 kr.. II Qual. 34—33 kr., Lappenbutter da« Pfund im Centner 30 kr. Eier per Hundert 3 fl. 30 kr., Kartoffeln (200 Zollpund) 2 fl. 36-42 kr._________ Kerkmrngrn, der Waisenhaus-Buchhandlung stets vorräthig.
Vermischtes.
— Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ist dem Mühlenbaumeister Carl Ziegler zu Guben unter dem 11. Oktober 1872 d. I. ein Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Vorrichtung zum selbstthätigen Reguliren der Schneiden an einer Mühlstein-Schärfma- schine auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staat« ertheilt worden, und dem Mechaniker H. Kuhlmann zu Glückstadt unter dem 12. Oktober d. I. ein Patent auf eine Maschine zum Besohlen von Schuhwerk mit Holz-Pflöcken in der durch Modell, Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Benutzung bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staat« ertheilt worden.
— Berlin, 14. Okt. ?ie offieiöse „Correspondance de Berlin" meldet als positiv, die französische Regierung habe ihren Kvnsuln deutscher Nationalität in überseeischen Ländern das Exe- quatur entzogen, was bekanntlich bedeutet, daß sie dieselben abgesetzt hat.
— Nach einer Uebersicht über Anpflanzung Ertrag, und Preis des Tabaks in Preußen für das Jahr 1870 wurde in 14,050 Gemeinden Tabak gebaut, in welchen 22,995 Morgen mit Tabak bepflanzt waren. Auf diesen wurden 184,683 Ctr. Tabak xeerntet. Obschon die Provinz Preußen die meisten Gemeinden, 7699, zählte, welche Tabak bauten, so betrug der Ge« sammtgewinn daselbst dort nur 4400 Ctr. Pommern erntete dagegen in 1048 Gemeinden auf 4688 Morgen Acker 38,070 Ctr., die Provinz Sachsen in 283 Gemeinden auf 1795 Morgen Acker 16,655 Ctr., die Rheinprovinz in 182 Gemeinden auf 1580 Morgen Acker 16,695 Ctr., die Provinz Brandenburg in 1516 Gemeinden auf 7875 Morgen Acker 6453 Ctr., die Provinz Schlesien in 1467 Gemeinden auf 1942 Morgen 17,344 Ctr., je. Was die Dualität betrifft, so fand der schlesische Tabak die höchsten Preise; die beste Sorte wurde mit 17 Thlr. bezahlt, während in der Rheinprovinz 14 Thlr., in Posen 13 Thlr., in Westfalen 12 Thlr., in Hessen-Nassau 11} Thlr. tc. erzielt wurden.
— Von einem seltsamen Größenwahnsinn ist ein Schuhmacher in der Gollnowstraße zu Berlin befallen. Im Keller wohnend, bildete er sich ein, er sei ein reicher Hausbesitzer, der vierteljährlich an Viertehalbtausend Thaler Miethe einzuziehen habe und den jeden Vormittag ein Prinz mit vierspänniger Equipage und Vorreiter besuche. Er leidet dabei auch an der Bausucht und gedenkt eine von ihm gegründete Bairischbierbrauerei in Angriff zu nehmen; er will dazu Kapitalien aufnehmen und wirft häufig in Restaurationen dortiger Gegend sein Geld an fliegende Rechtskonsulenten für Punktationen über versprochene — natürlich fingirte — Darlehen fort.
— Das bayerische „Central-Polizeiblatt" verzeichnet 311 Soldaten, welche „theils einfach, theils unter erschwerenden Umständen" seit dem letzten halben Jahre desertirt sind. (Brest anj.)
— München, 14. Oktober. Die Professoren an sämmtlichen drei Münchener Gymnasien haben sich bereit erklärt, deu Unterricht in der Geschichte in ihren Klassen zu übernehmen, und es wurde derselbe den bisherigen geistlichen Lehrern abgenommen und ihnen übertragen.
— Essen, 11. Okt. (TodeSurtheil.) In der vorgestrigen Sitzung de« AssissenhofeS stand der Zuchthaussträfling Friedrich Marlitz au« Niedersandten unter der Anklage, in der Strasan- Halt zu Werden, wo er eine zehnjährige Zuchthausstrafe wegen eine« begangenen Mordes an einem Arbeitskollegen zu verbüßen hatte, am 16. Januar d. I. einen zweiten Mord an dem Ge-
sangenen-Aufseher der Strafanstalt, Pagel, einen mit dem Eisernen Kreuze dekorirten Beamten, verübt zu haben. Marlitz, ein Landsmann des Aufsehers, war von diesem Anfangs den anderen Sträflingen gegenüber bevorzugt und dadurch so ausgelassen und zudringlich geworden, daß er strenger gehalten werden mußte. Dies war die Veranlassung der blutigen That. Der Angeklagte, des Verbrechens überführt, wurde für schuldig erklärt und erkannte der Gerichtshof auf Todesstrafe.
— Aus Elsaß-Lothringen, 11. Okt. Obgleich die französische Regierung mit der deutschen Friede geschlossen hat, macht es ihr, wie es scheint, immer noch viel Vergnügen, wenn sie Mittel und Wege findet, durch die sie der deutschen Regierung Verlegenheiten bereiten zu können glaubt. So weigert sie sich hartnäckig, denjenigen Elsaß - Lothringern, welche während des letzten Krieges im französischen Heere gedient und deßhalb ein Recht auf Befreiung vom deutschen Militärdienst haben, einen Beglaubigungsschein über ihre Dienstzeit auszustellen. Dadurch laufen die jungen Leute Gefahr, von der deutschen Behörde ausgehoben zu werden, da letztere selbstverständlich bloßen mündlichen Aussagen der Betreffenden keinen Glauben schenken kann. Wie ich höre, hat die deutsche Regierung diese Angelegenheit auf Ansuchen vieler Landeseinwohner zum Gegenstand einer Anfrage bei der französischen Regierung gemacht.
— Straßburg, 15. Okt. Heute fand die glückliche Probefahrt auf der Bahnstrecke Saarburg-Sargemünd statt, wobei der Oberpräsident, die beiden Bezirkspräsidenten und viele Bahn- Direktoren anwesend. An den Stationen sympathische Kundgebungen der Bevölkerung. *• Aht,.
— Paris. Der Prinz von Joinoille hat anläßlich der Einweihung eines Denkmals für gefallene Mobilgarden inLangres eine Rede gehalten und in derselben vorzugsweise der französischen Armee, des opfermuthigen Geistes und des Heroismus derselben rühmend gedacht.
— London, 15. Oktbr. Der Unter-Staatssekretär det Aeußern, Enfield, hat heute den Gesandten des Fürsten Kassa, Kirkham, empfangen, welcher die Mittheilung machte, daß der Khedive den Distrikt der BogoS mit 800,000 Einwohnern an- nektirt habe.
— Konstantinopel, 14. Okt. Das RegierungSjournal „BaSziret" hebt hervor, daß Montenegro eine türkische Provinz ist, und demnach montenegrinische Insurgenten bestraft werden können, ohne hierüber mit den Botschaften Verhandlungen zu pflegen, wie eS vormal« geschah, was die Schuldigen oft ermu- thigt habe.
— New-Aork, 12. Okt. Eine Verordnung des Gou- verneurs von New-Dork setzt den 14. d. M. als einen öffentlichen Trauertag zu Ehren des verstorbenen Herrn Seward an.
— (Für die Damen.) Ein Fräulein von Schwarten- bach stellte in einer Versammlung für Frauen den Antrag, den Modethorheiten durch einfache und geschmackvolle Kleidung mit vereinten Kräften entgegenzuwirken. Sie motivirte ihren Antrag durch folgende Worte, denen man seine Billigung nicht versagen kann: „Ich halte es für eine ganz falsche Berechnung, wenn Mädchen glauben, daß sie durch auffallende und luxuriöse Trachten für die Männer anziehender werden, als durch einfachen und geschmackvollen Anzug. Ihre Verschwendung und Geschmacksverleugnung ist auch in dieser Beziehung nutzlos, sogar schädlich und abschreckend. Unser Geschlecht ist bereit« im Verdacht, daß es den Verstand verloren habe, oder immerwährend Maskenball feiere. Sämmtliche Narrenhäuser der Christenheit haben keine ebenbürtigen Concurrentinnen jener Carricaturen der Weiblichkeit aufzuweisen, welche über die Maßen interessant zu werden glau-