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Im Allgemeinen waren Banken wieder eher fester, da das Privatpublikum stets gerne Anlagen darin macht.
Auch Staatspapiere ebenso wie Prioritäten verkehrten, in Rücksicht auf die immer noch unbedeutenden Umsätze, in relativ fester Haltung. Von Pfandbriefen traten Russische, von denen demnächst eine neue Serie L 92 zur Auflage kommt und die sich großer Beliebheit erfreuen, in ziemlich lebhaften Verkehr.
Loospapiere fest, bei geringen Umsätzen.
Die bereits früher hervorgehobenen Actien der Reichs-Con- tinental-Eisenbahnbau-Gesellschaft mußten im Course etwas nachgeben, schließen aber in Folge starker Käufe, die darin gemacht wurden, wieder fester.
Bon Goldsorten Napoleons sehr gesucht und comptant fast vollständig fehlend.
Wechsel in ruhigem Verkehr bei wenig veränderten Coursen, nur London sehr fest in Folge der DiSconterhöhung von Seiten der Englischen Bank auf 6$.
Coupons ebenfalls fest.
Disconto im Privatverkehr 5—4|g.
Mitgetheilt durch Gebrüd er Stern hier.
(Verspätet eingetroffen.)
— Berlin, 15. Okt. Seine Majestät der Kaiser und König, Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, Ihre Majestät die verwiltwete Königin, Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz Albrecht (Sohn) von Preußen und die Frau Herzogin Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin, sowie das ganze Königliche Hau« sind durch das gestern Abend 11 Uhr, im so eben vollendeten Alter von Drei und Sechszig Jahre» erfolgte Ableben Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Heinrich Albrecht von Preußen in tiefe Trauer versetzt worden. (9tu- ®t--a.)
— Die Einführung der obligatorischen Civilehe wird also unter allen Umständen den Landtag in nächster Zeit beschäftigen. ES handelt sich jetzt nur noch darum, die Behörde zu bestimmen, welche mit dem Abschluß der Ehen und Führung der Civilstands- register betraut werden soll. Man nimmt Anstand, dem Richter diese Arbeit aufzubürden, da man im Allgemeinen bestrebt ist, die Stellung desselben zu erleichtern und zu verbessern. — Man wird daher wahrscheinlich wie am Rhein und in Frankreich die städtischen Behörden dazu ermächtigen. Ein Abschluß der Angelegenheit im Cultus-Ministerium ist übrigens noch nicht erfolgt, anderweite Nachrichten sind verfrüht.
— Die Nachrichten, die man von Berlin über das Befinden des Fürsten Bismarck erhält, lauten ungewöhnlich günstig. Derselbe leidet namentlich nicht mehr an Schlaflosigkeit, auch hat er seit einiger Zeit wieder Touren zu Pferde unternommen, was er vor der letzten Reise nach Berlin mehrere Wochen unterlassen hatte.
— Der Erfinder der Erbswurst, welche im Kriege 1870 — 71 so treffliche Dienste leistete, Herr Grünberg, ist vergangene Woche in Berlin im Alter von 53 Jahren gestorben.
— Berlin 14. Okt. Die heutige, aus ganz Deutschland sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des deutschen Tabakvereines sprach sich fast einstimmig gegen jede Erhöhung des Tabakzolles und der Tabaksteuer aus und beschloß, eine bezügliche Petition und Denkschrift an den BundeSrath und Reichstag einzureichen. 31316119 •
— In dem Dorfe Buchenau starb kürzlich der älteste Mann in ganz Hessen-Nassau, vielleicht in ganz Norddeutschland, der Handelsjude Wolf Goldberg. Derselbe erreichte ein Alter von 116 Jahren. , Noch kurz vor seinem Tode war er rüstig genug, täglich anstrengende Fußtouren zu machen, wie er überhaupt seit seiner frühesten Jugend wiederholt alle deutschen Staaten durchkreuzt hat. Sein in London lebender Sohn, der mit Kindern, Enkeln und sogar Urenkeln reichlich gesegnet ist, steht nahe am 80. Geburtstage. Die ganze Familie soll sich zeitlebens einer guten Gesundheit erfreut haben.
— Müncheu, 12. Okt. Das Kriegs-Ministerium beabsichtigt ein neues Turn- und Fecht-Reglement für die Armee auf. zustellen. Die betreffenden Kommissionen haben ihre Berathungen bereits begonnen.
— Reg ensburg, 12. Okt. Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß der Beschwerde des Jesuitenpaters Herrn Grafen Hermann Fugger-Glött wegen seiner Ausweisung aus Regensburg von dem k. Staatsministerium, wie vorausge- sehen werden konnte, keine Folge gegeben wurde. Eine Abschrift der hier eingetroffenen dießbezüglichen Ministerialentschließung ist dem Jesuiten Hrn. Grafen Fugger-Glött durch das k. Bezirks
amt Dillingen, weil sich derselbe z. Z. in dem Dorfe Glött bei Dillingen aushält, zugestellt worden. (Kur. f. N.)
— Nürnberg, 14. Okt. Die Konferenz der Justizminister von Württemberg und Bayern, HH. v. Mittnacht und Dr. v. Fäustle, hat gestern ihr Ende erreicht. Die Minister und ihre Begleiter sind gestern Nachmittags mit demselben Zuge nach Stuttgart beziehungsweise München zurückgereist.
— Aus Hadersleben, 10. Okt., wird der „Fl. N. Z." telegraphirt: Bei der heute vorgenommenen Ersatzwahl zweier Wahlmänner siegte die deutsche Partei, trotz heftiger Agitation der Dänischgesinnteu.
— Ueber ein schreckliches Unglück, welches am Abende des Versöhnungstages in der Synagoge zu Ostrowo (Regbz. Posen, Kreis Adelnau) passirte, wird Folgendes berichtet: Um 7 Uhr Abends erloschen in der mit Menschen überfüllten Synagoge Plötzlich sämmtliche Gasflammen — wie man annimmt — wegen Störungen in der Gasleitung. Man schickte sich deshalb an, die Synagoge zu verlassen, was auch ohne besondere Schwierigkeiten hätte bewerkstelligt werden können, wenn nicht plötzlich der Ruf „Feuer" ertönt wäre, der unter den Anwesenden und namentlich unter den Frauen auf den Chören eine schreckliche und verderbliche Panik, sowie ein allgemeines Hindrängen nach den Ausgangsthüren veranlaßte. In dem hierbei sich entwickelnden furchtbarem Gedränge fanden nicht weniger als 25 Personen, die ausschließlich dem weiblichen Geschlechte angehören, den Tod; viele andere sollen verletzt sein.
— Die „Hess. Mgztg." schreibt in ihrer Tagesschau unter Anderem: „In den Vereinigten Staaten von Amerika steht der Wahltag vor der Thür. Wir kommen auf die Modalitäten der Präsidentenwahl, die für europäische Leser nicht ohne Interesse sind, noch zurück und begnügen uns heute mit der durch sämmtliche eingetroffenen Nachrichten begründeten Bestätigung, daß die Wiederwahl Grant's so gut wie gesichert ist. Damit ist der Sieg der republikanischen Partei — derselben, der auch Lincoln angehörte — über die demokratische — der Sclavenbarone und Ku-Kluxer — gesichert. Weniger der Persönlichkeit Grant's wegen, der Manches in seiner Regierungsweise zu ändern haben wird, als wegen des Sieges seiner Partei hat Amerika Ursache, den vorläufigen Erfolg der Wahlen mit Freuden zu begrüßen. Eine Wiederwahl des Präsidenten ist in Amerika eine äußerst seltene Erscheinung und deshalb als eine besonders hohe Auszeichnung anzusehen. Auch Lincoln gelang es, sich dieser Ehre theilhaftig zu machen; hauptsächlich unterstützte ihn die Rücksicht auf den damals — eS war im Jahre 1864 — auf seinem Höhepunkte stehenden Bürgerkriege."
— Paris, 12. Okt. Die Konzession zum Monopol für Anfertigung und Verkauf von Schwefelzündhölzchen ist gegen eine jährliche Abgabe von 16 Millionen FrcS. (die aber um 50 pCt. erhöht wird, wenn der Verbrauch jährlich 40 Milliarden Hölzchen übersteigt), einem Konsortium von Banquiers übertragen worden.
— Die Zwangs-Ausweisung des Prinzen Jeröme Napoleon, Plonplon genannt, beschäftigt, so schreibt die „Trib.", die französische Presse vor allen anderen Dingen. Der Thatbestand ist in Kurzem folgender: Der Prinz verließ mit seiner Frau seine Besitzung Prangins bei Genf und begab sich über Pontarlier nach Frankreich. Der Prinz besaß einen Paß vom vorigen Jahre, ausgestellt auf 1 Jahr und noch giltig, den er damals erhalten, als er sich nach Korsika begeben wollte. Die Prinzessin besaß ebenfalls einen noch gütigen Paß. Man ließ beide passiren- schickte ihnen aber Polizei-Agenten nach. Diesen kam das Prinz, liche Paar jedoch aus den Augen, da es, wie Niemand erwartete, in Montereau ausitieg, um sich von dort nach Millemont, dem Landgute des Herrn Richard Maurice zu begeben. Letzterer, ein Freund Ollivier's gehört zu den gemäßigten Bonapartisten. Als man in Paris erfahren, wo der Prinz sich befand, sandte man einen Polizei-Beamten ab, der ihn aufforderte, Frankreich zu verlassen. Plonplon weigerte sich und Rouher, der sich auch in Millemont befand, machte darauf aufmerksam, daß in dem Departement noch der Belagerungszustand herrsche, die Civil-Poli- zeigewalt also sistirt sei. Der Beamte fragte darüber in Paris an und erhielt Befehl, den Prinzen zu verhaften, wenn dieser nicht abreise. Darauf protestirte der Prinz und erklärte, daß er nur der Gewalt weiche und begab sich, von zwei Gendarmen begleitet, nach dem Bahnhof. Seine Frau ging mit ihm, obgleich sich der Ausweisungsbefehl nicht auf sie bezog. Sie soll sehr unwillig gewesen sein und an den 4. September erinnert haben, wo sie auch gezwungen war, Paris zu verlassen, aber vom Volke