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Vermischtes.

Berlin, 11. Okt. Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, betreffend die Einführung deS ReichS- gefetzes über die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für die bei dem Betriebe von Eisenbahnen und Bergwerken herbeigeführten Tödtungen und Körperverletzungen in Elsaß-Lothringen.

Die Arbeiten im Abgeordnetenhause zu Berlin werden bis zur Eröffnung der Session, wie sich mit Sicherheit heraus­gestellt hat, nicht fertig. Es ist deshalb bestimmt worden, daß die Sitzungen des Abgeordnetenhauses vor dem 1. November nicht in die heimischen Räume übersiedeln können.

Frankfurt a. M., 14. Oktbr. Gestern Nachmittag trieb sich vor dem Schaumainthor ein fünfjähriges Bübchen mit anderen Kindern am Rand des Mainufers umher. Von anderen Kindern verlockt, betrat der Kleine das Floß einer Bade-Anstalt, glitt aus, fiel in den Fluß und ertrank. Der Vorfall wurde von Niemanden bemerkt als von den Kindern; statt daß diese Lärm gemacht und so Hülfe herbeigerufen hätten, liefen sie zu der Mutter des Knäbchens nach Haus und erzählten ihr, daß der Kleine in den Main gefallen und nicht mehr herausgekommen sei. Sofort nach der Leiche mit Netzen angestellte Nachforschun­gen blieben bis zur Stunde erfolglos. cgtw ana.)

Darmstadt, 12. Oktbr. Bisher war es Vorschrift, daß die Regierungskommissäre bei den landständischen Berathun­gen in Uniform erschienen. Einer neuerdings getroffenen Aller­höchsten Bestimmung zufolge wird, wie dieBarmst 3 " mit« theilt, den Beamten, die als Vertreter der Regierung an land­ständischen Berathungen Theil nehmen, gestattet sein, hierbei in Civilkleidung zu erscheinen.

Darmstadt, 13. Oktbr. Gestern Abend stürzte der erst wenige Stünden vorherausgeschaalte" gewölbte obere Dop­pelkeller der Winter'schen Brauerei nebst dem sich darüber be­findlichen mit etwa 5000 Liter Bier ungefüllten eisernen Kühl­schiff zusammen. Unter den Trümmern, welche ein Bild der furchtbarsten Zerstörung bieten, wurden 2 Pferde begraben, das eine jedoch heute früh unversehrt zu Tage gefördert. Der Scha­den ist sehr beträchtlich, die Ursache noch nicht genügend sestge- stellt. Einerseits war die Sprengung sehr bedeutend, der Grund leichtbeweglicher Flößsand, in dem die Abzugswasser des Etablisse­ments versanken und möglicherweise hierdurch ein Weichen der Fundamente resp. Widerlager herbeigeführt wurde. Ob der darun­ter befindliche Keller ebenfalls Schaden genommen, ist abzuwarten.

München, 13. Okt. Die sozialdemokratische Arbeiter­partei in München beabsichtigte in einer gestern Abend einberufe- nen Versammlung über die Wohnungsnoth in München zu sprechen und eine Eingabe an den Stadtmagistrat zu beschließen, in wel­cher der Letztere darauf hingewiesen werden sollte, daß es un­zweifelhaft vortheilhafter für die Minderbemittelten sowohl als auch für die Stadt überhaupt sein dürfte, die bedeutenden Sum­men, welche die Verschönerungen der Stadt kosten, zum Bau von billigen Arbeiterwohnungen zu verwenden. Es erschienen jedoch so wenig Theilnehmer an der Versammlung, daß dieselbe gar nicht eröffnet wurde. Die Beschlußfassung über die fragliche Eingabe wird wahrscheinlich in einer demnächst abzuhaltenden Volksversammlung, bei welcher auf stärkere Theilnahme gehofft wird, stattfinden. (Augsb. aew)

Karlsruhe, 10. Oktbr. Die heute vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelte Anklage gegen Ferdinand Mack von Spöck wegen Ermordung des Herrn v. Reiff endete, wie schon berichtet, mit einem Todesurtheil, indem die Geschwornen die Frage, ob der Angeklagte die Tödtung vorsätzlich und mit Ueber- legung ausgeführt habe, bejahten. ^ ^ztg.

Karlshafen, 10. Oktbr. Dem Magistrat hiesiger Stadt wurde unlängst von königl. Regierung die Auflage gemacht, die niedrigen Gehaltssätze der Stadtschullehrer um 50 Thlr. zu erhöhen. Die Väter der Stadt wiesen jedoch diese Zumuthung zurück, weil die Stadtkasse eine derartige Belastung nicht zu er­tragen vermöchte. Aus gelegentlichen Aeußerungen verschiedener Magistratsmitglieder muß man schließen, daß ihrer Meinung nach 250 Thlr. jährlich schon viel zu viel für einen Lehrer seien. Selbst den Bemühungen deS Herrn Lundraths, der vor einigen Tagen eigens zu diesem Zwecke hier gewesen sein soll, ist es, wie' wir hören, nicht gelungen, ihnen eine andere Meinung bei* zubringen. "^ w.-s)

Neues Leben keimt aus den Ruinen" und zwar manchmal sehr schnell, wird derKarlsruher Zeitung" unter'm 30. September aus Straßburg geschrieben. Wer sollte es glau­ben? Noch vorigen Donnerstag sah ich die vier letzten Jesuiten- Patres in einer Droschke sammt ihrem Gepäck nach dem Bahn­hof fahren und Sonnabends, also zwei Tage nachher, wurde in derResidenz" der frommen Väter eine Bier-Restauration eröffnet. Noch pikanter ist aber, daß die Jesuiten ihr Besitzthum ohne ultramontane Scrupel an ven Jsraeliten Levh für 150,000 Francs verkauften und bei diesem sich im zweiten Stock der ehe­maligen Jesuitenresidenz die hiesige Freimaurerloge eingemiethet hat.

Genf, 13. Oktbr. (W. T. B.) Der Prinz und die Prinzessin Napoleon sind heute Vormittag hier eingetroffen.

London, 9. Okt. Die aus Deutschland ausgewiesenen Jesuiten suchen in nicht unbedeutender Anzahl auch hier Zuflucht. Zu den schon früher an verschiedenen Punkten Englands eingetrof­fenen sind, Briefen aus Jnvernißshire zufolge, in den letzten Tagen 80 weitere dort angelangt.

London, 10. Oktbr. Der Bäckerstrike ist ruhig ent­schlafen. Großartig und fürchterlich hat er zu werden gedroht, klein und kläglich ist er zusammengestürzt. Im Ganzen ist jedoch die Agitation von Nutzen gewesen, da die Arbeiter, die es ver­standen haben, nur billiges und erreichbares zu fordern, Unter­stützung beim Publikum und der Presse sowie Nachgiebigkeit bei den Bäckermeistern gefunden haben. Die übrigen, die der Millio­nenstadt Verlegenheiten bereiten wollen, um thörichte, weil den Anforderungen einer Riesenstadt zuwiderlaufende Forderungen durchzusetzen, haben klägliches Fiasko gemacht.

Eine von den Königlichen Auswanderungskommissaren in England veröffentlichte Note theilt denjenigeu Personen, die nach der argentinischen Republik auszuwandern beabsichtigen, mit, daß eine 300 Mann starke Bande Pampa-Indianer unlängst in das Departement Rosario einfiel, und, wie verlautet, dort alle Männer, die ihr begegneten, tödtete, 32 Frauen und Kinder weg- schleppte und auf ihrem Marsche jede Farm plünderte und zer­störte. Die Zahl der Getödteten ist nicht genau ermittelt, wird aber auf ungefähr 70 geschätzt.

Ueber die Affaire Bazaine schreibt man derN. Fr. Pr." aus Paris: Der Marschall, sowie sein Advokat Lachaud haben alle Hoffnungen auf einen günstigen Verlauf des Prozeffes auf­gegeben. Bazaine selbst soll seine Verurtheilung ä la Rössel durch Pulver und Blei befürchten. Nachdem sein Vertreter ihn auf das Unstatthafte, deutsche, also feindliche Offiziere zu Zeugen auszurufen, aufmerksam gemacht, beruht die Hoffnung des Ange­klagten nur noch auf einer Gegen-EnquAe, welche zwei englische Osfiziere, die der Marschall in der Krim kennen gelernt hat, in Berlin verunstalten wollen. Diese haben sich erboten, Lachaud bei der Schlußverhandlung als militärische Beiräthe zu unter­stützen. Wir werden also Gelegenheit haben, den ersten Abschnitt des so denkwürdigen deutsch - französischen Krieges nochmals am grünen Tische durchkämpfen zu sehen. Wir glauben indessen, be­merkt das genannte Blatt, daß, wenn die Engländer nicht bessere Theoretiker sind, als sie sich in der Krim als Praktiker bewiesen haben, auch diese Schlacht auf dem festen Lande von ihnen ver­loren werden wird. In der französischen Armee ist die Stim­mung gegen Bazaine eine sehr erbitterte und fürchtet man nur, daß Thiers ihn begnadigen könnte. a- Wa-

Am 10. d. Mts. starb, wie bereits kurz mitgetheilt, in Auburn der frühere Minister der auswärtigen Angelegenheiten, William H. S eward, im Alter von 71 Jahren. Derselbe ge­hörte zu den hervorragendsten Staatsmännern der Vereinigten Staaten und war Lincolns Mitbewerber für die Präsidentschafts­Kandidatur im Jahre 1860. Er wurde daraus des Präsidenten Lincoln Staatssekretär des Aeußeren während des Bürgerkrieges. Denselben Posten bekleidete er auch unter dem Präsidenten John­sohn, legte ihn aber im Jahre 1869 nieder und reiste alsdann zwei Jahre lang im Auslande. Nach seiner Rückkehr zog er sich vom öffentlichen Leben oänzlich zurück.

Goldfelder in Australien. Einem Telegramme aus Mel­bourne zufolge find in Iam Creek, 150 Meilen von Port Dar­win, neue Goldfelder entdeckt worden. Mehrere hundert Berg­leute haben sich bereits nach dem neuen Eldorado begeben.