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und eine Schule für classische Bildung sein soll. Nach dem so eben ausgegebenen Programme dieser neuen BildungSanstalt wird dieselbe durch eine anonyme Gesellschaft mit einem Aktienkapitale von 100,000 Frcs. in 500 Aktien zu 200 Frcs. errichtet werden. Die Anstalt selbst befindet sich zu Basel auf dem Centralplatze im Hause Nr. 6. Die Schweiz dürfte diese neue Bildungsanstalt, welche offenbar den Charakter einer Demonstration gegen Deutschland trägt, auf ihrem Gebiete kaum gern sehen.
— Bukarest, 11. Oktober. Anläßlich der Sequestration der Lemberg-Cernowitzer Eisenbahn sind die Moldauer Linien aus dem bisherigen gemeinsamen Verwaltungsrathe in Wien ausgeschieden und erhalten einen eigenen VerwaltungSrath, dessen Amtssitz in Jassy sein wird.
— Das „Univers" hat eine Geldsammlung für die „Der folgte" kathol. Kirche in Genf resp, für Herrn Mermillod veran- staltet. Dies hat, wie man der „Köln. Ztg." schreibt, zu offiziösen Reklamationen Seitens der Schweiz Anlaß gegeben. Man habe die Frage gestellt, was Frankreich thun würde, wenn die Kommunisten in der Schweiz zur Unterstützung ihrer Glaubensgenossen in Frankreich offen Geldsammlungen anstellen und sie zur Empörung gegen die Regierung auffordern wollten.
— (Ein originelles Marktstückchen.) Ein Gutspächter in der Nähe von Temesvar hatte zwei Pferde und ebensoviele Ochsen in seinem Stalle, die ihm nicht mehr des Futters werth schienen, welches er auf sie wenden mußte. Er selbst hatte keine Zeit, den Temesvarer Markt zu besuchen, sondern bat einen Bekannten, der sich anschickte, denselben zu besuchen, die beiden Pferde mit- zunehmen und daselbst zu verkaufen oder zu vertauschen. Einen anderen Bekannten belästigte er mit derselben Bitte in Bezug auf die Ochsen. Der gute Pächter hatte sich auch an die Adresse gewendet, und schon anderen Tages hatten die beiden Abgesand- ein vortreffliches Geschäft abgeschlossen. Der eine theilte ihm nämlich mit, daß er die Pferde zwar nicht verkaufen könne, allein er habe sie mit einer geringen Aufzahlung von 80 fl. gegen ein Paar sehr schöner Ochsen ausgetauscht, und der Andere that ihm zu wissen, daß eS ihm gelungen sei die schäbigen Ochsen, die nur mehr aus Haut und Knochen bestanden, mit nur 50 fl. Aufzahlung gegen ein Paar wunderschöner Wagenpferde umzutauschen. Wenn man nun erfährt, daß der Pächter, als das umgetauschte Vieh nach Hause kam, in demselben sein eigenes erkannte, so kann man sich denken, ein wie erfreutes Gesicht er zu diesem guten Geschäfte machte.
— Paris, 9. Okt. Von Herrn Ab out ist in deutschen Blättern seit längerer Zeit nicht mehr die Rede gewesen, die Er- gießungen deS „Märtyrers von Zabern' waren zu läppisch, um der Mittheilung werth zu erscheinen. Neuerdings aber findet sich in dem About'schen Geschwätze über die Elsässer Auswanderung eine amüsante Stelle. Man höre:
„Die Deutschen haben mit aller Civilisation geradezu gebrochen, indem sie den traurigen Muth hatten, im 19. Jahrhundert alle Schrecknisse der antiken Eroberung zu erneuern. Sie haben als wahre Barbaren gehandelt und ich hoffe, nicht zu sterben, bevor ich gesehen habe, daß sie als Barbaren gezüchtigt werden. Ich wünsche nicht, daß man sie massenhaft abschlachtet (qu’on les dgorge en masse), aber ich tröste mich zuweilen über unser Elend und über ihre Verbrechen, indem ich träume, daß Europa, frei vom Norden bis zum Süden und vom Osten bis zum Westen, mit den Deutschen allein eine Ausnahme macht und sie zur Sclaverei verurtheilt. Und wenn man ihre Arroganz gegenüber den Schwachen, ihre Gemeinheit und ihren ServiliS- mus gegenüber den Mächtigen der Erde sieht, so ist man versucht, zu glauben, daß sie ebenso gute Knechte sein werden, als sie schlechte Herren gewesen find." (Hess.-M gtg.)
— Paris, 12. Okt. Es verlautet, der Prinz Napoleon, welcher sich Anfangs weigerte, der Ausweisungsordre zu gehorchen, sei entschlossen, heute abzureisen. Für den Fall einer fortgesetzten Weigerung waren Zwangsmaßregeln in Aussicht genommen. (Der Prinz soll sich als Gast bei Hrn. Rouher in Ceryais aufgehalten haben. Man versichert, daß er vor beiläufig 2 Wochen von der Regierung um die Erlaubniß nachgesucht habe, seine Gattin nach der Normandie an das Meeresufer geleiten zu dürfen. Die Erlaubniß wurde ihm, wie man der „Frkf. Pr." schreibt, ertheilt, jedoch w't der Bedingung, daß er nicht selbst dort seinen Aufenthalt nehme. Daraus hin machte er von der behördlichen Bewilligung keinen Gebrauch; wenn er dennoch, trotz des ausdrücklichen Verbotes, in Frankreich weilte, so würde dies beweisen, daß seine Reise Pläne zum Zwecke hatte, die sich
der Kenntniß der Behörden entziehen sollten. Möglicherweise hing seine Anwesenheit mit den am 20. Oktober stattfindenden Ersatzwahlen für die Nationalversammlung zusammen, worauf die Bonapartisten jetzt ihr Hauptaugenmerk gerichtet haben.)
lAugSb. Abdztg.)
— Der Prozeß gegen Baz aine wird bald beginnen. Es herrscht ein solcher Haß gegen den Marschall, daß Entlastungszeugen für ihn fast gar nicht aufzutreiben sind, obgleich es deren sicherlich gibt, denn die Anklage des Berraths ist lächerlich und wird auch wohl gar nicht erhoben werden. Bazaine will sich mit den amtlichen deutschen Schriftstücken vertheidigen und die Nothwendigkeit der Kapitulation nachweisen.
— Da die französische Regierung an der deutsch-französischen Grenze den Paßzwang in ganzer Strenge aufrecht erhält, so hat sich die deutsche Regierung veranlaßt gesehen, auch ihrerseits den Paßzwang wieder einzuführen.
Die armen Franzosen haben nun einmal in der letzten Zeit kein Glück mit ihren Grenzpässen. (SerL Wesp.)
— Am Gotthardtunnel wird energisch gearbeitet. Die Mi- nirer drängen von hüben und drüben in den Berg und wühlen in seinen Eingeweiden ; in Göschenen hört man den ganzen Tag die Sprengschüffe wie rollendes Bataillonsfeuer. Eine Menga von Arbeiterwohnungen ist bereits erstellt, andere sind im Bar? und der Unternehmer, Favre von Genf, hat sein geniales Arbeitsprogramm entworfen; er hofft mit prächtigen Maschinen und guter Wasserkraft das Riesenwerk schon in 7 Jahren zu bewältigen.
— Der „Figaro" meldet, daß demnächst wieder ein katholischer Geistlicher, den er noch nicht nennen und nur damit kenntlich machen wolle, daß er sich während des Krieges viel mit den Ambulanzen beschäftigt und damals die Uniform eines Obersten der Nationalgarde getragen hätte, in den Stand der Ehe treten werde. Nach dieser Beschreibung kann nur der bekannte Abb6 Bauer, welcher seiner Zeit bei der Kaiserin Eugenie und der Königin Jsabella in hohen Ansehen stand, gemeint sein.
Lokales.
Hanau, 14. October. \
— Vergangenen Samstag Abend wurde hier ein blinder Feuerlärm in Scene gesetzt, und war die Sache auch hinlänglich durch die Lokalblätter zur Kenntniß des Publikums gebracht worden^ so erschracken doch verschiedene ängstliche Gemüther mit dem gegebenen Zeichen. — Bei dieser Gelegenheit wurde bemerkt, daß kaum eine Viertelstunde nach dem Allarmsignal verflossen, so waren die Spritzen gefüllt und die Schläuche schon in Thätigkeit und bearbeiteten gehörig den fingirten Brandplatz. Wenige Minuten genügten dem Steigercorps seine ganzen Rettungsgeräthschaften vollständig fertig zur Hülfeleistung zu machen; Alles ging ohne Commando in der größten Ruhe vor sich, nur das Signalhorn gab seine verschiedenen Merkzeichen für die Spritzcnleute ab. Mag bei einem wirklichen Brande auch etwas mehr Zeit zur Sammlung der Mannschaften verstreichen, — denn bei besprochener Gelegenheit stand doch ein jeder Feuerwehrmann mehr oder weniger auf dem Sprunge — so ist die Fertigmachung nach Ankunft auf dem fingirten Brandplatze doch dieselbe wie bei einem wirklichen Brande gewesen, und mit Sicherheit kann festgestellt werden, daß nur wenige Minuten nöthig sind, um Wasser zur Genüge für den ersten Moment zu besitzen. —d..
— Die am Samstag gebrachte Nachricht, daß das vorige Woche in der Nebengasse durch Messerstiche verwundete Mädchen gestorben sei, beruhte auf einem Mißverständniß. Dasselbe befindet sich sogar auf dem Wege der Besserung und sind die Wunden ungefährlich. K.
— Mit Beginn der nächsten Woche eröffnet der hiesige Ga- belsberger Stenographenverein einen neuen Unterrichtscursus und es ist daher Jedem Gelegenheit geboten, im Laufe des Winters die Kunst zu erlernen, die wegen ihrer vielfach bietenden Vortheile im Geschäftsleben, besonders in größeren Bankgeschäften^ mehr und mehr Platz greift. —d.
— Sicherem Vernehmen nach wird kommenden Donnerstag, den 17. d. M., unser neues Schulhaus für die Mädchenschule I u. II eingeweiht. —d.
— In seiner martialischen Gestalt steht der „Riese' wieder, mit einem neuen Gewände versehen, an seinem alten Eckplätze. Möge er als treuer Wächter dastehen, damit jederzeit nur gute Weine in die Räume seines Kellers geschafft werden dürfen. —d.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 10 Zoll.
Gedruckt und verlegtin der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.