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und Rankenwerk dieser Ornamente, das in schwungvollen Linien springquellartig aus Vasen und Urnen cmporwächst, die phan­tastischen Blüthen, aus denen halben Leibes Genien hervorragen, die schweren Frucht- und Blumengehänge und die märchenhafte Thierwelt, welche diese Ornamente belebt. Es ist der volle Reich­thum dieses Siyls erforderlich, um die colossalen Räume und Formen des Baues mit feinem Schmuck zu bedecken.

— St. Petersburg, 19. Sept. s ie Arbeiten der Kom­mission zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht sind beendigt und sollen binnen Kurzem dem Reichsrath vorgelegt werden.

— In Frankreich hat ein Chemiker, Herr Mege Mouriez, schon vor einigen Jahre« den Versuch gemacht, eine Butter her­zustellen, die anNährkraft und Wohlgeschmack mindestens der bis­her bekannten gleichkommt, aber bedeutend billiger sein soll. Nach einem Bericht, der dem Gesundbeilsrathe des Seinedepartements abgestattet worden ist, besteht diese Butter aus Ochsentalg, Wasser, Potasche und zerschnittenen Schweins- oder Schafsmägen. Dies wird bei niederer Temperatur zusammengeschmolzen, natürlich kommt es dabei hauptsächlich aus das Verhältniß der Theile zu einander an, und dann wird das Schmelzprodukt unter Salzzu­satz gereinigt und erkalten lassen, dann durch die hydraulische Presse von Stearin befreit und so die der geschmolzenen Butter ähnliche, gelbliche körnige Masse gewonnen. Dieser Stoff wird in Paris unter dem Namen Margarine bereits häufig verkauft und als Speisezusatz verwandt. Wird dieser Stoff aber mit einem gewissem Quantum Milch vermischt, so erhält man eine wohl­schmeckende und vor allen Dingen sich sehr gut haltende Tafel­butter. Es dürfte sich diese Butter, weil bedeutend billiger, bei den ärmeren Klaffen Frankreichs noch sehr verbreiten und be­sonders wegen ihrer trefflichen Conservirung für die Verprovianti- rung der Seeschiffe eignen. Sicherlich aber kommt sie, wenn die Berichte nicht ganz falsche sein sollten, auch nach Deutschland, weil hier es wirklich auch dringend noth thut, den Armen eine billige Butter, ober etwas diese Ersetzendes zu bieten.

— London, 18. September. Zwischen der Regierung von Natal und einem Konsortium englischer Bauunternehmer ist un­längst ein Kontrakt für die Herstellung von 345 Meilen Eisen­bahnen in der Kapkolonie zum Abschluß gelangt. Die Kolonial- regierung zahlt der Compagnie, wenn die Erfordernisse des Kon­trakts erfüllt worden sind, eine Subsidie von 40,000 Pfd. St. jährlich für 20 Jahre, verbunden mit einer Schenkung von 2| Millionen Morgen Landes; daran ist jedoch die Bedingung ge­knüpft, daß die Compagnie binnen einer gewissen Zeit 7500 Ein­wanderer in die Kolonie einführt.

— Ueber den dieser Tage verstorbenen König von Schweden schreibt die „N.-Z." am Schluffe eines Leitartikels: „Ein Freund Deutschlands war der Verstorbene nicht, vielmehr, bestimmt durch die LoStrennung der Elbherzogthümer von Dänemark, des­sen entschiedener Feind. Sein Verdienst war es nicht, wenn Schweden am Kriege von 1870 nicht als Frankreichs Bundesge- noffe Theil nahm, und noch in neuester Zeit waren in schwedi­schen Zeitungen mit der Cbiffre C. Artikel erschienen, welche in Deutschland gerechten Anstoß erregten. Seinem unternehmungs­lustigen Geiste schwebte es vor, die Zeiten Gustavs Adolpb's und Karl's XII zu erneuern und in nordischen Großmachtsträu­men gefiel er sich. Die mit dem Hofe von Kopenhagen ange- knüpfte Familienverbindung erneute die Hoffnungen auf Vereini­gung der drei scandinavischen Reiche, deren Erfüllung freilich wenig wahrscheinlich ist.

Woche n s eh a u.

Seil unsrem letzten Wochenberichte, nach welchem wir uns leider genöthigt sahen, eine Pause in der Ausgabe kesselb-n ein­treten zu lassen, haben sich die Verhältnisse, die wir hier zu be­leuchten pflegen, rapid geändert.

Scheinbar hervorgerusen durch die entstandene Geldknappheit tritt plötzlich, obgleich man allgemein nur von Hausse träumt und spricht, eine Baisse ein, die in wenigen Tagen alle Course bedeutend wirst. Aber auch nur scheinbar ist diese Gelbknapp' heit die Ursache, denn thatsächlich ist nur der Grund der Geldknappheit die colossale Ueberspeculation und der dadurch hervorgerufene niedere Zustand der Börse, der einen solchen Rück­gang hervorrufen konnte.

Berlin, der seit einiger Zeit leitende Börsenplatz, aber auch der Platz, der im Schaffen schwinkelh ister illusorischer Werthe eS allen anderen Börsenplätzen zuvocthut, war es, der auch b i

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten Mangel.

dem Rückgang die Führerschaft übernahm, weil er den Folgen dieser anomalen Lage (Geldknappheit bei .colossalem Geldzufluße) nicht gewachsen war. Frankfurt, das die fürchterliche Liquidation Ultimo August glücklich überstanden und die folgende medio Re- gulirung sich ziemlich leicht vollführen sah, mußte wie alle an­deren Plätze dem gegebenen Impuls folgen, so daß zuletzt die Börsen in einen wahren Wetteifer gerielhen und ein Platz nie­drigere Course sandte als der andere.

Bedeutende Ansprüche an die Banken veranlaßten sofort Disconterhöhungen; eine weitere Discontoerhöhung der Preu­ßischen Bank wurde befürchtet, bis die Regierung (thatsächlich oder auch nur gerüchtsweise) endlich eingriff und die Börse be­ruhigte.

Man sprach von Ueberlassung großer Beträge an die Preuß. Bank und Seehandlung, von bedeutenden Ankäufen, die für Rechnung der Regierung gemacht wurden, da dieselbe aus politischen Gründen die jähe Flauheit ungern sehe, und ebenso rasch als vorher die Baisse, entwickelte sich in der vergangenen Woche wieder eine rapide Hausse. Gerade das Unnatürliche einer solch plötzlichen Hausse aber nach der vorhergegangenen Baisse mußte eine Reaction, wie wir sie schon in den jüngsten Börsentagen, wenn auch in kleineren Maße hervortreten sahen, veranlassen.

Die Course haben eine solche Höhe erreicht, daß, bevor nicht das schwebende Material in feste Hände gebracht und daS reelle Kapital sich der Börse wieder mehr zuwendet, jede bedeu­tende Hausse Ueberstürzung wäre und nur einer Baisse wieder den Weg bahnte.

Wir können diesmal davon absehen, uns in ausgedehnterer Weise auf Details einzulassen, da die Course fast durchgängig der allgemeinen Stimmung folgten und beschränken uns daher daraus, in Nachstehendem daS Erwähnenswertheste hervorzuheben.

Bor allem nahmen auch diesmal von Eisenbahn-Actien Staatsbahn und Lombarden die größte Aufmerksamkeit in An­spruch und erhoben sich deren Course von den erlittenen Ein­bußen rasch, jedoch noch unter vorwöchentlicher Notirung^ Lom­barden, für die in Folge der guten Einnahmen und des Umstau- des, daß das Ungarische Verkaufsgeschäft doch seinem Abschluß näher zu kommen scheint, herrscht im Allgemeinen eine günstige Meinung und scheinen sich die Geldverhältnisse der Gesellschaft überhaupt consolidiren zu wollen.

Auf StaatSbahn brächte die Mindereinnahme von fl. 117,000 keinen Einfluß hervor.

Matt und niedriger hingegen waren alle Ungarische Bahnen, sowie auch Franz-Joseph, währenddem Buschtiehrader gesucht und höher waren und stiegen dieselben am vorletzten Börsentage um circa 5 Procent. Deutsche Bahnen geschäftslos und fast durchgängig niedriger. Von Banken, die auch durchgängig Courseinbußen erlitten, erholten sich doch schnell die besseren und beliebteren Gattungen, wie Teutsche Effecten- und Wechsel-Bank, Provinzial-Disconto, Amsterdamer, und namentlich Bankvereine rc., währenddem jüngere Banken wie Baubank, Oesterr. Deutsche, Pfälzer- und Wechslerbank sich von ihren Courseinbußen noch nicht erholen konnten.

Bedeutend höher schließen Würtenb. Vereinsbank und zwar ca. 175 Proc., nachdem sie an einem Tage 9 Proc. im Cours gewannen und scheint der günstige Semestrialabschluß, auf wel­chen hin die Actien so bedeutend sich hoben, von dem Gewinn, welchen die Bank Berber Deutschen Effecten- und Wechsel-Bank erzielte, herzurühren.

Von Anlagepapieren, Silberrente fest, da die Regierung jetzt schon den Oktober- und November-Coupons mit einem Abzug von 5 Proc. Zins einlöst.

Spanier hingegen matt, da die Regierung eine Conversion vornehmen will. Amerikanische Effekten ganz geschäftslos ebenso Mordgage-Bonds, deren Notiz täglich niedriger und unzuverläs­siger wird.

Oesterr. Prioritäten rubig, größtentheils etwas niedriger, ebenso Loose, die matter schließen.

Geldsorten offerirt, hingegen Napoleons sehr gesucht.

Von Wechseln Wien und Paris fest, London offerirt.

Dieconto 5 Proc.

Mitgetheilt durch Gebrüder Stern hier.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 6 Zoll.

Waisenhauses.