Einzelbild herunterladen
 

477

Vermischtes.

lich auch die Wohlhabenden, keine höheren Preise zu zahlen, sondern nöthigenfalls eine Zeitlang die Butterweiber, Höker rc. mit vollen Körben heimzuschicken. (Stift. Anz.) *

— Unter der Ueberschrift: „WaS gibt's Neues in der Welt" sagt die letzte Nr. des „Kath. Volksbl." unter Anderem: „Schon sind Millionen von Frankreich in die Kassen des Deut­schen Reiches geflossen, die Budgets haben bereits reiche Ueber- schüsse — das des Reiches von fünf, des preußischen über neun Millionen Thaler — demnächst wird sich ein wahrer Goldregen über das Reich ergießen. Von Erlaß oder Verminderung der Steuern redet der „liberale" Deutsche nicht; er schwelgt in der Freude über „das wiedererlangte Ansehen des deutschen Namens," über den nunmehr eröffneten „Krieg zur Befreiung von den Je­suiten und Ultramontanen." In der That, es gibt kein Volk, welches leichter zu regieren ist, als das deutsche." (Sehr naiv gesprochen.)

— Die „Karlsr. Ztg." schreibt aus Straßburg, 25. Aug.: Die Zahl der für Frankreich Optirenden hat in den letzten Ta­gen auch hier sehr zugenommen, so daß oft per Tag 20 bis 25 Optionserklärungen auf den Bureaux der hiesigen Polizeidirektion verzeichnet werden müssen. Selten ist unter den Optirenden in­deß jetzt die besitzende Klasse vertreten, und man findet fast nur Arbeitsleute, Taglöhner rc., mit einem Worte Leute, denen das Suchen eines neuen Domicils keine besonderen Schwierigkeiten macht, da der ganze Umzug mit einer Reisetasche bewerkstelligt werden kann. Von Seiten der Polizeibehöroen werden bereits alle Vorkehrungen getroffen, um mit Ablauf des Optionstermins eine genaue Controls hinsichtlich der wirklichen Domicilverlegung jener Personen, die für Frankreich optirt haben, ausführen zu können.

— London, Dienstag, 27. August, Abends. Der Dampfer „Nile" bringt Nachrichten über eine Verschwörung in den cen- tralamerikanischen Republiken San-Salvador und Guatemala zum Behufe des Sturzes der Regierungen dieser beiden Staaten. Der Hauptanstifter sei der Erzbischof Pinol von Guat-mala in Verbindung mit den Jesuiten und einer Anzahl Geistlicher San- Salvadors.

— Ein entsetzliches Bild von dem Zustande des französischen VolkSunterichtswesens hat soeben der Präfekt der Cotes du Nord entworfen. In seinem Departement erkalten 26,000 Kinder gar keinen Unterricht, und die 81,000, welche die Schule besuchen, müssen aus Mangel an genügenden Räumlichkeiten in der be- klagenswerthesten Weise zusammengepfercht werden. Die meisten Schulgebäude befinden sich in einem Zustande, daß nach dem Ausdrucke des Schulinspectors von St. Brieuc „verständige Landwirthe in dieselben ihr Vieh nicht einsperren würden."

— Baumaterialien aus Schweden. Die „N. Stett. Ztg." schreibt: „Bei den in Berlin sich steigernden Anforderungen der Bauhandwerker, namentlich der Zimmergeftllen und Tischler, wird die Mittheilung nicht uninteressant sein, daß aus Schweden mehrere Schiffe mit vollständig bearbeiteten Materialien aus Holz zur Aufstellung von Häusern in Berlin eingelaufen sind, deren Ladung nach Berlin versandt wurde. Neben den behaue- nen Balken, Dielen, waren auch Thüren, Fenster bereits fertig, so daß nur die Ausfüllung mit L-teinmaterial nothwendig ist. Den übertriebenen Lohnforderungen gegenüber würde sich für das nächste Jahr der Ankauf solcher bereits bearbeiteten Bau­materialien in größerem Umfange empfehlen, auch müßten, wie in Nord-Amerika, jene großen Werkstätten mit Maschinen sich vermehren, in welchen mir Hilfe der letzteren, Thüren, Fenster rc. schneller und billiger sich herstellen lassen. Wir fügen noch hinzu, daß noch in keinem Jahre das Bedürfniß nach Baumaterialien, Brettern u. s. w. in Berlin sich so stark geltend machte; auch der Import von Brettern rc. aus Memel, Schweden ist durch die Hauptstadt veranlaßt und sind auch darch Raupenfraß ge# schädigte Hölzer vielfach verkauft worden.

— New-A ork,28. August. Der Regierung in Washing­ton sind offizielle Nachrichten aus Genf zugegangen, nach welchen die Verhandlungen des dortigen Schiedsgerichts einen für Ame­rika günstigen Verlauf nehmen und der Schluß der Schiedsge­richtssitzungen etwa um die Mitte des nächsten Monats erwartet werden darf. Der Betrag der Amerika zu gewährenden Ent­schädigungssumme steht noch nicht ziffermäßig fest; wahrscheinlich Wird demselben eine Pauschalsumme zugesprochen werden.

— Wie Fürst Gortschakoff, so wird auch Graf Andrassh bei der Kaiserkonferenz von zwei diplomatischen Adjunkten, näm­lich Herrn von Hofman und Baron Dupont begleitet sein. Der Elftere ist Referent für die deutschen, der Andere für die orien­talischen Angelegenheiten im auswärtigen Amte in Wien. Es erhält dadurch die Annahme sichern Grund, daß bei den Ver­ständigungen der drei Kaiserreiche die wichtigsten und zugleich empfindlichsten Berührungspunkte zwischen Rußland und Oester­reich keineswegs wie man hier und da wohl glaubte, todtge­schwiegen werden sollen, sondern daß unter dem vermittelnden Einfluß des deutschen Kabinets nach Kombinationen gesucht werden wird, welche die von Zeit zu Zeit immer wieder herauf­ziehende Wolke der „orientalischen Frage" dauernd vom politi­schen Horizonte entfernen sollen. Daß das trotz des Pariser Vertrages und ohne die Beihülfe Frankreichs möglich sein wird, dafür bürgt das Geschick der drei betheiligten Staatsmänner und — die Lage der Dinge. (Trw.)

— Postalisches. Vom 1. Oktober ab sollen die Geld­beträge gleichzeitig mit den Posianweisungsformularen an die Adressaten befördert werden, und liegt eS in der Absicht der Post­verwaltung, zu diesem Zwecke besondere Briefträger zu verwen­den resp, anzustellen. Demzufolge sind in diesen Tagen Seitens der Oberpost Direktion von den einzelnen Postexpeditionen Be­richte darüber eingefordert worden, wie stark der Postanweisungs- verkehr bei denselben ist.

— Wie die „D. R. C." hört, haben die diesjährigen Märkte zum Remonte Ankauf den Pferdebedarf für die preußische Armee nicht vollständig gedeckt. Es werden deßhalb auf Anord­nung des KriegSministerums, namentlich in der Provinz Preußen, behufs Ankaufs von drei- und vierjährigen Pferden, Nachmärkte statifinden, deren Abbaltung in der Zeit vom 9. bis 17. Septem­ber in Aussicht genommen ist.

— In verschiedenen Fällen ist auf dem Gnadenwege dahin entschieden worden, daß die Bestimmung der Militär-Ersatz-Jn- struktion, nach welcher der nächstäueste Bruder eines vor dem Feinde gebliebenen oder an den erhaltenen Wunden gestorbenen oder erwerbsunfähig gewordenen Soldaten, sofern durch die Zu­rückstellung den Angehörigen des Letzteren eine wesentliche Erleich­terung gewährt werden kann, vom Militärdienst befreit werden soll, nunmehr'auch auf den nächstältesten Bruder eines im Kriege oder in Folge der Sirapatzen des Krieges verstorbenen Soldaten Anwendung gefunden hat.

— In der gestern stattgehabten Eröffnungssitzung des Ju­ristentages zu Frankfurt a. M. wurde der Professor Dr. Gneist aus Berlin durch Akklamation zum Präsidenten gewählt; derselbe ernannte zu Vice-Präsiventen den AppellationSg richtö-Präsiventen Nestle aus Frankfurt, den Ober-Appell,tionS-Rath Baer aus Berlin, den Reichs-Ober-Handelsgerichts Vice-Präsibenten Drechs­ler auS Leipzig und den Oberbürgermeister Mumm in Frank­furt a. M.

— Ueber die bevorstehende Zusammenkunft der Bischöfe wird der „Germania" aus Fulda folgendes Nähere geschrieben: Die diesjährige Zusammenkunft steht in keiner direkten Beziehung zu den Fragen, welche jetzt die Gemüther in so hohemGrade beschäf­tigen, sondern ist durch die Vereinbarung geboten, nach welcher die deutschen (nicht blos preußischen) Bischöfe alle 2 Jahre im Sep­tember in Fulda zusammenkommen wollen und mit der Bestim­mung des Tages den Präsidenten beauftragt haben. In Folge dieser Vereinbarung mußte, da im September 1870 die letzte Versammlung der deutschen Bi chöfe statifand, für den Septem­ber dieses Jahres eine solche Versammlung ausgeschrieben wer­den. Darum sind denn auch nicht blos die preußischen Bischöfe deutscher Zunge, sondern auch die süddeutschen Bischöfe zu der­selben eingeladen und einige von diesen haben, obgleich der 17. September (als der Tag der Ankunft) noch fern ist, ihre Her- überkunst schon angemeldet.

— Zu Erfurt haben mehrere Bürgersfrauen in einem öffentlichen Aufruf an sämmtliche Hausfrauen und Markt­besucher eine Taxe für die gebräuchlichen Marktwaa- ren aufgestlli — für Butter hvchft-ns 10 Sgr., für Eier ä Schock 20 Sgr., für ein altes Huhn 7 Sgr., für ein junges 4'/-— 5 Sgr., für ein Paar Tauben 4 Sgr., für ein Rebhuhn 5—6 Sgr., für ein Sack Kartoffeln 20 Sgr. rc. Sie versichern, das seien Preise, bei denen beide Theile bestehen könnten und dem Marktschwindel ein Ende gemacht werde und bitten Alle, nament­