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Berlin, 8. August. Der Wirkliche Geheime Lega- tions-Ralh Abeken ist nach längerer Krankheit heute Morgen hierselbst im 63. Lebensjahre (geboren den 19. August 1809) ge­storben. Im Jahre 1866 Allerhöchsten Ortes zum Rathe 1. Klasse ernannt, war er seit längerer Zeit der älteste Vortragende Rath im Auswärtigen Amte.

DerStaatsanzeiger" Nr. 185 enthält die Konzessions­urkunde, betreffend den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Eilenburg nach Leipzig (Landesgrenze) durch die Halle-Sorau- Gubener Eisenbahn-Gesellschaft, vom 17. Juli 1872.

München, 6. August. Aus dem Landrathsabschied für Schwaben sind folgende Einzelbescheide hervorzuheben:Der vom Landrath gestellten Bitte, Einleitung zu treffen, daß die im Kreise gegenwärtig bestehenden vier katholischen Präparanden- schulen auf zwei reduzirt und in Städte verlegt werden, in wel­chen sich Gewerbschulen und gute Turnanstalten befinden, wird entsprechender Würdigung unterstellt werden."Zur förder­lichen Erreichung des von dein Landrathe angestrebten Zweckes, betreffend die alsbaldige Erlassung einer, die Verhältnisse der Volksschulen des Regierungsbezirkes in Ansehung des Lehrplanes und der Behandlung des gesammten Lehrstoffes, dann bezüglich der Klasseneintheilung, ferner die Schul- und Ferienzeit regeln­den Lehr- und Disziplinarordnung wurde bereits die entsprechende Einleitung getroffen.

Därmst adt, 7. August. Die heute ausgegebeneDarm­städter Zeitung" enthält Folgendes:Seit mehreren Wochen haben einige öffentliche Blätter verschiedener Richtung ein Ge­rücht in Umlauf gesetzt, als beabsichtige Sc. Königliche Hoheit der Großherzog sich zur linken Hand zu vermählen oder habe es bereits gethan. Wie auch schon von einem der Blätter, in wel­chen das Gerücht Eingang gefunden, in einer Korrespondenz be­richtigend bemerkt wurde, entbehren alle derartigen Nachrichten eines jeden Grundes. Zur Charakteristick der Art und Weise, wie dieselben verbreitet wurden, mag dienen, daß in den Nieder­landen, welche als Ort der angeblichen Vermählung bezeichnet wurden, das Institut einer morganatischen Ehe gemäß dem dort geltenden Civilrecht gar nicht existirt, und daß '>s Gravenhage, das als angeblichesGut" dabei eine Rolle gespielt haben soll, gar nichts ist, als der niederländische Namen für die Stadt Haag, wie sie in Deutschland gewöhnlich genannt wird.

Straßburg, 4. August. Mit dem 1. Oktober wird die bisherige Pharmaceuten-Schule (Ecole supdrieure de phar- macie) zu wirken aushören. Doch wird den jetzigen Lehrern ge­stattet sein, den angehenden Pharmaceuten, welche unter ihrer Leitung standen, die nöthigen AbgangS-Zeugnisse zu ertheilen. Mit dem nächsten Wintersemester wird dann dasselbe Institut neu begründet werden; und zwar so, daß die Professoren der me­dizinischen und der naturwissenschaftlichen Fakultät an die Stelle der vormaligen Professeurs de pharmacie treten.

Karl Devrient, der Veteran der königlichen Schau­spiele zu Hannover und Ehrenbürger der Stadt Hannover, ist am vergangenen Sonnabend, den 3. August, zu Lauterberg a. H. in Folge des Schlaganfalles, den er vor einigen Monaten er­litten, im 74. Lebensjahre gestorben.

Nach einem zwischen dem preußischen und dem serbischen Kriegs-Ministerium getroffenen Abkommen werden mehrere ser­bische Offiziere zu preußischen BildungSanstalten, Truppen- theilen und Administrationsbehörden kommandirt werden. Die Dienstleistung der genannten Offiziere, welche am 1. Oktober d. I. beginnen soll, ist auf die Dauer eines Jahres festgesetzt, Den betreffenden Offizieren soll die Beiwohnung zu den Truppen­übungen auch schon vorher gestattet sein. Die designirten serbi­schen Offiziere, welche dem Generalstabe, dem Jngenielircorps, der Artillerie, Kavallerie und Infanterie gehören, sind zur Dienst­leistung für den praktischen Truppendienst nach Art ihrer Waffe bestimmt.

Herr v. Möller, der in den letzten Wochen bekanntlich eine Rundreise in Oberelsaß vornahm, wird sich binden Kurzem auch zum Besuche der Stadtgemeinden und öffentlichen Institute nach Lothringen verfügen, vorher jedoch, am 6. d. M., einer Ein­ladung nach Froschweiler zur Grundsteinlegung der dortigen Friedenskirche" Folge geben.

London, 6. August. Die leitenden Blätter besprechen in ihren heutigen Artikeln die bevorstehende Dreikaiserzujammen- kunft in Berlin. DieTimes" kommt dabei zu dem Schlüsse, daß die Zusammenkunft der Freiheit unv den freiheitlichen In­stitutionen nicht zur Schmälerung, sondern zur Stärkung gerei­chen werde, und daß dieselbe dazu führen könne, freiheitliche

Institutionen auch in Rußland Boden gewinnen zu lassen. Dailh News" kann in der Zusammenkunft keine Wiedergeburt der heiligen Allianz erblicken, welche Anlaß zur Besorgniß und Mißtrauen geben könnte. Der Frieden Europa's könne durch diese freundschaftliche, von gegenseitigem Wohlwollen zeugende Zusammenkunft der drei Kaiser nur gefördert werden.

London, 5. August. In der südlichen Vorstadt Wands- worth legte Lord ShafteSburh am Sonnabend den Grundstein zu einer neuen aus etwa 1200 Häusern bestehenden Ar b e i t er st ad t. Dieselbe wird ein Scbulgebäude, eine Halle für Verträge und Versammlungen, ein Genoffenschafts-Magazin, sowie eineu Er- holungsgarten enthalten.

Petersburg, 3. August. Heute Morgen ist in Nisch- nei-Nowgorod während der eben dort stattfindenden Messe eine große Feuersbrunst ausgebrochen.

In einem ungarischen Bataillon, deffen Chef ein Deut­scher, schimpfte einer der Soldaten in Gegenwart des Majors fortwährend über die wortbrüchigenSchwaben". Der Major verwies ihm dies, da er selbst einSchwab" sei, und drohte, ihm, im Wiederholungsfälle fünfundzwanzig aufzählen zu lassen. Der Ungar schimpfte unverdrossen weiter. Der Major befahl also, ihn niederzuschnüren und ihm in seinem Beisein dieFünf­undzwanzig" geben zu lassen. Nach dem zwölften Hiebe ließ er den Frevler wieder losschnüren.Nu, Jano, was sagst Du jetzt?" fragte der Major.Halten zu Gnaden, Herr Major", ant­wortete der Ungar,hab' ich doch Recht! Hält Schwab nie Wort seiniges!"

Die Gründer versteigen sich immer höher. Jetzt sind sie bereits auf dem Blocksberg angekommen. Berliner Capitalien wollen nämlich dem Grasen Stolberg den Brocken abkaufen, oben einen großartigen modernen Gasthof anlegen und denselben durch eine gute Kunststraße auch von Harzburg aus bequem zugänglich machen. Sie hatten deshalb dieser Tage in Harzburg eine Be­sprechung mit dem Regierungsdirektor v. Hoff aus Wernigerode, die nach demHannöverischen Kurier"nicht ohne gute Aus. sichten" für die Verwirklichung des Planes abgelaufen sein soll.

Die Bevölkerung des Königreichs Italien belauft sich nach der letzten Volkszählung vom 31. Dezember 1871 auf 26,789,008 Einwohner und hat sich seit dem Jahre 1861, wo die letzte Zahlung stattfand, um 1,716,877 E. vermehrt.

Nachdem nun 'auch noch die französische Nationalver­sammlung in die Ferien und der Präsident der kreditgroßen Re­publik nach Trouville ins Seebad gegangen ist, nachdem man im Vatikan dem Papst das öffentliche Reden verboten, und im Reichskanzleramte die socialen Konferenzen verschoben hat, ist die todte Saison auf ihre Höhe angelangt. Die französischen Blät­ter wissen sich nicht anders als durch Rückblicke auf den letzten Krieg zu helfen. DerFigaro" brächte noch vorgestern als Nachlese einen aufgefangenen Brief des Fürsten Bismark vom Tage nach Sedan die deutschen Journale dagegen stellen die weitgehendsten Betrachtungen über die Frage an, wer denn ei­gentlich den Kaiser von Rußland auf den Gedanken, nach Ber­lin zu kommen, gebracht habe. Eine Wiener Spukgeschichte sonst zu den vermischten Nachrichten gerechnet wird von be­deutenden Blättern an hervorragender Stelle ausführlich mitge­theilt und besprochen, kurz wir sitzen, was das Gebiet nennens- werther Thatsachen anlangt, so gut wie aus dem Trocknen. Ju­bel- und Erinnerungsfeste, Wanderversammlungen und Trinksprüche bilden den hauptsächlichsten Tagesstoff. (Beri.Trib.)

(Aberglaube.) Einer unserer ersten Aerzte wurde dieser Tage Abends iu eine achtbare Berliner Familie gerufen, da das Erstgeborene heftig an den Krämpfen erkrankt war. Bei seinem Erscheinen fand er bereits ein HausmittelBaldrianthee" ange­wandt, doch, da er in der Tasse, worin der Thee enthalten war, ein Stückchen schwarzen Stoffes schwimmen sah, frug er, was das sei, und erfuhr zu feinem Erstaunen, daß dieser schwarze Stoff der abgeschnittene Zipfel des Hochzeitssrackes des jungen Ehemanns war, der mit aufgekocht wurde, da der Aberglaube in der Heimath der Frau dies als einziges Mittel gegeu Krämpse bei Erstgeborenen bezeichnet. So geschehen zu Berlin im Jahre des Heils 1872.

Lokales.

Hanau, 9. August.

Wie bereits bekannt und aus demHanauer Anzeiger" Nr. 81 zu ersehen ist, sollen für die im Kriege 1870/71 gebliebenen Hanauer Votivtafeln errichtet werden. Dazu ist aber nöthig, da ß