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6., 8., 9., 11« 13., 14. und 15 Armeecorps jetzt wieder stattzu- finden. Diese Reisen, welche sonst alljährlich nach beendeten Herbstübungen, gewönhlich unter Leitung des Chefs des Generalstabes der bezüglichen Armeecorps, stattfinden und den Zweck haben, Offieieren der Armee, welche zur außerordentlichen Beförderung, zur Berwenvung im Generalstabe oder zur höheren Adjutantur empfohlen sind, Gelegenheit zu ihrer Fortbildung zu geben, sind durch die beiden letzten Kriegsjahre unterbrochen worden. Sie dauern in der Regel nicht über drei Wochen und werden während dieser Zeit die qu. Officiere als Generalstabs- officiere von Divisionen, Avantgarden, Gros- oder Seitendeta- chements verwendet, wobei die Aufträge für dieselben in Marschbefehlen, Recognoscierungen, Croquis, Relationen, Berichten über jeweilige Situationen, Aussuchen von Bivouacplätzen u. s. w. bestehen.
— Der Minister des Innern hat mittelst Erlaß vom 17. v. M. angeordnet, daß die Anstellung von Unter-Polizeibeamten in den Städten jederzeit lebenslänglich zu erfolgen habe, da eine Anstellung auf Kündigung die erforderliche Unabhängigkeit dieser Beamten bezüglich ihrer dienstlichen Stellung beeinträchtigen würde.
— Dem „Korr. V. u. f. Deutsch!." schreibt man aus Berlin: Wenn es bisher noch ungewiß war, ob auch Fürst Gort- schakoff nach Berlin kommen werde, so darf man jetzt als sicher annehmen, daß neben der Zusammenkunft der drei Kaiser auch eine Zusammenkunft ihrer ersten Diplomaten stattfinden wird.
— Um einem Auftreten der Cholera rechtzeitig vorzu- beugen, sind, nach dem „Reichs- und Staatsanzeiger" die sämmtlichen Bezirksregierungen angewiesen, die im Jahr 1866 erlasse- nen Bestimmungen, Schutzmaßregeln gegen die Cholera betreffend, wieder in Kraft zu setzen. Zugleich sollen die Polizeibehörden autorisirt werden, diese Bestimmungen auch auf alle Etablisse- ments mit größerem Menschenverkehr, wie z. B. Fabriken, aus- zudehnen, sowie auch im Einvernehmen mit den Phhsikaten die geeignetsten Desinfektionspulver vorzuschreiben.
— Frankfurt, 7. August. Heute Morgen ertappte ein hiesiger Bürger einen jungen Menschen in der Promenade als derselbe gerade beschäftigt war, anscheinend seinen ganz gesunden Arm in eine Lage zu bringen, um das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen. Hierüber zur Rede gestellt ergriff der Strolch schleunigst die Flucht. (Franks. Anz.) — (Ueberhaupt ist Vorsicht beim Ertheilen von Almosen Jedermann anzurathen, weil man gar zu oft junge arbeitsscheue Subjekte betteln sieht, die allerhand Schicksale und Gebrechen fingiren.)
— München, 4. August. DaS Collegium der Gemeindebevollmächtigten trat in seiner heutigen Sitzung dem Magistratsbeschlusse bei, wonach die Feier eines Nationalfrievensfestes nicht, wie vorgeschlagen, am 2. September, sondern am Tage des Friedensschlusses, den 10. Mai, abgchalten werden soll. Aus der Berathung der Gemeindebevollmächtigten über diesen Gegenstand berichten die „N. Nachr." folgende Scene: Herr Fleischmann fragt an, ob das Fest auch den Gemeindesäckel beanspruche. Er müsse seinem Gewissen gerecht werden; Geld dürfe das Fest nicht kosten; er achte den preußischen Bruder nicht so hoch, er habe uns unseren Antheil auch nicht gegeben. Die gewaltigste Entrüstung kommt auf allen Seiten zum Ausbruch; man hört ganz laut die Worte: „Pfui!" „Schamlos!" rc. Dem Redner wird das Wort entzogen.
— Gotha, 5. August. Das Weimarische „patriotische Institut des Frauenvereins", das in erfolgreicher Wirksamkeit seit 1817 besteht, hat sich dem Verband deutscher Frauenvereine angeschlossen. Dasselbe hat 1871 146 Industrieschulen mit 5514 Kindern und 14 Bewahranstalten erhalten; außerdem wurde eine größere Zahl Mädchen in Erwerbs- und Spinnschulen unterrichtet. Das Vereinsvermögen ist auf 75,000 Thlr. angewachsen.
— Dresden, Mittwoch, 7. August. Nach einem zehntägigen Krankenlager ist in der vergangenen Nacht, nach dem „R. u. St. A.", Emil Devrient hier gestorben.
— Auf dem weiten Schlachtfelde von Wörth erhebt sich ein Denkmal nach dem andern. So wurden am 6. August wieder zwei neue Monumente auf dem Herrenberg und bei Elsaßhausen enthüllt, die von deutschen Regimentern ihren gefallenen Kameraden errichtet sind.
— Benedek, der unglückliche Schlachtenverlierer, ist von einer schweren Krankheit genesen, die das Leben des 74jährigen Mannes sehr bedroht hatte. Es waren dies sehr heftig auftre
tende, kolikartige Krampfanfälle. Nun ist er schon so weit hergestellt, daß er seine gewohnten Spaziergänge wieder aufnehmen kann. Er soll seine Memoiren, welche eigenthümliche Schlaglichter auf die Armeeverhältnisse des Jahres 1866 werfen, bereits vollendet haben. Deren Veröffentlichung wird erst nach feinem Tode erfolgen; bis dahin befindet sich da« Werk in sicherer Verwahrung.
— PariS, 5. August. Das Journal „Bien public“ bespricht die bevorstehende Zusammenkunft der drei Kaiser von Deutschland, Rußland und Oesterreich und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß dieselbe einen wesentlich friedlichen Charakter trage und einen neuen Beweis liefere für das allgemein gefühlte Bedürfniß nach Aufrechthaltung des Friedens. Frankreich brauche sich in keiner Weise zu beunruhigen. Bei den drei in Rede stehenden Regierungen herrschen zur Stunde für uns die besten Gesinnungen. Wir wollen Niemanden beunruhigen, und Niemand denkt daran, uns zu beunruhigen. Mehr als alle anderen Mächte hat Frankreich das Bedürfniß des Friedens, und wir müssen mit Befriedigung jeden diplomatischen Schritt oder Akt begrüßen, welcher dazu dienen kann, den Frieden zu sichern und zu befestigen. (9t ^
— Fern im Süd das schöne Spanien hat bekanntlich schon seit Anfang dieses Jahrhunderts eine ganz heillose Finanzpolitik betrieben. Das Nichtbezahlen seiner Schulden ist bei ihm erwerbs- und gewohnheitsmäßig geworden. Nunmehr will ihm endlich Niemand mehr borgen. Aber die Herrn Spaniolen sind schlau. Auf die Firma „Spanien" gibt Niemand etwas mehr, so wollen sie jetzt unter der Firma ihrer Insel „Cuba" eine Anleihe aufnehmen. Das ist nun allerdings dieselbe Couleur in Grün, — aber vielleicht hilft's doch. (Setu $n6.)
— Die neue türkische Anleihe, auf Höhe von 11,126,000 Lstr. oder beiläufig 80 Millionen Thalern zu 9 Procent verzinslich, ist heute an allen Hauptbörsenplätzen aufgelegt. Der Zinsfuß ist der höchste, der jemals von einer Macht in Europa gezahlt oder wenigstens in Aussicht gestellt worden ist. Wir haben, schreibt die „Trib.", schon darauf hingewiesen, daß die Anleihe nur ausgenommen wird, um die Zinsen früherer Anleihen zu decken. Wird der Rückzahlungs-Termin inne gehalten werden können? Die Wahrscheinlichkeit ist dagegen; denn wer jedes Mal, um die Zinsen seiner Schulden zu bezahlen, neue Schulden machen muß, von dem ist die Bezahlung des geliehenen Kapitals schwerlich zu erwarten. Und hier fällt namentlich ein Punkt in's Gewicht. Die bprocentige Anleihe von 1865 im Betrage von 40 Millionen Pfd. Sterl ist auf Grund eines Gesetzes vom 17. und 29. März 1865 negociirt, in welchem es heißt, daß, abgesehen von der Zinszahlung, jedes Jahr aus den Generaleinkünften des Reichs eine Summe genommen und zur Rückzahlung der türkischen Schuld verwandt werden soll. Ein Aufsichts- rath in Konstantinopel soll ferner die Bücher des Amortisationsfonds prüfen und den Befund dieser Prüfung in den offiziellen Blättern veröffentlichen. Trotz dieser sehr deutlichen Bestimmung hat jedoch eine Rückzahlung nicht stattgefunden, obwohl seit der Emission jener Anleihe bereits 7 Jahre verflossen sind. Ebenso wenig haben die Herren Aufsichtsräthe in Konstantinopel jemals die vorgeschriebene Veröffentlichung eintreten lassen. Der Türke pflegt unter jedes seiner gerichtlichen Erkenntnisse zu setzen: „Gott weiß es besser". Auch seinem Versprechen, die Anleihen zuräck- zuzahlen, sollte er hinzufügen: „Gott weiß es besser". Das Publikum aber wird die Erfahrung, die es mit der Rumänischen Anleihe gemacht hat, hoffentlich noch nicht vergessen haben und nach dem Gesagten über den Werth der türkischen Anleihe im Klaren sein.
— Kabeltelegramme aus New-Aork vom 4. d. M. melden : Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Blaines, hat ein Schreiben an Mr. Sumner gerichtet, in welchem er dem Senator heftige Vorwürfe darüber macht, daß er die republikanische Partei verlassen, die Restauration der Demokraten unterstützt und die Neger ihren Feinden überliefert habe.
(R. u. St. A )
— Man pflegt zur Wiederbelebung Scheintodter und solcher, welche in irrespirabeln Gasen oder im Wasser verunglückt sind, das Aufträufeln brennenden Siegellacks auf die Brust in Anwendung zu ziehen. Doch sind bislang davon sehr wenige günstige Resultate beobachtet worden. Um so interessanter ist ein kürzlich vorgekommener Fall von Apoplexie der Lungen, in welchem, nachdem die Application dieses Mittels auf die Brust ohne allen