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Ein Schlachten War's, nicht eine Schlacht, das am Don­nerstag früh auf dem Felde hinter dem Viehhof zu Berlin in Scene gesetzt wurde. Von Hamburg war am Miltwoch hier ein Viehändler eingetroffen, der einen Transport von 32 Ochsen herbrachte. Schon bevor derselbe eintraf, war der Behörde die Anzeige zugegangen, deß das Vieh mit Umgehung der, wegen der Rinderpest, an der russischen Grenze angeordneten Sperre von dort eingeführt worden sei. Das sämmtliche Vieh wurde in Beschlag genommen, demnächst gelödtet und auf dem Felde vergraben. Die zu dem Transport benutzten Eisenbahnwaggons sollen ü Conto des Viehhändlers sämmtlich verbrannt werden. Der demselben dadurch erwachsene Schaden soll sich auf circa 40,000 Thaler beläuft.

Das am letzten Dienstag enthüllte Grab-Denkmal von Ad. Spieß zu Darmstadt ist nach einer Zeichnung des Herrn Kreisbaumeisters A. Louis von Bingen gearbeitet. Hr v. d. Launitz übernahm die Ausführung, die nach seinem Tode an Hrn. v. Nordheim in Frankfurt üb erging. Das Denkmal besteht aus einem Postamente von geschliffenem und polirtem Fichtelgebirg- Syenit, einem Material, welches durch seine Härte und Sprödig- keit die größten Schwierigkeiten bei der Bearbeitung bietet, durch seine Schönheit und Dauer dem Marmor jedoch vorzuziehen sein dürfte, und einer Bronce-Büste, welche die Züge des Gefeierten getreu wiedergibt.

DasKath. Bolksbl." schickt ernsthafte Schreckartikel in die Welt und man sollte meinen, das größte Unglück sei dicht vor der Thür; So schreibt es in seiner Nr. 31:Ein furchtbarer Gast, die Cholera, naht den Grenzen des Deutschen Reiches. Wie nicht allein die russischen Blätter, sondern auch die diplomatischen Vertreter am russischen Hofe melden, wüthet die Krankheit in Petersburg, und bei dem regen Verkehr der Ost­seehäfen mit Rußland ist die Gefahr der Einschleppung zunächst in die preußischen Ostseeprovinzen eine sehr große. Es fehlte noch, daß zu der Misere, welche bereits in dem Deutschen Reiche herrscht, auch noch die Cholera käme!" (Wir haben erst kürz­lich gemeldet, daß es mit der Cholera bis jetzt noch keine so große Gefahr hat. und könen auch nicht finden, welche Misere zur Zeit im Deutschen Reiche herrscht.)

Die Vorarbeiten der neu zu bauenden Eisenbahn Coblenz- Trier-Diedenhosen (früher Thionville) waren beendet, als auf militärischen Einspruch hin Aenderungen darin vorgenommen wer­den mußten, die nun die Bahn als militärisch strategisch vorzüg­lich wichtig erscheinen lassen. Dasselbe gilt von der Bahnver­bindung Diedenhosen -Metz und wird man die große Festung Metz baldigst als den Centralpunkt von sechs großen, daselbst einmün­denden Bahnen betrachten können. Der etwas gedrückte Handel nnd Wandel soll auf diese Weise mit gehoben werden.

Teplitz, 31. Juni. Mögen auch die Preise in mehre­ren böhmischen Kurorten in diesem Jahre eine bedenkliche Höhe erreicht haben, so war doch dies in Teplitz niemals der Fall; selbst zur Zeit des großen Fremdenandranges waren gut gelegene und komfortable eingerichtete Zimmer um den wöchentlichen Mieth- zins von 10 bis 15 Fl. zu haben. Jetzt stehen sehr viele Frem­denwohnungen leer, so daß man große Auswahl hat und leicht für 5 bis 10 Fl. wöchentlich Quartiere miethen kann. Teplitz ist überhaupt einer der billigsten Kurorte; denn vergleicht man die Kur- und Fremdenliste von Baden Baden, Baden bei Wien, Carlsbad, Elster, Ems, Kissingen, Marienbad, Franzensbad, Wies­baden, Homburg u. a. O. mit unserer Badeliste, so wird man finden, daß in keinem der genannten Kurorte so viele den weni­ger bemittelten Ständen angehörende Kurgäste sich aufzuhalten pflegen, wie in Teplitz. Dabei ist es selbstverständlich, daß es auch hier Hotels und Kurhäuser gibt, in denen die Preise so hoch gehalten sind, daß da nur Personen der höchsten und reichsten Stoffen der Gesellschaft leben können. Es muß eben für die Wünsche Aller gesorgt sein.

Wien, 3. August Wie die heutigeNeue freie Presse" erfährt, ist ein Erlaß der Regierung an die Lanvesbehörde er­gangen, durch welchen denselben über ihr Verhalten in Bezug auf die Niederlassung der aus Deutschland ausgewiesenen Jesui­ten bestimmte Weisungen ertheilt werden. Der fragliche Erlaß ertheilt den Behöreen unter Bezugnahme auf eine Verordnung vom Jahre 1858 die Ermächtigung, die Gründung neuer Nieder­lassungen von solchen geistlichen Orden oder Kongregationen zu- zulassen, die in Oesterreich bereits gesetzlich bestehen, unter der Voraussetzung jedoch, daß sich keine besonderen Bedenken dagegen ergeben und dem Ministerium Anzeige davon gemacht wird. Wird

jedoch durch besondere Gründe eine solche Niederlassung bedenk­lich gemacht, so ist die Angelegenheit dem Ministerium zur Ent­scheidung vorzulegen. Die Entscheidung über die Frage, ob ein­zelnen geistlichen Personen, die nicht österreichische Staatsange­hörige sind, die Niederlassung auf österreichischem Gebiete zu gestatten sei, wird dem Ermessen und dem Takle des betreffenden Statthalters überlassen. <« ". ®t..a.j

Französische Marschälle vor dem Kriegsgericht. Seit der Creirung der Marschallswürde unter Franz I. ist Bazaine der sechste Marschall von Frankreich, welcher vor das Kriegsgericht gestellt wird. Der erste war der Marschall Retz, angeklagt des LandesverrathS oder richtiger wiederholter Empörung gegen seinen Souverain, den Herzog Johann VI. von Burgund. Er wurde im Jahre 1440 gehängt und sein Leichnam verbrannt. Der zweite war der Marschall Byron, ein Freund und Waffenbruder Heinrichs IV. Ungeachtet der vielen von Letzterem empfangenen Gnadenbeweise, zettelte er gemeinschaftlich mit dem Könige von Spanien eine Verschwörung wider den ältern Bourbon an. Heinrich IV. war bereit, ihm zu verzeihen, wenn er sein Ver­brechen gestand; da er jedoch leugnete, ließ Heinrich das strenge Recht walten und Byron wurde im Jahre 1602 auf dem Greve- Platz enthauptet. Der dritte auf dem Schaffst gestorbene franzö­sische Marschall war Marsilac, welcher 1632 wegen Verschwö­rung und Meuterei gegen den Cardinal Richelieu hingerichtet wurde, dessen zweites Opfer in demselben Jahre und aus gleichen Ursachen der Marschall Montmorenci war. Der fünfte und be­rühmteste Marschall Frankreichs, welcher die Todesstrafe erlitt, war der Marsch all Ney, der wegen Verrathcs an seinem neuen Herrscher am 7. Dezember 1815 erschossen wurde. Bazaine ist sonach der einzige französische Marschall, welcher wegen schlechter Führung vor dem Feinde dem Kriegsgericht überliefert wird.

Nachdem der Großsultan und der Vicekönig von Egyp- ten den europäischen Höfen Besuche abgestattet haben, will nun, wie eS heißt, auch der Schah von Peisien nicht zurückstehen und nächstens seine europäische Tour beginnen.

New-Aork, 31. Juli. Die heute hier zusammenge- tretene Convention der Arbeiter hat sich für die Wiederwahl Grant's ausgesprochen.

Meteorologische*.

In der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag gegen |11 Uhr trat am nordwestlichen Himmel unterm Sternbild des großen Bären eine Erscheinung auf, die vielleicht von Manchem beobachtet sein dürfte und Näheres darüber zu erfahren ist. Das Firmament wurde an besagter Stelle Plötzlich ganz helle und schössen weiße brillante Strahlen, mit sekundenlanger hellrother Färbung, bis zum großen Bären, so daß das Gestirn verdüstert wurde. Die Strahlen waren von verschiedener Breite und wech­selten den Standort.d.

Lokales.

Hanau, 5. August.

Es ist vielfach die Meinung verbreitet, als trügen unsere Geldwechsler die Schuld an dem vielen holl. Silber, was allerdings hier in solchen Mengen existirt, daß es beinahe zu den Seltenhei­ten gehört, wenn bei der geringsten Zahlung Nichts von dieser Münze dabei ist. Dem ist aber ganz entschieden nicht so. Gleich wie wie bei dem Metzger das Fleisch, und bei dem Bäcker das Brod, so ist bei Bankiers und Geldwechslern Geld der Handels­artikel. Diese Herren handeln mit Geld und daß sie sich alle er­denkbaren Wege ausmachen, um Etwas mit Vortheil abzusetzen, liegt klar zu Tage und kann auch von Niemand übel genommen werden. Jeder rechtlich Denkende wird dies auf den ersten Blick einsehen und gutheißen. Da kann weder Handelskammer noch sonst eine Corporation dagegen einschreiten. Die Sache liegt ganz umgedreht. So lange nämlich von Hiesien Fabrikherren Freitag oder Samstag gegen gute Effekten und Preuß. Bankschcine holl. Silber eingewechselt und dabei 2/,1/ Gewinn eingestrichen wird, um an den Arbeiter pari bezahlt zu werden, hört dies nicht auf. Einige der Herren Fabrikbesitzer haben dieses Uebel abgestellt. Wenn Alle nachgefolgt sind, wird diesem Mißstande rasch abgeholfen sein. Es wäre zu wünschen, wenn dies bald geschehe. x

In dem Hausgarten der Frau Wwe. Meister in der Fischergaffe finden sich schon reife Trauben vor, was für diese Jah­reszeit gewiß eine Seltenheit genannt zu werden verdient.

Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 8 Zoll.

Mainwafferwärme (an der Wörner'schen Badeanstalt ermittelt) heute 14 Grad.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel.^ Waisenhauses.