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Jmhof, der Fuhrmann, und wurde injuriarum causa klagbar gegen Vater Eble. Das Schöffengerict t wies aber die Klage ab und verurtheilte den Jmhof, in die Kosten.
— Die Sauregurkenzeit. Ein mehrfach bestrafter Dieb war am 15. d. M. in Berlin dabei ergriffen worden, als er ein Fäßchen mit. sauren Gurken eSkamotirt hatte. Bor den Richter gestellt, leugnete er seine That nicht und bat nur um gelinde Abmessung der Strafe. Auf die Frage, was er mit den Gurken denn habe machen wollen, erwiderte er naiver Weise: „Ja, Herr Gerichtshof, wat soll man machen? Et is ja jetzt 'mal die Sauregurkenzeit." Das Gericht gewährte dem Mifftz- thäter 4 Wochen Zeit, um während der Saurengurkenzeit sich -in die Einsamkeit des Staktvoigteilebens zurückzuziehen.
— Der unerquickliche Krieq, der seit einigen Tagen in Sachen des Hannöverschen Schützenfestes zwischen Berliner und Wiener Blättern geführt wurde, scheint glücklich beendet zu sein und man wird vielleicht letzt, wo die Aufwallung vorüber ist, auch in Wien über die Sache kühler und objektiver zu denken beginnen. Der ganze Streit wäre vermieden worden, wenn man in Oesterreich von vorn herein die Bedeutung des Schützenfestes nicht überschätzt hätte. Nur weil man sich einbildete, eine politische That zu verherrlichen, mußte die kühle Haltung der deutschen Presse wie ein Sturzbad auf den Sanguinismus des Oester- reicherthums wirken. Daß übrigens die journalistische Verstimmung sich nicht in höhere Kreise fortgepflanzt hat, beweist die Zuvorkommenheit, mit welcher der deutsche Kronprinz vor wenigen Tagen vom Kaiser Franz Joseph in Jschl ausgenommen worden ist, — wiederum ein Grab so mancher theuren ultra- montanen Hoffnung. lB«i. Trib.)
— Vom Hannöverschen Schützenfest theilt die „Hess. Morgen-Zeitung" Folgendes mit: Die Herren Hoteliers scheinen sich bei diesem Fest nicht schlecht gestanden und, getragen von natio« naler Begeisterung, recht hübsche Rechnungen gemacht zu haben. Mir liegt eine solche aus dem Hotel zum deutschen Hof (Poppe) Vor. Darnach haben 6 Personen (5 Erwachsene und 1 Kind von 9 Jahren) für zwei Zimmer in der zweiten Etage (eine zweifenstrige Stube und eine Kammer ohne Fenster), in welchen 6 Betten standen, ä Person und Nacht 3 Thlr., für zwei Nächte also 36 Thlr., buchstäblich sechs und dreißig Thaler zahlen müssen. Dabei sei ausdrücklich bemerkt, daß dieser Preis lediglich für das Zimmer war. Kaffee rc ist besonders berechnet.
— Herr Landrath von Kcffenbrinck zu Grimmen veröffentlicht unterm 18. Juli folgende Bekanntmachung über den Verlust des Böckler'schen Kindes: Wenn auch die aus Zigeunern und einheimischen Vqgabunden bestehende Bande, die das Kind des Domainenpächters Böckler zu Treuen, im Kreise Grimmen, geraubt hat, am 9. Juli zu W a r t i e n unweit Stettin bereits arretiert worden ist, so ist es doch noch nicht gelungen, in den Besitz des geraubten Kindes wieder zu gelangen; ein Mord ist an demselben nicht begangen worden; das Kind ist vielmehr kurz vor Arretirung der Bande in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli von derselben weiter fort geschickt worden und wahrscheinlich einer andern Bande übergeben worden. Es wird daher dringend gebeten, mit allen Kräften nach dem Verbleib des Kindes zu recherchiren, und wenn möglich, sich desselben zu bemächtigen, auch mit den Nachforschungen nicht eher inne zu halten, bis amtlich conflatirt worden, haß das Kind wieder aufgesunden wordey ist, da in den Zeitungen auch unrichtige Angaben vielfach Ausnahme finden.
Der Vater des KindeS hat Demjenigen, der ihm in den Besitz desselben verhilst, eine Belohnung von 500 Thalern zugesichert. ... -
Um möglichste Verbreitung dieser Bekanntmachung wird gebeten, auch wird Jedem, der Mitthezlungen über den Verbleib des Lindes zu machen gewillt ist — wenn es gewünscht wird — völlige Verschwiegenheit z'ügestchert.
Signalement des Kippe«: Alter H Jahr, Statur groß, Augen blau, Stirn rund, Gesichtsfarbe von.der Sonne gebräunt, Haar hellblond, im Nacken kurz geschnitten, FÜße und Hände klein. Besondere Merkmale: Schnittnarbe unter der linken Brustwarze.
lMadderadatfch.)
— Ein Pariser Weinhändler, der augenscheinlich an eine baldige „Rache" glaubt, verkauft große Quantitäten Burgunder in den beiden annectirten Provinzen unter der Bedingung, daß die Bezahlung verschoben werden kann, bis die Einwohner ihre verlorene Nationalität wiedererlangt haben. (Die betreffenden sollen flott kaufen, weil sie dann jedenfalls nie Zahlung zu leisten brauchen.)
— Die Gesammtzahl der Auswanderer im Jahre 1871 auS den Häfen des Vereinigten Königreichs, wo Regierungs-Aaenten stationirt sind, beläuft sich auf 252,435 Personen, worunter 74,010 Frauen und 49,938 Kinder sich befanden. Landwirihichafllicde und sonstige Taglöhner lieferten einen Zufluß von 57,542 Personen, dazu kamen 10 632 weibliche unverheirathete Dienstboten, 1457 Gouvernanten, 353 Putz- und Kleidermacherinnen, 8053 Landwirthe, 5672 Bergleute, 1112 Handlungs - Commis und 10,308 Kaufleute, Aerzte, Advokaten u. s. w. Der Rest bestand aus Handwerkern aller Gattungen und Personen ohne jede bestimmte Beschäftigung.
Lokales
Hanau, 29. Juli.
— Die gestrige Uebergabe und Einweihung des Steigerhauses an die hiesige Feuerwehr gestaltete sich für dieselbe zu einem wahren Festtage. — Im Laufe des Vormittags trafen aus folgenden benachbarten Städten Feuerwehrmänner ein: aus Alzenau, Aschaffen- burg (eine Deputation), Gelnhausen, Orb und Wächtersbach, im Ganzen ca. 150 Mann, welche von dem Empfangscomite an der Bahn abgeholt und in daS Hauptquartier (Beck's Bierbrauerei) geleitet wurden, woselbst sich im Laufe des Vormittags ein heiteres Bild entwickelte: alte Bekannte begrüßten und herzten sich und neue Kameradschaften wurden geschlossen rc. Gegen V,3 Uhr versammelte sich die hiesige Feuerwehr am Spritzenhause, holte ihre fremden Kameraden mit Musik aus dem Hauptquartier ab und geleitete dieselben durch die dekorirtc Lang- und Rosengasse rc, nach dem neuen Steigerhause. Herr Oberbürgermeister übergab mit würdigen Worten dasselbe der Feuerwehr und der stellvertretende Ob-rkom- mandant, Herr Philipp Störger, erwiderte dankend. Hierauf fand ein Schulexercitium der Steigermannschaft statt, welches äußerst präcis nur nach dem Signale ausgeführt wurde, so daß die fremden Steigermannschaften ryre Verwunderung ausdrückten, ebenso verlief ohne alles Commando die Uebung der Gesammtseuerwehr;. das nöthige Wasser zum Spritzen wurde auS dem s. g. Pferdegetränk herbeigeschafft und genügten 6 Minuten, dasselbe zum Steigerhause zu schaffen. — Nach der Uebung zogen sowohl die hiesigen Feuerwehrmannschaften als Festgäste mit Musik zum Bcck'schcn und Nikolay'schen Felsenkeller, wo dieselben in der heitersten Stimmung und im Austausch der Gedanken verweilten, bis das Dampfroß die Gäste am späten Abend in ihre Heimath fortführte. — Nochmals sei erwähnt, daß alle Uebungen davon Zeugniß ablegten, daß die Feuerwehr unter tüchtiger Leitung steht und ein jeder einzelne Mann mit Lust und Liebe seinen Beruf erfüllt.
Zu bedauern war nur, daß von Seiten des verchrlichen Stadtvorstandes bei diesem durchaus wichtigen Akte, außer dem Herrn Oberbürgermeister, nur ein Mitglied vertreten war. —d.
— Gestern Abend scheint die Neustädter Rathhaus-Uhr Strikt gemacht zu haben, weil dieselbe nicht beleuchtet war und es dürste daher Mancher, welcher nicht wußte, wie viel Uhr es ist, zu entschuldigen sein, wenn er etwas später als gewöhnlich nach Hause kam. —d.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 8 Zoll.
— Mainwasserwärme (an der Wörner'scheu Badeanstalt rmittelt) heute 21 Grad.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des Vereinigten evangel. Waisenhauses.
Klagen wegen später oder unregelmäßiger Ueberlieferung des „Hanauer Anzeigers" bittet man im Expeditions-Lokal (Waisenhausverlagsbüreau, Hammergasse Nr. 9), anzumelden.
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