SOS
Sebiffsnachrichten. Newyork, «T Juli.
(Per transatlantischen Telegraph.)
Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Nemesis, Capt. K. von Emster, welches am 25. Juni von Bremen und am 28. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.
(Mitgetheilt durch Hauptagent Ad. Treusch, Vorstadt 22, Hanau.)
Ankunft und Abgang der Kosten.
Botenpost zwischen Hanau und Groß-Steinheim.
Hanau^ ab 12 U. 45 M. Nchm.
Groß-Steinheim an 1 „ 45 „ „
Groß-Steinheim ab 1 „ 50 „ „
Hanau an 2 „ 50 „ „
I. Botenpost zwischen Hanau und Großauheim.
Hanau ab 7 U. 30 M. Vorm.
Groß-Auheim
an 8 „ 30 „
Groß-Auheim
ab 9 „ 30 „
Hanau
an 10 „ 30 „
II. B o t e n p o st
zwischenHanau und
G r o
ß -Auheim.
Hanau
ab 6 U. 30 M. Nach«.
Groß-Auheim
an 7 „ 30 „
Groß Auheim
ab 8 U. 30 M. Nachm.
Hanau
an 9 „ 30 „
Personenpost
zwischenHanau und
Ried
erwöllstadt.
Hanau
ab 7 U. — M. Vorm.
Windecken
an 8 „ 25 „ ,
Heldenbergen
» 8 „ 45 „
Niederwöllstadt
„ 9 „ 55 „ „
Niederwöllstadt
t ab 6 „ — M.
Vorm.
Heldenbergen
an 7 „ 5 „
ff
Windecken
„ 7 „ 25 „
Hanau
. 8 , 55 „
Personenpost zwischen Hanau und
Marköbel.
Hanau
ab 6 U. 30 M.
Nachm.
Marköbel
an 8 „ 15 „
Marköbel
ab 5 „ 45 „
früh
Hanau
an 7 „ 30 „
PP
H.ersonenpost zwischenHanau und
H
eldenbergen.
Hanau
ab 6 11. 45 M.
Nachm.
Windecken
an 8 „ 10 „
w
Heldenbergen
„ 8 „ 30 „
Heldenbergen
ab 6 „ — ,
früh
Windecken
an 6 „ 20 „
PP
Hanau
„ 7 „ 45 .
Vermischtes.
— Das General-Postamt hat, dem „R. u. St.-A." zufolge, die Postanstalten davon benachrichtigt, daß einer neueren Mittheilung der Französischen Ostbahngesellschaft zufolge Fahrpost- sendungen nach ganz Spanien zur Beförderung im Transit durch Frankreich wieder zulässig sind. Die genannte Eisenbahngesellschaft hat jedoch erklärt, daß sie für den Fall des Verlustes oder der Beschädigung der Sendungen auf den spanischen Beförderungsstrecken eine Ersatzverbindlichkeit nicht übernehmen könne.
— Nachdem die Ratifikationen des unterm 2. März d. J. geschlossenen Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Deutschland und Portugal am 26. Juni d. J. in Lissabon ausgetauscht worden sind, findet vom 26. d. Mts. ab der Zollsatz von 2 Thlr.
20 Sgr. oder 4 Fl. 40 Kr. vom Centner auf portugiesischen Wein Anwendung. t^- u- ®t-=$ )
— Wir lesen im „Franks. Anzeiger": Ein Knabe rutschte, wie es gar häufig zu geschehen pflegt, auf der Friedbergergaffe dem Stiegengeländer herunter und stürzte herab, wobei er sich leider lebensgefährliche Verletzungen zuzog. (Dabei sei noch bemerkt, daß der vor längerer Zeit im hiesigen Waisenhause auf dieselbe Weise verunglückte Knabe, an dessen Aufkommen man anfänglich zweifelte, wieder hergestellt ist.)
— Marburg, 12. Juli. Die im Herbste jeden Jahres stattfindenden Dispositions - Beurlaubungen von Mannschaften zweijähriger Dienstzeit bieten der „Oberh. Z." zufolge ein Mittel, auch Gesuche um vorzeitige Entlassung solcher Leute, denen zwar Billigkeitsgrüude in den häuslichen Verhältnissen zur Seite stehen, welchen es aber anderseits an einer streng gesetzlichen Begründung fehlt, berücksichtigen zu können. Höherer Anordnung zufolge sollen derartige Gesuche von den Landräthen zu einer bestimmten Zeit den betreffenden Truppentheilen zugesandt werden. Deshalb mögen alle diejenigen Personen, für welche die vorzeitige Entlassung ihrer Söhne, häuslicher Verhältnisse wegen, nothwendig ist, ihre desfallsigen Gesuche (stempelpflichtig mit 5 Sgr.), in welchen die Verhältnisse sehr genau geschildert und die pon der Ortspolizeibehörde hinsichtlich der Richtigkeit der Angaben beglaubigt sein müssen, dem Landrathe des Kreises einreichen.
— Hannover, 14. Juli. Gestern wurde hier das deutsche Bundesschießen eröffnet, zu welchem Gäste aus Oesterreich und Amerika eingetroffen sind. Heute fand unter jubelnden Zurufen der Bevölkerung der Festzug statt. Ein bei dem Feste im Odeon auf Se. Majestät den Deutschen Kaiser und auf den Reichskanzler Fürsten von Bismark, als die Grüder der deutchen Einheit, ausgebrachtes Hoch fand die allseitigste enthusiastische Aufnahme.
— Nach dem „Boten der Urschweiz" droht der Gemeinde Alpthal in der Schweiz ein schweres Unglück, vielleicht ein Schicksal ähnlich demjenigen von Goldau, wenn nicht durch rechtzeitig angeordnete Vorsorge die wünschbare Abhilfe geleistet werden kann. Seit dem anhaltenden Regenwetter dieses Frühjahrs und Vorsommers wurde die Bemerkung gemacht, daß eine Hochebene unterhalb der Stockfluoh (Riedboden) sich zu stoßen und zu schieben begann, so daß der Boden sammt Holz und einzelnen „Eschen" stellenweise schon mehrere Klafter weit vom früheren Standpunkte verschoben wurde und nach abwärts in directer Richtung nach dem Dörflein sich bewegt; in den letzten Tagen
soll sich die Gefahr noch vermehrt haben, so daß ernstliche Befürchtungen entstehen. Letzten Montag wurde aus Anordnung der Gemeindevorsteher ein allgemeines Frohntagwerk angeordnet, an welchem sich fast alle arbeitsfähigen Bürger der Gemeinde betheiligten. Der Boden, der sich in Bewegung gesetzt hat, soll sich auf ca. eine halbe Stunde Länge und auf cie Breite eines Büchsenschusses erstrecken; wie tief das rutschende Terrain sich bewegt, konnte noch nicht ermittelt werden. Wenn das Wasser, welches sich durch die Hochebene hindurch zieht und theilweise versickert, rechtzeitig und vollständig abgeleitet werden kann, so hofft man für dermalen größere Gefahr abwenden zu können.
— Gumbinnen, Freitag, 12. Juli. In der vergangenen Nacht ist es den Sicherheitsbehörden endlich gelungen, den wegen seiner Raubzüge in letzter Zeit viel genannten Schettulat zu verhaften. — Von demselben erzählt auf Grund von Pcivatmitthei- lungen aus dem Kreise Heydekrug die „Pr.-8. Ztg." folgende Anekdote: Räuberhauptmann Schettulat langt eines Abends sehr spät auf einem ärmlichen Ausbau, deren es in dortiger Gegend bekanntlich zu Hunderten auf den Feldern gibt, an, gibt sich dem Bauer zu erkennen und fordert ein gutes Nachtquartier. Nachdem er dieses erhalten, erklärt er dem sehr freundlichen Wirth, daß er auf der sehr eiligen Reise sein gefülltes Portemonnaie verloren habe und ihm augenblicklich nichts bezahlen könne; indeß fragte er ihn nach kurzem Besinnen, was er in seiner Wirthschaft sich wohl noch wünschen möchte. „Ach, Herr," erwiderte Jener, „ich habe nur eine Kuh und wünsche mir nur noch eine zweite." „Gut," sagte Schettulat, „Du sollst noch zwei Dir anschaffen," schreibt mit Bleistift einen Zettel an den in der Nähe wohnenden reichen Gutsbesitzer H.: „Zahlen Sie dem Ueberbringer dieses 50 Thlr., er braucht so viel, um sich zwei Kühe zu kaufen. Thun Sie das nicht, dann werde ich mir von Ihnen das Zwanzigfache holen," und verabschiedete sich. Herr H. soll dem Bauer den Betrag auf Heller und Pfennig ausgezahlt haben. Aus diese Weise ist's schon erklärlich, daß es schwer halten mußte, den Herrn Räuberhauptmann einzufangen.
— Paris, 15. Juli. Bei dem in La Fert6 sons Jouarre am Jahrestage der Zerstörung der Bastille stattgefundenen Bankette sprach sich Gambetta in seiner Tischrede für ein inniges Zusammengehen aller Republikaner gegen die Feinde, welche sie zu entzweien trachteten, aus. Er betonte ferner den durchaus konservativen Charakter der Republik und hob vor Allem die Nothwendigkeit hervor, eine Politik der Versöhnung einzuschlagen, indem man dieses Werk durch Ertheilung einer Amnestie kröne. Aehnliche Bankette, welche für Paris, Lyon, Marseille in Aussicht genommen waren, sind verboten worden. t$t u. St. A.)
— Aus der Schule. Lehrer: Nun sag mir einmal, August, ein Hauptwort in der Einheit und dasselbe Wort auch in der Mehrheit? August: „Kümmel — Doppelkümmel."
Lokales.
Hanau, 16. Juli.
— Gestern Abend verweilte Herr Universitätsmusikdirektor Wickler von Gießen hier, um die Probe über folgende Chöre: