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Vermischtes.
— Berlin, 22. Juni. Ueber den am 19. Juni mit Luxemburg abgeschlossenen Postvertrag hört man noch, daß danach auch Briefe mit Werthangaben bis zum Betrag von 1200 Thlr. gewechselt werden können. Der Donnerstag den 20. mit Luxemburg abgschlossene Telegraphenvertraz soll schon am nächsten 1. Juli in Kraft treten. Die drei Zonen von 5, 10, 15 Sgr. sind beibehalten. Die Transttgebühren von Luxemburg nach Oesterreich sind von 2 Fr. auf 1 Fr. 50 Cent, herabgesetzt, von Luxemburg nach den Niederlanden und der Schweiz von 1 Fr. 50 Cent, auf
1 Fr. Im Uebrigen sind die bisherigen Tarifbestimmungen beibehalten. 3t8,)
— Fürst Bismark ist von seinem chronischen Leiden zwar nicht ganz befreit, erfreut sich im Uebrigen aber in Varzin eines guten Befindens und führt mit Behaglichkeit das Leben eines thätigen Gutsbesitzers, das er, wenn er bloß seine Neigung befragte, vielleicht jedem anderen vorzieyen würde. Von seinen Räthen ist Lothar Bücher bei ihm und wird im Juli von Aegidi abgelöst werden.
— Wie der „B. B.-C." vernimmt, hat Herr Schulze- Delitzsch sein Manvat als Mitglied des Abgeordnetenhauses wegen zu angestrengter ArbeitSthätigkeit, welche in den letzten Jahren neben der parlamentarischen Pflichterfüllung sein Amt als Anwalt der deutschen Genossenschaften für ihn herbeiführte, niedergelegt; das Mandat als Reichstags-Abgeordneter wird er beibehalten.
— Dortmund, 23. Juni. Verschiedene heute Vormittag Statt gehabte Versammlungen von Bergleuten in Bezug auf die Strikefrage im dortmunder Bezirk, darunter eine General- Versammlung der dortmunder Bergleute, verliefen in ruhiger und versöhnlicher Weise. Man glaubt daher, daß im hiesigen Bezirk einem Massen-Strike vorgebeugt werden kann.
— Es gibt Krieg, so erzählen die Leute in Lothringen. Ueber den Grund schreibt man dem „Niederrheinischen Kurier" in Straßburg: „Ein Pfarrer hat vorigen Sonntag der „Cöln. Ztg." zufolge berichtet, im Hollerloch sei die heilige Jungfrau mehreren Personen erschienen und habe, sich gen Deutschland wendend, ihr Taschentuch herausgezogen, um sich die Thränen zu trocknen — nach Frankreich blickend, aber ein heiteres Antlitz gezeigt und ihre Arme verlangend dorthin ausgestreckt."
— Metz, 17. Juni. Nach der M. Z. ertrank letzten Samstag im Militairbade ein Soldat des 42. Regiments, welcher einen dem Tode des Ertrinkens nahen Kameraden retten wollte; dieser wurde nachträglich wirklich gerettet; der zur Hülse geeilte büßte seinen Edelsinn mit dem Leben.
— Auf einem holländischen Schiffe „Helene" revoltirten die Matrosen, als das Schiff eben bei Cuxhafen in See stechen wollte, und bedrohten den Capitän mit Gewaltthätigkeiten. Es gelang indeß dem Bedrohten, vom Lande Hülfe herbeizurufen, so daß die Meuterer gefangen genommen und der Hamburger Staatsanwaltschaft überliefert werden konnten.
— Rom, 19. Juni. Die Nationalbank hat die Handlswelt mit der Anzeige überrascht, daß sie die Oiscontirung von Anweisungen auf Rom, Florenz und Livorno vom 19. d. M. ab einstellen werde. „Die Maßregel ist von großer Bedeutung," sagt Fanfulla, „aber wir begrüßen sie mit Vergnügen, wenn sie dazu dienen soll, der Ueberschwemmung mit Papiergeld der römischen Bank, unter welcher wir leiden, einen Damm entgegen- zusetzen. Da diese Billette außerhalb Roms nicht an den Herrn zu bringen sind, so machten dieselben den Verkehr unserer Provinz mit dem übrigen Königreiche fast zu einer Unmöglichkeit." Die Regierung hat eine Commission ernannt, welche untersuchen soll, wie die Emission der römischen Bank eingeschränkt werden könne.
(Cöln. 3tq)
— Zu dem großen Musikfest in Boston sind etwa 180 Gesangvereine Amerikas mit 20,000 Mitgliedern erschienen. Das Orchester zählt 2000 Instrumente und zwar 250 erste Geigen, 200 zweite Geigen, 150 Bratschen, 100 Violoncellos, 100 Bässe, 24 Flöten, 24 Clarinetten, 20 Oboes, 20 Fagotts, 25 Hörner, 32 Posaunen, 6 Tubas, 6 Pauken, 14 große Trommeln, 4 Becken, 1 Riesentrommel, 1 Riesentriangel u. s. w. Nach dem aufgestellten Programm sollen 5000 Sopranstimmen die Arie L'Es- perance aus Halevh'S Oper „der Blitz" mit Begleitung von 50 Flöten singen, ferner werden 5000 Altstimmen Hänvels „Lascia
chio pianga“ und 5000 Bassisten Mozart« Priesterchor aus der .Zauberflöte" dem Publikum zu Gehör bringen. Das eigen» für dieses Concert erbaute eiserne Colosseum hat eine Länge vpn 600, eine Breite von 400 und in der Mitte eine Höhe von 130 Fuß.
— Der Verweser deS deutschen Consulats in Iakuhamg (Japan) hat dem Fürsten Reichskanzler einen Bericht über den Handel mit Seidenraupen-Eiern erstattet, welcher Bericht jetzt den einzelnen Bundes-Regierungen zur Kenntnißnahme mit getheilt worden ist, damit sie erfahren, welche Maßregeln die japanische Regierung getroffen hat und die Angehörigen der deutschen Staaten sich vor Schaden wahren können. Auch sind Facsimiles der von der japanischen Regierung angeordneten Stempel beigefügt und alle übrigen nothwendigen Erläuterungen noch gegeben.
Wochenschau.
Vergangene Woche war die Börse ziemlich geschäftSlos, es fehlte an aller Anregung auf jedem Gebiete des Geschäfts, besonders auf spekulativem; die Tendenz war in Folge dessen eine schwankende.
Auch diesmal fehlte es an Gründen der Beunruhigung nicht. Die Alabamafrage trat wieder, aber in veränderter Gestalt, auf, indem sich das Gericht verbreitete, daß nuu das Genfer Schiedsgericht sich dem Wunsche Englands auf Vertagung widersetzen wolle. Viel größeren Einfluß als erwähnte Frage übt aber der Umstand aus, daß die französische Regierung beabsichtigt, ihre Milliarde-Anleihe früher an den Markt zu bringen, als man allgemein erwartete.
Von dieser Riesenanleihe werden die deutschen Märkte wahrscheinlich nur vorübergehend in Anspruch genommen, da das Geld in kolossalen Quantitäten wieder an dieselben retour fließen und die vielleicht momentan eintretende Geldnoth vielleicht in eine Geldabundanz umwandeln wird.
Daß dieser Emission ein zu großes Gewicht beigelegt ist, davon zeugt die Diskonloherabsetzung der Englischen Bank, welche gewiß nicht erfolgt sein würde, wenn das bedeutende Institut, das jedenfalls genaue Kenntniß der schwebenden Unterhandlungen hat, eine Rückwirkung auf den Markt befürchtete. Vielmehr würde in diesem Falle die Bank zu einer Erhöhung des Zinsfußes geschritten sein.
Aufs Einzelne übergehend, können wir in Bezug auf Anlagepapiere berichten, daß die Stimmung hiefür zwar eine günstige war, doch der Umsatz in denselben weit hinter dem in der vergangenen Woche zurückblieb.
B sonders fest hielten sich Staatsfonds. Bundesanleihe (sie wird am 1. Novbr. a. c. zur Rückzahlung gelangen) waren kaum im Verkehr. Süddeutsche Obligationen werden immer noch als Kapitalanlage benutzt. Spanier, für die nur wenig Nachfrage stattfand, büßten die in vergangener Woche erzielte Avance wieder ein.
Loospapiere und Prioritäten wenig gesucht.
Was den Eisenbahnakcienmarkt betrifft, so bot dieser wenig Interesse. Die Kauflust auf demselben ist fast ganz dahin, wie dies das leblose Geschäft in vielen Bahnpapieren beweist. Es ist dies auch natürlich, denn so starke und fortwährende Mindereinnahmen, wie sie bisher stattgefunden haben, mußten die Spekulanten verstimmen und den Aktien die Aufmerksamkeit entziehen. Es fanden große Blancoverkäufe statt und diese drückten den Eours mehrerer Papiere, besonders Lombarden und Staatsbahn, welch letztere im Anfang der Woche Courssteigerung gehabt hatten. Nordwest schwächer. Galizier angeboten.
Für Banken war die Stimmung eine ausgezeichnete und mehre derselben hoben ihren Cours bedeutend. * Eff.kten- und Wechselbank 121t, Bankverein 134z.
In Wechseln wenig Veränderung. London und Paris gesucht. Wien etwas höher.
Sorten unverändert. Napoleons gesucht.
Anfangs nächster Woche steht die Subscription der Eisen- bahngesellschaft Gera-Greiz-Plauen bevor.
Geld flüssig; doch fürchtet man eine Anziehung desselben in Folge der vielen bevorstehenden Emissionen.
Mitgetheilt durch Gebrüder Steru hier.