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Vermischtes.

Berlin, 19. Juni. Bei dem hiesigen Stadtgerichte schwebt zur Zeit, demSaling'schen Böisenbl." zufolge, ein Prozeß von ganz enormer Höhe. Es haben nämlich einige in Mannheim ansässige Kaufleute das deutsche Reich um Zahlung von 200.000 Thlr. verklagt, und zwar für Holz, welches sie an Frankreich für Elsaß geliefert haben, als letzteres noch ni! t an Deutschland gefallen war. Dieselben behaupten, daß der jetzige Besitzer des Landes und nicht der Besteller und Abnehmer des Holzes für dessen Zahlung aufkommen müsse, da das Holz im Interesse und zum Wu^en des Landes verwendet worden sei.

Berlin, 20. Juni. Reg -Präsident v. Bardeleben ist zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt worden. Herr v. Bardeleben wurde bekanntlich zugleich mit Herrn v. Auerswald unter dem Ministerium Manteuffel zur Disposition gestellt und erst vor einigen Jahren durch Ernennung zum Reg.-Präsidenten in Aachen reactivirt.

Berlin, 21. Juni. Die Verluste des Sanitäts-Corps des mobilen Heeres während des letzten Krieges sind nun auch festgestellt worden und haben (mit Ausschluß Würtembergs) fol­gendes Ergebniß gehabt: Gefallen sind 7, ihren Wunden erlegen 4, an Krankheiten gestorben 33 und in Folge des Sturzes mit dem Pferde 2 Aerzte; verwundet wurden 63, Verletzungen erlitten durch Sturz aus den Wagen und Eisenbahn-Zusammenstoß 2 und durch Unvorsichtigkeit 1. Der Charge nach wurden ver­wundet: 6 Oberstabs- und Regimentsärzte, 26 Stabsärzte, 23 Assistenz- und 8 Unterärzte. Verletzungen durch Unglücksfälle betrafen einen Generalarzt und 2 Assistenzärzte. Nach dem Zu­wachse, welchen das ReichSheer durch das 14. und 15. Armee- CorpS erhalten hat, beträgt der Friedensetat des Sanitäts Corps: 1 Generalstabsarzt (Dr. Grimm), 16 Generalärzte, 58 Ober­stabsärzte mit Majors- und 173 mit Hauptmannsrang, 351 Stabsärzte, 249 Assistenzärzte mit Premier Lieutenants und 432 mit Seconde-LieutenantSrang.

Vorn 1. Juli ab beträgt nach dem Reicks- und Staats- anzeiger das Porto: a) für frankirte Briefe nach Konstantinopel 2J Groschen, bezw. 9 kr. für je 15 Grammen, b) für unsran- kirte Briefe aus Konstantinopel 4 Groschen oder 14 kr. für je 15 Grammen, c) für Postkarten nach Koustantinopel 1 Groschen bezw. 4 kr. pro Stück, d) für Drucksachen | Groschen bezw. 3 kr. für je 50 Grammen.

Essen, 19. Juni. Die Zahl der Zechen, deren Ar­beiter striken, beträgt bereits 47, und dürfte jetzt die Zahl der Stickenden auf ca. 20 000 angewachsen sein. Die von den Berg­werksbesitzern abgewiesenen Forderungen sind 1) Erhöhung des Lohnes bei Kohlen- und Sternarbeit um 25 pCt. und daher An­nahme eines Normal-Schichtlohnes von 1 Thlr. 10 Sgr. bei Arbeiten, wo sich keine bestimmten Löhne vereinbaren lassen, z. B. bei nasser Arbeit, Wetter rc.. 2) Festsetzung der ArbeilSz.it von 8 Stunden pro Schicht (incl. Ein und Ausf chren); 3) Wegfall des Beiladens (Auffüllung der Wagen); 4) Lieferung der Kohlen für Haus- und Heerdbrand zum Preise von 2| Sgr. pro Scheffel.

Zufolge dem neuesten Ausweise des Arnunawtes betrug die Gesammtzahl der im Londoner Districte auf öffentliche Kost-n verpflegten Armen am Schlüsse der vorigen Woche 106 622 Per­sonen, von denen 32,131 in den ve schiedenen Armerbänsern ume, gebracht waren, während 74 491 von diesen Unterstützung bezogen. Verglichen mit den entsprechenden Wochen der Jahre 1871, 1870 und 1869, stellt sich die Abnahme der verpflegten Armen um r.sp. 18,653 25,429 und 21,298 heraus.

Zur Erklärung des Vorgehens der deutschen Regierung in Hailh hört die Ostsee-Z., daß vor längerer Zeit ein Consor- tium deutscher Kaufl ute, welches dort Bergwerke besitzt, von der Negerregierung die Erlaubniß zum Bau einer Eisenbahn von den Minen nach der Küste erhielt. Als aber die Bahn vollen­det war, wellie die Regierung den Betrieb derselben nicht gc- ftatten. unter dem Verwände, sie habe nur den Bau, nicht aber den Betrieb concessionirt.

Aus Lemberg wird unterm 6. Juni geschrieben:Vor­gestern starb hier eines plötzliche Todes die Gattin des beim ana komischen Kabinette der medicinischen Fakultät bediensteten Auf­sehers Fuchs. Der plötzlich ohne alle körperliche Beschädigung erfolgte Tod der Frau veranlaßte die Obvuction der Leiche, bei der jedoch anfänglich die Aerzte die Ursache des Todesfalles kei­

neswegs zu constatiren vermochten. Bei genauer Besichtigung der Leiche gewahrte man indeß in der Herzgegend der Brust ei­nen unmerklichen rothen Fleck, der ungefähr einem Flohbisse ähn­lich sah. Ulan untersuchte sogleich diese Stelle und fand auch richtig im Herzen eine abgebrochene Nadelspitze. Der mit der Anatomie des Körpers offenbar vertraute Mörder hat fein Atten­tat wahrscheinlich zu einer Zeit verübt, als fein Opfer in Schlaf versunken war. Der That dringend verdächtig erscheint der Gatte der Verstorbenen, der bereits gefänglich eingezogen wurde."

Straßburg, 22. Juni. Die Straßburger Z-itung bringt eine Bekanntmachung des Oberpräsidenten v. Möller, in welcher die Statuten der am 18. März concessionirten Actien- Gesellschaft für Boden- und Communalcredit in Elsaß-Lothringen veröffentlicht werden. Der Sitz der Gesellschaft ist Straßburg. Das Actien-Capital beträgt 12 Millionen Francs. Zum auf- fichtübenden Regierungs-Commissar ist der würtembergische Re- gierungs-Assessor Eberbach ernannt worden.

Aus Paris kommen in neuester Zeit wieder mancherlei Klagen über die unerträgliche Behandlung der Deutschen. Der bekannte Schriftsteller Arthur Levisohn. der Korrespondent der Kölnischen Zeitung, hat endlich doch seinen Aufenthalt daselbst aufgeben müssen, da ihm von verschiedenen Seiten gleichzeitig Forderungen zum Zweikampf zugingen. Dr. Levisohn wird nun­mehr das gedachte Blatt in Wien vertreten und von dort aus mit Korrespondenzen versehen.

In den Verhandlungen zwischen Thiers und Herrn von Arnim ist bis auf einen Punkt volles Einvernehmen erzielt worden. Dieser einzige Punkt allerdings von nickt geringer Wichtigkeit betrifft die Frage, ob die Okkupationsarmee im Verhältniß zur Evakuation verringert werden soll oder nicht. Herr Thiers besteht natürlich auf dieser Verringerung und es ist, wenn Deutschland einmal die Territorialgarantie fallen läßt, wohl kaum anzunebmen, daß dies Verlangen auf Widerstand stoßen sollte, zumal die Vortheile auf beiden Seiten sind. Die allge­meine Dienstpflicht in dem neuen Armeegesetz hat eine sonderbare Zusatzklausel erhalten, die den Beweis liefert, daß es den Franzosen, wie immer, auch hier wiederum mehr um die Form als um die Sache zu thun ist. Der Kriegs­minister soll nämlich das Recht haben, diejenigen Soldaten, welche gehörig einexerzirt sind, schon nach sechs Monaten zu beurlauben. Das ist in der That nichts Anderes, als die in verkappter Form wieder auftauchende Substitution und man irrt sehr, wenn man in dem neuen Gesetz eine so durch­greifende Reform des französischen Heerwe'ens erblickt, als man sich dort den Anschein geben möchte. Nach den neuesten Nach­richten soll die öffentliche Subscription auf die neue Anleihe Mitte Juli oder Anfang August bginnen. Die Höhe derselben soll drei Milliarden, der Emissionscours 83 oder 84 betragen, die Hälfte von Banquierhäusern bereits übernommen sein. cTrib.)

Lokales.

HanaU, 24. Juni.

Gestern hielt der Mittelrheinische Buchdruckerverband seine 8. Hauptversammlung dahier in dem Gasthause zur Post ab. Ver­treten waren durch 14 Delegirte die Ortsvereine Darmstadt, Gießen, Heidelberg, Ludwigshafen und die kleineren pfälzischen Orte, Mainz, Wiesbaden und Würzburg rc., außerdem waren anwesend 5 Com- missionsnütglieder und mehrere Gäste. Die Verhandlungen dauerten von Morgens 10 mit 2stündiger Unterbrechung bis Abends halb 9 Uhr, behandelten speciell Buchdruckerinteressen und nahmen einen würdigen und ruhigen Verlauf. Am Abend war gesellige Zusam­menkunft in demselben Lokale, welche dadurch eilen besonderen Werth erhielt, weil das GesangkränzcheuSumser" einige schöne Chöre vertrug, welche von Seiten der Anwesenden die günstigste Aufnahme fanden.

Das Fest Programm ist auch noch (am 24. Juni ist bekannt­lich der Namenstag unseres Altmeisters Gutenberg der höchste Feiertag für den Buchdrucker) auf den heutigen Tag ausgedehnt und werden die Leser derHanauer Blätter" deßhalb entschuldigen, wenn dieselben heute in etwas mangelhafter Weise erscheinen.d.

Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 1 Fuß 9 Zoll.

Mainwasserwärme (an der Wörner'schen Badeanstalt, ermittelt) heute Morgen 7 Uhr 17 Grad.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses

$2^ Die Wochenschau folgt in der morgigen Nummer. =J£^