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Auch auf einem andern Gebiete des Capitalmarktes ist es sehr stille geworden wir meinen die Pfandbriefe. Während anfangs des Jahres der Umsatz ein sehr bedeutender war, ist derselbe jetzt auf ein Minimum beschränkt. Oesterr. Bodencredit- Pfandbriebe behaupten sich fest, während Oesterr. Domänen- Pfandbriefe, welche die größtmögliche Sicherheit bieten und über­dies noch von derselben Oesterr. Bodencreditanstalt garantirt sind, nahezu 4 pCt. niedriger als Bodencredit-Pfandbriefe no- tiren. Solche rein willkürliche Preisunterschiede finden sich auch noch bei anderen Pfandbriefen und beweisen am besten, daß das Capital eben-keine Anlagen darin macht und die Notirungen mehr nominell sind. Erst die in Aussicht stehende Heimzahlung verschiedener Staatsanlehen rc. wird auch in diese Werthe größere Lebhaftigkeit bringen und das Publikum zu, rationellen Tausch­operationen veranlassen."

Loospapiere sehr fest, besonders 1860r, die ca. 93s schließen. Sobald einmal die großen Lotterieen ihr Ende erreicht, scheint es sicher, daß die kleineren Loose noch bedeutend mehr gekauft und besonders billige Sorten davon profitiren werden.

Von den demnächst, am 1. Juni, gezogen werdenden Loosen erwähnen wir:

Kurhessische Rthlr. 40-Loose (Haupttreffer Rthlr. 36,000, niedrig­ster Rthlr. 70.)

Oesterreich. 1864t Loose (Haupttreffer fl. 250,000, niedrigster fl. 175.)

3g Türkische Frs. 400-Loose (Haupttreffer Frs. 300,000, niedrig­ster Frs. 400.)

4g Badische Rthlr. 100-Loose (Haupttreffer Rthlr. 20,000, niedrigster Rthlr. 100.)

4g Cöln-Mindener Rthlr. 100-Loose (Haupttreffer Rthlr. 100,000, niedrigster Rtblr. 110.)

4gg Neapeler Frs. 150-Loose (Haupttreffer Frs. 30,000, niedrig­

ster FrS. 250.)

die stets vorräthig haben und zu den billigsten Coursen abgeben.

Wechsel wenig verundert, fest.

Geldsorten fest, bis auf Souvereigns.

Coupons etwas höher.

Zum Schluß erwähnen wir noch, daß dieser Tage eine neun- procentige türkische Anleihe zum Cours von ca. 90 im Betrage von zehn Millionen Pfund zur Auflage kommt.

-Mitgetheilt durch Gebrüder Stern hier.

In Deutschland treiben sich gegenwärtig zwei Gauner herum, welche die Beschwindlung von Juwelieren und Hrn. Ge­schäftsleuten in so raffinirter Weise betreiben, daß auf dieselben hier aufmerksam gemacht werden mag. In Dresden prellten sie z. 53 neulich einen Juwelenhändler, bei dem sie sich, der eine als reicher Amerikaner, der andere sich als Hotel-Commissionäc präsentirten, um zwei Brillantgeschmeide im Werthe von 1000 Thalern, indem sie denselben zur Sendung der Schmucksachen, welche für eine Theater-Künstlerin bestimmt sein sollten, in ihr Hotel zu veranlassen wußten; der hiermit beauftragte Bedienstete des Juweliers wurde auf höchst verschmitzte Weise in ein Neben­zimmer gelockt und daselbst eingesperrt, während die Gauner mit den Kostbarkeiten das Weite suchten. Der in der Falle Ge­fangene hatte gut poltern und toben, der Klingelzug war durch­geschnitten und die Thürklinke abgenommen! Die Häufigkeit ähnlicher Vorkommnisse ist um so auffälliger, als das Mittel sich gegen solche Gaunereien zu schützen, so einfach ist sich nämlich unter gar keinen Umständen vor erfolgtet Zahlung von seinen Werthsachen zu trennen.

In München wurden im Jahre 1871^219,927 Scheffel Mal; von 17 Braunbierbrauereien, dann 963 Scheffel von einer Weißbierbrauerei zur Bierbrauerei verwendet, wofür der Lokal- Malzaufschlag 560,877 fl. betrug. Am höchsten betheitigt sind bei der Bierproduktion der Spatenbräu mit ungefähr 59.000 und der Löwenbräu mit ungefähr 45,000 Scheffel. tR. ***)

Die Wahl des Abtes Haneberg zum Bischof von Speyer wurde vom Papste bestätigt.

Drei Meilen von Stendal liegt der Stammort der Bismarck die Stadt Bismarck (mit 2000 Einwohnern). Ueberreste des Burgwalles und Grabens der Stammburg sind noch vorhanden. Von der alten Stadt, die gänzlich zerstört wurde, blieb nur ein riesiger, aus Feldsteinen gemauerter Kirch

thurm übrig, der nicht weit vom Burgwalle neben der jetzigen Stadt steht und in der ganzen Altmark von weit und breit Alters herdie große Laus von Bismarck" genannt wird. (Wahrschein­lich trug Tburm oder Kirche früher die Inschriftlaus deo".) Die Ruine der Bismarck'schen Stammburg ist lange Zeit hin­durch als Steinbruch benutzt worden; jetzt möchte man auch den etwa 80 Fuß hohen Thurm zum Steinwegbau verwenden, da nur ein Sck'eckensweg zum nächsten Bahnhöfe (Stendal-Salz-- Wedel Bahn) führt.Vielleicht", schreibt die Ger.-Ztg., der wir vorstehende Mittheilung entnehmen,tragen diese Zeilen dazu bei, daß die gänzliche Vernichtung der geschichtlich hochinteressan­ten Ruine verhindert und den armen Biswärkern von oben her so viel Kies zugeführt wird, daß sie nicht nöthig haben, die Feldsteine de« Thurmes zum Chausseebau zu nehmen.

600jähriges Bäcker-Jubiläum. Den 18. Juni 1272 wurden den Berliner Bäckermeistern die Jnnungsrechte verliehen. In einer den 23. d. stattgehabten General-Versamm­lung der dortigen Bäcker-Innung wurde beschlossen, zur Erinne­rung an dieses 600jährige Ereigniß den 17., 18. und 19. Juni feierlich zu begehen. Die Jnnungsmeister aller größeren Städte Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs werden zu diesem Feste eingeladen, um gleichzeitig einen allgemeinen deutschen Bäckerlag daselbst abzuhalten. Auf diesem sollen alle, das Bäckergewerbe betreffenden» Fragen erörtert und so eine gewisse Solidarität der- Bäckermeister Deutschlands hergestellt werden.

Was die Thätigkeit der Untersuchungskommission an' geht, so werden die Mitglieder der Regierung der nationalen Vertheidigung ihr nicht in die Hände fallen, Thiers fürchtet näm- lich, daß dies die öffentliche Ruhe stören könnte. Dagegen wird davon gesprochen, Ollivier, Gramont und Leboeuf vor die Ge­richte zu stellen. Bazaine's Untersuchung, glaubt man, würde erst in vier Monaten bis zur Urtheilssprechung gediehen sein. Wer weiß, wohin alsdann die öffentliche Meinung in Frankreich ihre Wetterfahne gerichtet hat. <Trw.)

Wie die (russische) Akademiezeitung mittheilt, hat ein Gym­nasiast zu O r el, Namens Solow, ein neues Verfahren entdeckt, Leuchtgas aus Petroleum zu entwickeln, so daß Dochte in den Petroleum-Lampen (Gezophores) überflüssig sind. Die Erfindung ist von dem Gymnasialrath zu Orel am 29. v. M. geprüft und als sehr zweckmäßig befunden worden. Solow beschäftigt sich jetzt mit einem Apparat, das Petroleum zum Heizen von Loko­motiven und Dampfmaschinen zu verwenden.

^ o K a t e 9.

Dem Vernehmen nach ist am verflossenen Freitag in dem zwei Stunden von hier entfernten armen Orte Oberrodenbach ein Wolkenbruch gefallen, der nicht unbedeutenden Schaden angerichtet haben soll.

Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht für die bewiesene Thätigkeit auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege während des KriegeS 1870/71 dem Herrn Landrath Freiherrn v. Schrott er dahier den Königlichen Kronen-Orden 3r Klaffe mit dem rothen Kreuz, sowie den Herrn Commerzienrath Leisler, Fabrikant Linde «bau er, Kaufmann Waltz, Fa­brikant Weishaupt und Fabrikant Zeuner den Königlichen Kronen Orden 4r Klaffe zu verleihen.

Sprechsaal.

Hanau, 27. Mai. Unser Altstädter Schloßgarten, der lange Zeit verschlossen war, dessen Besuch aber seit einigen Jahren wieder Jedermann (Kinder in Begleitung Erwachsener) erlaubt, ist wohl der angenehmste Platz für ruhige Spaziergänger, Kranke und Reconvalescenten, weil derselbe ganz in der Nähe, gleichfalls in der Stadt liegt. Die Anlage des Gartens ist schön, prächtige Blumengruppen erfreuen das Auge, und zur Be­quemlichkeit des Ruhe Suchenden ist an den schönsten Plätzchen für Gartenbänke und Tische gesorgt. Man sollte doch sicher meinen, es würde einem Jeden am Herzen liegen, das Ge­botene zu schonen, aber dem ist anders: abgebrochene Zweige und zerzauste Blumen sind immer zu finden, und eine zerbrochene Gartenbank, die doch gewiß in gutem Zustande hingestellt wurde, liefert den Beweis, daß, trotz der strengen Aussicht von Seiten der Bediensteten, auch hier der Muth willen und die Unge­zogenheit nicht unterlassen wird.d.

Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker-i des vereinigten evangel. Watsendauses.