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Be^Mischtes
— Berlin, 5. Mai. Wie es heißt, haben die Direktionen der Berlin-Potsdam-Magdeburger und der Hessischen Lud- wigS-Eisenbahn-Gesellschaften die Concession für den Bau einer Berlin mit Frankfurt a. M. direkt verbindenden Eisenbahn nach- gesucht, nachdem der Verein zur Erbauung dieser Bahn seine Rechte auf die beiden Gesellschaften übertragen hat.
— Das Reichs-Oberhandelsgericht hat folgende Entscheidungen getroffen: Der durch einen Handelsmäkler zum laufenden Preise zu bewirkende Verkauf einer Waare, welche einen Markt- oder Börsenpreis hat und deren Annahme der Käufer verweigert, muß am Erfüllungsorte stattfinden. Art. 333 und 357 des Allg. D. H,-G.-B.'s — A. Der verjährte trockene Wechsel hat die Wirkung eines Schuldscheins, sofern er auch das Bekenntniß der empfangenen Valuta enthält. (Preußisch-rechtlich.) B. Ein über den Empfang eines Darlehens lautendes Schriftstück ist geeignet, den Mangel der Schristlichkeit zu decken, welche für die RechtSgiltigkeit des unterliegenden, nicht in einem DarlchenSvertrage bestehenden Rechtsgeschästes gesetzlich vorgeschrieben ist. — Der Prinzipal haftet für die Verschuldung seiner Leute innerhalb der Grenzen der Werkausfübrung.
tNcichs- it. Staaas-Anz.)
Das „Militär-Wochenblatt" spricht sich in seinem nichtamtlichen Theile dem „Reichs- und Staats-Anzeiger" zufolge über die Lebensversicherung in Landheer und Kriegsflotte aus und theilt dabei mit, daß zur Gewährung der Bürg'chafl, wonach die versicherten Kapitalien den Erben der Versicherten dereinst gezahlt werden, ein Kapital zu beschaffen war, welches im Falle außerordentlicher Sterblichkeit im Kriege als Ersatz zur Verfügung steht. Diese Garantie ist von Sr. Majestät dem Kaiser, welcher Selbst die Anregung zur Errichtung einer Lebensversicherungsanstalt gegeben, bestellt worden.
— Die Generalversammlung des landwirthschaftl. Central- VereinS des Regierungsbezirks Kassel wird in diesem Jahre in der ersten Hälfte des Monats Juli in Marburg abgehalten werden. Dem Vernehmen nach soll dieselbe 2 Tage dauern und würde am ersten Tage die Diskussion über die von dem Vorsitzenden des Central-VereinS aufgestellt werdenden Fragen stattfinden und der zweite Tag der Prüfung und Verloosung der ausgestellt werdenden landwirthschaftl. Maschinen und Geräth- schaften, sowie der Prämiirung von schönem Vieh gewidmet werden.
— Die Elm-Gemündener Zweigbahn, welche bestimmt ist, die Bebra-Hanauer Hauptbahn mit der Würzburger, Nürnberger und anderen baverischen Bahnen zu verbinden, ist nun vollständig ausgefüllrt; sie ward daher den 5. d. M. durch einen Festzug von Gemünden nach Fulda eröffnet und den 6. d. M. dem Betriebe übergeben. Der Bau dieser Bahn und die Schwierig- leiten, welche er bot, sind in den öffentlichen Blättern fast gar nicht erwähnt worden, weil die Länge der Bahn nur etwas über 6 Meilen beträgt, mithin keine große Landesstrecke durchlauft und diese wegen der auf ihr befindlichen unbedeutenden Orte wenig gekannt ist. Denn es sind die beiden Endpunkte dieser Zweigbahn Elm, ein kleines kurhessisches Kirchdorf (^ Stunde nordöstlich von der kurhessischen Kreisstadt Schlücht-rn) und Gemünden, ein- kleines bayerisches Lankstädtchen und die sechs Zwischenstationen, vier kleine kurhessische Dörfer, Vollmertz, Sterbfritz, Jossa und Mittelsinn, das bayerische Dörfchen Burgsinn und das bayerische Landstädtchen Rineck.
— Am Sonntag Morgen bedrohte ein Wilddieb das Leben des nichtsahnenden Förstees auf der Unterschweinsteige zu Frankfurt. Ein Glück war es, daß Spaziergänger, welche den Wilderer im Anschlag auf den Förster bemerkten, diesen durch Zuruf noch rechtzeitig warnen konnten, ehe das Vorhaben gelungen war. Leider gelang es nicht, den die Flucht ergreifenden Burschen ein- zuholeü, doch soll er dem Förster hinlänglich bekannt sein. <®- a->
— Die tschechischen Studirenden der Präger Universität haben eine Adresse an die Franzosen gerichtet, in der sie g^gen die Theilnahme der deutschen Präger Studenten an der Straßburger Feier pcotestiren, und erklären, daß das Herz der Tschechen immer bei Frankreich sei. Wir wußten das längst; wir wissen überhaupt, wo wir unsere Feinde zu suchen und, wenn es Zeit dazu ist, zu finden haben.
— Der Kardinal Hohenlohe wird noch einige Tage in Berlin verweilen und dann sofort nach Schillingsfürstin Bayern zurückkehren, von wo er auch hierher gekommen war. Übrigens ist in dem Etat pro 1873 bereits die Summe von 1ö,üW Lhlrn. für den deutschen Botschafter beim Vatican aus-
geworfen, doch wird diese Summe nunmehr frei, da, woran nicht zu zweifeln, der Posten überhaupt unbesetzt bleibt. Jedenfalls ist man auf die Erörterung gespannt, zu welcher diese Angelegenheit im Reichstage führen muß. csh6.)
— München, 6. Mai. S. M, der König hat dem Ge- sammtministerium nach den „Neuesten Nachrichten" in einem Handschreiben seine wärmste Anerkennung für dessen gedeihliche | Thätigkeit während des Landtags ausgesprochen. Das Staatsministerium hat es allerdings verstanden, sich sehr geschickt zwischen beiden feindlichen Parteien oben zu erhalten.
— Paris, 4. Mai. Nationalversammlung. Der Bericht der zur Beurtheilung der Armeelieferungsverträge niedergesetzten Commission brandmarkt die in den Büreaux des Kriegs- ministeriums vorgekommenen Unregelmäßigkeiten, und verlangt von Kriegsminister und Justizminister die Bestrafung der Schuldigen und die Revision der Lieferungsverträge. Der Marineverwaltung, welche tadellos gehandhabt wurde, spricht die Commission dagegen ihre vollste Anerkennung aus. Der Bericht wirdtzmit lebhaftem und allseitigem Beifall ausgenommen. . Die Versammlung entscheidet sodann dahin, daß in allen Gemeinden Frankreichs zur Anzeige gebracht werde, daß die Commission zur Beurtheilung der Armeelieferungsverträge eine Untersuchung über den Bestand des Armeematerials im Juli 1870 und im jetzigen Augenblick anstelle» soll, und daß von jetzt an eine ernstliche Controlle ausgeübt werden wird.
— Madrid, 5 Mai. (W. T. B.) Das schon gemeldete Gefecht mit den Carlisten fand bei Orosquieta statt. Die Car- listen verloren 40 Todte, 10 Verwundete, 730 Gefangene. Die Truppen sind in lebhafter Verfolgung der Carlisten und bringen noch mehr Gefangene ein. T on Carlos floh mit etwa 200 Mann, dicht gefolgt von den Regierungtrupoen, in der Richtung nach der französischen Grenze.
Eine Depesche aus Bayonne von demselben Tage meldet ferner:
Das Gerücht, daß Don Carlos gefangen worden sei, erhält sich; positiv ist, daß Radda nach Frankreich übergetreten ist. Die spanischen Behörden fordern seine Vertreibung vom französischen Boden. (R. u. St.-A)
— Am 26. April begegneten fünf Jagdlustige in der Nähe von Ovodva auf Sardinien einer bewaffneten Bande von vierzig Mann. Die Jäger wurden sofort gejagt und nach einem lebhaften Gewehrfeuer einer von ihnen als Beute weggeschleppt. Das Opfer war ein gewisser Marcello, früherer Bürgermeister und unermüdlicher Verfolger der Briganten. Derselbe wurde eine Strecke weit fortgeschleppt und dann freigelassen, nachdem die Bande sich überzeugt hatte, daß von dem unerschütterlichen Manne kein Lösegeld zu hoffen sei. Mit der öffentlichen «Sicherheit auf der Insel steht es noch immer so schlecht wie möglich.
Lokales.
— Am 1. d. M. erfolgte die feierliche Weihe des neuen stattlichen Schulgebäudes in Langenselbold durch die Ortsbehörden und den Pfarrer in Gegenwart des Herrn Landraths von Hanau, der Gemeinde und den Schulkindern. 6 geräumige Unterrichtssäle mit der freundlichen Wohnung für einen Lehrer, ferner Konferenz-, Bibliothekzimmer rc. lassen das Schulhaus zweifellos als das würdigste und stattlichste in den Städten und Landgemeinden des Kreises Hanau erscheinen.
— Zahlungbedingungen und ZahlungSweise. Die neue Zeit hat die Erwerbs-, Kredit- und Geldverhältnisse so gründlich geändert, daß es Noth thut, bestehende Uebel an der Wurzel anzusassen. Wenn solche Uebel einmal erkannt sind und das ausgesprochene Interesse von vielen ganz dasselbe ist, dann liegt auch die Hoffnung aus allmälige und sichere Abhülse nahe. Ein Hauptübel liegt nun darin, daß der Lieferant von Waaren und von Arbeit bisher seinem Abnehmer stillschweigend oder ausgesprochen die Konzession machte, daß er erst am Schlüsse deS Kalenderjahres seine Schuld bezahlen durfte. Die Waaren aber, welche dazu verwendet worden sind; und die Arbeit, welche damit geliefert wurde, mußten baar oder in kurzer Frist bezahlt werden. Bei diesen Betrachtungen ist nun vorzugsweise der kleinere Gewerbsmann ins Auge zu fassen, obgleich auch im größeren Geschäftsleben Uebelstände in gleicher Richtung bestehen, die ebenfalls zu beseitigen sind, heute aber deßhalb nicht