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Vermischtes
— Berlin, 1. Mai. Die Glückwunsch-Adresse, welche der Reichstag zur Eröffnung an die Universität Straßburg gesendet hat, lautet wie folgt: „ Der versammelte Deutsche Reichstag, von lebhafter Theilnahme für die Geschicke des Wiederge- wonnenen Reichslandes Elsaß-Lothringen und von der festen Zuversicht erfüllt, daß die Universität Straßburg, ihres alten Ruhmes eingedenk, von Neuem an der Giänzscheide zweier großer Völker edler Bildung und freier Wissenschaft eine sichere Stätte bereiten werde, sendet der mießereröffneten Hochschule seine Glückwünsche." Unterzeichnet ist das Präsidium des Reichstages mit den Namen der drei Inhaber desselben. ^^"- st9>
— Die ständige Deputation des volkswirthschaftlichen Con- gresses hat in ihrer am letzten Samstag abgehaltene Conferenz Danzig als nächsten Versammlungsort und als Zeitpunkt Ende August oder September in Aussicht genommen. Die einzelnen Gegenstände der Tagesordnung und die dafür bestimmten Referenten sind folgende: 1) Straßenbau und Chausseegetd (Dr. Faucher, Abgeordneter Rickert); 2) die Unentgeldlichkeit des öffentlichen Schulunterrichts (Dr. Wolfs, vr. Oppenheim); 3) Banknoten und Papiergeld (Dr. Wolfs, Dr. Braun); 4) a. Antheil der Arbeiter am Geschäftsgewinn (Produktivgenossenschaft, Partnerschaft, Tantieme), Abgeordneter Prince-Smith, Dr. Oppenheim) ; b. Arbeiter- yülfs- und Jnvalivenkassen (Dr. Emming- Haus, Abgeordneter Rickert); 5) Eisenbahnpolitik mit besonderer Berücksichtigung der Concurrenz verschiedener Frachtführer auf der Eisenbahn und der verschiedenen Tarifsysteme (Dr. Dorn, Dr Alexander Meyer); 7) Fortbildung des Handelsrechts oder Uebernahme desselben in das Obligationsrecht (Dr Braun).
— Nach der letzten Notiz über die Ausprägung von ReichS-Goldmünzen waren bis zum 13. April d.' I. nach dem „Reichs- und Staats-Anzeiger" in den Münzstätten des Deutschen Reiches in Zwanzigmark-Stücken 89,107,320 Mark ausgeprägt worden. In der Zeit vom 14. bis 20. April d. I. sind ferner in solchen Stücken geprägt in Berlin 5,032,040 Mark, in Hannover 1,244.960 Mark, in Frankfurt a. M. 1,839,940 Mark, in München 847,600 Mark, in Dresden 993,480 Mark, in Stuttgart 435,360 Mark, in Karlsruhe 300,000 Mark und in Darmstadt 302,000 Mark, zusammen 10,995,380 Mark.
Die Gesammtausprägung stellt sich daher bis 20. April d. I. auf 100,102,700 Mark.
_— Die Ernennung des Kardinals Hohenlohe zum Botschafter des deutschen Reichs beim heiligen Stuhle bestätigt sich. Der Kardinal, Bruder des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Fürst Hohenlohe, genießt den Ruf eines streng gläubigen und frommen Katholiken, aber eines entschiedenen Gegners der Jesuiten; man hört, daß er dahin angewiesen werden soll, die Stellung der deutschen Regierung der katholischen Kirche gegenüber festzustellen, daß man hier durchaus die Jesuiten und ihre Umtriebe von der Kirche zu scheiden wisse, daß man aus Jene alle Machinationen gegen den Staat, die Aufreizungen der Parteien, die Wühlereien der Presse zurückführe, daß man darin eine Gefahr erblicke und vor keinem gesetzlichen Mittel zurückschrecken werde, derselben entgegenzutreten. Dies ist in der That der Standpunkt der Regierung, der greifbarer nicht seinen Ausdruck finden konnte- als in der Ernennung des Kardinals.
Münch. Neueste Nachr.
,— , Die beiden Gemeindekollegien zu München haben nach einstimmigem Beschlusse nachstehendes Telegramm abgesendet: „Wir begrüßen die Eröffnung der Universität Straßburgs freudigst als den ersten Sieg im Frieden."
Bremen, 30. April. Durch Verordnung vom heutigen Tage ist das Gesetz, betreffend die Abschaffung des bremischen Münzsystems und Einsührung der Markrechnung, publizirt worden. Das Gesetz tritt mit dem 1. Juli in Kraft.
— Der Oberpräsident v. Möller hat ein Stipendium von 10,000 Fr. für elsässische Studirende gestiftet.
— Die Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, die nach dem Frieden wieder nach Versailles zurückgekehrt find, sollen während ihrer Anwesenheit in der Provinz die Ueberzeugung gewonnen haben, daß es in Frankreich nur noch zwei große Parteien gibt: die Republikaner und die Bonapartisten. Von den Legitimisten und Organisten soll im Lande wenig die Rede fein. Ob das richtig ist, muß sich bald erweisen, und in Thiers' Händen liegt es, der Republik durch eine kluge
Politik so vchl Vertrauen und Anhang zu schaffen, daß bonapar- tistische Verschwörungen unmöglich werden oder wenigstens erfolglos bleiben. Tribüne.
Spanien. Madrid, 1. Mai. Einer heute in London eingegangenen Depesche zufolge wurde eine Bande von Karlisten unter Castellone von den Regiernngstruppen geschlagen. — Dem Vernehmen nach soll Don Carlos nach Genfzarück- gekehrt sein.
— Die Börsenenten flattern wieder. Am Dienstag wurde erzählt, die neue französische Anleihe werde nicht zu Stande kommen können, weil die englische Finanzwelt einen nahen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland für wahrscheinlich hält. Eine flügellahmere Ente hat sich noch nicht an die Börse gewagt. Ferner steht fest, daß jetzt überhaupt von der französischen Anleihe nicht die Rede ist; Thiers selbst hat offiziell erklären lassen, daß frühstens im September oder Oktober au die Emission gedacht werden könne. Sodann ist man jetzt in England belehrt, daß ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland für dieses Jahrzehent zu den unwahrscheinlichsten Dingen gehört.
Nekrolog.
Am 3. April starb in Toledo, Ohio, Herr Joseph E. Marx. Derselbe war 1829 in Carlsruhe geboren, wo sein Vater eine Buchhandlung besaß (später Inhaber der berühmten Hofbuch- und Kunsthandlung von D. R. Marx in Baden-Baden). Joseph Marx erlernte die Buchdruckerei und war derselben mit Eifer ergeben Als 1849 die badische Erhebung auSbrach, eilte er von Gießen, wo er conditionirte, nach Mannheim, um, sich mit den Hanauer Turnern den Streitern für die Reichsverfassung anzuschließen, wurde aber von den mittlerweile von allen Seiten herandrängenden Occupationstruppen gefangen genommen. Nach seiner Freilassung ging er wieder nach Baden-Baden, von wo seine beiden ältesten Brüder Emil und Guido, wegen hervorragender Betheiligung an der badischen Revolution, mittlerweile hatten flüchten müssen. Dieselben waren über Bremen nach den Vereinigten Staaten ausgewandert und ließen sich später in Toledo, Ohio, nieder. Dorthin folgte der Verstorbene den Brüdern im Herbst 1853, und war Mitbegründer der „Ohio Staats- Zeitung", jetzige „Toledo Expreß". Im Herbst 1863 nahm er unter Lincolns Administration, namentlich aus Rücksicht auf seine schon damals geschwächte Gesundheit, den Posten eines Ber. Staaten Consuls in Amsterdam an. Von jener Zeit bis zu seiner Rückreise nach Toledo, Ende 1865, war er ein eifriger Mitarbeiter an der „Deutschen Auswanderer-Zeitung", die er schon vorher, wie auch später, durch manche vortreffliche Corre- spondenz unterstützte. — Seit längerer Zeit sungirte Joseph Marx als Zollhaus-Inspektor in Toledo und er leitete nebenbei die „Toledo Expreß". Sein edles, biederes, nobles Wesen erwarb ihm eine große Anzahl treuer Freunde aus allen Ständen.
Lokales.
— Kommenden Sonntag, den 5. Mai, Nachmittags halb 4 Uhr, eröffnet die hiesige Turngemeinde auf ihrem in der Nähe deS Kanalthors gelegenen eigenen Platze das Sommerturnen. Ein Zug findet bei dieser Gelegenheit nicht statt, weil im Mittelrhein die verschiedenen Gemeinden an einem und demselben Tage ihr Anturnen halten und deshalb fremde Turner nicht vertreten sind. Möge die Betheiligung dabei eine recht rege fein und möge sie es auch für die Folge bleiben.
— Zur Anlegung der Königlichen Pulver-Fabrik ist nunmehr ein Theil des Großauheimer Gemeinde-Waldes mit einem Areal von ca. 100 Hektar (ungefähr 419 C. Acker) zum Ankauf bestimmt worden. Der Kaufpreis beträgt pro Hektar 838 Thlr., also pro Acker 350 fl.
— Mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten findet im Laufe dieses Jahres eine Sammlung von Gaben für das Friedrich- Wilhelms-Stift in Hamm durch den Agenten Heinrich N o lte von da im Regierungs-Bezirk Cassel statt.
Bedruckt und verlegt in der Buchdruckers des vereinigten -vangel. Waisenb-nses.