15. Der Hanauer Wand- und Komptoirkalender für das Jahr 1814 D zu haben bei Buch krucker Kitrsteiner, Nrv. 848 in der Salzgasse.
Wir halten es für unsere Pflicht/ das hiesige Publikum über die jetzt herrschende Krankheit aus den darüber eingezogenen Nachrichten zu beruhigen und einige Maasregeln mitzu- theilen, wodurch dieser Krankheit vorgebogen / oder, wenn sie schon jemand befallen hat, die Gefahr in den meisten Fällen gleich von Anfang vermindert werden kann. Es ist nicht zu leugnen, daß in den letzten 14 Tagen die Zahl der Fieberkranken in unserer Stadt und Gegend ungewöhnlich angewachsen ist. Die meisten derselben sind von Erkältung durch den Aufenthalt in Kellern, oder durch Naßwerden bei dem Loschen und durch Ängste Schrecken und Kummer entstanden und gehen um deßwillen/ wenn nicht gleich anfänglich die Ausdünstung wieder hergestellt oder der Zerrüttung/ Niedergeschlagenheit und Abspannung der Kräfte entgegengear- beitet wird, leicht in Nervensieber über, weil das Nervensystem durch nichts mehr angegriffen wird, als durch Unglücks- und Schreckensscenen / wie wir leider hier nur zu viele erlebt haben. So groß indessen die Zahl dieser Kranken ist, so mu£ es jedoch jedermann sehr beruhigen, daß die Krankheit bis jetzt keinen bösartigen Karakter hat, und daß verhältnißmäsig sehr wenige Menschen daran gestorben sind. Die nach überstandener Angst nunmehr zurückkehrende Gemüthsruhe und die zu hoffende trockene Witterung werden zuverlässig in kurzem die Veranlassung dieser Krankheit entfernen und diesen Feind gänzlich verscheuchen.
Als Vorsichtsmaasregeln empfehlen wir
1) die größte Reinlichkeit in und vor den Häusern.
2) Warme Kleider und_Vermeidung nasser Fusse, so wie aller Erkältung.
3) Schonung der DerdauuNgSwerkzeuge. Speisen, die den Magen belästigen-und zum Lapiren Veranlassung geben, vermindern die Ausdünstung, auf die hier so viel ankommr. Gutes, nicht fettes Fleisch, Flelschfuppen, Gemüse, die nicht zu sehr blähen, mit Pfeffer gewürzt, nebst einem guten Glas Wein, oder, bei Aermern, eine mäsige Portion Branntwein, sind die passendsten Nahrungsmittel.
4) Bei trockener Witterung, Bewegung in freier Luft.
5) Man sorge beständig für frische Luft, und verschliesse daher nie alle Fenster der Krankenzimmer.
6) Ist die Krankheit in dem Hause, oder ist die Berührung mit Angesteckten ausser dem Hause nicht zu vermeiden, so sind mineralische Näucherungen, die jeder Arzt anordnen wird, sehr nothwendig.
7) Trennung der Kranken, so viel daß Lokal es erlaubt, darf durchaus nicht vernachlässigt werden, weil der Ansteckungsstoff sonst zu konzentrirt wird und an Stärke gewinnt
8) Man rufe gleich von Anfang einen Arzt, dem es häufig gelingen wird, die Krankhei in ihrer Geburt zu ersticken.
9) Stirbt ein Mensch an diesem Uebel, so entferne man! den Leichnam so gut als möglich von den Gesunden.
10) Die in der Krankheit benutzten Kleidungsstücke, Betten rc. müssen oft mit falzsauern Dämpfen durchräuchert, mit scharfer Lauge einigemal gewaschen und lange der freien Luft ausgesetzt werden, ehe sie wieder mit Sicherheit gebraucht werden können.
Hanau den Uten November 1813.
Das 05 ef; C ollegium medicum.