/'Wt. W. — L JahrMhz.__________
jwantzigsten LÄ^ensjahre, das ei im Januar nächsten Jahres vollendet. Er ist seit Oktober 1908 mit der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein vermählt, deren älteste Schwester, Prinzessin Viktoria Adelheid, Herzogin von Sachsen-Koburg-Gotha ist. Die Ehe des Prinzen August Wilhelm war bisher kinderlos. Der neugeborene Prinz ist nunmehr der jüngste in der Reihe der fünf Kaiserenkel, von denen die vier ersten die Dohne des deutschen Kronprinzen sind. Prinz August Wilhelm hat juristische und nationalökonomische Studien getrieben. Er hat in Straßburg als Doktor der Staatswissenschaften promoviert und auch das Referendarexameu bestanden. Er widmete sich dann weiter dem juristischen Vorbereitungsdienst und soll später der Landesverwaltung zugeteilt werden.
Das Kaiserpaar bei der jungen Mutter.
Die Leibbatterie des ersten Garde-Feld- artillerie-Regiments rückte am zweiten Feiertage um sieben Uhr abends aus, um im Lustgarten Salut zu schießen. Die Kaiserin weilte seit dem frühesten Morgen bei der Prinzessin in denr Palais in der Wilhelm- straße. Der Kaiser, der Donnerstag mittag bei dem Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich in Potsdam gespeist hatte, traf am Abend in Berlin ein und besuchte die Prinzessin August Wilhelm. Das Befinden der jungen Mutter und des jüngsten Kwiferenkels ist, den besonderen Umständen angemessen, gut.
Preußens St«atr-Ha«rßav.
Der Etat für nsnnzrchnhnnvertdreizshn.
Die offiziöse Storddcutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht soeben die hauptsächlichsteil Ziffern aus dem preußischen Etat für das nächste Jahr. Der-Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4 595 933 827 Mk. ab. Von den Ausgaben entfallen 2455 245 956 Mk., gleich 5,3 Prozent, auf das Extraordinarium, gegen 228007 350 Mark, gleich 5,3 Prozent, für 1912. Die Einnahmen und Ausgaben halten sich ohne Anleihe im Gleichgewicht, während der Etat für 1912 zur Herstellung des Gleichgewichts die aus einer Anleihe zu beschaffenden 19 000 000 Mark vorsah. Im Einzelnen ergibt sich felgendes Bild:
Der neue Staats-Etat.
An Pensionen für Zivilbcamte sind in dem nächstjährigen preußischen Staats - Etat 108343000 Mark veranschlagt, gegen 1912 mehr 9 618 000 Mark. An gesetzlichen Witwen- und Waisengeldern sind 37 292 000 Mark angesetzt, gegen 1912 mehr 1621000 Mk. Weiter sind an Pensionen und Hinterbliebe- nenbezügcn, Volksschullchrer und Lehrerinnen, vorgesehen: Pensionen 8 220 000 Mark, gegen 1912 mehr 800 000 Mark, Witwen- und Waisengeldern 4969 000 Mark, gegen 1912 mehr 290 500 Mark. Mit Rücksicht auf das durch pie hohen Lebensmittclpreisc außergewöhnlich gestiegene U nt e rstütz un g sb e dü r fn i i der Beamten wurde der Unterstützungsfonds einmalig insgesamt um 3000 000 Mark verstärkt, nachdem bereits der Nachtragsctat für 1912 die gleiche außerordentliche Verstärkung vorsah: außerdem wurde der Unterstützungsfonds im besonderen Interesse der Assistentenklasse insgesamt um weitere rund 1000 Mark verstärkt. Zn Zuwendungen an Beamte, die zu oder vor dem ersten April 1908 in den Ruhestand versetzt worden und für
Witwen und Waisen» dieser und der vorher verstorbenen Beamten sind eingestellt 5514000 Mark, gegen 1912 mehr 1264000 Mark. Zu Zuwendungen an pen-
Cafseler Neueste Nachrichte«
Sonnabend, 28. Dezember ISIS.
sionierte Vokksschullehrer und -Lehrerinnen, die zu oder vor dem ersten April 1908 in den Ruhestand versetzt wurden, und an Witwen und Waisen dieser Lehrer und der vorher im Amte verstorbenen Volksschullehrer sind 235 000 Mark airgesetzt, gegen 1912 mehr 313641 Mark. Die Staatsschuld beläuft sich ans 9 901 769 098 Mark, gegen 1912 mehr 472 895 054 Mark. Von der Gesamtschuld entfallen auf die Eifenbahnveiwaltnng 7 536 625123 Mark, auf die Bergvcrwaltung 191702 441 Mark. An Ausgaben erfordert die Staatsschuld: Zur Verzinsung (einschließlich der im Lause des Etatsjahres neu auszunehmenden Anlerhebeträge) 366 345860 Mark, gegen 1912 Plus 17 593 194 Mark, zur Tilgung 59 942659 Mark, gegen 1912 Plus 3 052 532 Mark, zusammen 426 288 519 Mark, gegen 1912 Plus 20 645 726 Mark. Von den Ausgaben entfallen: Aus die Eisenbahnverwaltung 326 684 965 Mark gegen 1912 Plus 12 530 774 Mark, auf die Bergverwaltung 8 774 869 Mark, gegen 1912 Plus 1259 272 Mark.
Der Staat und die Teuerung.
Anläßlich der Fleischteuerung sind bei verschiedenen Fonds der landwirtschaftlichen Verwaltung teils im Ordinarium, teils im Extraordinarium'des nächstjährigen Etats insgesamt 1450 000 Mark mehr ausgebracht, die der unmittelbaren oder mittelbaren Förderung der Viehzucht dienen sollen. Daneben ist zu gleichen Zwecken eine Anleihe von 25 Millionen Mark in Aussicht genommen, wovon bestimmt sind 10 Millionen Mark zur Uebernahme von Stammanteilen bei gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften und 12 Millionen Mark zur Kultivierung der ostfriesischen staatseigenen Moore und 3 Millionen Mark fiir Meliorationsdarlehen, insbesondere sür Drainiemngen auf den Domänen.
Sie Politik der Zages.
Abenteuer einer Diplomatenfrau.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Belgrad, 27. Dezember.
Hiesige Blätter wissen von einem peinlichen Mißgeschick zu berichten, das angeblich der Gemahlin des deutschen Gesandten in Belgrad, Griesinger, zugestoßen sein soll. Danach sei die Dame bei ihrer Ankunft auf österreichischem Gebiet unter dem Verdacht der Spionage festgenommen worden. Frau Griesinger bestieg am Mittwoch früh das Boot, das den Dienst zwischen Belgrad und Semlin versieht. Als das Boot auf ungarischer Seite anstieß, wurde sie von den dortigen Beamten nach kurzem Verhör verhaftet. Die junge Frau erhob vergeblich energischen Widerspruch. Man hielt sie sür «ine gefährliche Hochstaplerin, und sie mußte mehrere Stunden in einer engen Haftzelle zubringen, bis der inzwischen benachrichtigte Gesandte ihre Freilassung verfügen konnte. Frau Griesinger batte lange und für sie als Frau sehr peinliche Verhöre zu bestehen, ehe sie aus der Hast entlassen wurde, und selbst nach ihrer Freilassung wurde sie noch scharf überwacht, bis sie ihre Reise fortsetzte. Es ist völlig unklar, wie der Verdacht entstehen konnte, die junge Dame sei eine Hochstaplerin und Spionin, und der Vorfall wird jedenfalls noch diplomatische Weiterungen im Gefolge haben.
Kein Streik an der Saar? Bei einer Besprechung, die der Reichstagabgeordnete C o ß - mann mit der Bergwerksdirektion in Saar, brücken hatte, erklärte die Direktton, sie könne
auf Grund der nunmehr vorliegenden Abschlüsse eine Steigerung der Löhne mtt Bestimmtheit zusagen; Voraussetzung sei nur, daß die Leistungen der Bergleute auf der Höhe blieben und daß nicht Störungen der Betriebe einträten.
Türkische Prinzeu-Tragödie. Ein P riv at- Telegramm meldet uns aus Konstantinopel: Verläßlichen Meldungen zufolge ist der türkische Thronfolger Jussef Jzzedttn wieder ernstlich erkrankt. Sein Nerven- jystem ist sehr zerrüttet, sodaß die Aerzte die größte Besorgnis hegen.
Das übliche Dementi. Das montenegrinische Preßbnro erklärt die Meldungen ausländischer Blätter über angebliche Unzufriedenheit in Montenegro mit der Dynastie für unbegründet und bezeichnet die zur Erklärung der Unzufriedenheit angeführten Gründe als „reine Erfindung". Man weiß nachgerade, was man von diesen „Dementis zu halten hat.)
Weitere Anarchisten-Verhaftungen in Rom. Depeschen ans Rom zufolge ist der Briefwechsel des jungen Anarchisten Dalferro, der einen Selbstmordversuch beging, und das Attentat auf den König Viktor Emanuel ausführen sollte, mit Beschlag belegt worden. Er soll neue Beweise von zahlreichen Komplott en enthalten. Wie die Blätter melden, sind bereits fünf weitere Anarchistenverhafungen erfolgt.
Renes Som Tage.
Es gibt doch noch Liebe»..!
In Stockholm fand dieser Tage die Hochzeit eines Paares statt, an der beinahe die ganze Stadt lebhaften Anteil nahm. Baron Axel von Taras, der letzte Sprosse eines der ältesten schwedischen Adelsgeschlechter, führte ein Fräulein H e l l a G Y l l st r ö m zum Altäre. Diese Eheschließung hat eine höchst romantische Vorgeschichte, durch sie wird eine Brautzeit beendigt, die drei volle Jahrzehnte gewährt hat. Anfang der achtziger Jahre gehötte Fräulein Gyllström zu den gefeiertsten Bühnenschönheiten Stockholms. Baron Axel von Taras, damals ein junger Offizier, galt als einer der elegantesten und reichsten Kavaliere der schwedischen Hauptstadt. Der Baron trat zu Fräulein Gyllström in garte Beziehungen: das anfänglich nur lockere Band, das die beiden verknüpfte, wurde dann immer fester und Herr von Taras fühlte allmählich eine tiefe N e i g u n g zu seiner Freundin erwachen. Eines Tages, gelegentlich eines gemeinsamen Ausrittes, als das Pferd des Barons scheute, rettete Fräulein Gyllström ihrem Freund durch ihre Geistesgegenwatt und Kühnheit das Leben. Aus Dankbarkeit beschloß Axel, seiner Retterin die Hand für das Leben zu reichen. Er fand aber
unerwartet heftigsrr Widerstand bei seinen E l t e r n, die in die geplante Heirat unter keinen Umständen willigen wollten und der Braut ihres Sohnes sogar das Haus verboten. Hella Gyllström, durch die Zurückweisung aufs tieffte verletzt, war zwei Tage-darauf aus Stockholm spurlos verschwunden. Der junge Baron aber konnte sie nicht vergessen und wurde mit der Zeit vor Schmerz über ihren Verlust trübsinnig. Sechs Jahre später starben kurz hintereinander die Eltern des Barons, und Axel faßte den Entschluß, die Aus- erwahltr seines Herzens zu suchen. Von Stadt zu Stadt fühtte ihn der Weg, nirgends war Hella Gyllström zu entdecken. Axel von Taras brachte in Erfahrung, daß sie Europa längst verlassen hätte und unter angenommenem Namen jenseits des Ozeans aufträte. Er bereiste der Reihenach alle Weltteile, immer forschend, immer hoffend, die Geliebte eines Ta- zu können. Endlich war fein rast-
Bemühen von Erfolg gekrönt: Eines Tages erkannte der Baron im Theater in Melbourne in Austtalien die Gesuchte. Sie wollte anfänglich von feinen neuen Bewerbungen
nichts wissen und erklätte, mit der Vergangen- hett enbgültifl abgeschlossen zu haben. Allein durch seine Beharrlichkeit gerührt, gab sie dann doch ihr Jawort, so daß nach dreißigjähriger Wattezeit nun endlich die Hochzert des Brautiaares, dessen Haare längst schon ergraut waren, stattfinden konnte ...! -a-
XX Bergmanns-Weihnachten. Ein schweres Dergwerksunglück trug sich am heiligen Abend in dem Kalibergwerk „Adolfsglück" bei Schwarmstedt im Hannoverschen zu und ^bereitete mehreren Bergmannsfamilien ein trauriges Weihnachtsunglück. Infolge einer Entzündung von Gasen brach Feuer aus, wobei ein Steiger, ein Dttttelführer und drei Bergleute getötet wurden. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig. Das Feuer selbst komtte rasch beseitigt werden. Am Schachteingang spielten sich herzzerreißende Szenen ab, als die Opfer des Unglücks zutage gebracht wurden.
rrr Das Unglück auf dem Bahnhof. Meldungen aus Altena in Westfalen zufolge stieß am zweiten Feiertag abends gegen sechs Uhr die Znglokomotive eines aus dem Bahnhof Finnentrop ausfahrende« Personenzuges seitlich gegen einen zu nahe an der Aus- ftchttsweiche stehenden Wagen. Ein furchtbarer Zusammenstoß erfolgte. Dabei wurden zwei Reisende leicht verletzt. Der Materialschaden ist unbedeutend. Die Verletzten konnten nach Anlegung eines Rotverbaudes die Reise fort-
Ein Raubmord am Weihnachtstag. In Tannstädt bei Erfutt wurde am Morgen des ersten Weihnachtsfeiettages der Kassierer der Gewerbebank in Tannstädt, Ropte, in seiner Wohnung tot aufgefunden. Eine klaffende Wunde an der Sttrn war augenscheinlich durch einen wuchtigen Schlag mit einem harten Gegenstand verursacht. Das Geld» das Ropte in der Wohnung aufbewahrt hatte, war verschwunden. Die Kriminalpolizei hat umfangreiche Recherchen «ach dem Mörder an- gestellt, die aber bislang ohne jeden Erfolg blieben. Die Dai hat großes Aufsehen erregt.
txi Flammentod am Weihnachtsabend. In Weißenfels brach am Weihnachts-Heiligabend in der Färberei von Rogosch Feuer aus, das der neunjährige Knabe des Kutschers im Stallgebäude durch Einwerfen einer Laterne, die ein Fuder Stroh in Brand setzte, verursacht hatte. Etwa die Hälfte des Gebäudekomplexes ist niedergebrannt. Der kleine Junge, der sich in seiner Angst in dem Gebäude versteckt hatte, wurde als halbverkohlte Leiche aufgefunden. Außerdem sind drei Pferde, zwei Schweine und fünfundsiebzig Hühner verbrannt
xx Eine Stratzenbahnerttgleisung am Tiber - strand. Am Mittwoch früh ereignete sich in Rom ein schwerer Sira ß eubahnun'all. Auf einem Straßenbahnwagen, der mit einem An- hänger eine steile Straße hinabsuhr, versagte die Bremsvorrichtung. Beide Wagen rollten die Straß» hinab, entgleisten und stürzten gegen eine Hausmauer. Die Mauer wurde zertrümmert. Der Motovführer erlitt tödliche Verletzungen. Sechzehn Passagiere wurden schwer verletzt, während mehrere weitere Fahrgäste leichtere Verletzungen davontrugen. Ein« eingehende Untersuchung wurde eingeleitet.
Jas Seeeile ans kastel.
Rech dem Feste.
Die Kerzen brannten nieder und der Hochgesang der Weihnachtsglocken verhallte. Weihnachten ist gewesen. . .. Vom Himmel flutete der Regen herab, grau und öde war die Flur, und die alte schöne Mär von deutscher Weihnacht in tiefem Schnee wurde zum trauten Kinderstubenmärchen. Und vielen war auch Weihnachtsglück und Weihnachtssteude ein« Sage. Denen schien es so, die am Heiligen- Abend, als in den Stuben überall die Ehrist-
Mggners Menn.
Neueinstudierung im Hostheater.
Rienzi, das erste bedeutsame, berühmte Jugendwerk des Meisters; die große Ouvertüre eines größten Lebenswerkes I Rienzi ist Schlußstein wie Grundstein zugleich. Schlußstein jener französtsch - italienischen Schule der großen heroischen Oper; Grundstein zum Schaffensbau eines Genius, dessen rauschender Flug zu kühnsten Adlerhöhen hier anhebt. Was wollen die sattsam ausgezeigten Spuren Spontinis, Meherbeers schließlich besagen, wo ttotzalledem ein ganz neues Feuer, die Flamme des einzig- attigen Genies, zum Himmel steigt. Dann ist die Oper, wie ich schon zeigen durfte, bereits das Ideendrama, in dem der Musikbra- matiker der Zukunft keimartig vorgebildet liegt. Schon die Ouvertüre bekundtt deutlich das Ringen des Reuen mit dem Alten. Die Form ist noch die alte Sonatensorm, aber dabei erkennen wir motivische Behandlung, absolutes Streben nach Dramatik in der Musik. Richt melodiöse Klangeffette berauschen in dieser Ouvertüre, sondern die Entwicklung eines ganzen Dramas steigt vom ersten Trompetenton bis zum Verhallen des letzten Akkordes vor uns auf. Wie bei Beethoven ist es Musik, die das Gefühlsleben in seinen Tiefen faßt und aufrüttelt. Hat auch der späte Wagner das Werk seines ersten großen Erfolges noch so tief verachtet, so birgt es doch Schönheiten von unvergänglichem Glanz: Es bleibt einmal die stolze Eingangspforte in den monumentalen Bau des WagnerWen Musikdramas.
Wttch' zarte Lyrik hat das Vorspiel zum Metten Auszug durchwoben! Wie unendlich melodisch und ausdrucksvoll ist dieser ganze Aufzug überhaupt! Die schönsten Sätze der Pattitur sind hier zu finden. Sturmesgrollen, Kamps, Sieg, wuchtigste dramatische Momente also, ringen im dritten Auszug mit übermäch- Nger Gewalt aus dem Orchester empor. Barbarischer Kriegstaumel jagt, stürmt, rast dahin. Wir wissen, daß jetzt der Held auf dem. Gipfel seiner Größe dasteht. Auch die beiden escf iuB autzüge, in denen sich das traaisme Geschick Rienzis vollendet, zählen mit zu den edelsten SSöktuLLrn des Meisters. We schwere Ver
haltenheit, wie dunkle Glut, wie düstere Farben liegt cs in der Musik des vietten Auszugs. Der Entladung eines furchtbaren Wetters ähn- sich, das in fahlgelbem Lichte lange und unheimlich drohte, fähtt der Bannfluch daher. Durch das Gebet geht es wie resignierende Todesahnung. Verzweiflung, Raserei verblendeter Massen, tragischer, erhebender Heldentod rollt in konzentttettester Zusammenfassung im fünften Auszüge endlich vorüber ... Die Aufführung der Oper am ersten Wcihnachtstage wäre fast musterhaft zu nennen, wenn nicht ein Mißgriff in der B e s e tz « n g der wichtigsten Solopartien angemertt werden müßte. ES ist eine bekannte Schwäche des Werkes, daß seine Handlung so ausschließlich auf Rienzi selbst gestellt ist, gegen den die Mithandelnden zu kurz kommen. Die einzige Parti«, die wirklich mitträgt, ist Adriano, der noch konventtonell-opern- mäßig einer Sängettn zugeteilt ist, aber einen ausgesprochen dramatischen Charakter trägt. Der Adriano ist "demnach „die" Pattie der boch- dramattschen Sängerin.
Warum mußte nun die Altistin, deren ganze Anlage nicht auf diesem Gebiete liegt, ausgerechnet den Adttano erhalten? Adriano, der als Willensmensch denr Rienzi säst nahekommt, als schlangenkluger Tcmagog den Helden überlistet, muß doch schließlich auch äußerlich glaubhaft sein. Ein Unstern geradezu scheint neuerdings mitunter über den Besetzungen zu walten. Es ist doch sehr seltsam, daß oft gerade die geeignetsten Vertteterinnen zurückstehen müssen. Da das Hoftheater über zwei dramatische Sängerinnen verfügt, ist wahrhaft nicht einzusehen, warum nicht eine jede der beiden Damen die ihr gebührende Partte int Rienzi erhalten hat. Fräulein Her per, die vielleicht genötigt war, die Pattie des Adttano gegen ihr künstlerisches Gewissen zu übernehmen, erledigte ihre Aufgabe nach bestem Vermögen. Den dramatischen Momenten der Partte vermochte sie ihrer Veranlagung entsprechend nicht völlig gerecht zu werden. In der großen Arie (sonst ein bekanntes Bravourstück der bochdramattschen Sängerinnen) zeigte sich das vor allem. Dagegen beherrschte sie die ihr gelegenen Stellen mit bewährter Güte. Eine Riesenarbeit hatte Herr Brandenberger als Rienzi zu leisten. Das metallreiche- weit
hin tragende, klingende Organ des Künstlers ist für den Helden Rienzi von größter Eignung. Auch darstellerisch beherrschte Herr Brandcn- berger die Partie sehr. Die Bannszene (beispielsweise) hatte ergreifende, erschütternde Wirkung.
Die „Heldenschwester- Irene war Fräulein Preißmann zugefallen. Die Künstlerin löste die Aufgabe nahezu vollendet: Was auch nur zu erwarten war. Das Terzett, die verschiedenen Duetts batten vornehme, edle Klangschöne. In dem Enscmblegesanz be- wabtte die Künstlerin dank der Fülle ihres kraftvollen Organs die Führung: Mit sieghafter Mlerleichttgkeit schwebte die Höhe ihres Soprans über Orchester und Chor dabin. Dor- nehmst, edel und durchdacht war auch das Zusammenspiel mit Rienzi. Herr Wuzsl brachte die kleine Pattie des päpstlichen Legaten sehr zur Geltung. Das Organ zeigte vor allem in der Tiefe gebieterische Wucht und Schöne; das Spiel hatte Größe und Würde. Die Pattie des Friedensboten, auf die vier Stimmen der Damen von der Osten, Bake, Sedlmaier, Hofacker verteilt, war eine ausgezeichnete Leistung des Ferngesanges. Das Urrgebändizte der Nobili charakterisierten die Herren Groß und Ulrici kräftigst. Im Rienzi hat Wagner be- kannÄich ein einziges Mal versucht, das Ballett im Rahmen einer großen Idee zu verwende«. Hier ist zu sagen, daß sich die Ballettmeisterin ihrer Aufgabe mit Geschmack angenommen hatte. Sowohl der Waffentanz wie der römische Tanzreigen erweckten die Vorstellung arttiker Bewegungsmotive. Die Regie des Herrn Eyrl war dem Werk verständnisvoll nachgegangen. Einzelne Szenenbilder hatten großen Stimmungsreiz. Das letzte Bild freilich ließ an Kraft und Ueberzeugung manches übrig. Am Dirigentenpult wirkte Herr Professor Dr. Bei er, der mit Genugtuung auf die große Aufgabe der Neueinstudierung zu- rückblicken darf. -er.
-2- Neues von der Landesuniverfltät. Wie verlautet, wurde zum Nachfolger des verstorbenen Geheimen Regierungsrats Professor Dr. O. Krümmel auf dem Lehrstuhl der Geographie an der Marburger Universität Professor Dr. Wilhelm Meinardus von der Universität
Münster i. W. berufen. Dr. Meinardus ist 1867 zu Oldenburg als Sohn des Oberlandesgerichtsrats R. I. Meinardus geboren. Seine Hauptlehrer waren Alfred Kirchhoff in Halle, Sigm. Günther in München sowie Ferd. von Richthofen und Wilh. von Bezold in Berlin.
Ein zweites „Theater der Fünftausend". Der Berliner Sportpalast als „Theater der Fünftausend': Das ist ein Plan, an dessen Vev- wirAichung bekanntlich Max Reinhardt ernstlich arbeitet. Die baupolizeilichen Ansprüche in bezug auf Sicherheit, Garderobenräumlichkeiten, Bühnen und Platzabteilungen bilden kein Hindernis mehr, es handelt sich jetzt nur darum, wer die Urckosten für den Umbau übernehmen soll, ob Direktor Max Reinhardt oder die Sportpalast-Gesellschaft. Sollte eine finanzielle Einigung zustande kommen, dann wird der Sportpalast unter Reinhardts Leitung im kommenden Frühjahr als Odeon-Th»- ater eröffnet werden.
tüs Sie „machten". Welcher Mißbrauch mit dem Zeitwott machten getrieben wird, mag folgendes Geschichtchen beweisen, das sich in H e r s f e l d zugetragen hat: Ein kleiner Hersfelder, der im Kino gewesen ist, wird ausge- fordett, zu erzählen, wie es war; er begimttr „Wie se die Tür aufmachten, machte der Werner rmd ich uns ’nein und gleich in die vorderste Bank. Se machten eine famose Geschichte von einem Unfallversicherungsagent, der ein junges Paar auf der Hochzeitsreise dazu bringen will, daß sie ihr Leben bei ihm versicherten. Wie er immer hinter her kam. machte« fe schließlich aufs Dach vom Hotel, er mit dem Papier in der Hand machte durch den Schornstein, die beiden machten an der Dachkannel runter und unten in ein Boot. Wie er da auch hinter her machen will, fällt er ins Wasser und ettrinkt.
Ein Rembrandt am Himalaya! Diese Nack richt klingt zi emlich unwahrscheinlich. aber ernsthafte englische Blätter verbürgen sich für sie. Aus Mussooree am Himalaya kommt die Meldung, daß in einem Basar in Landaur ein Bild gefunden wurde, in dem man einen Rembrandt vermutete. Mehrere Kunsthistoriker haben nunmehr festgestellt, daß es sich tatsächlich um em Werk des holländischen Meisters handelt.