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An Sez alten Zähre? Neige.
Nach der« Fest des Friedens.
Die regendunklen Dezembcrtage des Weih- «acht-Fests liegen hinter uns und die stille Zeit „zwischen den Jahren" macht ihre Rechte geltend. Der Christnacht-Friede wirkt noch nach und selbst in der Politik spürt man den Hauch jener Stimmung, die der Friede verklärt. Es kann heut keincnr Zweifel mehr unterliegen, daß die letzten Dezember-Tage, die draußen in de Natur so düster und freudlos schienen, im internationalen Völkerhandel klärend, beruhigend und befreiend gewirkt haben, und es überrascht deshalb auch kaum, daß aus Wien die Kunde kommt, Oesterreich-Ungarn werde schon in allernächster Zeit demobilisieren. Voraussichtlich kehren schon mir dem Beginn des neuen Jahrs zahlreiche Reservisten in die Heimat zurück: Nicht alle vielleicht (denn Vorsicht ist die Mutter der politischen Weisheit), aber sicher doch die meisten. Natürlich wird man auch nicht offiziell ankündigen: Von heute ab wird demobilisiert. Das kann die österreichische Regierung schon deshalb nicht, weil sie bisher noch garnicht zugegeben hat, daß eine Mobilisierung überhaupt erfolgt ist. Die österreichische Abrüstung wird vielmehr in der Weise erfolgen, daß die Mener Regierung die Reservisten stillschweigend, wie sie eintzezogen wurden, wieder nach Hause schickt, und dabei immer wieder erklären läßt, daß von einer Mobilisation „gar keine Rede fein könne", und „alle im Ausland verbreiteten Gerüchte über österreichische Rüstungen übertrieben seien". Das wird solange dauern, bis die Wiener Dementis mit den Tatsachen im Einklang stehen. Und die Diplomaten der andem Mächte werden mit einem Augurenlächeln erklären, daß ihnen von einer Mobilisation Oesterreichs „nie etwas bekannt gewesen" sei.
Man nennt das: „Die Praxis des Grünen Tiscks", denn es gibt eben gewisse Dinge, die rin Diplomat nie zugeben darf, selbst wenn sie die Spatzen von den Dächern pfeifen. Oesterreich hat n i ch 1 mobilisiert, und Serbien konnte natürlich deshalb auch nicht vor der österreichischen Mobilisation (die ja offiziell gar nicht existierte) zurückweichen: ebensowenig natürlich die Triple-Entente. Mit dieser. Formel wird für die Diplomaten der österreichisch-serbische Zwischenfall erledigt sein, vorausgesetzt, daß sich die Sache weiter s o entwickelt, wie es jetzt den Anschein hat. Die österreichische Demobilisation wird indessen voraussichtlich nicht di« einzige gute Folge der Beschlüsse der Botschafterkonferenz bleiben: Dir österreichisch-serbische Spannung war auch in den türkischenKal- kulationen einer der wichtigen Punkte, und wenn die türkischen Friedensdelegierten die Londoner Verhandlungen bisher auf all« erdenkliche Weise zu verschleppen suchten, so geschah dies offenbar in der Hoffnung, daß ein österreichisch-serbischer Zusammenstoß der bedrängten Türkei zu Hilfe kommen werde. Mit der Beilegung des Adriastreits schwindet nun für Osmans Söhne diese fromme Hoffnung, und in der Tat scheinen sie der veränderten Sachlage schon in der letzten Sitzung der Friedenskonferenz vor dem Feste Rechnung getragen zu haben, indeni sie ihre Forderung der Verproviantierung Adrianopels fallen ließen. Damit haben sie sich selbst in die Notwendigkeit versetzt, die Verhandlungen möglichst zu beschleunigen und man darf unter diesen Umständen mit Spannung der heutigen ersten Sitzung des Friedensrats nach dem Fest entgegensehen, in der vielleicht schon wichtige Entscheidungen fallen werden. Es gibt allerdings auch heute noch Pessimisten, die geneigt sirrd. den Londoner Balkan-Friedensrat lediglich als Hornberger Schützenklub einzuschätzen, aber men darf dessenungeachtet annehmen, daß die Männer im Palast St. James' schließlich doch noch etwas Erfreulicheres zustandcbringen werden, als die Nruaufführung des Hornberger Schießens.
Der Angelpunkt der Schicksal-Frage „Krieg oder Friede?" ist nach wie vor das Adriano p e l - Problem, und um den Besitz Adria- noprls dreht sich auch der friedliche Männer- toWf fm St. James-Palast, von dem uns noch am Heiligabend er.zäblt wurde, daß er in neuem Kanoncn-Donner in dm Bal- karrbergen seinen Ausklang finden werde. Man kann es den Türken nicht verdenken, wenn sie mit größter Zähigkeit den Besitz Adrianopels verteidigen, dcnn Adrianopel in den Hände» der Bulgaren würde eine ständig- Bedrohung Konstantinopels bedeuten, und der gesamte der Türkei noch verbleibende europäische Besitz wäre in diesem Falle illusorisch. Wcgen dieser Bedeutung Adrianopels legen aber auch die Bulgaren den größten Wert darauf, die Stadt ’ju erhalten, und beide Teile werden daher al
les aufbieten, um in dem Streit um Adria- nopel den Gegner matt zu setzen. Nun trifft aber nicht nur im bürgerlichen Rcchtsleben, sondern auch in den großen Prozessen, die die Völker miteinander führen, das Wort zu: beatus possessor (glücklich ist, wer besitzt!). Der Besitz einer Sache, um die man streitet, sichert dem Besitzenden stets einen Vorteil, und diese Erkenntnis bestimmt auch die Taktik der am Londoner Friedenstisch bangenden Türken-Delegierten. Soviel ist jedenfalls sicher: Hat die Türkei Adrianopel erst einmal verloren, dann wird sic es niemals wieder erlangen! Sie muß daher bei den Friedens- Verhandlungen darauf dringen, daß des Schicksals Würfel zuerst über Adrianopels Zukunft entscheidet. Wird dann die türkische Forderung abgelehnt, so hat die Türkei immer noch di« Möglichkeit, eine Korrektur des Schicksals durch die Fortsetzung des Krieges zu versuchen. Daß es dazu kommen wird, ist indessen kaum anzunehmen; es scheint vielmehr, daß selbst am Goldnen Horn sich die Stirnen glätten und daß sich die Hoffnung erfüllen wird, das neue Jahr.auch in den Balkandergen als Bringer ersehnter Frieden - Botschaft begrüßen zu können. -an.
Londoner Weihnachts Tage.
(Privat-Telegramm)
London. 27. Dezember.
Die Delegierten bet Friedenskonferenz sind über Weihnachten fast sämtlich in London geblieben. Die Delegierten des Balkanbnndes beschäftigten sich mit der Erörterung der Fragen, die nach Schluß des Friedens mit der Türkei zwischen den einzelnen Staaten zu regeln sind. Misch», der rumänische Gesandte, ist in London eingetroffen. Er hatte bereits eine Unterredung mit Dr. Dancw, wobei die KompensationSsorderungrn Rumäniens und die Regelung des fernern Derhältnisses zwischen Rumänien und Bulgarien, wie man hört, freundschaftlich besprochen wurden. Aus Konstantinopel ging hier gestern die alarmierende Nachricht ein, daß der A b > bruch der Londoner Verhandlungen und der Wiederbeginn der Feindseligkeiten unmittelbar bevorständen. Besonders in militärischen Kreisen würde das Scheitern der Verhandlungen als sicher bezeichnet. Auch in diplomatischen Kreisen herrsche der Pessimismus vor. Der gestrige tückische Ministerrat hat nun aber beschlossen, die Forderungen des Balkanbundes mit Gegenvorschlägen z« beantworten. Solche sind auch gestern bereits an die Delegierten in London abgegangen, die die türkffchen Vorschläge am Sonnabend der Friedenskonf«enz vorlegen werden.
Weihnachten am Balkan. (Privat-Telegram m.) Konstantinopel, 27. Dezember. Don der Tschataldfcha - Linie kommen wenig gute Nachrichten. Die Truppen frieren und es mangelt trotz der großen Waldungen an Holz für die Wachtfeuer. Von Ba- rackenbanen ist keine Rede. Die Desertionen halb erfrorener Soldaten mehren sich. Nur an einer Ausnahmestelle, die von St. Stefano über die Höhen von Terpia nach dem Schwarzen Meer führt, wird energisch gearbeitet. Wie zuverlässig verlautet, sind alle auf Urlaub befindliche» Offiziere der Tschataldscha- Armce angewiesen worden, binnen tiieruttb zwanzig Stunden zu ihren Regimentern zu- /ückzukehren. Man schließt daraus, daß die Türkei entschlossen ist, ihren Forderungen bezüglich Adrianopels unter Umständen durch die soforttge Wiederaufnahme der Feindseligkeiten Nachdruck zu verschaffen. Von dem Schauplatz der Kämpfe um Janina liegen ebenfalls unerfreuliche Nachrichten vor. Die Uebergabe von Janina steht unmittelbar bevor. Der Angriff der griechische» Truppen, die durch 45000 Man» von Saloniki unterstützt werden, wird irmper heftiger und dürste bald die Uebergabe erzielen. Weiter wird gemeldet, daß durch einen Handstreich die Serbe» Du r a z z o u»b San Giovanni bi Mcbua besetzt haben.
Vorpoftenkamp je bei Tschataldfcha!
Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns aus Konstantinopel: Von der Tschata!dsch-a-Linie wird berichtet, daß zwischen Bujuk-Tschekmedje und dem gegen- überl-eaenden Kalikratia Vorpoiteage- fechie zwischen Bulgaren und Türken stattsanden. Der Grund dieses Gefechts ist, daß bulgarische Freiwillige auf die türkischen Posten Bomben warfen, worauf W Feuer beiderseits eröffnet wurde. Ueber den Ausgang der Kämpfe liegen hier Meldungen noch nicht
vor. Die türkische Regierung hat ihre Botschafter beauftragt, bei den Kabinetten der Großmächte darüber Beschwerde zu sühren, daß die Gri echen gegen die Albanier furchtbare Grausamkeiten begehen, um sie ihren Absichten gefügig zu machen.
BerschwZrerimMrcheMnd.
Das Attentat ans Indiens Mze-KSnig.
Wie Depeschen aus Delhi melden, sind bei dem Attenat auf den indischen Dizekönig Lord H ardin g e insgesamt drei Personen getötet und dreizehn andere verletzt wurden. Eine Frau, die sich in dem Hause, von dem aus die Bombe geschleudert wurde, befand, wurde auf der Stelle getötet, ebenso ein Knabe, der auf einen Baum geklettert war, um den Festzug besser sehen zu können. Im Befinden des ebenfalls verletzten Vizekönigs ist inzwischen eine Besserung eingetreten. Ueber die Ausführungdes Attentats werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt:
Ei« Werk des Fanatismus?
(Privat-Telegramm.)
London, 27. Dezember.
Der feierliche Zug, der arrangiert worden war, um Delhi als neue Hauptstadt Indiens durch den englischen Vizekönig feierlich zu proklamieren, bewegte sich durch die Hauptstraße, die unter dem Namen Chandni Tschauk bekannt ist, als plötzlich von dem Dache eines Hauses eine Bombe niedersauste und auf den Elefanten fiel, auf dem das vizekönig- liche Paar rttt. Der Schirmträger, der hinter Lord Hardinge stand, wurde sofortgetötet und ein anderer Diener schwer verletzt, während der Vizekönig selbst Verwundungen erlitt. Wie durch ein Wunder blieb Ladv Hardinge unverletzt. Durch die Bombensplitter wurden dem Vizekönig eine vier Zoll tiefe Wunde auf dem Schulterblatt, eine leichtere Wunde an der Hüfte und eine andere im Nacken beigebracht. Auf einer improvisierten Tragbahre wurde der Vize- könig in das Lazarett geschafft, während Ladh Hardinge per Automobil nach dem Circutt House zurückkehrte. Zwei Operattonen mußten an dem Vizekönig vorgenommen werden; sein Zustand wird aber als nicht gefahrdrohend bezeichnet. Das Haus, von dessen Dach die Bombe geschleudert wurde, wurde sofort von der Polizei umringt und verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen, doch ist es bisher nicht gelungen, irgend eine Spur des Attentäters und seiner Helfer zu ermitteln. Ob das Attentat das Resultat politffcher Agitation oder das Weck eines persönlichen Feindes Hardinges ist, ist noch unbekannt. Trotz des Attentats wurde die Feier der Einweihung Delhis als endgültige Hauptstadt Indiens zu Ende gefühck. Inzwischen hat die Polizei unter den indischen Nattonalisten Delhis zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, da man in englischen Kreisen überzeugt ist, daß nur von dieser Seite aus der Anschlag gegen den Vizekönig verübt worden ist.
Attentat avf Japans MsMe.
Depeschen aus Tokio berichten über einen M o r d a n s ch l a g, der am Heiligabend gegen denFürstenJamajata verübt worden ist. Der Fürst blieb unverletzt, während der Täter nach der Ausführung des Attentats Selbstmord verübte. Was den Mordanschlag gegen den vierundsiebzigjährigen Fürsten veranlaßt haben mag, bleibt vorläufig ein Rätsel. Der Marschall, in dem Japan seinen größten Soldaten und einen seiner bedeutendsten Staatsmänner verehck, gebärt dem in allen wichtigen Phase» des poli- ttschen Lebens entscheidenden „Rate der Alten" (der Genros) als eines seiner einflußreichsten Mitglieder an, spielte aber sonst keine aktive politische Rolle mehr. Vielleicht handelt e3 sich um einen rein terroristischen Akt einer Gruppe Unzufriedener, an denen bei der gegenwärtigen mißlichen wirtschaftlichen Lage des Landes kein Mangel ist. Nur so würde es sich ecklären, daß gerade der verdienteste Mann seiner Nation, der „japanische Moltke", zum Gegenstand eines, glücklicherweise verettelten, Attentats gemacht werden konnte.
Abenteuer im Reich des Schahs.
Ein Reuter-Telegramm meldet uns aus Teheran: Der Generalschatzmeister Mor- n a r d, ein Belgier, war am Heiligabend in das Haus des Premierministers berufen worden. Er fand die Umgebung und den Garten des Hauses voll von bewaffneten Bachtiaren, die eine drohende H «l - ! u n g annahmen. Im Sause des Premiermi- nüiers waren die Minister, mit Ausnahme des Ministers des Auswärtigen. versammelt. Nach einigen Erörterungen über die finar ekle Lage äußerte Mornard auf eine Seiner mg des Premierministers, er gebe kein Geld für die Bachtiaren. Darauf verließ der Krieasminister, der Bachtiare ist. das Zimmer
Unmittelbar darauf enfftand ein furchtb a- rer Aufruhr unter den Bachtiaren, die Mornards Kutscher und seine Gendarmerie- Eskorte ernstlich mißhandelten. Der englische, russische und belgische Gesandte erhoben ernste Vorstellungen bei dem Premierminister, der die Bestrafung der Demonstranten versprach.
Srzember Mme überall!
Sturuckataftrophe während der Feiertage.
Die Weihnachts-Feiertage dieses Jahres standen irt Mittel-Europa im Zeichen einer fast frühcherbstlich milden Witterung und überstie- gen noch die der vergangenen drei Jahre in bezug auf ihre anormale Wärme, die sich bei Tag und Nacht in der Nähe von zehn Grad Celsius hielt, beträchtlich. Die diesjährigen Weiihnachtstage sind damit die Wärmsten, dft in Mitteleuropa seit den Jahren 1848 und 1878 zu verzeichnen waren. Außer der Wärme haben aber die Feiertage auch starke Stürme gebracht, bi-e stellenweise großen Schaden an- richteten.
Sturm- und Wstterschaden» (Privat-Telegramm e.) Hamburg. 27. Dezember.
Durch den feit Mittwoch herrschenden starke» Sturm wurde» in der Nacht zu gestern in Hamburg »nd Umgebung erhebliche Schäden angerichtet. Die Feuerwehr wurde fortgesetzt zur Hilfeleistung herbeigerufen. Das Dach der Lustschiffhalle in Fuhlsbüttel ist teilweise abgedeckt. Die Feuerwehr war sieben Stunden in Tätigkeit, um den Schaden notwendig ausznbesser». Der Sturm, der inSbesonders zwischen zwölf und ein Uhr außerordentliche Stärke angenommen hatte, richtete auch im Hafen und auf der Unterelbe bebeutenben Schaden an. Eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge sind gesunken oder gestrandet. Ein Dock von Blohm und Voß wurde mit den Ankern vertrieben. Bei Brunsbüttel ist eine Segeljacht gestrandet.
Rostock, 27. Dezember.
Der seit einigen Tagen im Küstengebiet herrschende Sturm hat in ganz Pommern große» Schaden angerichtet. ES wurde». Fernsprechleitungen zerstört, Lichttnasten umgewor- fe» und zahlreiche Dächer beschädigt. Die alte Greifswalder Marienkirche hat unter de» Einwirkungen des Sturmes schwer gelitten und bet Turm ist berart beschädigt worden, daß er wahrscheinlich abgetragen werden muß. Der Sturm steigerte sich in der Nacht zum Freitag zwn regelrechte» Orkan, der alles zerstörte, was ihm im Wege stand. Einzelne Wälder in Vorpommer» gleichen vom Wester heimgesuchten Kornfeldern und an manche» Stellen liegen ganze Wald bestände förmlich hingemäht.
London, 27. Dezember.
Der außerordentlich heftige Sturm der letzten Tage hat große Schäden angerichtet. In Plymouth wurden mehrere Schiffe an die Küste getrieben. Der italienische Dampfer „Tripolitania" scheiterte in der Mounts-Bay, wobei ein Mann von der Besatzung ertrank. In Southampton ttat eine Flut ein, die die höchste seit fünfzig Jahren ist. Die Wogen überspülten die Eisenbahnen. Biele Straßen wurden überflutet. Auf dem Tone sind viele Schiffe seit drei bis vier Tage» überfällig. Bei den hefttgeu Stürmen im Kanal sind der brasilianische Paffagierdampfer „G o Y- a tz" und drei Schoner in der Nähe von Ply- mouth gescheitert.
Siebsnnndzwanzrg Stunden Todesangst!
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Newyork: Nach stebenundzwanzigstün- digem Umhertreiben konnte der amerikanische Dampfer „Turrialba" gestern morgen seine siebenundfünfzig Passagiere auf dem Kutter „Seneca" überbringen. Die meisten der Passagiere waren Vergnügungsreisende und auf der Rückkehr vom Panama-Kanal begriffen. Das Schiff war vom Sturm aus eine Sandbank geschleudert worden und man hegte große Besorgnis, sämtliche Passagiere nicht rechtzeitig genug retten zu können. Dank dem schnellen Eintreffen des Kutters konnten aber sämtliche Personen gerettet werden.
9e$ Kaffer; jüngster Enkel
Weihnachts-Freude im Kaiserhaus.
Dem deutschen Kaiserhaus ist eine besonder« Weitznachtsfreude beschert worden: Prinzessin August Wilhelm' von Preußen wurde gestern nachmittag um halb sechs Uhr glücklich von einem Knaben ent- Hunden. Dem Kaiser ist damit zum Weihnacht»- fest der fünfte Enkel beschert worden. Prinz August Wilhelm von Preußen ist der vierte Sotzn des Kaisers und steht im fechsund-