Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Mittwoch, 25. Dezember 1912.
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3. Jahrgang.
Und Friede auf Aden...!
Lhristfeststimmunguenuzehnhundertzwölf.
Der Ta» des Friedens dämmert herauf, der Christnacht Lichterglanz überstrahlt der Erde leidenschast - durchheultes Tal, und für Sekunden schweigt der Kampf, den Menschen- Ohnmacht hinieden mit des Schicksals Mächten ringt. Aber nicht wie sonst an Hellen Weih- «acht-Tagen deckt glitzernder Schnee die winterliche Erde; grau und düster lagert über der stillen Welt der Regenhimmel, und statt des eisigen Nord trägt der Dezemberwind finstre Wolkenberge durch die Weiten, kleine Linie, kein flücht'aer Schatten in diesem herbstlichdunklen Bilde deutet auf der Christnacht singende Wunder; kein heimliches Regen drau- tzen in Flur und Feld kündet der Weihe- «acht goldigen Zauber, und auch in den Herzen der Menschen, im Empfindungleben der Seelen weckt das dunkle Bild der Tage heimliches Sehnen nach der leuchtenden Helle und dem funkelnden Glitzern der weißen Weihenacht, in deren traumhaftem Zauber das große Geheimnis des BerhcitzungtagS feine Wunder erschließt. Die Christnachtglocken rufen aus Himmelschöhen ihr ehernes »Friede auf Erden!" durch die Welten, seit Jahrtausenden die Hoffnung und das Sehnen von Millionen menschlicher Herzen, die die gewaltige Wucht dieser verheißungvollen Offenbarung wie Erlösung vom Druck der Erdenforge empfanden, und wenn unterm Lichterbaum der Liebe die Flammen des Glücks in millionenfacher Zahl aufleuchten, wenn der Weihenacht Seligkeit die Erde erfüllt, dann jubelt auch das Herz, das sonst nur Kummer spürt, und im grauen Bild der winterliche« Welt den Spiegel eignen Schicksals schaut. Dar Zauberwort des »Friedens auf Erden", der Märchenglanz des Wunders von Betlehem und daS ltchtfun- kelnde Glück der von ehernem Glockenklang be- MNgnen Stunde erheben die Seelen zu weltenfernen Himmelshöhen, in deren Helle das Er- «nleid verbleicht. Und der ew'ge Friede, den wir ahnen, deckt des Kampfes Walstatt mit dem Hauch der Liebe zu!
K Das ist das Geheimnis des Friedens: Wir spüren feinen Odem, wir ahnen seinen Zauber, aber wir s e h e n nicht die Spuren seines Wesens. Wohnt er draußen im brausenden Daseinkampf, wo täglich Hunderte, müde und matt, als Opfer fallen u«J> der Egoismus bmrtal Tribut heischt? In der Hütte des Ar- «en, der sein Stückchen Brot im Schweiß des Angesichts erwirbt und der Not des Abends entgegenbangt, wenn eben das Morgenrot des jungen Tags verglommen? Im Palais der Großen dieser Erde, wo übertünchte Höflichkeit und schwere Teppichpracht deS Lebens und des Daseins Leidenschaften dämpfen? In der weltfernen Sttlle deS einsamen Erdenwinkels, wo die Selbstverleugnung verzweifelnd mit dem dösen Drang des Menschenherzens ringt, oder mitten tat Gewühl des Lebens, dort, wo des wilden Strudels Quellen springen, der uns in flüchfger Fahrt von der Kiuderwiege zum Greisengrabe trägt? Nirgends, wo Menschliches atmet und ringt, fand je der Frieden «ine Stätte, und eS ist, als wär'S des Schicksals Fingerzeig, daß der Glockengruß der Weihe- «acht hoch überm Erdenharm und fern dem Tal deS Lebens durch reine Lüfte schwebt, empor zum Dom deS Großen, Ewig-Ungekann- ten, daS der Menschheit Sehne« wie ergründet. Drunten im Tal, wo der Sttom der Leiden- fchaften flutet, schweigt für Momente der Wogen Brausen: Der Zauber der Weihe- «acht mit seinem gewalttgen Verheißungwort .Friede auf Erden!" zwingt die Herzen in seinen Bann, und auS der ew'gen Seelen-Sehn- sucht der Sterblichen quillt, hell und klar, der Born der Liebe, jener tiefen und innigen Liebe, die im Nächsten den Mitkämpfer um deS Daseins kargen Lohn, den Mitleidenden und Mitsterblichen sieht, dessen Erdenlauf nach kurzem Kampf ebenso am Grab der Hoffnung endet, wie alles Sehnen und Verlange» in der eignen Brust.
Kein Tag im langen Erdenjahr, der der Menschen Herz so eng und irmig verbindet, keine Stunde in hellen oder dunklen Tagen, die das Empfinden der Seele« so traulich eint, wie der Augenblick hei?gen Sehnsuchtglücks unterm Lichterbaum, wenn ernst und feierlich aus Himmelshöhe« das Ewigkeitwort vom «Frieden auf Erden" zum Tal des Lebens nie- derklingt und das greifende Alter im strahlenden Auge der Jugend das Spiegelbild einstigen rignenVerlangens schaut: »Friede aufEkden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Die Men- fchcnliebc. aus der allen Sterblichen gemeinsamen Sehnsucht gcl'oren, verklärt das Irdische, erbebt die vom Kummer des Alltags bedräuLtcn Herze« zu Seligkeithöhen und gönnt
auch dem Armen, dem Enterbten des Glücks, den Moment selbstvergessender Freude, der eine weite Spanne zukünftigen Sorgenwandels mit de«r Zauber frohen Erinnerns verschönt, sodaß also für des flüchtigen Augenblicks Dauer das Vecheihungwort vom »Frieden auf Er-
W e l t, der das Glück des Friedens verheißen ward! Mag auch daS große Sehn«« der hier aus Erden Ringenden ewig unerfüllt bleiben; mag auch der Kampf für immer des Friedens Engel scheuchen und das menschliche Geschlecht bis rum Ende feiner Tage unterm Fluch er-
Menschm-Ehvgeiz der Welt Europens geschla- gen, und mit dem Glockenklang vom hohen Doni trägt die Hoffnung der Sehnsucht Gruß durch die Lande: Friede auf Erden!
F. H.
V,
L
Sie flüstert aus der Wrihnschtstsnnr, Durch dir des Waldes Würzhauch weht. And flimmert sus dem Strahlrndsnne Ses Sterns, der ihr zu HSupten steht; Sir nsht sich mit LrinnrungsmSchten, Sir ihr Gezweig erwachen läßt. And sus vergangnen hrii'grn Mächten Grüßt dich manch selig Weihnachtssest!
Schau weben Schatten um die Giebel! komm und erfülle, heii'gr Kocht, Sir Sotfchast wieder unsrer Sibel, Sir Lngrlsscharrn rinst gebracht Sen Hirten draußen, bei den Hürden, Samit sie eilends noch vor Tag Gewahr des hehren Wunders würde«, Sas schlummernd in der Krippe lag!
jr<y
Sir mahnt dich rrnst, daß du nach senk» heut' Amschau hältst, die uotgrüräugt Koch rinrm Wrihuachtssrst sich sehnen, Saa ihnrm nrur Hoffnung schenkt. Su frierst doch rin frft drr Liebri Sri für dir Armen drum nicht blind; Leig' ihnrn. daß im hastgrtrirdr Srr Welt sie nicht vergessen sind!
Dir Sotfchast, dir in unsrrn Shrrn Gleich himmlischer Musik erklingt; tzruf ist der Iheilaud euch gekoren, Ser Frieden auf die Lrür dringt l Sir froh in hrii'grn Weihnachtsstunde« Ertönt aus tirfrm Glockrnrrz;
Sir ttöstrnd ihren Weg gefundrn Schon in manch lriüvrrzagtrs hrrzl
MS!
'Su lirst sie in drn Siudrraugrs, Jtaf Sindrrwangru, frrnürnrot! Su kannst sir von drr Lippe saugen» Sir dankfroh sich zum Kuß dir bot. And ging im Lird auch nicht orrlorr«, Sas durch dir Wrihuachtssttür dringt: lhrnt' ist drr Heiland euch grdorrn, Ser Frieden auf dir Lrür bringt...!
Alwin Römer.
den" ytr sonnigen Wirklichkeit wirk. Wie ein Ahne« traumhaft himmelfcrnen Glücks klingsss durch die Welt, wie ein Hohelied der Seel'gen, das aus den Ewigkeitfernen göttlichen Friedens einmal im Erdenjabr das Ohr der Sterblichen umschmeichelt, eine Stimme aus jenen Höhe«, die unsere Seele ahnt, ohne ihr Sei« je ergründen zu könne«.
Wenn die Glocken von Turm zu Turm die Friedenbotschast durch die Lande jubeln, führt der Meufchenliebe Weihenacht die Seelen empor hoch irber'5 Tal vergänglicher Kümmernisse, und ein Abglanz des hehren GotteS- iriedens. den das Erdrund ersehn^ verklärt das Menschliche hinieden mit dem toätmertben Strahl liebender Verbrüderung in dem einen idealen Empfinden: Friede auf Erden; Friede auch den Menschen, deren Dasein sonst der Friede flieht; Friede der ganzen
habner Göttlichkeit seufzen: Ter eine Tag tat Jahr, an dem die Waffen ruhen und Kampf und Hader schweigen, der eine Tag des Lichts und der Verheißung bleibt den Sterblichen erhalten, und eL wird, solange Menschen auf Erden seufzen, immer die eine Sturcke der verbrüdernden Menschenliebe schlagen, in der unterm funkelnden Lichterbaum sich Herzen und Seelen finden, eins in dem hohen Ideal: Des Daseins Kümmernisse mit der Werktättg- keit nächstenlieber Hingabe zu ver- lußen. Schwächlich Menfchenstreben «ach einem aöftlich hohen Ziel, aber doch ei« ideales Müden, das den Gottesfunken im Menschenherzen offenbart und das große Sehnen der Sterblichen nach dem »Frieden auf Erden" tatwirksam werden läßt! Die Stille der heiligen Nacht deckt wie ein Schleier der Sie&e auch die tiefen Wunden zu. die Völkerhaß y«$
Ar Attentat in Delhi.
Ci» Verbrechen indischer Fanatiker?
Wie wir schon gestern telegraphisch berichtet babe«, ist gegen den englischen Vizekönig in Indien, Lord Hardinge, beim Einzug in Delhi ein B omb en-Attentat verübt worden. Lord Hardinge wurde an der Schulter leicht verletzt und mutzte ins Hospital ye- bracht werden. Seine Gattin, die neben ihm im Wagen saß, blieb unverletzt, während ein Diener, der über das vizekönigliche Paar de« Schirm hielt, getötet wurde. Ueber das Attentat gehe« uns folgende weitere Meldungen zu:
Pm Schauplatz des Attentats.
(Privat-Telegram m.s
London, 24. Dezember.
Hebet das gestrige Attentat auf den Vize, k ö n i g von Indien, Lord Hardinge. liegen hier noch folgende amtlichen Meldungen vor: Die Wirkung der Bombe, die hinter den Sitz des Bizekönigs auf den Rücken des Elefanten fiel, war furchtbar. Der SchirmtrSger hinter dem Bizekönig wurde augenblicklich getötet. Ein anderer Diener erlitt acht furchtbare Wunden. Lord Hardinge entging dem Tode wie durch ein W u « d e r. Er wurde von Bombensplittern an drei Stellen, am Rücken und einmal am Halse, getroffen. Ein Knabe unter den Zuschauern wurde getötet, zwei Pflegerinnen des Rmbulanzkorvs eilten den Verwundeten zur Hilfe. Der Bizekönig war totenbleich. Ladtz Hardinge blieb unverletzt, war aber vor Schreck wie gelähmt. Man richtete schnell eine Bahre her und trug Lord Hardinge nach einem Kraftwagen, der ihn zum Hospital brachte. Die Polizei umringte daS Haus, auS dem die Bombe geworfen worden war und nahm, wie eS heißt, mehrere Verhaft»« gen vor. Auch wurden
alle Tore Delhis besetzt.
Der Täter ist jedoch «och nicht gefaßt. Eine Belohnung von zehntausend Rupien ist auf seine Ergreifung ausgesetzt. Lord Hardinge hat dem Finanzminifter Wilson telegraphisch mitgeteilt, daß feine Berwundung nur leichter Natur sei. WUson, der den Bizekönig bei dem Galaempfang vertrat, verlas daS Telegramm, worauf alle anwesenden Personen, und speziül die italischen Prinze, in langan- dauernde Vivatrufe ausbrachen. Die Feier, an deren Teilnahme Lord Hardinge durch das Attentat verhindert wurde, wurde trotz des aufregenden Ereignisses durch einen Stellvertteter zu Ende geführt. Die Polizei hat eine ganze Reihe von verdächttgen Personen verhaftet, doch ist es bisher nicht gelungen, den Attentäter zu ermitteln. Es handelt sich indessen, wie festgestellt ist, um daS Verbrechen eines jener indischen Fanatiker, bereit Geheim Organisationen England und seine indischen Beamten mit allen Mitteln bekämpfen.
Vizeköuig Lord Hardinge.
Lord Hardinge wurde im Sommer 1910 auf den höchsten und wichtigste« kolonialen Ehrenposten, den das britische Weltreich zu vergebe« hat, berufen. Seine Enttendung als Verweser des indischen Kaiserreichs wurde seinerzeit damit in Verbindung gebracht, daß er als einer der treuesten Freunde des kurz zuvor verstorbenen Königs Eduard nunmehr in London abkömmlich fei. Der Vize- könig steht im fünfundfüntzigsten Lebensjahre und gilt als sehr energischer und tatkräftiger Charakter, weshalb er auch den indischen Na- tionalisten besonders verhaßt ist.
Sie Krone von Wittelsbach.
Die Regentschaftsfragc «uv vertag«?
Wie auS München berichtet wird, hat Prinzregent Ludwig an das Gesamtstaatsministerium ein Handschreiben gerichtet, durch das die Geheimkanzlei des Prinzregenten Luitpold von Bayern aufgehoben wird. Alle milttärischen Angelegenheiten sind tanftig dem Prinzregentc« durch den vortragen- den Generaladjutantcn zu unterbreiten, die Besorgung der übrigen Kanzleigeschäste übetträgt der Prinzregent seinem Kabinett. Zur Regelung der Regentschaftsfrage wird unS ferner berichtet:
Das KSuigs-Problem.
(Privat-Telegram m.)
München, 24. Dezember.
Nach einer Mitteilung der meist gutunler. richteten Münchener Post ist die Regelung der Regeutfchaftsfrage nicht gänzlich auf- gehoben, sondern unr vertagt worden. Zu.